Einleitung: Genau hier trennt sich billig von wirklich günstig
Die PayPal Aktie Analyse ist derzeit spannender als es der erste Blick vermuten lässt. Auf den ersten Blick wirkt die Sache fast absurd: Die Aktie notiert nach dem großen Absturz rund 85 % unter ihrem Hoch aus dem Hype-Zeitalter 2021, PayPal verdient weiterhin Milliarden, kauft aggressiv Aktien zurück, generiert hohen Free Cashflow und wird – auf Basis des zuletzt berichteten Gewinns – nur noch mit einem einstelligen KGV gehandelt. Das klingt nach klassischer Value-Chance. Es könnte aber genauso gut der Börsenfehler sein, den viele Anleger immer wieder machen: ein scheinbar billiges Multiple mit einem intakten Geschäftsmodell zu verwechseln. (SEC)
Genau deshalb lohnt sich hier ein zweiter, dritter und vierter Blick. PayPal ist längst kein hyperdynamischer Wachstumswert mehr, sondern ein reifer Zahlungs- und Commerce-Konzern, der sich in einem brutal kompetitiven Markt neu beweisen muss. Das Unternehmen hat 2025 zwar solide geliefert: 33,2 Mrd. USD Umsatz, 5,23 Mrd. USD Nettogewinn, 6,42 Mrd. USD operativen Cashflow und 5,56 Mrd. USD Free Cashflow. Gleichzeitig hat das Management im Februar 2026 offen eingeräumt, dass die Ausführung gerade beim branded checkout nicht dort war, wo sie sein sollte. Und noch härter: Für 2026 erwartet PayPal auf Gesamtjahressicht beim Transaktionsmargen-Dollar nur einen leichten Rückgang, ex Zinsen auf Kundengelder in etwa Stagnation und beim Non-GAAP-EPS bestenfalls eine Spanne von leicht negativ bis leicht positiv. Das ist keine Story mit Vollgas-Momentum, sondern ein Umbau unter Ergebnisdisziplin. (SEC)
Für Leser, die solche Fälle mögen, ist genau das interessant. Denn die Börse bezahlt heute nicht mehr für Hoffnung, sondern fast nur noch für nachweisbare Qualität. Wenn du dich intensiver mit solchen Aktien beschäftigen willst, findest du ergänzende Diskussionen auch im Podcast Aktien Buddies by MVI, auf dem YouTube-Kanal Modern Value Investing und über die MVI-Watchlist. Gerade bei PayPal ist das hilfreich, weil hier Zahlen, Strategie, Wettbewerb und Kapitalallokation viel stärker zählen als große Erzählungen. (SEC)
Mein Ergebnis vorweg: PayPal ist nicht die offensichtliche Value-Falle, als die manche Aktie heute abgestempelt wird. Aber PayPal ist auch nicht der no-brainer, den ein niedriges KGV suggeriert. Wer hier investiert, wettet im Kern darauf, dass das Unternehmen seine riesige Nutzerbasis, seine Markenreichweite, seine Checkout-Kompetenz und seine Händler-Infrastruktur wieder in beschleunigtes, profitables Wachstum übersetzen kann. Die Aktie ist günstig. Die operative Frage ist, ob das Geschäftsmodell wieder stärker werden kann als der Wettbewerb. Genau das klären wir jetzt. (SEC)
Kurzüberblick: Was macht PayPal überhaupt?
PayPal betreibt ein globales, zweiseitiges Zahlungsnetzwerk. Vereinfacht gesagt verbindet das Unternehmen Konsumenten und Händler und verdient Geld, wenn über seine Plattform Zahlungen abgewickelt, zusätzliche Dienste genutzt oder Finanzprodukte in Anspruch genommen werden. Ende 2025 zählte PayPal 439 Mio. aktive Accounts in rund 200 Märkten. Die Plattform reicht von klassischem PayPal-Checkout über Venmo, Braintree, P2P-Transfers, BNPL, Debit- und Kreditkarten, Point-of-Sale-Lösungen bis hin zu Händlerdiensten wie Risikomanagement, Auszahlungsfunktionen und Finanzierung. (SEC)
Die Umsatzlogik ist dabei zweigeteilt. Der Löwenanteil stammt aus Transaction Revenues, also Gebühren rund um Zahlungsvorgänge. 2025 waren das 29,8 Mrd. USD. Hinzu kamen 3,37 Mrd. USD aus other value added services, also Partnerschaften, Referral Fees, Subscriptions, Gateway-Gebühren, Kredit- und Zinserträgen sowie weiteren Diensten. Diese zweite Kategorie wächst aktuell schneller als das Kerngeschäft, was wichtig ist, weil sie die Plattform wirtschaftlich breiter macht. (SEC)
Für Händler ist PayPal interessant, weil es Conversion und Reichweite bringen kann. Für Konsumenten ist PayPal interessant, weil Checkout, Käuferschutz, Wallet-Funktionalität, P2P und integrierte Finanzierung bequem sind. Für die Börse ist PayPal interessant, weil hier ein riesiges Netzwerk mit starken Marken auf einen Markt trifft, in dem technologische Relevanz und Preisdisziplin gleichzeitig über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Genau darin liegt die Faszination – und das Risiko. (SEC)
Warum die Aktie überhaupt auf den Radar gehört
PayPal gehört auf den Radar, weil das Unternehmen heute wie ein gescheiterter Ex-Wachstumswert gepreist wird, operativ aber deutlich robuster ist als viele kaputte Turnaround-Fälle. 2025 stieg der Umsatz um 4 % auf 33,17 Mrd. USD, das GAAP-Betriebsergebnis um 14 % auf 6,07 Mrd. USD, der Nettogewinn um 26 % auf 5,23 Mrd. USD. Dazu kamen 6,0 Mrd. USD an Aktienrückkäufen und erstmals eine kleine Dividende von 0,14 USD je Aktie. Das ist nicht die Bilanz eines Geschäftsmodells im freien Fall. (SEC)
Gleichzeitig zeigt der Kurs, dass der Markt dem Unternehmen seine Stabilität nicht mehr mit einem Premium-Multiple vergütet. Bei einem aktuellen Kurs von 45,34 USD und 920,7 Mio. ausstehenden Aktien ergibt sich eine abgeleitete Marktkapitalisierung von rund 41,7 Mrd. USD. Setzt man dazu den 2025er GAAP-Gewinn je Aktie von 5,41 USD ins Verhältnis, landet man bei einem KGV von nur etwa 8,4. Selbst auf Basis des Non-GAAP-EPS von 5,31 USD liegt das Multiple nur bei rund 8,5. Für ein global skaliertes Zahlungsnetzwerk ist das auf den ersten Blick sehr niedrig. (SEC)
Das Reizvolle ist also klar: Wenn PayPal nur moderate Relevanz zurückgewinnt und die Marge hält, ist die Aktie günstig. Wenn die Plattform dagegen strukturell an Bedeutung verliert und das Wachstum dauerhaft an der Nulllinie klebt, dann ist auch ein KGV von 8 eben nicht billig genug. Genau hier entscheidet sich, ob wir es mit einer Kaufchance oder mit einer Value-Falle zu tun haben. (SEC)
Branche und Marktumfeld
PayPal bewegt sich in einem der attraktivsten und zugleich härtesten Märkte der Welt: digitalen Zahlungen und Commerce Enablement. Der Markt profitiert langfristig von der Verlagerung von Bargeld zu digitalen Transaktionen, vom Wachstum des E-Commerce, von Wallets, Echtzeit-Zahlungen, Embedded Finance, P2P, BNPL und zunehmend KI-gestützten Kauf- und Bezahlprozessen. Das strukturelle Marktwachstum ist also real. Nur heißt Marktwachstum nicht automatisch, dass PayPal davon überproportional profitiert. (SEC)
Die Branche ist stark fragmentiert. PayPal konkurriert mit Banken, Karten-Netzwerken, Payment Processors, Gateway-Anbietern, Wallets, mobilen Zahlungen, BNPL-Anbietern, Echtzeit-Zahlungssystemen und P2P-Diensten. Das Unternehmen sagt selbst, dass der globale Zahlungsmarkt hoch kompetitiv, dynamisch und innovationsgetrieben ist. Zudem können größere Konkurrenten über mehr Ressourcen, stärkere Distribution oder aggressivere Preisgestaltung verfügen, während kleinere Wettbewerber oft agiler sind. Das ist wichtig, weil es erklärt, warum selbst enorme Skalenvorteile bei PayPal nicht automatisch zu Preismacht führen. (SEC)
Spannend ist die Marktlogik im Detail. Nicht jeder Zahlungsumsatz ist gleich wertvoll. Im unbranded Processing – etwa bei Braintree – ist das Volumen groß, aber die Marge tendenziell schwächer. Im branded checkout ist PayPal typischerweise näher am Kunden, relevanter am Kaufmoment und damit ökonomisch attraktiver. Genau deshalb wird branded checkout zum Kern der Investmentthese: Wenn PayPal dort wieder stärker wird, kann das Unternehmen nicht nur wachsen, sondern auch qualitativ besser wachsen. Wenn nicht, bleibt viel Volumen, aber weniger ökonomische Tiefe. (SEC)
Unternehmensgeschichte
PayPal ist kein junger Disruptor mehr, sondern ein etablierter Zahlungsinfrastruktur-Konzern mit langer Historie. Seit der Abspaltung von eBay im Juli 2015 ist das Unternehmen eigenständig börsennotiert. Diese Unabhängigkeit war strategisch zentral, weil PayPal dadurch sein Händlernetzwerk verbreitern und sich von der engen Bindung an einen Marktplatz lösen konnte. Die Folge waren Jahre starken Wachstums, Akquisitionen und Produktverbreiterung. (SEC)
Die Geschichte der letzten Jahre lässt sich grob in drei Phasen teilen. Erstens die Phase des starken digitalen Rückenwinds, verstärkt durch die Pandemie, in der PayPal an der Börse mit extrem hohen Erwartungen gehandelt wurde. Zweitens die Ernüchterung, als sich das Wachstum normalisierte und der Markt erkannte, dass ein Teil des damaligen Höhenflugs nicht dauerhaft tragfähig war. Drittens die aktuelle Phase der strategischen Neuausrichtung: Fokus auf profitablem Wachstum, Verbesserung des branded checkout, Ausbau von Venmo, Braintree-Disziplin, BNPL-Externalisierung, Commerce-Plattform-Logik und KI-/Agentic-Commerce-Initiativen. (SEC)
Auch personell war die Zeit unruhig. Alex Chriss übernahm 2023 als CEO, doch im Februar 2026 ernannte der Verwaltungsrat Enrique Lores zum neuen CEO mit Wirkung zum 1. März 2026; Jamie Miller fungierte bis dahin interimistisch. Das ist kein Nebendetail. Solche Wechsel können positiv sein, wenn die neue Führung operative Disziplin und strategische Klarheit bringt. Sie sind aber auch ein Signal, dass der Verwaltungsrat mit dem bisherigen Fortschritt nicht vollständig zufrieden war. Bei PayPal ist das besonders relevant, weil das Management selbst explizit Schwächen in der Ausführung genannt hat. (investor.pypl.com)
Geschäftsmodell im Detail
PayPal ist im Kern eine Commerce- und Zahlungsplattform. Das klingt generisch, ist aber ökonomisch interessant, weil mehrere Wertschöpfungsstufen zusammenkommen. Da ist erstens das branded checkout mit PayPal und Venmo, bei dem Konsumenten aktiv eine PayPal-Marke am Checkout wählen. Das ist in der Regel hochrelevant, weil hier Vertrauen, Komfort und Konversion direkt in den Zahlungsprozess eingreifen. Zweitens gibt es unbranded processing, etwa über Braintree, wo PayPal eher Infrastrukturpartner im Hintergrund ist. Drittens existieren ergänzende Produkte wie P2P, Kredit, BNPL, Händlerfinanzierung, Karten, POS, Auszahlungsdienste und Commerce-Tools. (SEC)
Ökonomisch entstehen die Erträge vor allem durch Gebühren auf Zahlungsvolumen und Transaktionen. Der absolute Umsatz allein ist aber nicht die beste Kennzahl, weil in Payments Kostenstruktur, Funding Mix, Verlustquoten und Zinseffekte stark variieren. Deshalb schaut PayPal intern stark auf Transaction Margin Dollars. Diese Kennzahl lag 2025 bei 15,47 Mrd. USD, ex Zinsen auf Kundengelder bei 14,24 Mrd. USD. Das ist sinnvoll, weil Zinsen auf Kundengelder schwanken und nicht den eigentlichen Wettbewerbsvorteil des Produkts widerspiegeln. Für Investoren heißt das: Wer PayPal verstehen will, muss weniger auf das reine TPV-Volumen und stärker auf die Qualität dieser Margen schauen. (SEC)
Das Modell ist stark skalierbar, aber nicht völlig friktionsfrei. Mit steigendem Volumen wächst PayPal nicht eins zu eins ohne Kosten, weil Processing, Transaktionsverluste, Support, Compliance und Produktentwicklung mitlaufen. Trotzdem ist die Plattform grundsätzlich kapitalleicht: 2025 lagen die Investitionen in Sachanlagen bei 852 Mio. USD, deutlich unter dem operativen Cashflow von 6,42 Mrd. USD. Das ist ein sehr attraktives Profil. Gleichzeitig sieht man am rückläufigen Free Cashflow gegenüber 2024, dass Kredit- und Timingeffekte das Bild verzerren können. Deshalb ist es richtig, neben FCF auch den adjusted free cash flow im Blick zu haben. (SEC)
Ein weiterer Punkt: Das Wachstum wird breiter. 2025 stiegen die Transaction Revenues zwar nur um 3 %, die Erlöse aus other value added services aber um 14 %. Dahinter stehen insbesondere höhere Kredit- und Gebührenerträge sowie Erträge aus Partnerinstituten, während Honey und sinkende Zinserträge aus Kundenguthaben belasteten. Das ist gemischt. Positiv ist die breitere Monetarisierung. Negativ ist, dass ein Teil des Wachstums nicht aus dem hochqualitativen Kerncheckout stammt, sondern aus kreditnahen oder zinssensitiven Bausteinen. (SEC)
Burggraben und Wettbewerbsvorteile
Hat PayPal einen Burggraben? Ja – aber nicht den unzerstörbaren, den manche Investoren früher hineinprojiziert haben. Der wichtigste Burggraben ist eine Mischung aus Marke, Vertrauensvorsprung, Netzwerkeffekten, Datenvorteilen und Distribution. PayPal verweist selbst auf seine zweiseitige Plattform, die es erlaubt, Daten von beiden Seiten der Transaktion zu nutzen, Reibung zu senken und neue Produkterlebnisse zu schaffen. Hinzu kommt der Vertrauensfaktor: Für viele Nutzer ist PayPal ein Sicherheitslayer zwischen Händler und Bank- oder Kartendaten. Gerade in unsicheren Checkout-Situationen ist das real. (SEC)
Der Burggraben ist aber nicht so stark wie etwa bei einer Visa-ähnlichen Netzwerkposition oder bei einer ERP-Software mit tiefen Wechselkosten. Warum? Weil Händler und Konsumenten in Payments relativ viele Alternativen haben. Wallets, Karten, BNPL, Apple Pay, Shop Pay, Amazon Pay, lokale Methoden, Echtzeit-Systeme und klassische Karteneingaben konkurrieren ständig um denselben Moment: den Checkout. PayPal hat also einen Vorsprung, aber keine uneinnehmbare Festung. Der Burggraben ist stark genug, um Milliarden zu verdienen. Er ist nicht stark genug, um schlechte Produktentscheidungen folgenlos zu machen. (SEC)
Was den Burggraben stützt, ist die Kombination aus Reichweite und Produktbreite. 439 Mio. aktive Accounts, Markenbekanntheit, Venmo-Reichweite, Händlerbeziehungen, Braintree-Infrastruktur und Kredit-/Finanzierungsoptionen sind zusammen wertvoller als jede einzelne Komponente für sich. Was den Burggraben schwächt, ist Reibung im Nutzererlebnis. Wenn branded checkout nicht schnell, einfach und sichtbar genug ist, dann hilft auch die Marke nur begrenzt. Genau deshalb ist die operative Verbesserung des Checkouts kein Detail, sondern Kern der These. (SEC)
Wettbewerbsumfeld
PayPal konkurriert praktisch überall dort, wo digital bezahlt wird. Das Unternehmen nennt als Konkurrenz Banken, Finanzinstitute, Payment Networks, Card-on-File-Dienste, Wallets, mobile Payment-Lösungen, BNPL-Anbieter, P2P-Dienste, Remittances, POS-Geräte, Krypto- und Stablecoin-Lösungen sowie Shopping-Tools. Das ist bemerkenswert, weil es zeigt: PayPal hat keinen einzelnen Erzfeind, sondern sehr viele Gegner auf sehr vielen Ebenen. (SEC)
Im Merchant Acquiring und unbranded Processing drückt der Preiswettbewerb besonders stark. Hier ist Volumen groß, Loyalität aber begrenzt. Das sieht man indirekt an Braintree: 2025 stieg dort der Umsatz zwar, aber PayPal spricht offen von einem strategischen Wechsel hin zu profitablem Wachstum; in der ersten Jahreshälfte waren Volumen und Umsatz unter Druck, bevor sich die Lage in der zweiten Jahreshälfte verbesserte. Das ist gut, weil es Disziplin zeigt. Es ist aber auch ein Eingeständnis, dass Braintree allein keine High-Quality-Wachstumsstory ist. (SEC)
Im branded checkout hat PayPal theoretisch die bessere Stellung. Hier zählen Konversion, Nutzervertrauen, gespeicherte Daten, Wallet-Funktionalität und Händlererfolg. Das Problem ist: Genau dieser Bereich war operativ nicht stark genug. Wenn PayPal dort wieder an Momentum gewinnt, hebt sich das Unternehmen deutlicher vom Rest ab. Wenn nicht, könnte die Wertschöpfung weiter in Richtung weniger differenzierter Infrastruktur rutschen. In diesem Sinn ist PayPal heute weniger eine reine Volumenstory als eine Mix-Story. Der Mix entscheidet über die Qualität der Gewinne. (SEC)
Zukunftstechnologien: Bedrohung oder Verstärker?
Zukunftstechnologien sind für PayPal beides zugleich: Chance und Risiko. Das Unternehmen warnt selbst davor, dass KI-Technologien fehlerhaft, verzögert oder gesellschaftlich problematisch sein können und dass Dritte KI so einsetzen könnten, dass die Nachfrage nach PayPal-Produkten sinkt. Diese Offenheit ist wichtig. KI ist für PayPal nicht automatisch Rückenwind. Wenn der Kaufprozess in fremde Assistenten und Plattformen wandert, könnte die direkte Beziehung zum Checkout sogar geschwächt werden. (SEC)
Gleichzeitig kann KI PayPal enorm helfen. Erstens in der Personalisierung von Angeboten und Shopping-Erlebnissen. Zweitens im Risikomanagement und Fraud-Management. Drittens in der Produktivität im Support und in der Softwareentwicklung. Das Unternehmen hat bereits 2024 und 2025 neue KI-nahe Angebote hervorgehoben, und 2026 kündigte PayPal den Kauf von Cymbio an, um Agentic-Commerce-Fähigkeiten zu beschleunigen. Cymbio soll Produktdaten von Händlern in KI-Kanälen nutzbar machen und Bestellprozesse in bestehende Fulfillment-Systeme einklinken. Wenn PayPal es schafft, im agentischen Handel Zahlungs- und Commerce-Layer zugleich zu sein, wäre das strategisch hochspannend. (investor.pypl.com)
Auch Stablecoins und grenzüberschreitende Wallet-Interoperabilität sind relevant. Mit PayPal World will das Unternehmen große Zahlungs- und Wallet-Systeme verknüpfen; zusammen repräsentieren die Startpartner laut PayPal fast zwei Milliarden Nutzer. Dazu kommt die stärkere Einbindung von Krypto- und Stablecoin-Funktionen in P2P-Flows. Das zeigt: PayPal versucht, nicht nur ein Checkout-Button zu sein, sondern eine Schicht im zukünftigen digitalen Geld- und Commerce-Ökosystem. Die Vision ist groß. Ob sie monetär stark wird, ist noch offen. (investor.pypl.com)
Mein Urteil: Zukunftstechnologien sind für PayPal eher Verstärker eines guten Produkts, nicht Ersatz für schwache Ausführung. KI rettet keinen mittelmäßigen Checkout. Aber KI kann einen guten Checkout, bessere Daten und stärkere Händlerverbindungen klar aufwerten. Deshalb bleibt operative Exzellenz die Voraussetzung, Technologie nur der Hebel. (SEC)
Finanzanalyse: Das Fundament des Unternehmens
Finanziell ist PayPal deutlich besser, als der Kurs vermuten lässt. Der Umsatz stieg von 29,77 Mrd. USD im Jahr 2023 auf 31,80 Mrd. USD 2024 und 33,17 Mrd. USD 2025. Das ist kein berauschendes, aber ein sauberes Wachstum. Gleichzeitig kletterte das GAAP-Betriebsergebnis 2025 auf 6,07 Mrd. USD, die operative Marge auf 18,3 %. Das Non-GAAP-Betriebsergebnis lag bei 6,38 Mrd. USD und die Non-GAAP-Marge bei 19,2 %. Das Bild lautet also: langsames Umsatzwachstum, aber klare Margenverbesserung. (SEC)
Noch besser wird das Bild beim Gewinn. Der Nettogewinn stieg 2025 auf 5,23 Mrd. USD nach 4,15 Mrd. USD im Vorjahr. Das GAAP-EPS sprang auf 5,41 USD. Hier spielt nicht nur operative Verbesserung hinein, sondern auch der sinkende Aktiencount durch Rückkäufe. Ende Januar 2026 waren nur noch 920,7 Mio. Aktien ausstehend. Zum Vergleich: die gewichtete Durchschnittszahl der Basisaktien lag 2023 noch bei 1,103 Mrd. Das ist ein massiver Rückgang und einer der wichtigsten Gründe, warum die Equity-Story trotz schwächerer Topline nicht völlig unattraktiv ist. (SEC)
Beim Cashflow wird PayPal besonders interessant. 2025 generierte das Unternehmen 6,42 Mrd. USD operativen Cashflow, 5,56 Mrd. USD Free Cashflow und 6,41 Mrd. USD adjusted free cash flow. Ja, der ausgewiesene FCF lag unter dem Vorjahr. Aber selbst diese niedrigere Zahl ist für ein Unternehmen mit rund 41,7 Mrd. USD Marktkapitalisierung stark. Das ergibt eine FCF-Rendite von grob 13 %, adjusted sogar über 15 %. Solche Werte sieht man normalerweise nicht bei intakten Plattformmodellen – außer der Markt zweifelt an deren Zukunft. (SEC)
Die Bilanz ist ordentlich. PayPal verfügte Ende 2025 über 12,85 Mrd. USD an Cash, Cash Equivalents und Investments. Zugleich bestanden 10,4 Mrd. USD festverzinsliche Schulden sowie weitere 450 Mio. USD Floating-Rate-Debt und rund 575 Mio. USD aus Yen-Fazilitäten. In Summe ist das grob 11,4 Mrd. USD Bruttoverschuldung. Gegenüber den liquiden Mitteln ergibt sich damit überschlägig eher eine leichte Nettocash- als eine Nettoschuldenposition. Das macht die Bilanz nicht spektakulär, aber sehr solide – und gibt Flexibilität für Rückkäufe, Dividenden, M&A und Kreditpartnerschaften. (SEC)
Ein Detail verdient Aufmerksamkeit: 2025 wurde erstmals eine Dividende eingeführt. Sie ist mit 0,14 USD je Aktie bzw. rund 130 Mio. USD noch klein. Für die Investmentthese ist sie deshalb kaum relevant. Wichtiger ist das Signal: PayPal ist von einem reinen Rückkauf-/Reinvestitionsmodell zu einem breiteren Ausschüttungsprofil übergegangen. Das kann Reife und Kapitaldisziplin signalisieren – oder mangelnde interne Reinvestitionschancen. Im Fall PayPal ist das Urteil noch offen. Ich würde der kleinen Dividende aktuell keine große strategische Bedeutung beimessen. (SEC)
Segmentanalyse
Formell berichtet PayPal nicht in vielen operativen Segmenten wie ein klassischer Mischkonzern. Für Investoren ist die ökonomische Segmentierung dennoch hilfreich. Erstens gibt es das klassische PayPal-/Venmo-Branded-Geschäft. Zweitens Braintree und weitere unbranded Processing-Aktivitäten. Drittens Value-Added-Services wie Kredit, Partnererlöse, Subscriptions, Gateway-Dienste und Commerce-Werkzeuge. Diese Sicht ist wichtig, weil jede Kategorie andere Wachstums- und Margeneigenschaften hat. (SEC)
Im branded Lager liegen die eigentlichen Qualitätstreiber. Hier entstehen Vertrauen, Conversion-Vorteile, Merchantsynergien und eine engere Endkundenbindung. PayPal sagt selbst, dass die Verbesserung des branded checkout ein kritischer Teil der Wachstumsstrategie ist. Wenn dieser Bereich wieder besser funktioniert, dürften Monatsaktivität, Transaktionen, TPV und Umsatz zusammenlaufen. Das wäre qualitativ viel wertvoller als reines Volumenwachstum im unbranded Bereich. (SEC)
Braintree ist strategisch zweischneidig. Einerseits bietet es Zugang zu großen Händlern und Volumen. Andererseits drückt genau dort oft die Marge, und PayPal hat 2025 bewusst auf profitableres Wachstum umgeschaltet. Das spricht für diszipliniertes Management. Es zeigt aber auch: Nicht jedes Wachstum im Payment Volumen ist gutes Wachstum. Braintree ist eher Verteidigung und Infrastruktur, weniger Burggraben-Motor. (SEC)
Die dritte Kategorie – value added services – ist derzeit der flexibelste Hebel. 2025 kamen hier Impulse aus Kredit- und Partnererlösen. Dazu passen die Blue-Owl-Transaktion für US-BNPL-Forderungen und die frühere KKR-Struktur in Europa: PayPal versucht, Kreditwachstum bilanziell leichter zu machen. Das ist smart, weil Kreditgeschäft zwar margenträchtig sein kann, aber Bilanz und Volatilität erhöht. Die Frage ist nur, wie weit man dieses Modell ausdehnen kann, ohne in eine zu finanzlastige Story abzurutschen. (SEC)
Die jüngsten Quartalszahlen
Das vierte Quartal 2025 war ordentlich, aber nicht euphorisch. Der Umsatz stieg um 4 % auf 8,68 Mrd. USD. Die Transaction Margin Dollars legten um 3 % auf 4,03 Mrd. USD zu, ex Zinsen auf Kundengelder um 4 % auf 3,74 Mrd. USD. Das GAAP-Betriebsergebnis verbesserte sich um 5 % auf 1,51 Mrd. USD. Gleichzeitig war die Kernaussage des Managements bemerkenswert nüchtern: Die Ausführung sei nicht dort gewesen, wo sie sein müsse – besonders beim branded checkout. (SEC)
Operativ fällt auf, dass aktive Accounts nur noch um 1,1 % auf 439 Mio. gestiegen sind. Auch die Payment Transactions per Active Account lagen im Quartal mit 57,7 unter dem Vorjahreswert von 60,6. Das ist kein Kollaps, aber ein klares Signal: Die Plattform ist groß, wächst aber auf Nutzer- und Engagementbasis derzeit nur moderat. Genau deshalb ist die qualitative Verbesserung des Produkts so wichtig. Ohne stärkere Relevanz pro Nutzer wird PayPal nur schwer wieder eine Premium-Story. (SEC)
Positiv war 2025 die Diversifizierung. Venmo-Revenue erreichte 1,7 Mrd. USD, plus etwa 20 %. BNPL-TPV lag bei mehr als 40 Mrd. USD und ebenfalls über 20 % Wachstum. Das zeigt, dass PayPal nicht allein vom klassischen Button lebt. Trotzdem bleibt branded checkout das Herzstück. Denn Venmo, BNPL und zusätzliche Wallet- und Commerce-Funktionen zahlen letztlich nur dann voll ein, wenn PayPal am Kaufmoment wieder mehr Auswahl und mehr Conversion gewinnt. (investor.pypl.com)
Management und Kapitalallokation
Beim Management ist PayPal derzeit eine Übergangsgeschichte. Nach Alex Chriss’ Amtszeit hat der Verwaltungsrat Anfang Februar 2026 Enrique Lores zum CEO ernannt. Das lässt sich freundlich als frische operative Führung interpretieren. Man kann es aber auch nüchterner lesen: Der Verwaltungsrat wollte mehr Execution-Fokus und mehr Disziplin. Beides ist plausibel. Lores bringt langjährige Industrie- und Technologieerfahrung mit, auch wenn er kein originärer Payment-Gründer ist. Das ist weder automatisch gut noch schlecht – aber es macht die nächsten Quartale besonders beobachtenswert. (investor.pypl.com)
Kapitalallokativ war 2025 stark. 6,0 Mrd. USD Rückkäufe bei einem durchschnittlichen Preis von 69,94 USD je Aktie haben die Aktienzahl massiv reduziert. Rückblickend war das kein perfektes Timing, weil die Aktie heute tiefer steht. Strategisch bleibt es dennoch vernünftig, solange das Geschäftsmodell intakt ist und die Bilanz flexibel bleibt. PayPal hat in den Jahren 2023 bis 2025 insgesamt rund 17 Mrd. USD für Aktienrückkäufe eingesetzt. Das ist ein sehr klares Statement zugunsten des Aktionärs und gegen empire building. (SEC)
Noch besser gefällt mir die Strukturierung des Kreditgeschäfts. Die Blue-Owl-Vereinbarung über rund 7 Mrd. USD US-BNPL-Forderungen über zwei Jahre und die bereits früher angekündigten europäischen Strukturen passen zu einem balance-sheet-light-Ansatz. Das Unternehmen hält Kundenschnittstelle, Underwriting und Servicing-Kompetenz, reduziert aber Bilanzlast und schafft mehr Luft für strategische Investitionen. Das ist genau die Art von Kapitalallokation, die ich bei einem Plattformunternehmen sehen will. (investor.pypl.com)
Der Bank-Antrag vom Dezember 2025 ist dagegen ein zweischneidiges Thema. Einerseits könnte ein eigenes Industrial Bank Model das Small-Business-Lending effizienter machen, Drittparteienabhängigkeit senken und die Plattform stärken. Andererseits erhöht jeder Schritt tiefer in regulierte Finanzintermediation die Komplexität und potenziell die regulatorische Last. Das ist strategisch interessant, aber nicht risikofrei. (investor.pypl.com)
Aktionärsstruktur
Die Eigentümerstruktur ist klar institutionell geprägt. In der 2025er Proxy waren Vanguard mit 9,21 % und BlackRock mit 7,42 % die beiden gemeldeten Fünf-Prozent-Eigentümer. Das ist typisch für große US-Plattformunternehmen: breite institutionelle Verankerung, aber keine dominierenden Gründerstimmen oder Ankeraktionäre mit Langfristmandat. (SEC)
Für Anleger bedeutet das zweierlei. Positiv: Solche Investoren sorgen meist für Liquidität und Governance-Stabilität. Negativ: Eine diffuse institutionelle Eigentümerbasis erzeugt nicht automatisch strategische Geduld. Wenn operative Verbesserungen ausbleiben, bleibt der Marktdruck hoch. PayPal hat also keine Eigentümerstruktur, die wie bei einem founder-led Compounder als zusätzlicher Burggraben wirkt. (SEC)
Bewertung: Was ist bereits eingepreist?
Jetzt zum entscheidenden Punkt. Auf Basis des aktuellen Kurses von 45,34 USD und 920,7 Mio. ausstehenden Aktien komme ich auf eine Marktkapitalisierung von rund 41,7 Mrd. USD. Mit 12,85 Mrd. USD Cash, Cash Equivalents und Investments sowie grob 11,4 Mrd. USD Bruttoschulden liegt der Enterprise Value überschlägig bei etwa 40,3 Mrd. USD. Das ist für ein Unternehmen mit 33,2 Mrd. USD Umsatz, 6,07 Mrd. USD EBIT und 5,56 Mrd. USD FCF bemerkenswert niedrig. (SEC)
Daraus ergeben sich grob folgende Multiples: etwa 8,4x GAAP-KGV, rund 1,3x Umsatz, etwa 6,6x EV/EBIT und ungefähr 13 % FCF-Yield. Selbst wenn man konservativer rechnet und adjusted free cash flow ignoriert, bleibt das eine günstige Bewertung. Der Markt preist also nicht „gutes Unternehmen mit kurzer Schwäche“ ein, sondern eher „reifes Geschäftsmodell mit strukturellem Relevanzproblem“. Genau das macht die Aktie spannend. (SEC)
Ein einfaches Reverse-DCF-Denken hilft hier weiter. Wenn ein Unternehmen mit dieser Bilanz, dieser Cashflow-Generierung und diesen Rückkäufen zu solch niedrigen Multiples notiert, unterstellt der Markt im Prinzip, dass das Wachstum langfristig schwach bleibt und dass ein Teil der heutigen Ertragskraft nicht verteidigt werden kann. Anders gesagt: Die Aktie verlangt nicht, dass PayPal wieder der Superstar von 2021 wird. Sie verlangt nur, dass PayPal nicht dauerhaft erodiert. (SEC)
Mein eigenes Bewertungsurteil ist deshalb zweigeteilt. Relativ zu den Zahlen wirkt die Aktie klar günstig. Relativ zur strategischen Unsicherheit ist sie nicht absurd günstig, sondern fair bis attraktiv. Ich würde PayPal nicht mit einem Premium-Quality-Multiple bewerten. Aber ein einstelliger Gewinnmultiple für ein globales Netzwerk mit Milliarden-FCF ist schlicht eine Einladung, sehr genau hinzusehen. (SEC)
Bull-, Base- und Bear-Case
Bull Case
Im Bull Case stabilisiert Enrique Lores die operative Ausführung schnell. Branded checkout gewinnt wieder an Sichtbarkeit, Conversion und Nutzerwahl. Venmo monetarisiert weiter stärker, BNPL skaliert bilanziell leichter, Braintree wächst profitabel und KI-/Agentic-Commerce-Initiativen schaffen echte neue Relevanz. Dann könnte PayPal mittelfristig wieder auf solides mittleres einstelligen bis hohes einstelligen Umsatzwachstum und stabiles bis steigendes Margenprofil kommen. In so einem Szenario wäre ein deutlich höheres Multiple als heute gerechtfertigt. (investor.pypl.com)
Base Case
Im Base Case bleibt 2026 schwach, wie vom Management angedeutet. TM$ ex Zinsen stagniert, EPS wächst kaum, branded checkout verbessert sich nur schrittweise. Gleichzeitig halten Bilanz, Cashflow und Rückkäufe den Wert der Aktie zusammen. Dann ist PayPal eher ein reifer Cashflow-Compactor als ein echter Growth-Titel. In diesem Szenario dürfte die Rendite vor allem aus Buybacks, etwas Multiple-Normalisierung und moderatem Gewinnwachstum kommen. Das wäre kein Mehrfacher, aber eine ordentliche Value-/Quality-Sondersituation. (investor.pypl.com)
Bear Case
Im Bear Case verliert PayPal strukturell an Checkout-Relevanz. Braintree bleibt volumenstark, aber margenschwach. Venmo wird zwar populär, monetarisiert aber nicht genug. KI und Agentic Commerce verlagern die Kundenschnittstelle zu anderen Plattformen. Regulatorische Komplexität steigt, das Bankprojekt bindet Managementkapazität, und selbst hohe Rückkäufe können die sinkende Geschäftsqualität nicht kaschieren. Dann wäre selbst ein KGV von 8 keine echte Unterbewertung, sondern nur eine optische Billigkeit. (SEC)
Investment Case in 5 Punkten
Erstens: PayPal ist finanziell deutlich stärker, als der Kurs andeutet. Milliarden-Gewinne, Milliarden-FCF, solide Bilanz, enorme Buybacks. (SEC)
Zweitens: Die Bewertung ist niedrig genug, dass keine Wachstumswunder nötig sind. Schon Stabilisierung kann reichen, um Rendite zu erzeugen. (SEC)
Drittens: Das Unternehmen besitzt reale Assets jenseits bloßer Hoffnung – Marke, 439 Mio. aktive Accounts, Händlernetz, Venmo, Braintree, Daten und globale Reichweite. (SEC)
Viertens: Die Kapitalallokation ist bislang aktionärsfreundlich und zunehmend diszipliniert, gerade bei Rückkäufen und der Externalisierung von Kreditforderungen. (SEC)
Fünftens: Es gibt strategische Optionalität über Checkout hinaus – BNPL, Commerce-Tools, PayPal World, Stablecoins, Agentic Commerce, Banklizenzansatz. Diese Optionen sind nicht sicher, aber auch nicht wertlos. (investor.pypl.com)
Die größten Risiken
Das größte Risiko ist ein schleichender Bedeutungsverlust im branded checkout. Genau dort liegt der ökonomische Kernvorteil. Wenn PayPal zwar weiter Volumen bewegt, aber der Nutzer am entscheidenden Kaufmoment immer seltener bewusst PayPal wählt, dann wird das Geschäftsmodell weniger differenziert. (SEC)
Das zweite Risiko ist Wettbewerb. Payments ist kein Markt mit entspannten Oligopolmargen. Pricing-Druck, neue Wallets, alternative Zahlmethoden, BNPL, Karten, Plattformen und aggressive Infrastrukturplayer können dauernd an der Marge nagen. PayPal sagt das im Grunde selbst sehr offen. (SEC)
Drittens bleibt Regulierung ein echter Faktor. Das gilt für klassische Zahlungsregeln, Interchange- und Netzwerkgebühren, aber künftig womöglich auch stärker für Kreditgeschäft, Stablecoins und Bankaktivitäten. Jeder strategische Schritt tiefer in Finanzdienstleistungen bringt nicht nur Ertragsoptionen, sondern auch Aufsichtslast. (SEC)
Viertens besteht Management- und Transformationsrisiko. Der CEO-Wechsel 2026 ist Chance und Warnsignal zugleich. Wenn die neue Führung nicht schnell für bessere operative Ausführung sorgt, kann die Story weiter an Glaubwürdigkeit verlieren. (investor.pypl.com)
Für Skeptiker
Der skeptische Fall gegen PayPal ist ernst zu nehmen. Man kann argumentieren, dass das Unternehmen heute zwar hohe Gewinne und Cashflows ausweist, diese Zahlen aber die strukturelle Schwächung des Kerngeschäfts verschleiern. Aktive Accounts wachsen kaum noch, Transaktionen pro Account sind rückläufig, und das Management musste selbst einräumen, dass branded checkout nicht gut genug läuft. Das ist nicht irgendeine Schwäche – das ist der wichtigste Bereich der gesamten Equity-Story. (SEC)
Außerdem könnte man sagen, dass Teile des jüngeren Wachstums aus weniger hochwertigen Quellen stammen: mehr Kredit- und Partnererlöse, höhere sonstige value added services, Zins- und Portfoliobeiträge sowie aggressive Rückkäufe. All das kann ökonomisch sinnvoll sein. Es ist aber nicht dasselbe wie stark beschleunigtes organisches Plattformwachstum. Wer PayPal nur über KGV und FCF-Yield kauft, könnte übersehen, dass der Markt genau diesen Qualitätsunterschied bewertet. (SEC)
Ein weiterer skeptischer Punkt: Rückkäufe sind nur dann großartig, wenn die operative Basis intakt bleibt. Falls PayPal langfristig doch eher ein schrumpfendes oder stagnierendes Netzwerk wird, dann vernichtet auch ein günstiger Rückkauf nicht das Grundproblem. Buybacks sind ein Verstärker guter Ökonomie, kein Ersatz für sie. (SEC)
Schließlich darf man nicht vergessen, dass der Markt bei Payment-Plattformen oft brutal rechtzeitig umpreist. Wenn eine Zahlungsmarke Relevanz verliert, geschieht das anfangs nicht explosionsartig, sondern schleichend: etwas weniger Selection, etwas weniger Conversion, etwas schlechterer Mix, etwas mehr Pricing-Druck. Genau solche Prozesse sehen in Zahlen oft noch jahrelang „okay“ aus – bis die Bewertung niedrig bleibt, weil die Zukunft trotzdem nicht mehr attraktiv genug ist. Das ist der eigentliche Value-Fallen-Punkt bei PayPal. (SEC)
Meine Einordnung als langfristiger Investor
Für mich ist PayPal heute keine klassische Qualitätsaktie im engeren Sinn wie ein unangefochtener Compounder mit hohem organischem Wachstum, klarer Preismacht und stetig stärkerem Burggraben. Dafür ist der Wettbewerbsdruck zu hoch und die operative Unsicherheit zu sichtbar. (SEC)
PayPal ist eher eine Mischung aus Plattformwert, Re-Rating-Kandidat und Cashflow-Value-Story. Genau das macht die Aktie interessant. Wer nur in glasklare Compounder mit minimalem Strategierisiko investiert, wird hier vermutlich nicht glücklich. Wer dagegen Unternehmen sucht, die finanziell stark sind, vom Markt aber wegen realer – nicht tödlicher – Probleme sehr niedrig bewertet werden, findet hier eine ernsthafte Überlegung. (SEC)
Für Dividendenwachstumsinvestoren ist PayPal aktuell noch kein klassischer Fit. Die Dividende ist neu und klein. Für Qualitäts- und Value-orientierte Anleger mit Geduld ist die Aktie deutlich interessanter. Für sehr konservative Investoren, die maximale Vorhersehbarkeit wollen, bleibt PayPal dagegen zu stark von der Frage abhängig, ob branded checkout wieder auf Kurs kommt. (SEC)
Fazit
Also: Kaufchance oder Value-Falle? Meine ehrliche Antwort lautet: eher Kaufchance mit klaren Fallenhaken. PayPal ist fundamental zu stark, um die Aktie pauschal als Value-Falle abzutun. Das Unternehmen verdient viel Geld, generiert massiven Free Cashflow, hat eine solide Bilanz, reduziert konsequent die Aktienzahl und verfügt über reale strategische Assets in Marke, Nutzerbasis, Venmo, Händlerbeziehungen und Plattformbreite. Diese Seite der Story ist deutlich besser, als der Kurs vermuten lässt. (SEC)
Aber die Bullen dürfen sich nichts vormachen. Die Aktie ist nicht deshalb billig, weil der Markt schläft. Sie ist billig, weil PayPal seine wichtigste operative Baustelle noch nicht überzeugend gelöst hat. Das Unternehmen muss beweisen, dass es branded checkout wieder stärken, Wachstum besser machen und die Plattform in die nächste Commerce-Generation hinein verlängern kann. Bis das sichtbar ist, bleibt das Multiple niedrig. (SEC)
Unter dem Strich ist PayPal für mich heute keine perfekte Qualitätsaktie, aber eine attraktive asymmetrische Spezialchance. Wer Geduld hat, eine gewisse operative Unsicherheit aushält und gern in solide Cashflow-Maschinen investiert, bevor der Markt ihnen wieder vertraut, sollte die Aktie ernsthaft prüfen. Wer nur makellose Compounder sucht, wird wahrscheinlich anderswo besser schlafen. Solche Grauzonen-Fälle besprechen wir übrigens auch immer wieder bei Aktien Buddies by MVI – genau dort, wo Bewertung und Geschäftsqualität nicht sauber in Schwarz oder Weiß aufgehen. (SEC)
FAQ
Was macht PayPal eigentlich?
PayPal betreibt ein globales Zahlungs- und Commerce-Netzwerk. Das Unternehmen verbindet Konsumenten und Händler über PayPal, Venmo, Braintree, P2P, BNPL, Karten, POS und weitere Services und verdient vor allem an Zahlungsgebühren sowie ergänzenden Mehrwertdiensten. (SEC)
Wie verdient PayPal Geld?
PayPal erzielt den Großteil seiner Erlöse über Transaction Revenues, also Gebühren rund um Zahlungen. 2025 kamen 29,8 Mrd. USD aus diesem Bereich. Weitere 3,37 Mrd. USD stammten aus value added services wie Partnererlösen, Subscriptions, Gateway-Gebühren sowie Kredit- und Zinserträgen. (SEC)
Hat PayPal einen Burggraben?
Ja, aber keinen unangreifbaren. Marke, Vertrauen, gespeicherte Zahlungsdaten, Händlerbeziehungen, Netzwerkvorteile und Plattformdaten sind echte Vorteile. Gleichzeitig ist der Wettbewerb im Payment-Markt sehr intensiv, weshalb der Burggraben stark von guter Produktausführung abhängt. (SEC)
Zahlt PayPal eine Dividende?
Seit 2025 ja, aber bislang nur sehr klein. Im Oktober 2025 beschloss der Vorstand eine Bar-Dividende von 0,14 USD je Aktie, insgesamt etwa 130 Mio. USD. Für die Investmentthese ist aktuell viel wichtiger, dass PayPal massiv Aktien zurückkauft. (SEC)
Ist die PayPal-Aktie mit KGV 8 wirklich billig?
Auf Basis des 2025er GAAP-EPS von 5,41 USD und eines aktuellen Kurses von 45,34 USD ergibt sich tatsächlich ein KGV von rund 8,4. Rein rechnerisch ist die Aktie günstig. Die entscheidende Frage ist aber, ob die heutige Ertragskraft langfristig stabil bleibt. (SEC)
Warum ist die Aktie so stark gefallen?
Die Aktie wurde in den Jahren 2020/2021 auf extrem hohe Erwartungen hochgeboten. Danach normalisierte sich das Wachstum, der Wettbewerb blieb hoch und PayPal konnte gerade im branded checkout nicht durchgängig überzeugen. Der Markt hat daher nicht nur das Wachstum, sondern die strategische Qualität neu bepreist. (SEC)
Wie stark wächst PayPal aktuell noch?
2025 stieg der Umsatz um 4 % auf 33,17 Mrd. USD, das TPV um 7 % auf 1,79 Bio. USD und die Transaction Margin Dollars um 6 % auf 15,47 Mrd. USD. Das ist solides, aber kein schnelles Wachstum mehr. Für 2026 stellt das Management sogar eher flache bis leicht negative Tendenzen in wichtigen Profit-Kennzahlen in Aussicht. (SEC)
Was ist bei PayPal wichtiger: Umsatz oder Transaktionsmarge?
Die Transaktionsmarge ist meist wichtiger. PayPal schaut intern stark auf Transaction Margin Dollars, weil diese Kennzahl besser zeigt, wie viel ökonomischer Wert nach transaktionsbezogenen Kosten wirklich hängen bleibt. Reines Volumenwachstum kann sonst täuschen. (SEC)
Welche Rolle spielen Venmo und BNPL?
Eine wachsende. 2025 erreichte Venmo etwa 1,7 Mrd. USD Umsatz, BNPL-TPV lag bei über 40 Mrd. USD. Beide Bereiche zeigen, dass PayPal mehr ist als nur der klassische Checkout-Button. Für die Gesamtthese bleibt aber entscheidend, ob diese Produkte die Kernplattform stärken. (investor.pypl.com)
Ist PayPal durch KI eher bedroht oder gestärkt?
Beides ist möglich. KI kann Fraud-Management, Personalisierung, Produktivität und Commerce-Automatisierung verbessern. Gleichzeitig könnte KI die Kundenschnittstelle zu fremden Plattformen verschieben. Mit der geplanten Cymbio-Übernahme versucht PayPal, im agentischen Handel aktiv mitzuspielen statt nur zuzusehen. (SEC)
Ist die PayPal-Aktie für langfristige Anleger geeignet?
Ja, aber nicht für jeden. Für Anleger, die günstige Cashflow-starke Plattformunternehmen mit operativer Unsicherheit suchen, ist PayPal spannend. Für Investoren, die nur glasklare Premium-Compounder mit maximaler Vorhersehbarkeit wollen, ist die Aktie vermutlich zu kontrovers. (SEC)
Was sind die größten Risiken bei PayPal?
Die größten Risiken sind ein anhaltend schwaches branded checkout, harter Wettbewerb, regulatorische Komplexität, Management- und Transformationsrisiko sowie die Gefahr, dass das Geschäftsmodell zwar noch profitabel, aber strategisch weniger relevant wird. (SEC)
Podcast-Hinweis
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