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Wirecard AG – Aktienanalyse

by Peter Merkle

Viel Spaß beim Lesen der Aktienanalyse zur Wirecard AG (LinkedIn)

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Gliederung

  • 1. Übersicht
    • 1.1 Unternehmen und Geschäftsmodell
      • Geschichte des Unternehmens
      • Management
    • 1.2 News
    • 1.3 Aktionäre, Chart, Dividenden und Aktienrückkäufe
    • 1.4 Peergroupvergleich (Gesamtkapitalrendite)
    • 1.5 Segmente und Umsatzverteilung
    • 1.6 Wichtige Kennzahlen
      • Verschuldungsgrad und finanzielle Stabilität
      • Anzahl ausstehender Aktien
      • operative Marge
      • Free Cashflows
      • Buchwert
      • Dividenden und Kurs-Gewinn-Verhältnis
    • 1.7 Aussichten
      • Unternehmensspezifische Aussichten
      • Gesamtmarkbetrachtung
    • 1.8 Einteilung nach Peter Lynch
    • 1.9 Levermann-Score
    • 1.10 Piotroski F-Score
    • 1.11 Berichte und Präsentationen
  • 2. Detailanalyse
    • 2.1 SWOT-Analyse
    • 2.2 Bewertungsverfahren
      • 2.2.1 Bewertung der Managementleistung
      • 2.2.2 Faires Kurs-Gewinn-Verhältnis
      • 2.2.3 Faires Kurs-Buchwert-Verhältnis
      • 2.2.4 Gewinnrenditendiskontierung
      • 2.2.5 Dividendendiskontierung
    • 2.3 Zusammenfassung und Fazit

1. Übersicht

Dokumente und fundamentale Finanzberichte für die Aufsichtsbehörden, sind unter andrem hier im Archiv der Securities and Exchange Commission zu finden, sowie hier im Archiv des Bundesanzeigers.

1.1 Unternehmen und Geschäftsmodell – Wirecard AG

Hauptsitz der Wirecard AG in Aschheim bei München.

Die Wirecard AG, ist ein weltweit tätiges Unternehmen aus dem Bereich der Zahlungsdienstleistungen, das seinen Hauptsitz in der Bundesrepublik Deutschland hat, im nahe der bayrischen Landeshauptstadt München gelegenen Aschheim. Das Unternehmen in seiner heutigen Form, bietet seinen Kunden Lösungen für den bargeldlosen, elektronischen Zahlungsverkehr an, Risikomanagement und die Herausgabe und Akzeptanz von Kreditkarten. Neben dem Mutterkonzern, existieren eine Reihe von Tochterfirmen. So bietet die Tochter Wirecard Card Solutions, Ltd., die ihren Sitz in Newcastle upon Tyne in England hat, eine breite Palette mobiler Zahlungsanwendungen an, sowie eine Wirecard-eigene App für mobile Zahlungsanwendungen. Das Unternehmen verfügt auch über eine e-Geld-Lizenz und ist von der FSA-Nachfolgeregulierungsbehörde FCA autorisiert. Das Tochterunternehmen Wirecard Bank AG, ist im Besitz von Lizenzen für Visa und MasterCard und verfügt auch über eine deutsche Banklizenz. Weitere Verträge bestehen mit American Express, American ExpressDiscover/DinersJCBAlipayWeChat Pay, Apple Pay und China UnionPay, neben einigen anderen. Die Abteilung für Forschung und Entwicklung, Wirecard Innovation Labs, arbeitet im Unternehmen abteilungsübergreifend um neue Lösungen als Angebote zu entwickeln. Das schließt auch Partnerschaften ein, die beispielsweise mit der Technischen Universität München oder der École des hautes études commerciales de Paris Unter der ISIN DE0007472060, wird die Aktie des Unternehmens heute an der Frankfurter Wertpapierbörse gehandelt und ist seit 2006 Bestandteil des TecDAX, sowie seit 2018 des DAX. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens liegt aktuell bei rund 10,2 Mrd. Euro. An rund 26 Standorten auf der Welt, bietet Wirecard Geschäftskunden und Verbrauchern seine Dienste um den digitalen Zahlungsverkehr an, die für online, mobil und Point of Sale-Anwendungen geeignet sind. Heute sind eine Vielzahl bekannter Firmen Kunde bei Wirecard. Das Unternehmen wurde von Forbes unter den „Top 100 Most Innovative Growth Companies in the World“ gelistet, wo es aktuell den 92. Platz belegt.

Das Kerngeschäft der Wirecard AG, umfasst im wesentlichen zwei Schwerpunkte und das Unternehmen bietet branchenspezifische Lösungen an, die hauptsächlich in Digital, Retail, Travel & Mobility und Financial Service eingeteilt werden und neben den Lösungen und Produkten auch Service-Angebote umfassen:

  • Mit seiner Financial Commerce Plattform, bietet das Unternehmen seinen Kunden Lösungen an, um Zahlungen aus unterschiedlichen Bezahlmethoden zu akzeptieren. Das umfasst auch das Sammeln und Auswerten von Kundendaten, wie beispielsweise über POS-, Online- und mobile Zahlungen.
  • Durch die Banklizenz des Unternehmens und auch dank eines großen Partnernetzwerkes, bietet Wirecard seinen Kunden die Möglichkeit, eigene Zahlungsmittel herauszugeben, beispielsweise als physische oder virtuelle Karten.

Die Lösungen von Wirecard sind dabei vielfältig und umfassen neben Beispielen wie boon. bzw. boon.PLANET oder stampayGO, zahlreiche weitere Angebote und das Unternehmen stellt auch einen digitalen Knowledge-Hub zur Verfügung. Die Einteilung der Operationen von Wirecard erfolgt in 3 Segmente, in „Payment Processing and Risk Management„, „Acquiring and Issuing„, sowie in „Call Center and Communications Services„.

Lösungsangebote nach BranchenAngebote und Leistungen des Unternehmens
Payment im Digital CommerceUnter dieser Rubrik sammel Wirecard seine Angebote für digitale Bezahlmöglichkeiten.

Für Anbieter von digitalen Plattformen und andere Internet- und Digitalangebote, bietet das Unternehmen Schnittstellen, Berichte und Analysen Service und Support und Anpassung bzw. Integration lokaler Zahlungsmethoden an.
Payment im stationären Handel und onlineDarunter fallen Angebote die den E-Commerce betreffen, Point of Sale (POS), Loyalty und Couponing (Kundentreue und Bonusprogramme), sowie das Betrugs- und Risikomanagement.

Diese Angebote für den Handel umfassen ein System globaler digitaler Zahlungsmethoden, die Einrichtung und Integration von Schnittstellen, Lösungen für die Digitalisierung des stationären Einzelhandels und weitere Produkte und Service-Angebote rund um die Zahlungsabwicklung.

Das Risikomanagement und das erkennen von Betrug gehört ebenfalls zu den Angeboten, welches unter anderem Analysen, Simulationen, Regelverarbeitung und Case Management umfasst und in Form einer modularen und anpassbaren Fraud Prevention Suite Fraud Prevention Suite aufgebaut ist.
Payment-Lösungen für Reise und MobilitätFür Reisen und Mobilität bietet Wirecard eigene Lösungsansätze, die unter anderem die Integration vorhandener Systeme umfasst. Das Unternehmen stellt seinen Kunden gewünschte Bezahlmethoden und Währungen bereit und ermöglicht die Kundenverwaltung und Datenanalyse.

Für unterschiedliche Kunden kommen so unterschiedliche Lösungen und Schwerpunkte zustande, beispielsweise für Airlines, E-Mobilität oder Reedereien.
Innovative FinanztechnologienDie Angebote dieser Rubrik richten sich spezielle an FinTech-Unternehmen und Finanzinstitute und bietet diesen individuell gestaltbare Lösungen für Bezahlvorgänge an. Die Schwerpunkte liegen auf den Bereichen White-Label-Banking, Zahlungsmittel herausgeben, Mobile Zahlungslösungen, Acquiring und Zusatzleistungen.

Seinen Kunden bietet das Unternehmen hier sein Know How und seine technische Infrastruktur an.
Knowledge HubDie von Wirecard betriebene Knowledge Hub, ist eine Form eines digitalen Archives, das für jeden über das Internet einsehbar ist. Im Hub veröffentlicht Wirecard eine große Bandbreite an Publikationen rund um das Thema des digitalen Zahlungsverkehrs.

- E-Books und Whitepapers
- Case Studies
- Insights
- Support
- Videos
- Payment Base

Geschichte des Unternehmens

Das heutige Unternehmen Wirecard AG, ging am 01. Januar 2005 aus der Vorgängerfirma InfoGenie AG hervor. Das Unternehmen InfoGenie war zunächst ein in Berlin ansässiger Informationsdienstleister, der telefonische Ratgeber-Hotlines zu unterschiedlichen Themen anbot und seit Oktober 2000 an der Deutschen Börse gelistet war, Segment Neuer Markt und sogar im so genannten Prime Standard. Das Platzen der Dotcom-Blase im März 2000, vernichtete einen großen Teil des Börsenwertes des Unternehmens und die Aktie verfiel zu einem Pennystock. Die Deutsche Börse AG wollte nach den gängigen Regeln ein Delisting des Unternehmens durchführen, was allerdings im April 2002 per Gerichtsbeschluss untersagt wurde. Zwei Jahre später, im Jahr 2004, folgte schließlich eine große Veränderung

Der Hauptinvestor von InfoGenie, war die ebs Holding AG aus dem deutschen Hallbergmoos. Der Vorstand der Holding, Paul Bauer begann 1999 als Begründer der ebs Electronic Billing Systems AG, die Ihre Gründung 1998 hatte, zusammen mit ebs AG Vorstand Alexander Herbst diese strategische Marktpositionierung. Es folgte die Gründung oder die Übernahme von weiteren Firmen, die am Ende fünf Säulen des ebs Holding Gebäudes ergaben. Diese setzen sich zusammen aus der ebs Electronic Billing Systems AG, Wire Card AG, der United Payment GmbH, die zuvor als pay@eurodebit GmbH firmierte, die ebs Mobil GmbH und der ebs Global GmbH. Alle Unternehmen waren 100 Prozent-Töchter der Holding-Gesellschaft. Die Holding selbst hielt sich aber aus dem operativen Geschäft der jeweiligen Unternehmen heraus und beschränkte sich darauf weitere Investitionen vorzunehmen, die zur Holding Struktur und dem Geschäftsbereich elektronische Zahlungssysteme passen. Mit dieser gezielten Bündelung sollten Kunden die passende ePayment Lösung für jede Anforderung im elektronischen Zahlungsverkehr, unabhängig von Struktur und Größe des Anbieters, mit allen dazugehörigen Dienstleistungen erwarten können. Die Tochter Wire Card AG, die noch kein börsennotiertes Unternehmen war, bediente in dieser Konstellation Großunternehmen. Der Vorstand des Unternehmens war bereits zu diesem Zeitpunkt der 1969 in Wien, Österreich geborene Unternehmer und Tech-Investor Dr. Markus Braun.

Die ebs Holding wollte durch das Investment in die InfoGenie erreichen, dass alle Tochterunternehmen und die Holding insgesamt über ebs Mobil einen Nutzen aus dem Call Center Know How ziehen können. Im September 2004 kündigte ebs Holdings schließlich an, dass sie InfoGenie mit der Wire Card AG fusionieren will. Mit Wirkung zum 30. September 2004, wurde der Vorstand Jochen Hochrein einvernehmlich abberufen und zum 01. Oktober des gleichen Jahres sollte der damals 35 jährige Markus Braun als neuer Vorstandsvorsitzende seinen Posten übernehmen. Zeitgleich wurde der 44 jährige Herbert Bäsch als Finanzvorstand eingesetzt. Die Fusion wurde 2005 in Form einer Kapitalerhöhung durch Sacheinlage vorgenommen. Dazu wurde die Wire Card AG mit ihren weiteren Tochtergesellschaften United Data GmbH, United Payment GmbH und AWITO GmbH in die InfoGenie Europe AG eingebracht. Gleichzeitig wurde die InfoGenie in Wire Card umbenannt. Dieser Plan wurde im Dezember 2004 bei einer außerordentlichen Hauptversammlung den Aktionären der InfoGenie AG vorgelegt und von diesen genehmigt. So wurde die Wire Card durch ein Reverse-IPO eine im Börsensegment Prime Standard gelistete Aktiengesellschaft und 2005 wurden neue Büros in Grasbrunn bei München bezogen. 2006 folgte die Aufnahme des Unternehmens in den TecDAX. Im selben Jahr wurde auch die Wirecard Bank Teil der Unternehmensgruppe, die als anerkanntes Kreditinstitut auch Mitglied im Bundesverband deutscher Banken sowie dessen Einlagensicherungsfonds ist. Die Wirecard Bank ist dem genossenschaftlichen Rechenzentrum der Fiducia & GAD IT AG angeschlossen und nutzt als Kernbankensystem bank21, welches ursprünglich vor der Fusion der beiden IT-Dienstleister von der GAD eG entwickelt wurde. Im November 2006 startete Wirecard den Prepaid-Internet-Bezahldienst mywirecard. Kunden können sich online anmelden und ein Konto bei der WirecardBank eröffnen, das sie dann per Überweisung, Lastschrift, Bareinzahlung oder Einzahlung über die Kreditkarte aufladen. Dabei erhält jeder Kunde grundsätzlich eine virtuelle Prepaid-MasterCard, auf Wunsch auch als Plastikkarte. Seit 2010 ist die mycard2go (vormals wirecard 2Go VISA) im Portfolio der Bank – eine Prepaid-Kreditkarte, die im Einzelhandel erworben und bereits beim Kauf mit Guthaben aufgeladen werden kann. Vor der Nutzung ist noch eine Online-Aktivierung notwendig.

2007 wurde Wirecard Asia Pacific in Singapur gegründet, 2008 führte Wirecard virtuelle Prepaid-Kreditkarten für Online-Zahlungen ein und im folgenden Jahr zur Betrugserkennug eine Fraud Prevention Suite, die auch KI und maschinelles Lernen nutzt. Im Sommer 2008 warf die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) dem Unternehmen falsche bzw. irreführende Bilanzierung vor. Infolgedessen beauftragte Wirecard die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young mit einem Sondergutachten für das Geschäftsjahr 2007. Später wurde bekannt, dass Mitglieder der SdK über Differenzkontrakte auf fallende Kurse vor Bekanntmachung der Bilanzdefizite spekuliert hatten. Auch Fondsmanager der Privatbank Sal. Oppenheim setzten auf fallende Kurse und wiesen institutionelle Anleger zugleich vor Bekanntwerden der Vorwürfe auf Bilanzfehler hin, was als Kursmanipulation ausgelegt werden kann. Die Aktie des Unternehmens fiel daraufhin um fast 70 Prozent. Wirecard erstattete Ende Juni 2008 Anzeige bei der Staatsanwaltschaft gegen Fondsmanager von Sal. Oppenheim die einen Mitarbeiter freistellte, und Funktionäre der SdK. Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München wurden zwei SdK-Vertreter in U-Haft genommen und 2012 zu Haftstrafen verurteilt. Am 6. April 2010 fiel die Wirecard-Aktie durch eine Falschmeldung des Nachrichtendienstes Goldman, Morgenstern & Partners (GoMoPa) um mehr als 30 Prozent. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) leitete daraufhin eine Ermittlung ein. Ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft München I gegen GoMoPa wurde mangels Nachweis am 12. Oktober 2012 eingestellt.

2011 entstand mit dem Standort Newcastle die Wirecard Card Solutions Ltd. als ein Tochterunternehmen der Wirecard AG mit Sitz in Newcastle upon Tyne, im Vereinigten Königreich. Das neu gegründete Tochterunternehmen bietet Prepaid-Kreditkarten-Lösungen für Geschäftskunden an, wie beispielsweise für das e-Geld- Institut Skrill. Seit 2016 bietet WDCS eine virtuelle Prepaid-Karte an, die überall dort funktioniert, wo eine Visa-Kreditkarte akzeptiert wird und auf die Nutzer im Voraus einen beliebigen Betrag aufladen können, was ihnen eine Kontrolle ihrer Ausgaben ermöglicht. Der Firmensitz der Wirecard AG wurde im selben Jahr 2011 in das heutige Hauptquartier in Aschheim verlegt. In den folgenden Jahren setzte Wirecard seine Expansion im Pazifikraum und auf dem asiatischen Kontinent weiter fort und forcierte die Integration verschiedenster Übertragungstechniken wie Near Field Communication (NFC), bei der Daten per elektromagnetischer Induktion mittels loser gekoppelter Spulen über kurze Strecken von wenigen Zentimetern und einer Datenübertragungsrate von maximal 424 kBit/s übertragen werden, Host Card Emulation (HCE), eine Technologie zur Virtualisierung von Chipkarten in NFC-basierten mobilen Bezahlverfahren, Quick Response-Code oder QR-Code, ein zweidimensionaler Code der von der japanischen Firma Denso Wave im Jahr 1994 entwickelt wurde und aufgrund einer automatischen Fehlerkorrektur ein sehr robustes und weit verbreitetes Verfahren ist, oder Bluetooth Low Energy (BLE), eine Funktechnik, mit der sich Geräte in einer Umgebung von etwa 10 Metern vernetzen lassen (siehe auch Rechnernetz) und die im Vergleich zum „klassischen“ Bluetooth einen geringeren Stromverbrauch und geringere Kosten mit einem ähnlichen Kommunikationsbereich haben soll. Dazu kamen noch weitere Mehrwertdienstleistungen wie Loyalty und Couponing in die Wirecard Mobile Payment Plattform.

2014 expandierte Wirecard nach Neuseeland, AustralienSüdafrika und in die Türkei und 2015 folgte die Einführung der mobilen Bezahllösung „boon.”, die das Bezahlen via Smartphone ermöglicht. Ebenfalls 2015 kam es zur Übernahme des Abteilung für Bezahllösungen und des damit verbundenen Geschäfts der Great Indian Retail Group aus Chennai, Indien durch die Wirecard AG und es startete die Kooperation mit Alipay zur Bereitstellung der POS-Zahlungsakzeptanz für das Alipay Barcode Payment in Europa.

Durch den Kauf der Prepaid Card Services von der Citigroup ist Wirecard seit 2016 auch in Nordamerika vertreten. Im gleichen Jahr übernahm das Unternehmen den südamerikanischen Internet-Zahlungsdienstleister Moip in Sao Paulo, Brasilien. Am 24. Februar 2016 fiel der Kurswert nach Veröffentlichung eines Berichts des zuvor kaum bekannten Analyse-Unternehmen Zatarra Research & Investigation erneut ab. Darin warfen Analysten Wirecard illegale Praktiken vor. Branchendienste sahen dies als neuerlichen Versuch einer Kursmanipulation. Am 22. Februar 2017 berichtete das Manager Magazin über angebliche intransparente Bilanzierungspraktiken. Der Aktienkurs fiel daraufhin zeitweilig um knapp acht Prozent. Wirecard wies diese Vorwürfe als unbegründet zurück. Neben dieser neuerlichen Anschuldigung gegen das Unternehmen, wurde 2017 aber auch das Kundenportfolio für Kartenakzeptanz der Citigroup in insgesamt 11 Ländern übernommen und so die Marktposition von Wirecard im asiatisch-pazifischen Raum weiter ausgebaut. Außerdem wurde der Payment Service Provider MyGate in Südafrika übernommen und boon. startete mit Apple Pay in Frankreich, Irland, Italien, Spanien und in der Schweiz. Im folgenden Jahr 2018, ging schließlich die digitale Plattform, das von Wirecard entwickelte komplette Ökosystem für Financial Commerce, an den Start und mit der ePOS App wird die erste darauf basierende Anwendung veröffentlicht.

Die lange Historie von Berichten über intransparente Bilanzierung oder gar Bilanzmanipulation, wurde im Jahr 2019 um ein weiteres Kapital erweitert: Zwischen dem 30. Januar und dem 8. Februar 2019 fiel der Aktienkurs von gut 167 Euro auf zeitweilig bis unter 86 Euro. Grund waren drei Berichte der Financial Times über angebliches Geschäftsgebaren von Mitarbeitern in Singapur. Diese hätten Kunden und Umsätze erfunden, um an eine Geschäftslizenz in Hongkong zu gelangen und Ertragsziele des Unternehmens zu erreichen. Am 8. Februar 2019 durchsuchten Polizeibeamte die Dependance in Singapur. Wirecard bestritt diese Vorwürfe und reichte eine Klage gegen die Financial Times sowie eine Klage wegen Kursmanipulation ein. Am 18. Februar 2019 erließ die BaFin ein zweimonatiges Verbot der Etablierung und Vergrößerung von Netto-Leerverkaufspositionen für Wirecard-Aktien. Mit ihrer Entscheidung hat die Bonner Behörde einen Präzedenzfall geschaffen, der spätestens mit der Veröffentlichung einzelner Passagen der entsprechenden BaFin-Akte für heftige Diskussionen sorgte. Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt seither gegen einen Journalisten der Financial Times wegen Verstößen gegen das Wertpapierhandelsgesetz. Eine Untersuchung der Anwaltskanzlei Rajah & Tann aus Singapur stellte fest, dass es Unregelmäßigkeiten gegeben habe, diese aber keinen wesentlichen Einfluss auf die Bilanz hätten. Daraufhin reichte Wirecard eine Unterlassungsklage gegen die Financial Times ein, um das Ende der Berichterstattung und eine Entschädigung der Aktionäre zu erreichen. Im Februar 2019 gründete der Aufsichtsrat von Wirecard einen eigenen Prüfungsausschuss. Anfang Juli wurde bekannt, dass die FDP-Fraktion um Christian Lindner an die Bundesregierung eine Kleine Anfrage nach konkreten Hinweisen auf Kursmanipulation bei der Wirecard-Aktie im Jahr 2019 gestellt hatte. In ihrer Antwort bewertete die Bundesregierung das Eingreifen durch die BaFin als richtig und gab einige Details aus den laufenden Ermittlungen bekannt. So war ein Börsenhändler in London bereits vor ihrer Veröffentlichung über die kritischen FT-Artikel informiert worden, und die ermittelten Leerverkäufer waren von früheren Attacken bekannt.  Anfragen zu Verbindungen zwischen Leerverkäufern und FT-Journalisten lehnte die Regierung wegen der laufenden Verfahren ab. Die BaFin hatte im April 2019 gegen FT-Journalisten und andere Personen Strafanzeige wegen des Verdachts auf Marktmanipulation gestellt. Am 15. Oktober 2019 erhob die Financial Times erneut den Vorwurf der Manipulation. Interne Unterlagen legten nahe, dass Wirecard zu hohe Umsätze und Gewinne bei Tochterfirmen angegeben habe. Diese Vorwürfe wurden von Wirecard zurückgewiesen. Um die Vorwürfe zu entkräften, beauftragte Wirecard am 20. Oktober 2019 den Wirtschaftsprüfer KPMG mit einer Sonderprüfung. Das Ergebnis der Untersuchung wurde am 27. April 2020 veröffentlicht. Demnach konnten nicht alle Daten vollständig ausgewertet und somit auch die Vorwürfe nicht vollständig ausgeräumt werden. Im Bereich Drittpartnergeschäft könne KPMG keine Aussage über Vorhandensein oder Nichtvorhandensein bestimmter Umsatzerlöse treffen. Markus Braun sah das Unternehmen durch den Bericht entlastet. Am 27. April 2020 verschob Wirecard die für den 29. April 2020 angekündigte Veröffentlichung des Geschäftsberichts 2019 und die für denselben Tag terminierte Bilanzpressekonferenz ohne neuen Termin. Am 28. April 2020 fiel der Kurs der Wirecard-Aktie um 26 %.

2019 hat sich die Softbank an Wirecard beteiligt. Durch den Kauf der AllScore Payment Services aus Peking ist Wirecard seit November 2019 auch in China vertreten. Anfang Januar 2020 übernahm Thomas Eichelmann, seit Mitte 2019 Aufsichtsratsmitglied und Vorsitzender des Prüfungsausschusses, auch den Vorsitz im Aufsichtsrat. Im Zusammenhang mit angeblich irreführenden Aussagen in Pflichtmitteilungen vom 12. März und 22. April 2020, im Vorfeld der Veröffentlichung des so genannten KPMG-Berichts, hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) Anzeige gegen den gesamten Vorstand von Wirecard gestellt, wegen des Verdachts der Marktmanipulation. In Folge der Anzeige, kam es am Freitag den 05. Juni 2020 zu einer Razzia im Hauptsitz von Wirecard in Aschheim. Bis zum heutigen Tag, hat das Unternehmen insgesamt 14 Übernahmen durchgeführt.

Management:

Dr. Markus Braun, CEO von Wirecard; Quelle: https://www.wirecard.com/de/company/vita/dr-markus-braun

Amtierender Chief Executive Officer und Chief Technology Officer der Wirecard AG, ist der gebürtige Österreicher Markus Braun, geboren 1969 in der Hauptstadt Wien. Er ist praktisch seit der Gründung von Wirecard durch die Fusion mit InfoGenie im Jahr 2002 der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens. Seine höchste schulische Ausbildung umfasst ein Studium der Wirtschaftsinformatik , das er 1995 an der Technischen Universität Wien abgeschlossen hat. Von 1995 bis 1996 arbeitete er anschließend als Forschungsassistent am Institut für angewandte Informatik und Informationssysteme an der Universität Wien. Hier schrieb er auch im Jahr 2000 seine Dissertation in Sozial– und Wirtschaftswissenschaften und erhielt den Doktortitel. Er arbeitete seit 1995 auch als Consultant bei der Contrast Management Consulting GmbH in Wien, in der Abteilung strategisches Controlling und war zwischen 1998 und 2001 Mitarbeiter der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG Deutschland in München, wo er im Bereich eStrategy tätig war. Im Jahr 2002 trat er schließlich in den Vorstand der Wirecard AG als CEO und CTO ein. Beide Positionen bekleidet er bis heute. In seiner Position als CEO wurde er zuletzt 2017 wieder bestellt und mit einem Aktienbesitz von rund 7 Prozent aller ausstehenden Aktien, ist er auch der größte Einzelaktionär des Unternehmens. Er berät als Beirat die Deutsche Bank, insbesondere in Fragen des digitalen Bankgeschäfts.

Die Bezüge des CEO belaufen sich aktuell auf rund 3,3 Mio. Euro für das abgelaufene Geschäftsjahr 2019.

Quelle: https://simplywall.st/stocks/de/software/etr-wdi/wirecard-shares#management

Für Aktienoptionen führe ich hier wie immer folgende Betrachtung an: Optionen werden aufgrund des direkten Bezuges zur Aktienkursentwicklung als durchaus problematisch betrachtet, da ihnen eine kurzfristige Leistungsbeurteilung von Führungskräften unterstellt werden kann. Kritiker bezeichnen die mittels Aktienoptionsplänen geschaffenen Anreizstrukturen als nicht genügend nachhaltig, da sie vorwiegend auf kurzfristige Kurssteigerungen abzielen würden (Gabler Wirtschaftslexikon, online). Nachteile können beispielsweise aus Fehlentscheidungen resultieren, die auf die kurzfristige Erhöhung des Börsenkurses abzielen. Damit verbunden sind riskantere Entscheidungen, die nicht zwingend höhere Erträge für das Unternehmen einbringen. Über Vergütungssysteme finden Sie hier auf Controling-Wiki weitere Informationen.

Amtierender Chairman bzw. Vorsitzender des Aufsichtsrates von Wirecard, ist seit 2020 Thomas Eichelmann, geboren 1965. Er ist unter anderem Chief Financial Officer bei der Deutschen Börse AG und war zuletzt als Hauptgeschäftsführer der Aton GmbH in Fulda. Seit Juni 2019 ist er Mitglied im Aufsichtsrat der Wirecard AG. Nach dem Abitur 1984 absolvierte Thomas Eichelmann bis 1986 eine Banklehre bei der Deutschen Bank, anschließend leistete er bis 1988 seinen Wehrdienst und studierte dann bis 1994 Wirtschaftswissenschaften in Stuttgart und Zürich mit dem Abschluss lic.oec.publ. Von 1994 bis 2007 arbeitete er als Unternehmensberater für The Boston Consulting Group (Frankfurt am Main, 1994–1997), als Senior Manager für Bain & Company (München, 1997–2000) und als Senior Partner und Geschäftsführer sowie als Leiter des Kompetenzzentrums Financial Services für Roland Berger Strategy Consultants (München, 2000–2007). Seit 2006 hatte er ein Beratungsmandat bei der Deutsche Börse AG und wechselte 2007 zusammen mit einer Gruppe von Kollegen dorthin. Dort war er CFO und Personalvorstand. Außerdem Vorstand der Clearstream Holding AG sowie der Deutsche Börse Systems AG. Von 2010 bis 2018 hatte er die neu geschaffene Position des Hauptgeschäftsführers bei Aton bzw. Horus Vermögensverwaltungs VV KG, zwei Beteiligungsgesellschaften des Unternehmers Lutz Helmig, inne. 2011 bis 2014 war er zusätzlich Mitglied des Aufsichtsrats von Hochtief, dessen Vorsitzender er 2013 wurde. Er ist Mitglied des Wirtschaftsbeirats der Stadtsparkasse München und Mitglied der Kuratorien der Stiftungen „Wir helfen München“ sowie „Deutsche Sporthilfe“. Am 18. Juni 2019 wurde er mit 94,7 % Zustimmung der Aktionäre der in den Aufsichtsrat der Wirecard AG gewählt. Wesentliche Beteiligungen am Unternehmen in Form von Aktien hält er nicht.

1.2 News – Wirecard AG

18.Juni.2020 – Nach einem Bericht des Wirtschaftsprüfers Ernst & Young, viel der Aktienkurs des Unternehmens zeitweise um über 60 Prozent. Der Prüfer sieht Hinweise auf falsche Angaben zu Täuschungszwecken, die konkret fehlende Nachweise über Treuhandkonten darstellen. Es geht um rund 1,9 Milliarden Euro. Die Vorlage des Jahresabschlusses für das vergangene Jahr 2019 verschob Wirecard nun zum vierten Mal. Schon am Freitag könnten Banken deshalb Kredite in Milliardenhöhe fällig stellen. Die Titel waren zeitweise vom Handel ausgesetzt und das Management von Wirecard erklärte, Anzeige gegen Unbekannt stellen zu wollen und die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Mitteilung auf dgap.de:

Aschheim (München). Die Wirecard AG wurde von dem Wirtschaftsprüfer EY darüber informiert, dass ein Testat des Jahresabschlusses für das abgelaufene Geschäftsjahr 2019 weiterer Prüfungen bedarf. Der Grund liegt in aktuellen Mitteilungen der beiden die Treuhandkonten seit 2019 führenden Banken, wonach die betreffenden Kontonummern nicht zugeordnet werden konnten. Der verantwortliche Treuhänder steht in kontinuierlichem Kontakt mit den Banken und der Wirecard AG. Die jeweiligen Tochtergesellschaften der Wirecard AG haben auf diese Treuhandkonten erhebliche Sicherheitsleistungen von insgesamt 1,9 Mrd. Euro eingezahlt, um für das Risikomanagement für teilnehmende Händler zu garantieren. Bei den die Treuhandkonten führenden Banken handelt es sich um zwei asiatische Banken. Beide Institute verfügen über Investmentgrade Ratings. Der seit 2019 amtierende Treuhänder nimmt in Asien zahlreiche Mandate wahr. Markus Braun, CEO Wirecard AG: „Wir stehen im Austausch mit dem vor Ort anwesenden Treuhänder. Frühere erteilte Bestätigungen der Banken wurden vom Wirtschaftsprüfer nicht mehr anerkannt. Alle Beteiligten sind um schnellstmögliche Aufklärung bemüht. Ob betrügerische Vorgänge zum Nachteil der Wirecard AG vorliegen, ist derzeit unklar. Die Wirecard AG wird Anzeige gegen unbekannt erstatten.“

05. Juni 2020 – Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat gegen Markus Braun und den Vorstand von Wirecard anzeige wegen des Verdachts auf Marktmanipulation gestellt, wie hier aus einem Artikel bei Reuters hervorging. Die Staatsanwaltschaft München I und die Polizei durchsuchten am 05. Juni die Firmenzentrale des Zahlungsdienstleisters im Münchener Vorort Aschheim, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte. Die BaFin habe Strafanzeige gegen Verantwortliche des Dax-Konzerns gestellt wegen des Verdachts auf Marktmanipulation im Vorfeld der Veröffentlichung eines Sonderprüfberichts von KPMG. Die BaFin fand laut Staatsanwaltschaft Hinweise darauf, dass der Vorstand in zwei Börsen-Pflichtmitteilungen am 12. März und 22. April irreführende Signale für den Aktienkurs der Wirecard gegeben hat. Daraufhin sei ein Verfahren eingeleitet worden gegen Braun und seine drei Vorstandskollegen – Finanzchef Alexander von Knoop, der fürs operative Geschäft zuständige Jan Marsalek und Vorständin Susanne Steidl. Eine nähere Erläuterung, was unter irreführend zu verstehen ist, wurde nicht gegeben.

20. Mai 2020 – Am 20. Mai 2020 gab TCI Fund Management Limited bekannt, dass sie eine von Hugh Leask eingereichte Strafanzeige gegen die Wirecard AG einreicht. In einem Schreiben behauptete der TCI Fund, dass eine vom Unternehmen am 28. April veröffentlichte unabhängige KPMG-Prüfung zusammen mit der Berichterstattung der Financial Times und der WirtschaftsWoche Anomalien aufgedeckt habe, die möglicherweise strafrechtlich relevant seien. TCI Fund gab an, dass die Gebühr den Kauf von Hermes I Tickets Pte Ltd in Indien sowie die Gewährung von Darlehen im Rahmen des sogenannten Merchant Cash Advance-Geschäfts betrifft. Der TCI Fund gab an, dass das Unternehmen jeden Vorwurf des Fehlverhaltens zurückweist.

14. Mai 2020 – Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2020 ist es der Wirecard AG gelungen, das Ergebnis erwartungsgemäß zu steigern. Nach vorläufigen Zahlen stieg der Konzernumsatz um rund 24% auf 700,2 Mio. EUR gegenüber 566,7 Mio. EUR im Vorjahr.

08. Mai 2020 – Der Aufsichtsrat der Wirecard AG ernennt den Amerikaner Dr. James H. Freis (49) mit Wirkung zum 1. Juli 2020 zum Chief Compliance Officer. Im Konzernvorstand des Unternehmens wird er für die neu geschaffene Abteilung „Integrität, Recht“ verantwortlich sein und Compliance „. Die Funktionen Recht, Verträge und Compliance werden in dieser Abteilung gebündelt. Der CEO der Wirecard AG, Dr. Markus Braun, wird seine Aktivitäten künftig auf die strategische Entwicklung der Wirecard AG konzentrieren. Mit der Ernennung eines COO in die Konzernleitung übernimmt Jan Marsalek als Chief Business Development Officer die Verantwortung für Business Development. Die Abteilung Product Board unter der Leitung von Susanne Steidl bleibt praktisch unverändert. Die Verantwortung für die Konzernunternehmen in Nord- und Südamerika wird auf den COO übertragen.

29. April 2020 – Wirecard AG, Vorstandssitzung, 07. April 2020. Tagesordnung: Prüfung des Rücktritts von Susana Quintana-Plaza aus dem Aufsichtsrat. Frau Susana Quintana-Plaza (45) ist mit Wirkung zum 7. April 2020 aus dem Aufsichtsrat der Wirecard AG ausgeschieden. Bei einer Sitzung des Aufsichtsrats am 7. April 2020 hat sie ihr Mandat aus persönlichen Gründen niedergelegt.

Am 29. April 2020 gab die Wirecard AG bekannt, dass TCI Fund Management Ltd. den Aufsichtsrat des Unternehmens gebeten hat, CEO Markus Braun zu entfernen, nachdem das Unternehmen die erforderlichen Daten zur Rechtfertigung bestimmter Umsatzerlöse nicht vorlegen konnte.

24. März 2020 – Wirecard und Banca Afirme arbeiten zusammen, um den Fernsehsender Canal 22 mit Auszahlungsprodukten für E-Commerce-Zahlungen, POS-Ausgaben (Point-of-Sale) und Bargeldabhebungen an Geldautomaten auszustatten. Wirecard und Banca Afirme sind langjährige Partner, die zusammenarbeiten, um Auszahlungsprodukte mit der Marke Afirme E-Fectiva in Mexiko zu implementieren und zu vermarkten. Die Zusammenarbeit findet zu einem Zeitpunkt statt, an dem die mexikanische Regierung bargeldlose Initiativen durch mehrere vom Ministerium durchgeführte Programme nachdrücklich unterstützt. Canal 22 wird vom Kulturministerium betrieben und konzentriert sein Programm auf kulturelle und pädagogische Themen, die in ganz Mexiko und den Vereinigten Staaten ausgestrahlt werden. Im Rahmen der Zusammenarbeit werden Wirecard und Banca Afirme Canal 22 mit kontaktlosen Mastercard-Karten ausstatten. Karteninhaber können ihre Reise- und sonstigen arbeitsbedingten Ausgaben mit Karten völlig bargeldlos und ohne persönliche Bankkonten bezahlen. Afirme E-Fectiva-Karten unterstützen E-Commerce- und POS-Zahlungen sowie Geldautomatenabhebungen. Canal 22 profitiert von wichtigen Funktionen wie einer optimierten Verwaltung von Auszahlungen, dem Massenladen von Auszahlungskarten und einer allgemeinen Reduzierung der Gemeinkosten durch ein robustes Verwaltungstool namens Afirme Payout. Durch diese Zusammenarbeit und in Zusammenarbeit mit der Banca Afirme erweitert Wirecard seine Präsenz in Mexiko für Kunden aus Unternehmen und dem öffentlichen Sektor.

12. März 2020 – Wirecard und Klarna kündigten die Einführung einer neuen erweiterten gemeinsamen Zahlungslösung an. Alle drei Klarna-Einkaufsmethoden, Pay Now, Pay Later und Klarna Financing, können jetzt über eine einzige Integration über die digitale Finanzhandelsplattform von Wirecard in die Kaufabwicklung von Händlern eingebettet werden, um den durchschnittlichen Bestellwert, die Conversions und damit das Wachstum der Händler zu steigern. Als zentrale Anlaufstelle für Händler stellt Wirecard sicher, dass Klarna als Zahlungsoption problemlos in die Checkout-Seite der Händler integriert werden kann, und verarbeitet auch alle nachfolgenden Zahlungen über Klarna. Händler, die die All-in-One-Integration nutzen, können den Verbrauchern in neun Ländern (Schweden, Norwegen, Finnland, Dänemark, Schweiz, Deutschland, Österreich, Niederlande und Großbritannien) die gesamte Palette der Klarna-Zahlungsmethoden anbieten. Heute und noch mehr Regionen im Jahr 2020, einschließlich der USA und Australien. Darüber hinaus decken Wirecard und Klarna das Händler- bzw. Verbraucherrisiko ab, sodass die Zahlungen garantiert sind. Durch die Zusammenarbeit werden Wirecard und Klarna die Dienstleistungen des anderen ergänzen und gleichzeitig die potenzielle Händlerbasis und die globale Verbrauchermarke von Klarna erweitern. Kunden werden weiterhin eine reibungslose und problemlose Kaufabwicklung genießen, wenn sie über Klarna bezahlen.

11. März 2020 – Wirecard geht eine Zahlungspartnerschaft mit Grab ein, bei der Wirecard Transaktionen über die GrabPay-E-Wallet abwickelt, beginnend mit den Märkten in Malaysia, den Philippinen und Singapur. Verbraucher können ihre GrabPay-E-Wallet verwenden, um Transaktionen online und offline zu bezahlen, z. B. für Hagelfahrten oder die Zustellung von Lebensmitteln, aber auch, um Einkäufe auf E-Commerce-Websites oder in physischen Geschäften zu bezahlen. Durch diese Partnerschaft wird Wirecard Kartentransaktionen für GrabPay über seine digitale Finanzhandelsplattform verarbeiten und GrabPay auf weitere Händler ausweiten, um die Akzeptanz der mobilen Zahlungsmethode zu erhöhen.

05. März 2020 – Mit der neuen 360 ° Retail Experience, einem Prototyp eines interaktiven In-Store-Bildschirms mit integrierter Zahlungstechnologie, erweitert Wirecard weiterhin die Grenzen des Kundenerlebnisses im Einzelhandel. Das Innovation Lab von Wirecard hat die Einzelhandelslösung eingeführt, um den Anforderungen moderner Kunden gerecht zu werden: Eine kürzlich von Wirecard in Auftrag gegebene globale Umfrage ergab, dass die Mehrheit der Kunden bereit ist und darauf wartet, dass Einzelhändler innovative Zahlungsmethoden und In-Store-Technologien implementieren, um ihr Einkaufserlebnis zu verbessern . Das 360 ° Retail Experience ist ein Multitouch-Bildschirm mit kapazitiver Objekterkennung: Der Käufer kann einen Artikel aus dem Geschäft, z. B. einen Sneaker, aus dem Geschäft nehmen, auf dem Bildschirm platzieren und verschiedene Funktionen wie Hyperpersonalisierung und soziale Funktionen erhalten Medienfreigabe und sofortiges Auschecken. Der Bildschirm kombiniert das digitale Must-Have, das die Verbraucher von heute suchen, mit einer Erfahrung im Laden, von der stationäre Einzelhändler profitieren. Die Möglichkeit, über eine App oder eine mobile Website auszuchecken, die auf die Vorlieben der Einzelhändler zugeschnitten werden kann, und den Artikel dann an einen bevorzugten Ort zu liefern, bietet den Kunden ein einheitliches Handelserlebnis: eine vollständig digitale Online-Kaufabwicklung, die im Geschäft durchgeführt wird Der Käufer kann das Produkt vor dem Kauf berühren und fühlen.

02. März 2020 – Die Wirecard AG gab bekannt, dass die Wirecard AG die Online-Plattform für die Gründung und den Betrieb von Kleinstunternehmen auf der ganzen Welt ist, um Unternehmern ein vollständig digitales nahtloses Banking anzubieten. Die neue Partnerschaft ermöglicht es Xolo, unterstützt von Wirecards Digital Banking Services, den Bank- und Buchhaltungsaspekt seiner aktuellen Plattform zu überarbeiten und zu verbessern. Die Unternehmen arbeiten zusammen Die Unternehmen arbeiten innerhalb der sogenannten „Gig Economy“ zusammen, die sich auf digitale Plattformen bezieht, die es unabhängigen Freiberuflern ermöglichen, sich mit Einzelpersonen oder Unternehmen für kurzfristige Dienste oder die gemeinsame Nutzung von Vermögenswerten zu verbinden.

23. Januar 2020 – Wirecard und UZE Mobility sind eine strategische Partnerschaft eingegangen. Die Unternehmen werden sich zusammenschließen und ihre Zahlungs- und Geolokalisierungstechnologie kombinieren, um innovative Dienste im Bereich der Elektromobilität einzuführen und den Megatrend New Mobility and Commerce in Bewegung weiter voranzutreiben. Im Jahr 2019 begann UZE Mobility damit, Städten eine Flotte von Mehrzweck-Carsharing-Fahrzeugen zur Verfügung zu stellen, und wird im Jahr 2020 mit sogenannten Digital Kits skaliert. Hierbei handelt es sich um digitale Werbedisplays, die auf jedem Fahrzeugtyp platziert und über die UZE Mobility-Plattform verwaltet werden. Während des Einsatzes erfassen die Fahrzeuge sicher Geolokalisierungsdaten, die von öffentlichen und privaten Stellen bei der Erstellung elektronischer Karten, beim Geotagging und für andere Zwecke im Bereich der Mobilität verwendet werden können. Dieser Service ist für Benutzer kostenlos, die mit Daten, die nur vom Standort und der Umgebung des Fahrzeugs erfasst werden, zum UZE-Mobilitätsmarkt beitragen. Gleichzeitig bieten die Fahrzeuge eine einzigartige Werbefläche. Diese Form der digitalen Werbung bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Produkte und Dienstleistungen in bestimmten demografischen Bereichen zu bewerben, um einen gewünschten Zielmarkt zu erreichen. Beispielsweise kann ein Einzelhändler die Eröffnung einer neuen Filiale für ein Fahrzeug bewerben, das in der jeweiligen Nachbarschaft fährt. Laut einem Bericht von Zenith Media aus dem Jahr 2019 steigen die Ausgaben für Außenwerbung (OOH) weltweit jährlich stetig: 2018 lagen die weltweiten Ausgaben bei über 38,5 Mrd. USD, wobei diese Zahl voraussichtlich 42,2 Mrd. USD erreichen wird 2021. Im Rahmen der Zusammenarbeit wird Wirecard der bevorzugte Zahlungspartner für Transaktionen auf dem UZE-Markt sein. Die UZE Ads Kits haben ihre Straßenzulassung erhalten und die Proof-of-Concept-Phase erfolgreich bestanden. Bis 2020 will UZE Mobility zwischen 500 und 1.000 dieser Systeme auf die Straßen in der DACH-Region bringen. Darüber hinaus erweitert UZE Mobility derzeit seine Display-Plattform Mobility Digital um weitere Display-Anbieter. UZE Mobility plant, 2020 in Europa und international entsprechend zu skalieren. Darüber hinaus haben Ballungsräume wie Mexiko-Stadt und San Francisco Interesse an der Datenplattform und den Werbesystemen des Unternehmens bekundet.

20. Januar 2020 – Wirecard und EasyTransfer arbeiten zusammen, um nahtlose mobile Zahlungen für chinesische Studenten mit digitaler Muttersprache zu ermöglichen. Gemeinsam starten die beiden Unternehmen eine neue App für mobiles Bezahlen und Treue für chinesische Studenten, die außerhalb Chinas studieren. Allein im ersten Jahr wurden über EasyTransfer Studiengebühren in Höhe von rund 3,8 Milliarden US-Dollar überwiesen. EasyTransfer wurde von einer Gruppe ehemaliger internationaler Studenten gegründet, die dazu beitragen wollten, die Studiengebühren für Studenten weltweit zu vereinfachen. Das Unternehmen rationalisiert den gesamten traditionellen Überweisungsprozess und macht ihn vollständig digital. Dies spart Studenten und ihren Familien wertvolle Zeit und bietet Sicherheit, damit sie sich auf ihr Studium konzentrieren können. EasyTransfer expandierte schnell in über 30 Länder weltweit und verzeichnete in den letzten zwei Jahren ein Wachstum des Transaktionsvolumens um 829% und der Gesamtzahl der Transaktionen um 1079%. Aufgrund seiner strategischen Position und Relevanz für ein stetig wachsendes Segment chinesischer internationaler Studenten verfügt EasyTransfer bereits über Verbindungen zu mehreren chinesischen Banken. Eine Lösung, die Kontinuität und einen nahtlosen Zahlungsprozess in ihrem Gastland bietet und letztendlich sicherstellt, dass die im Ausland studierenden Studenten ihre Zahlungsgewohnheiten beibehalten können, die sich auf sichere mobile Zahlungen konzentrieren, war von entscheidender Bedeutung, um die Beziehungen von EasyTransfer zu seinen Verbrauchern weiter zu vertiefen . Wirecard hat seine intelligente mobile Zahlungsplattform speziell für EasyTransfer angepasst. EasyTransfer wird chinesischen internationalen Studenten flexible und vertraute Zahlungsprozesse sowie eine Fülle von Treuefunktionen und Zusatzdiensten aus seinem großen Netzwerk von Partnerhändlern anbieten können. Dank dieser Zusammenarbeit können Schüler mühelos online und offline über von Wirecard herausgegebene vollständig digitale Zahlungsprodukte einkaufen, für Speisepläne bezahlen, gezielte Angebote von Partnerhändlern erhalten, Peer-to-Peer-Transaktionen durchführen und Ausgaben über die EasyTransfer-App auf Knopfdruck verwalten ein Knopf. Wirecard wird zunächst die Einführung von EasyTransfer in der ersten Phase in Großbritannien ermöglichen und später in Märkte wie Australien, Nordamerika und andere chinesische Studentenziele expandieren.

06. November 2019 – Veröffentlichung der Zahlen und des Earnings Call zum abgelaufenen 3. Quartal 2019

Weitere Nachrichten können auf dem Newsportal des Unternehmen auf der Investor Relations-Seite gefunden werden, oder auch hier auf simplywallstreet.com im Zeitverlauf.

1.3 Aktionäre, Chart, Dividenden und Aktienrückkäufe – Wirecard AG

Eine positive Feststellung über die Besitzverhältnisse bei Wirecard, ist der Umstand, dass der CEO Markus Braun zeitgleich der größte Einzelaktionär des Unternehmens ist und rund 7,05 Prozent der ausstehenden Aktien besitzt. Desweiteren sind eine Reihe bekannter und namhafter Kapitalgesellschaften an Wirecard beteiligt, wie die Vanguard Group, Inc. und BlackRock Fund Advisors, die 2,8 und 1,6 Prozent der Aktien in ihrem Besitz haben. Die DWS Investment GmbH ist hier mit rund 4,94 Prozent der größte institutionelle Anteilseigner am Unternehmen.

Eine Zusammenfassung der Besitzverhältnisse, kann hier auf morningstar.com gefunden werden. Insgesamt befinden sich 7,1 Prozent aller ausstehender Aktien im Besitz von Unternehmens-Insidern. Institutionen halten etwa 30,2 Prozent der Aktien von Wirecard und rund 63,1 Prozent befinden sich im freien Umlauf.

Seit dem 04. November 2019 läuft ein Aktienrückkaufprogramm des Unternehmens. Im Rahmen dieses Programms wurden bis zum 23. April 2020 insgesamt bereits 926.680 Aktien zurück gekauft. Mit Blick auf Aktienrückkäufe, müssen aber diverse Kritikpunkte beachtet werden, wie beispielsweise der Umstand, dass die Rückkäufe zu viel zu teuren Kursen stattfinden können. In einem Artikel von wallstreet-online.de, wird hier Warren Buffett´s Meinung und seine Kriterien im Bezug auf Aktienrückkäufe beschrieben. Der Artikel wurde unter dem Titel „Warren Buffett über Aktienrückkäufe“ veröffentlicht. Für den hier vorliegenden Fall von Wirecard, spricht der starke Fall der Kurse in den Monaten März, April und Mai des Jahres 2020 dafür, dass das Unternehmen die aktuell relativ günstigen Kurse nutzt. Aktuell befinden sich rund 123,6 Mio. Aktien im Umlauf.

Seit dem Jahr 2008 schüttet das Unternehmen eine Dividende an seine Aktionäre aus, die zuletzt rund 0,2 Euro pro Jahr beträgt und auch nur einmal jährlich ausgeschüttet wird. Dafür wendet Wirecard rund 5 Prozent seiner Gewinne auf. Mit Blick auf die Dividendenhistorie muss man feststellen, dass die Dividende erst nach 2018 wieder gesteigert wird und praktisch seit der ersten Ausschüttung 2008 konstant gesenkt wurde. Damit sind die Dividenden des Unternehmens keine sichere Sache und müssen entsprechend bewertet werden.

1.4 Peergroupvergleich (Gesamtkapitalrendite) – Wirecard AG

UnternehmenGesamtkapitalrendite
in [%]
EV/EBIT-VerhältnisReturn on Capital (Leistung; Joel Greenblatt)Earnings Yield (Preis; Joel Greenblatt)
MasterCard, Inc.31,6%28,2722,0%3,6%
PayPal Holdings, Inc.5,1%46,3181,6%2,2%
ORIX Corp.2,7%---
Total System Services, Inc.8,1%31,3139,5%3,2%
VISA, Inc.17,3%25,6596,8%3,9%
Synchrony Financial2,8%---
American Express Co.2,9%---
Capital One Financial Corp.0,7%---
Intuit, Inc.26,0%35,4218,4%2,8%
Fidelity National Financial, Inc.7,8%6,9-14,6%
WEX, Inc.1,2%22,241,2%4,5%
Global Payments, Inc.1,6%72,384,9%1,4%
Wirecard AG7,7%15,7619,3%6,4%
EVERTEC, Inc.10,1%19,0130,3%5,3%
CBIZ, Inc. 5,3%18,043,34%5,6%
Automatic Data Processing, Inc.5,7%20,4320,9%4,9%
Paychex, Inc.12,1%19,3309,0%5,2%
Equifax, Inc.-5,4%51,9-37,3%1,9%

Um einen besseren Vergleich der Peer Group untereinander ziehen zu können, verwende ich hier mehrere Kennzahlen, darunter die Gesamtkapitalrendite, das Enterprise Value zu EBIT-Verhältnis, mit dem sich Unternehmen einer Branche gegeneinander vergleichen lassen (je niedriger die Zahl desto günstiger ist das Unternehmen im Verhältnis zu seiner operativen Ertragskraft) und die Kennzahlenkombination Return on Capital (Kapitalrendite; ROC) und Earnings Yield (Gewinnrendite; EY) nach der Berechnungsmethode von Joel Greenblatt, die Bestandteil seiner „Börsenzauberformel“ sind. Mit der kombinierten Betrachtung dieser beiden Kennzahlen, lässt sich die aktuelle Leistung des Unternehmens (ROC) gegen seine aktuelle Bewertung (EY) vergleichen. Eine Methode der Preis/Leistungs-Berechnung für Aktiengesellschaften.

Mit Blick auf die Gesamtkapitalrendite, spielt Wirecard im unteren Drittel der Vergleichsgruppe, ist aber im Bereich des Enterprise Value zu EBIT Verhältnisses hier deutlich günstiger bewertet als der Großteil der Gruppe. Berücksichtigt man das Kennzahlen Paar für die Bewertung nach Joel Greenblatt, dann ist Wirecard hier für die Leistungsfähigkeit relativ günstig bewertet.

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1.5 Segmente und Umsatzverteilung – Wirecard AG

Das Geschäft von Wirecard setzt sich aus den Segmenten Payment Processing & Risk Management, Acauiring & Issuing sowie Call Center & Communications Services zusammen, wobei das erste Segment für rund 73,4 Prozent der erwirtschafteten Umsätze steht und das zweite rund 30,2 Prozent beiträgt. Die Diskrepanz der Summe aller Umsatzanteile von 104,1 Prozent ergibt sich daraus, dass ein weiteres Segment laut Geschäftsbericht, das Segment Consolidation, negativ zum Ergebnis beitragen würde.

Die Umsätze von Wirecard werden zu rund 49,6 Prozent in Europa und zu 47,2 Prozent im asiatischen und Pazifikraum erwirtschaftet. Rund 8,8 Prozent der Umsätze entfallen auf Nordamerika und Afrika.

1.6 Wichtige Kennzahlen – Wirecard AG

Verschuldungsgrad und finanzielle Stabiliät

GeschäftsjahrEigenkapital-quoteFremdkapital-quote
201832,8 %67,2 %
201736,1 %63,9 %
201642,4 %57,6 %
201543,6 %56,4 %
201453,8 %46,2 %
201342,5 %57,5 %
201248,0 %52,0 %
201148,2 %51,8 %
201052,7 %47,3 %
200945,3 %54,7 %

Entwicklung der Verschuldung und des Gesamtkapitals: Die Bilanzsumme des Unternehmens zeigt ein deutliches Wachstum. In den letzten Jahres ist allerdings festzustellen, dass im Vergleich mehr Fremdkapital hinzu gekommen ist, so dass 2018 ein Tiefststand des Eigenkapitals zu verzeichnen war, der bei rund 32,8 Prozent liegt. Hier muss ein Augenmerk darauf gelegt werden, ob das der finanziellen Stabilität kritischen Schaden zufügen kann.

Finanzielle Stabilität: Das Current Ratio und das Quick Ratio der Wirecard AG liegen beide bei rund 1,8 und damit sind die Verbindlichkeiten des Unternehmens sehr gut aus dem Umlaufvermögen bzw. aus den liquiden Mitteln gedeckt. Die liquiden Mittel verzeichnen einen stabilen Zuwachs, der als gut für die finanzielle Stabilität gewertet werden kann, da Zahlungsschwierigkeiten unwahrscheinlicher werden.

Entwicklung des Goodwills in der Bilanz: Der ausgewiesene Goodwill in der Bilanz liegt bei rund 12,1 Prozent für das Jahr 2018. Der Anteil ist relativ hoch, aber noch nicht als kritisch anzusehen und seit 2015 ist der Anteil an der Bilanzsumme rückläufig. Das Risiko außerordentlicher Abschreibungen muss hier berücksichtigt werden.

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Zinsdeckungsgrad: Der Zinsdeckungsgrad von Wirecard liegt aktuell bei etwa 13,4 und damit ist die Zinslast des Unternehmens gut tragbar.

Anzahl ausstehender Aktien

GeschäftsjahrAusstehende Aktien
in Mio. Stück
Veränderung
2018123,6
2017123,6
2016123,6
2015123,6+0,1 %
2014123,5+10,1 %
2013112,2
2012112,2+ 10,2 %
2011101,8
2010101,8
2009101,8

Entwicklung der Anzahl ausstehender Aktien: Die Anzahl ausstehender Aktien verändert sich im Laufe der Zeit nur langsam. Die Anzahl der Aktien blieb so in den letzten 5 Jahren nahezu unverändert.

Operative Marge

GeschäftsjahrUmsäte
in Mio. EUR
EBIT
in Mio. EUR
operative
Marge
20182.016,2467,323,2 %
20171.490,0318,721,4 %
20161.028,4233,422,7 %
2015771,3170,122,1 %
2014601,0129,921,6 %
2013481,798,520,5 %
2012394,693,623,7 %
2011324,875,923,4 %
2010271,667,424,8 %
2009228,556,524,7 %

Entwicklung der Umsätze, des EBIT und der Gewinne: Die Wirecard AG zeigt einen klaren Wachstumstrend. Die Umsätze sowie die operativen und Nettogewinne konnten über die Jahre stark gesteigert werden. Wenn man die Umsätze mit den anfallenden Kosten vergleicht fällt auf, dass die Kosten ebenfalls sehr stark steigen.

Entwicklung der operativen und der Nettomarge: Die Margen des Unternehmens sind sehr recht stabil, was die Aussage stützt, dass das erzielte Wachstum organisch ist.

Free Cashflows

GeschäftsjahrFree Cashflows
in Mio. EUR
Veränderung
in %
2018726,1+32,4 %
2017548,5+101,4 %
2016272,3+64,9 %
2015165,1

Entwicklung der operativen und freien Cashflows: Die Cashflows von Wirecard zeigen analog zu Umsätzen und Gewinnen eine starke Wachstumstendenz.

Buchwert

GeschäftsjahrBuchwert
in Mio. EUR
Veränderung
in %
20181.922,8+17,6 %%
20171.635,2+10,9 %
20161.474,9+15,2 %
20151.280,5+19,4 %
20141.072,9+76,4 %
2013608,4+12,3 %
2012541,7+58,9 %
2011340,9+17,6 %
2010289,8+18,3 %
2009244,9+18,3 %

Entwicklung des Eigenkapitals: Der Buchwert, ergo das Eigenkapital von Wirecard, wächst seit der Unternehmensgründung konstant.

Entwicklung der Treasury Stocks in der Bilanz: Das Unternehmen hat keine eigenen Aktien in der Bilanz stehen.

Dividenden und Kurs-Gewinn-Verhältnis

Geschäftsjahr Dividenden
in EUR /Aktie
Earnings
per Share
KGV
20180,20 EUR2,81 EUR47,3
20170,18 EUR2,10 EUR44,3
20160,16 EUR2,16 EUR19,3
20150,14 EUR1,16 EUR40,10
20140,13 EUR0,89 EUR41,0
20130,12 EUR0,74 EUR38,8
20120,11 EUR0,67 EUR27,8
20110,10 EUR0,60 EUR20,7
20100,09 EUR0,53 EUR19,3
20090,09 EUR0,45 EUR21,4

Entwicklung der Dividenden und des KGV, sowie des KBV: Die Dividenden des Unternehmens sind im Vergleich zum Kurswert der Aktie nicht relevant, allerdings werden die Ausschüttungen kontinuierlich gesteigert und sind durch die Gewinne des Unternehmens sehr gut gedeckt.

Entwicklung der Gewinne je Aktie, der Freien Cashflows je Aktie und der Owners Earnings: Die Gewinne je Aktie konnten kontinuierlich gesteigert werden, ebenso entwickeln sich die freien Cashflows von Wirecard positiv.

1.7 Aussichten – Wirecard AG

Unternehmensspezifisch: Im Earnings Call des Unternehmens zum 3. Quartal 2019, veröffentlicht am 06. November 2019, wurde die langfristige Planung des Unternehmens bis 2025 in folgendem Bild zusammengefasst:

Die Analysten gehen hier mehrheitlich davon aus, dass die Umsätze von Wirecard bis 2021 weiter stark wachsen sollen. Gleiches gilt auch für die Gewinne des Unternehmens und es wird allgemein eine Steigerung der Margen erwartet. Damit wird dem Unternehmen ein organisches Wachstum und eine Steigerung der Produktivität unterstellt, wie sie in den vergangenen Jahren zu verzeichnen war. Die Schätzungen der Analysten auf finanzen.net zeigen ein vergleichbares Bild.

Erwartungen der Analysten auf simplywallstreet.com

Gesamtmark: Da Wirecard global aktiv ist und seine Operationen breit über den Globus aufgestellt hat, bietet der World Economic Outlook des Internationalen Währungsfonds (IMF) einen guten Anhaltspunkt für die möglichen Erwartungen für das Unternehmen, ebenso die World Economic Database. Der IMF rechnet in diesem Ausblick, zuletzt veröffentlicht im April 2020, mit einem Rückgang der Weltwirtschaft um rund 3 Prozent für das Jahr 2020. Damit ist die Erwartung sogar schlechter als für die Finanzkrise in den Jahren 2008 bis 2009. Für 2021 rechnet der IMF mit einem Wachstum von 5,8 Prozent.

Weitere gesamtwirtschaftliche Entwicklungen und Erwartungen können beispielsweise in den Publikationen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich gefunden werden. Hier bieten sich die jährlichen Wirtschaftsberichte und die quartalsweisen Rezensionen an. Weitere Datenlieferanten können sein:

Publikationen auf marketsandmarkets.com und der Research-Plattform marketresearch.com, zeigen im Folgenden die Erwartungen über die künftige Entwicklung:

SegmentPrognose
Weltweiter Markt für ZahlungsgatewaysDer weltweite Markt für Zahlungsgateways erreichte 2018 einen Wert von 11 Milliarden US-Dollar. Der Marktwert wird voraussichtlich bis 2024 17 Milliarden US-Dollar erreichen und zwischen 2019 und 2024 einen CAGR von 7,9% aufweisen. Payment Gateway ist eine webbasierte Anwendung, die als Vermittler zwischen einer E-Commerce-Website und einer Bank fungiert, um Online-Transaktionen zu autorisieren und zu authentifizieren. Es verschlüsselt vertrauliche Informationen wie Kreditkartennummern oder Bankkontodaten, um sicherzustellen, dass die Informationen sicher vom Kunden an die ausstellende Bank übertragen werden. Zahlungsgateways helfen auch bei der Verhinderung von Betrug, indem sie den Kartenverifizierungswert (CVV) und das Adressverifizierungssystem (AVS) bereitstellen. Darüber hinaus bieten sie den Kunden die Möglichkeit, zu jeder Tageszeit Einkäufe zu tätigen, ohne in langen Warteschlangen warten zu müssen.
Globaler Markt für digitale ZahlungenLaut tStratistics MRC wird der globale Markt für digitale Zahlungen im Jahr 2017 34,65 Milliarden US-Dollar ausmachen und bis 2026 voraussichtlich 168,65 Milliarden US-Dollar erreichen, was einem CAGR von 19,2% im Prognosezeitraum entspricht. Die zunehmende Akzeptanz von Smartphones und E-Commerce-Anwendungen sowie der sich ändernde Verbrauchertrend treiben das Marktwachstum voran. Die Wahrscheinlichkeit von Betrug bei Transaktionen schränkt jedoch den Markt ein.
Globaler Markt für Prepaid-KartenIn diesem Bericht werden die weltweiten Märkte für Prepaid-Karten in Millionen US-Dollar nach folgenden Segmenten analysiert: Closed Loop und Open Loop. Der Bericht enthält separate umfassende Analysen für die USA, Kanada, Japan, Europa, den asiatisch-pazifischen Raum, Lateinamerika und den Rest der Welt. Jährliche Schätzungen und Prognosen werden für den Zeitraum 2016 bis 2024 bereitgestellt. Für diese Märkte wird auch eine fünfjährige historische Analyse bereitgestellt. Marktdaten und Analysen stammen aus der Primär- und Sekundärforschung. Unternehmensprofile basieren hauptsächlich auf gemeinfreien Informationen, einschließlich Unternehmens-URLs. In dem Bericht werden 154 Unternehmen vorgestellt.
Weltweiter Markt für Betrugserkennung und -präventionZunehmende Einnahmeverluste von Organisationen aufgrund von Betrug, um den gesamten Markt für Betrugserkennung und -prävention voranzutreiben
Die weltweite Marktgröße für Betrugserkennung und -prävention (FDP) wird voraussichtlich von 19,5 Mrd. USD im Jahr 2018 auf 63,5 Mrd. USD im Jahr 2023 steigen, bei einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (Compound Annual Growth Rate, CAGR) von 26,6% im Prognosezeitraum. Zu den wichtigsten Wachstumsfaktoren für den Markt zählen steigende Umsatzverluste für Unternehmen aufgrund der zunehmenden betrügerischen Angriffe, der zunehmende Einsatz elektronischer Transaktionen in verschiedenen Branchen und eine zunehmende Komplexität von Cyber-Angriffen. Der Mangel an qualifizierten Sicherheitsexperten und an Integrationsfähigkeiten kann jedoch das Marktwachstum hemmen.
Digitaler ZahlungsmarktDigitaler Zahlungsmarkt nach Typ (Lösungen und Services), Lösungstyp (Zahlungsabwicklung, Zahlungsgateway, Zahlungsmappe, POS-Lösung, Zahlungssicherheit und Betrugsmanagement), Bereitstellungsmodus, Organisationsgröße und Region – Globale Prognose bis 2023
Die zunehmende Verbreitung von Smartphones dürfte das Wachstum des Marktes für digitale Zahlungen vorantreiben.
Der Markt für digitale Zahlungen wird für 2018 auf 38,00 Mrd. USD geschätzt und soll bis 2023 86,76 Mrd. USD erreichen, was einer CAGR von 18,0% im Prognosezeitraum entspricht. Zu den Hauptfaktoren für das Wachstum des Marktes für digitale Zahlungen zählen Initiativen zur Förderung des digitalen Zahlungsverkehrs, die hohe Verbreitung von Smartphones und die Notwendigkeit, den Kundenservice an POS-Terminals zu verbessern. Andererseits ist das Fehlen globaler Standards für grenzüberschreitende Zahlungen ein Schlüsselfaktor, der das Wachstum des Marktes für digitale Zahlungen hemmen dürfte.
Globaler Markt für kontaktloses BezahlenDie Größe des globalen Marktes für kontaktloses Bezahlen soll im Prognosezeitraum um 11,7% steigen
Die weltweite Marktgröße für kontaktloses Bezahlen wird voraussichtlich von 10,3 Mrd. USD im Jahr 2020 auf 18,0 Mrd. USD im Jahr 2025 steigen, bei einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (Compound Annual Growth Rate, CAGR) von 11,7% im Prognosezeitraum. Der Hauptvorteil von kontaktlosen Zahlungen besteht darin, dass Kunden Transaktionen sofort mit einem Fingertipp abschließen können. Dies erhöht die Geschwindigkeit von Transaktionen und macht kontaktlose Zahlungen noch effizienter. Mit der zunehmenden Integration kontaktloser Zahlungstechnologien in Mobiltelefone und Smartphones ist die Nachfrage nach kontaktlosen Zahlungslösungen in allen Ländern enorm gestiegen.
Weltweiter Markt für EchtzeitzahlungenDer weltweite Markt für Echtzeitzahlungen (RTP) wird im Prognosezeitraum voraussichtlich mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (Compound Annual Growth Rate, CAGR) von 30,6% wachsen
MarketsandMarkets prognostiziert ein Wachstum des globalen RTP-Marktes von 6,8 Mrd. USD im Jahr 2018 auf 25,9 Mrd. USD im Jahr 2023 bei einer jährlichen Wachstumsrate von 30,6% im Prognosezeitraum. Zu den wichtigsten Wachstumsfaktoren, die das Wachstum des RTP-Marktes vorantreiben sollen, gehören die hohe Verbreitung von Smartphones, die Einführung von Cloud-basierten Lösungen, die Forderung der Kunden nach sofortiger Zahlung und schnelleren Zahlungsabwicklungen sowie staatliche Initiativen. Die mangelnde Interoperabilität zwischen den Systemen und der zunehmende Wettbewerb auf dem Markt dürften die Einführung von RTP-Lösungen in den Schwellenländern einschränken, was wiederum das Wachstum des Marktes behindern könnte.
Globaler Markt für ZahlungsverarbeitungslösungenDie Marktgröße für globale Zahlungsverarbeitungslösungen soll im Prognosezeitraum um 10,4% steigen
Der weltweite Markt für Zahlungsverarbeitungslösungen wird voraussichtlich von 39,3 Mrd. USD im Jahr 2019 auf 64,5 Mrd. USD im Jahr 2024 wachsen, was einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (Compound Annual Growth Rate, CAGR) von 10,4% im Prognosezeitraum entspricht. Zu den wichtigsten Wachstumsfaktoren für den Markt zählen die zunehmenden weltweiten Initiativen zur Förderung digitaler und Online-Zahlungen, die hohe Verbreitung von Smartphones, der Fokus auf die Verbesserung des Kundenerlebnisses und die Nachfrage der Kunden nach Unmittelbarkeit von Zahlungen und Abrechnungen. Diese Faktoren werden voraussichtlich den globalen Markt für Zahlungsverarbeitungslösungen antreiben. Das Fehlen eines globalen Standards für internationale Transaktionen kann jedoch das Marktwachstum einschränken.
Marktforschungsbericht für digitale ZahlungenMarktforschungsbericht für digitale Zahlungen – Globale Prognose bis 2024
Globaler Marktforschungsbericht für digitale Zahlungen: nach Komponenten (Lösung und Services), nach Bereitstellung (Cloud und On-Premise), nach Unternehmensgröße (große Unternehmen sowie kleine und mittlere Unternehmen (KMU)), nach vertikal (BFSI, Media & Entertainment, IT & Telekommunikation, Gastgewerbe, Gesundheitswesen, Einzelhandel & E-Commerce und andere) nach Regionen (Nordamerika, Europa, Asien-Pazifik, Südamerika sowie Naher Osten und Afrika) – Prognose bis 2024

1.8 Einteilung nach Peter Lynch – Wirecard AG

Nach Peter Lynch handelt es sich bei der Wirecard AG um einen Fast Grower. Die Empfehlung von Peter Lynch wäre in diesem Fall „Kaufen und Halten„. Berücksichtigt man die zukünftigen Erwartungen für die Entwicklung des Unternehmens, gilt diese Empfehlung uneingeschränkt.


1.9 Levermann Score – Wirecard AG

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WertPunkte
1Eigenkapitalrendite
2EBIT-Marge
3Eigenkapitalquote
4Kurs-Gewinn-Verhältnis
5Kurs-Gewinn-Verhältnis (5Jahre)
6Analystenmeinung
7Reaktion auf die Quartalszahlen
(SPX)
8Gewinnrevision
9Kursverlauf der letzten 6 Monate
10Kursverlauf der letzten 12 Monate
11Trendumkehr
12Reversaleffekt
13Erwartetes Gewinnwachstum

Gesamt

1.10 Piotroski F-Score – Wirecard AG

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WertPunkt
1Positiver NettoertragJa1
2Positiver operativer CashflowJa1
3Gesamtkapitalrendite höher als im VorjahrJa1
4operativer Cashflow höher als NettogewinnJa1
5Niedrigerer Verschuldungsgrad als im VorjahrNein0
6Current Ratio höher als im VorjahrJa1
7Weniger oder gleich viele umlaufende Aktien
als im Vorjahr
Ja1
8Bruttomarge höher als im VorjahrNein0
9Kapitalumschlag höher als im VorjahrJa1
Gesamt7 von 9

1.11 Berichte und Präsentationen

2. Detailanalyse

Bei einigen Bewertungsverfahren, werde ich Annahmen und Prognosen über zukünftige Entwicklungen des Unternehmens machen müssen. Immer wenn ich Schätzungen machen muss, werde ich versuchen diese unter möglichst konservativen Annahmen zu machen, um keinen zu optimistischen Standpunkt einzunehmen.

2.1 SWOT – Analyse – Wirecard AG

Stärken:

  • Wirecard verfügt über eine zuverlässige, sehr gut ausgebaute und zuverlässige Online-Infrastruktur, die dem Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil gibt. Dazu kommt das sehr breit aufgestellte Kundennetz, maßgeblich das Netz an großen und bekannten Unternehmen, die in großer Zahl Kunden von Wirecard sind.
  • Wirecard hat es in der Vergangenheit auch sehr gut verstanden, sich in seiner Kernkompetenz beständig weiter zu entwickeln und zu verbessern. So hat Wirecard auch seine Prozesse kontinuierlich verbessert und optimiert.
  • Der Name des Unternehmens ist heute weithin bekannt und trotz aller rechtlichen Streitigkeiten und diverser Negativberichterstattung über das Unternehmen, hat sich Wirecard sehr gut gehalten und konnte seinen Kundenstamm beständig ausbauen.
  • Der Erfolg des Unternehmens, vor allem die Entwicklung nach der Finanzkrise nach 2008, zeigt deutlich ein sehr gut funktionierendes Risikomanagement das hier am Werk ist.

Schwächen:

  • Das Unternehmen ist sehr Risikoanfällig. Hierfür können zum einen das Geschäftsmodell und die Branche herangezogen werden, die insbesondere nach 2008 einem zunehmend steigenden Stress ausgesetzt sind. Hinzu kommen die immer wieder aufkommenden Berichte und Anschuldigungen gegen Wirecard, dass gegen geltende Bilanzierungsregeln verstoßen werde.
  • Wirecard arbeitet hier in einem hoch kompetitiven Marksegment und muss dementsprechend mit starker Konkurrenz zurecht kommen.

Chancen:

  • Der Trend hin zu immer mehr digitalem bezahlen und weg von der Verwendung von Bargeld, sind der Wachstumstreiber für das Geschäft von Wirecard.
  • Auch die aufkommenden digitalen Währen, auch Kryptowährungen genannt, bieten hier ein großes und chancenreiches Feld, auf dem sich das Unternehmen in Zukunft betätigen kann.
  • Die starke Entwicklung des e-Commerce ist für Wirecard eine weitere Chance sich weiterhin sehr gut zu entwickeln.

Risiken:

  • Die Wirtschaftspolitik ist weltweit sehr streng und die Tätigkeit über eine Vielzahl von Ländern und Wirtschaftsräumen hinweg, beinhaltet das immanente Risiko, in Konflikt mit lokalen Rechtsgepflogenheiten zu kommen.
  • Das Segment in dem sich Wirecard bewegt ist ein sehr zukunftsorientiertes Geschäft und bietet sehr gute Verdienstmöglichkeiten, das entsprechend viel Konkurrenz anzieht und hervorbringt. Hier liegt das Risiko für das Unternehmen, von der Konkurrenz abgehängt zu werden und schließlich Marktanteile zu verlieren.
  • Die größte Bedrohung für das Unternehmen liegt vermutlich in der steigenden Bedrohung durch Hackerangriffe und durch Betrüger.
  • Daneben bestehen noch die allgemeinen Markt- und Währungsrisiken.

2.2 Bewertungsverfahren – Wirecard AG

Für die Bewertung von Wirecard, greife ich in diesem Abschnitt auf verschiedene Verfahren zurück, die mir für das Unternehmen als sinnvoll und aussagekräftig erscheinen. Da eine Bewertung zukünftiger Entwicklungen hier eine wesentliche Rolle spielt, werde ich bei Prognosen, Schätzungen und Annahmen versuchen, wie bereits gesagt, eine möglichst konservative Sichtweise einzunehmen.

2.2.1 Bewertung der Arbeit des Managements

Um hier eine möglichst fundierte Aussage zu treffen, betrachte ich mehrere Kennzahlen, anhand derer ich eine Einschätzung über die Leistung der Geschäftsleitung treffen will. Ich gebe die Kennzahlen für den Prognose-Zeitraum zwar mit an, diese fließen aber nicht in die Berechnung mit ein. Die Schwäche bei dieser Methode der Managementbewertung liegt in der doppelten Wertung von Unternehmenskennzahlen. Die Finanzkennzahlen des Unternehmens fließen in die Bewertung der Aktie mit ein, daher ergibt sich ein grundlegendes Problem, ein gutes Management anhand derselben Zahlen abzuleiten und das Ergebnis bei der Bewertung eines Unternehmens nochmals zu berücksichtigen.

Erläuterung: Bei allen Kapitalrenditen, nehme ich Werte von > 15% im Durchschnitt, als 100% an. Für die Tilgungsdauer des Fremdkapitals, nehme ich alle Wert von < 1 Jahr als 100%

Unter Berücksichtigung der von mir unterstellten Bedingungen, kommt das Management von Wirecard auf eine Gesamtleistung von 36 Prozent.

2.2.2 Faires Kurs-Gewinn-Verhältnis

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Das Verfahren basiert darauf, dass auf ein Sockel-KGV, dem mindesten Vielfachen der Gewinne, zu dem ein Unternehmen bewertet sein sollte, Aufschläge berechnet und addiert werden, die sich nach bestimmten Fundamentaldaten des Unternehmens richten. Für dieses Verfahren muss ich verschiedene Annahmen treffen die sich teils auf Prognosen und Schätzungen stützen. Wo immer ich eine Einschätzung über zukünftige Entwicklungen machen muss, werde ich versuchen eine möglichst konservative Annahme zu treffen.

Ich habe das Sockel KGV für Wirecard mit 6,0 relativ niedrig angesetzt, da es durch die negativen Berichte immer wieder zu sehr volatilen Kursen gekommen ist.

Der KGV-Aufschlag für die finanzielle Stabilität beträgt 1,72 nach den von mir unterstellen Kriterien.

Für die Marktposition habe ich Wirecard 5,0 Porter-Punkte unterstellt (5-Kräfte-Modell nach Porter; Branchenstrukturanalyse) um dem starken Wettbewerbsdruck zu honorieren.

Für Rentabilität, Wachstum und die Marktposition des Unternehmens vergebe ich insgesamt einen Aufschlag von 3,0 auf das Sockel-KGV. Außerdem gibt es noch einen Aufschlag von 4,0 auf das Sockel KGV.

Ergebnis: Für die Wirecard AG errechne ich so ein theoretisch faires KGV von 16,2, was einen theoretisch fairen Kurs von 45,60 Euro je Aktie bedeuten würde, bezogen auf die Gewinne des Jahres 2018. Berechnet für die erwarteten Gewinne im Geschäftsjahr 2019, ergibt sich ein theoretisch fairer Wert von 69,62 Euro je Aktie.

2.2.3 Faires Kurs-Buchwert-Verhältnis:

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Ähnlich dem fairen Kurs-Gewinn-Verhältnis sucht die Bewertung mit dem fairen Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) nach einem fairen Aufschlag auf den Buchwert des Zielunternehmens. In die Berechnung fließt das faire KGV als Variable mit ein, um die Eigenkapitalkosten des Unternehmens einzuschätzen. Eine andere Möglichkeit diese Kosten zu berechnen, wäre zum Beispiel das Weighted Average Cost of Capital-Modell zur Berechnung von Kapitalkosten. Ein weiterer Bestandteil, ist der „risikofreie Zinssatz„. Für diesen verwende ich den Zins 10-jähriger US-Staatsanleihen (Treasury Bonds), der hier auf der Seite des U.S. Department of Treasury gefunden werden können.

Ergebnis: Für das Unternehmen ergibt sich ein theoretisch faires KBV von 3,17. Ein möglicher fairer Wert liegt demnach bei etwa 49,41 Euro je Aktie.

2.2.4 Gewinnrenditendiskontierung

Mit diesem Verfahren, betrachtet man eine Aktie wie eine Anleihe, mit einem variablen Zinssatz. Hier stellt der Gewinn je Aktie (EPS) den Zinskupons auf den Aktienkurs dar. Dabei kann man das Vorsteuerergebnis verwenden, sowie das Nachsteuerergebnis. Ich unterstelle in diesem Verfahren den EPS ein angenommenes Wachstum über einen bestimmten Zeitraum, berechne die Rendite am prognostizierten Zeitpunkt auf den aktuellen Aktienkurs und zinse diese Rendite mit einem Diskontierungsfaktor auf den heutigen Tag ab. Mittels des Kurs-Gewinn-Verhältnisses berechne ich einen theoretischen fairen Wert je Aktie. Ich beziehe mich im Folgenden auf das Nachsteuerergebnis. Für mögliche faire Werte, die sich aus diesem Verfahren berechnen, berücksichtige ich auch den Buchwert des Unternehmens je Aktie.

Ich rechen für Wirecard mit einem realistischen mittleren Wachstum der Gewinne je Aktie von 10,0 Prozent über die kommenden Jahre. Außerdem rechne ich mit einem Abzinsungsfaktor von 12,0 Prozent, der minimalen Rendite die ich von einem Investment erwarte, und einem Ziel-KGV von 16,2, das ich als theoretisch faires KGV berechnet habe. Ich betrachte hierbei das Nachsteuerergebnis über die kommenden 10 Jahre.

Ergebnis: Aus den von mir unterstellten Bedingungen ergibt sich ein theoretisch fairer Wert von 38,04 Euro je Aktie.

2.2.5 Dividendendiskontierung

Das Dividend Discount Model (DDM) ist ein einfaches Verfahren zur Bestimmung des theoretisch fairen Wertes einer Aktie. Es eignet sich gut für die Bestimmung des fairen Wertes von Dividendenaktien, geht aber von der Annahme eines vollkommenen Kapitalmarktes aus. Die zukünftigen Dividendenzahlungen werden mit einem Eigenkapitalkostensatz abgezinst (diskontiert). Man erhält so den fairen Wert der Aktie bzw. den gegenwärtigen Wert des Eigenkapitals je Aktie. Das Dividend Discount Model ist eine Unterform des Discounted Cash-Flow (DCF), wobei man hiefür die Dividende anstelle der Gewinne eines Unternehmens für die Berechnungen heranzieht. Für die Berechnung unterstelle ich den Dividenden ein angenommenes Wachstum über einen bestimmten Zeitraum, in meinem Fall 15 Jahre, sowie einen Terminal Growth, der auch als „ewige Wachstumsrate“ bezeichnet wird. Die so berechneten Dividendenerträge zinse ich mit einem Diskontierungsfaktor auf den heutigen Tag ab, das 1 Dollar heute mehr wert ist, als 1 Dollar in 15 Jahren. Die abgezinsten Dividenden je Aktie werden anschließend aufsummiert. Dazu gibt es hier noch einen Artikel auf finanzsenf.de.

Die Bewertung nach Dividenden ist für die aktuell niedrigen Renditen zwar nicht die beste Bewertungsmethode, ich ziehe die Methode aber trotzdem heran um ein entsprechendes Szenario zu entwickeln. Ich gehe hier von recht hohen Dividendenzuwächsen von über 15,0 Prozent p.a. über die kommenden 15 Jahre aus und verwende wieder einen Abzinsungsfaktor von 12,0 Prozent. Außerdem berücksichtige ich zusätzlich den Buchwert je Aktie.

Ergebnis: Aus den von mir unterstellten Bedingungen ergibt sich ein möglicher fairer Wert von 16,47 Euro je Aktie. Zuzüglich des Buchwertes je Aktie ergibt sich ein Ergebnis von rund 32,3 Euro je Aktie.

2.3 Zusammenfassung und Fazit – Wirecard AG

Die Wirecard AG ist in ihrem Geschäftsfeld sehr gut aufgestellt und verfügt über ein weitläufiges und robustes Netzwerk sowie einen soliden Kundenstamm und ist auch global breit aufgestellt. Allerdings fällt das Unternehmen immer wieder durch negative Berichte über Bilanzmanipulation und andere Vorkommnisse auf, die zwar bisher zum größten Teil als unbegründet verworfen werden konnten, den Kurswert der Aktie aber zu einem sehr volatilen Verhalten treiben. Gerade diese Anklagen, zuletzt wegen Vorwürfen der Bilanzfälschung, machen das Unternehmen nur sehr schwer einschätzbar und bergen das inhärente Risiko, dass hohe Rechtskosten oder Strafzahlungen vorkommen können. Damit stellt auch das innovative und profitable Geschäft des Unternehmens keine ausreichende Sicherheit für das Unternehmen dar.

Unter Berücksichtigung der von mir durchgeführten Bewertungen, sehe ich einen möglichen fairen Wert des Unternehmens zwischen 45,00 und 50,00 Euro je Aktie. Dabei betrachte ich allerdings nur die Fundamentaldaten und berücksichtige keine Sicherheitsmarge. Diese sollte allerdings bei den teilweise enormen Kursbewegungen berücksichtigt werden, da eine Bewertung rein nach Zahlen hier keine ausreichende Sicherheit darstellt.

Die Bewertung des Unternehmens stellt sich auf der Seite simplywallstreet.com folgendermaßen dar:

Was bei der Betrachtung der anfallenden Kosten des Unternehmens negativ auffällt, sind die rasant steigenden Kosten für Rechts-, Buchhaltungs-, Prüfungs- und Beratungsdienste die das Unternehmen stemmen muss. Diese Kosten stiegen von 2014 mit etwa 9,3 Mio. Euro Aufwand, auf über 45,9 Mio. Euro in 2018 an. Die steigende Belastung der Finanzen durch derartige Aufwendungen muss kritisch betrachtet werden, da es in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten mitunter der Fall sein kann, dass die Erträge des Unternehmens stark nachlassen, die Kosten dieser Position aber ungebrochen hoch sind und möglicherweise nicht ausreichend eingespart werden können.

Fazit: Nach meiner Auffassung ist Wirecard ein interessantes Unternehmen und operativ sehr gut aufgestellt in seiner Branche, damit konkurrenzfähig und verzeichnet ein sehr gutes Wachstum. Allerdings macht der volatile Aktienkurs das Unternehmen zu einer nur schwer einschätzbaren Investition. Daher nehme ich den unteren Rand der von mir berechneten fairen Bewertung von 45,00 Euro je Aktie als relevanten Zielkurs und würde hier eine Sicherheitsmarge von rund 20 Prozent ansetzen um das Risiko zu minimieren. Eine von mir bereits gehaltene erste Position würde ich in diesem Kursbereich überlegen auszubauen.

Update 19.06.2020 – Da es vor der Veröffentlichung dieses Artikels zu einem starken Kurssturz von über 60 Prozent gekommen ist, ausgelöst von Berichten der Wirtschaftsprüfer von Ernst and Young, muss ich meine Bewertung dementsprechend anpassen. Es geht um rund 1,9 Mrd. Euro, die als Sicherheitsleistungen von Wirecard Töchtern auf Treuhandkonten eingezahlt wurden um das Risikomanagement zu garantieren. Diese Konten konnten nicht bestätigt wären, es klafft also eine Lücke von 1,9 Mrd. Euro. Das könnte zu Kreditforderungen der Gläubigerbanken führen und würde damit die Insolvenz des Unternehmens realistisch machen. Da die Situation gerade sehr schwer einschätzbar ist und eine fundamentale Bewertung von Wirecard damit aus meiner Sicht nahezu unmöglich ist, fordere ich mindestens eine exorbitante Sicherheitsmarge auf den von mir berechneten fairen Wert von nicht unter 50 Prozent und das auch nur für den Fall, dass das operative Geschäft fortgeführt und die Insolvenz vermieden werden kann. Das mach Wirecard zu einem hoch spekulativen Wert, aber auch zu einer interessanten Fallstudie.

Ich hoffe die Analyse war interessant zu lesen

Peter Merkle

Weitere Analysen gibt es hier.

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