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Vestas Aktie – Windige Rendite?

Viel Spaß mit der Aktienanalyse zur Vestas Aktie wünscht Dir herzlichst das Team von Modern Value Investing.

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WKN/ ISIN: 913769 | DK0010268606

Geschäftsmodell

Unternehmensprofil

Vestas Windsystems ist der weltweit größte Hersteller von Windkraftanlagen. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz im dänischen Aarhus. Bei einem aktuellen Börsenwert von rund 17 Milliarden EUR beschäftigt das Unternehmen rund 25.000 Mitarbeiter.

Historie

Im Jahr 1898 kaufte der Däne Hand Smith Hansen die lokale Schmiedewerkstatt im dänischen Lem auf. 1928 gründete er mit seinem Sohn Peder ein Unternehmen, welches sich auf den Bau von Fensterrahmen spezialisiert hatte. Im Jahr 1945 gründeten die beiden mit weiteren Mitarbeitern die Vestjysk STaalteknik A / S . da dieser Name nach einiger Zeit zu sperrig klang, wurde das Unternehmen in Vestas umbenannt. Alsbald begann das Unternehmen mit der Herstellung von Haushaltsgeräten. In 1950 meldete das Unternehmen ein Patent auf Milchkannenkühler an.

In 1956 hatte Peders Bruder Sören die Idee, dass eine Werft aus der Nähe von Lem einen weiteren Gesellschafter sucht. Demnach begann das Unternehmen mit der Produktion von Kühlern für Turbolader. In 1959 zahlte Peder Hansen seine Gesellschafter aus, um die alleinige Kontrolle über Vestas zu bekommen. Im gleichen Jahr brannte die komplette Produktionsstätte ab. Wegen der anhaltend hohen Nachfrage nach den Produkten von Vestas konnte das Unternehmen im selben Zeitraum auf 100 Mitarbeiter anwachsen.

In 1968 begann das Unternehmen mit der Herstellung von Hydraulikkränen für Lastkraftwagen. Das Produkt wurde in insgesamt 65 Ländern exportiert.

Zu Beginn der 1980er Jahre begann das Unternehmen sich neu zu orientieren. Grund dafür war die bevorstehende Ölkrise. Die Unternehmensleiter begannen eine neue Art der Stromerzeugung zu suchen und fanden die Stromerzeugung mittels erneuerbarer Energien. 1978 waren dann die ersten Prototypen fertig aber noch keineswegs wirtschaftlich. Zum gleichen Zeitpunkt erfanden zwei Personen namens Karl Erik Jørgensen und Henrik Stiesdal eine Windkraftanlage, welche auch tatsächlich wirtschaftlich ist. Somit hatte Vestas das Geld und die beiden Erfinder das Produkt. Folglich taten sich beide Parteien zusammen.

1979 verkauft und installiert Vestas seine erste Turbine mit einer Leistung von 30 KW und 10 Metern Höhe. Im Herbst 1980 sorgte ein starker Sturm dafür, dass eine Turbine zusammengebrochen ist. Daraufhin stellt Vestas die gesamte Produktion ein und stoppt alle installierten Turbinen. Den Kunden wurde ein Jahr lang eine Entschädigung gezahlt da keine funktionierende Lösung in Sicht war.

In 1981 konnte das Problem endlich gefunden werden. Der Defekt war auf eine defekte Klinge zurückzuführen. Folglich begann das Unternehmen mit der Produktion eigener Glasfaserkomponenten. Die getätigten Investitionen machten sich schnell bemerkbar: Durch hohe Steuervergünstigungen für Windenergie orderte eine US amerikanische Reederei 155 Turbinen. Die Mannschaft wurde von 200 auf 870 Mitarbeiter aufgestockt. Im Jahr 1986 bestellte die Reederei weitere 1.200 Turbinen. Als Vestas diese allerdings liefern wollte, ging die Reederei bankrott und Vestas blieb auf der Produktionsmenge sitzen.

Im Jahr 1987 erfolgte die Umfirmierung in Vestas Wind Systems A/S. Im selben Jahr ergatterte das Unternehmen einen Auftrag für insgesamt sechs indische Energieprojekte.

In 1990 bekamen die Turbinen von Vestas ein Facelift. Die Turbinen waren nun anstatt wie bislang 3.800 kg, nur noch 1.100 kg. Mit dieser Weiterentwicklung erhielt das Unternehmen den Auftrag für 342 Windturbinen für den Sky River Windpark in Kalifornien. Im darauffolgenden Jahr verkaufte Vestas seine insgesamt 1.000 Turbine.

In 1994 entwickelten die Ingenieure von Vestas den V44, einer Turbine die insgesamt 600 KW Strom erzeugen kann. Außerdem verwendet dieses System das patentierte Optitip- Verfahren, bei dem die Belastung der Turbinenschaufeln minimiert wird. Zum ersten Mal kann Windkraft gleichmäßig viel elektrische Leistung erzeugen.

In 1995 stellte Vestas den ersten Offshore (auf Wasser) Windpark namens Tunoe Knob in Dänemark fertig. Mit 20 Meter langen Schaufeln konnte jede Turbine 500 kW Strom erzeugen. In 1997 stieg Vestas schließlich zum weltbesten Hersteller von Windkraftanlagen auf. Die V66-Turbine ist die bislang größte kommerzielle Windkraftanlage der Welt. Die Leistung von 1,65 MW ist 55-mal höher als die der ersten Windkraftanlage von Vestas aus dem Jahr 1979. Mit ihren 32 Meter langen Schaufeln produziert sie genug Strom, um rund 1.000 Haushalte zu versorgen. In 1998 erfolgte der Börsengang.

In 1999 entwickelte das Unternehmen die Windkraftanlage V80-2,0 MW. Die Turbine verfügt über das OptiSpeed®-System, das speziell für Gebiete mit geringen Windgeschwindigkeiten entwickelt wurde.  Im jahr 2000 erhielt Vestas den bislang größten Auftrag in der gesamten Laufbahn. Der spanische Energiekonzern Gamesa Eólica SA orderte insgesamt 1.800 Windanlagen. Vestas wird für den ersten großen Offshore-Windpark in der Nordsee ausgewählt, das Horns Reef-Projekt in Dänemark. Achtzig der neuen V80 von Vestas werden rund 150.000 dänische Haushalte mit Strom versorgen. 

Johannes Poulsen, seit 15 Jahren Geschäftsführer, geht am 18. April. 2002 in den Ruhestand. Svend Sigaard übernimmt. Vestas installiert 80 Turbinen am Horns Reef und errichtet die endgültige Turbine 11 Tage vor dem geplanten Termin. Da jedoch keine der Turbinen ordnungsgemäß funktioniert, werden 80 Produkte zur Reparatur zurückgenommen. Vestas etablierte im darauffolgenden Jahr drei neue Modelle namens V90-1,8 MW, V90-2,0 MW und V90-3,0 MW.  Die V90- Reihe verbessete den Wirkungsgrad der Windenergie – und machten sie im Vergleich zu anderen Energiequellen wettbewerbsfähiger.

In 2004 fusionierte Vestas mit dem dänsichen Konkurrenten NEG. Diese Fusion sorgte dafür, dass Vestas bis heute der unbestrittene Weltmarktführer für Windkraftanlagen ist. Im Oktober tritt Geschäftsführer Svend Sigaard zurück.

Im Jahr 2005 gibt der neue CEO Ditlev Engel die neue Strategie des Unternehmens bekannt. „Der Wille zum Sieg zeigt die Entschlossenheit von Vestas, Wind zu einer wettbewerbsfähigen Energiequelle zu machen, die Öl und Gas ebenbürtig ist.“ Der schwache USD und erhöhte Stahlpreise erdrückten das Jahresergebnis nach unten. Der US- amerikanische Großauftrag von Horizon Energy konnte daran nichts ändern.

In 2006 eröffnete Vestas die erste Produktionsstätte in China. Die Nachfrage war von Beginn an sehr hoch.

Im Jahre 2009 stellte die globale Finanzkrise Vestas vor neue Herausforderungen. Das Unternehmen brachte dennoch eine neue Technologie namens V112-3.0 MW auf den Markt.

In Q1 2012 erreichte Vestas seine 50.000 installierte th MW . Produkte von Vestas sind mittlerweile in insgesamt 73 Ländern aktiv. Gleichzeitig stieg Anders Runevad zum neuen Group President & Chief Executive Officer (CEO) auf und tritt die Nachfolge von Ditlev Engel an. Die neuen Managementbereiche „Technology & Service Solutions“, „Manufacturing & Global Sourcing“ und „Sales“ stellten nun die Kernkompetenzen des Unternehmens dar.

In 2015 wird Vestas durch die Akquisitionen von UpWind Solutions und Availon weiter ausgebaut. In 2017 erhielt Vestas den Auftrag für das weltweit erste netzgebundene Hybridkraftwerk im Versorgungsmaßstab, das Kennedy-Projekt in Australien. Es wird Windkraftanlagen, Sonnenkollektoren und Batteriespeicher bieten.

In 2018 Vestas erwirbt Utopus Insights, Inc., einen Anbieter von Energieanalysen. 

Segmente

Das Unternehmen erzielt seinen Umsatz über die nachfolgenden Segmente:

Bildquelle: Geschäftsbericht 2019.

Aktuell berichtet das Unternehmen in insgesamt drei Segmenten. Erstens der Produkten und dem Verkauf neuer Windräder, zweitens Servicedienstleistungen und drittens Lösungen für Offshore Windräder.

Management

Henrik Andersen, Jahrgang 1967, geboren und aufgewachsen in Arhus ist ein dänischer Rechtswissenschaftler und Unternehmensleiter. Nach einem Diplom von der Universität Arhus in International Business absolvierte er anschließend noch ein Studium der Rechtswissenschaften, ebenfalls an der Universität von Arhus. Nebenbei arbeitete er bei Jyske Abnk in verschiedenen Positionen. Von 1995-2000 war Andersen als Abteilungsleiter Corporate Clients bei selbiger Bank tätig. Im Jahr 2000 wechselte er zur ISS Group. Dort war er zunächst in verschiedenen Positionen tätig, bevor er im Jahr 2009 zum Country Manager für United Kingdom aufgestiegen ist. Im Jahr 2011 stieg er dann zum Finanzvorstand des Unternehmens auf. Seit 2019 ist er CEO von Vestas.

Aktionäre

Die nachfolgende Abbildung zeigt die aktuelle Aktonärsstruktur:

Bildquelle: https://de.marketscreener.com/VESTAS-WIND-SYSTEMS-1413059/unternehmen/

Aufbau eines Windrades

Du hast dich schon immer mal gefragt, wie so ein Produkt von Vestas aufgebaut ist? Im folgenden Video erklärt Volker Quaschning wie eine Windkraftanlage funktioniert. Viel Spaß!

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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=APPBiK8ydN0

Wettbewerbsanalyse

Das sind die größten Windradhersteller gemessen an GW:

  1. Vestas, Dänemark 10,1 GW
  2. Goldwind, China 6,66 GW
  3. General Electric 5 GW
  4. Siemens Gamesa 4 GW
  5. Envision, China 3,3 GW
  6. Ming Yang, China 2,44 GW
  7. Nordex, Deutschland 2,43 GW
  8. Guodian, China 1,3 GW

Branchenanalyse

Die folgende Abbildung konnte das Thema nicht besser formulieren:

Quelle: Bloomberg.

Aktuell liegt Kohle mit einem Marktanteil von 36,7% noch auf Platz 1. In 2035 gehen die Experten aber davon aus, dass erneuerbare Energien Platz 1 und einen Marktanteil von 35% inne haben könnten.

Fundamentaldaten

Umsatz

Bildquelle: eigene Darstellung.

Vestas konnte seinen Umsatz im 10- Jahres Vergleich steigern. Da das Geschäft von Großaufträgen abhängig ist, stagnieren die Umsätze zwischenzeitlich innerhalb des Betrachtungszeitraums. Für die nächsten Jahre gehen Analysten aber von steigenden Umsätzen aus. Die Branche hat Zukunft und Vestas ist Weltmarktführer. Doch irgendwann ist die Sättigung erreicht. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg.

Aktuell werden rund 85% der Umsätze mit dem Verkauf neuer Anlagen und 15% mit den damit verbundenen Serviceleistungen verdient. Größter Absatzmarkt ist immer noch Europa mit 40%. Gefolgt von den USA mit rund 30% Umsatzanteil. Das Unternehmen hat bislang auf dem asiatischen Markt noch nicht richtig Fuß gefasst, aktuell liegt der Anteil dort bei nur rund 12%. Die asiatischen Wachstumsraten sind zudem nicht berauschend. Durch das Corona- Virus werden diese Zahlen sicherlich zukünftig nicht besser ausfallen.

Die historische Wachstumsrate bezogen auf die letzten zehn Geschäftsjahre liegt bei rund 6%. Ein durchaus stabiler Wert wie ich finde.

Operatives Ergebnis

Bildquelle: eigene Darstellung,

Das Unternehmen hat in den letzten Jahren viel investieren müssen. Das erklärt hoffentlich, dass die Zahlen zum operativen Ergebnis in den vergangenen Geschäftsjahren, siehe bspw. 2011 und 2012 negativ ausfallen können. Trotzdem konnte das EBIT in den Folgejahren stabil steigen. Hierbei liegt die historische Wachstumsrate bezogen auf die letzten zehn Geschäftsjahre bei rund 3%. Die operative Marge liegt im Schnitt bei rund 10%.

Analyse der Bilanz

Bildquelle: eigene Darstellung.

Die Eigenkapitalquote tendiert so zwischen 30 und 40%. Der Grad der Verschuldung ist seit 2014 steigend und liegt demnach aktuell bei rund 328%. Das Unternehmen muss investieren, obwohl es Marktführer ist. Die Nettoverschuldung liegt aktuell bei dem 1,2 fachen des operativen Ergebnisses. Dieses Ergebnis ist wirklich als sehr positiv einzustufen.

Folgend die Kapitalrenditen im historischen Vergleich:

Bildquelle: eigene Darstellung.

Wie das obige Diagramm zeigt, konnten sich sowohl die Eigen- als auch die Gesamtkapitalrendite seit 2014 glücklicherweise wieder stabilisieren. Seitdem tendiert die Eigenkapitalrendite so zwischen 20 und 30% und die Gesamtkapitalrendite zwischen 7 und 10%. Der negative Ausreißer von 2012 ist vorwiegend auf die kostspieligen Umstrukturierungsmaßnahmen innerhalb des Unternehmens zurückzuführen.

Analyse des Cashflow

Bildquelle: eigene Darstellung.

Im Zuge des bereits im Vorfeld Erarbeiteten wird deutlich: Das Unternehmen wir durch seine ständigen Investitionen in Innovationen begleitet. Der Free Cashflow schwankt sehr stark und ist seit seinem High aus 2016 konnte er sich seit dem letzten Geschäftsjahr wieder erholen. Demnach liegt dieser bei rund 300 Millionen EUR, Tendenz steigend. Die prognostizierte Nachfrage wird dem Free Cashflow sicherlich stark weiterhelfen können.

Risikoanalyse

Der Piotroski F-score liegt aktuell bei 6 von 9 möglichen Punkten. Einzige Abzüge sind die sinkende Kapitalrendite, die sinkende Liquidität und die sinkende Bruttomarge.

Dividende

Bildquelle: eigene Darstellung.

Das Unternehmen zahlt seit 2015 eine steigende Dividende. Sie liegt aktuell bei 1,40 EUR je Aktie. Experten gehen für die Folgejahre von weiter steigenden Dividenden aus. Die Ausschüttungsquote liegt aktuell bei rund 30%.

Bewertung

Bildquelle: eigene Darstellung.

In meinem DCF- Modell habe ich unterstellt, dass der Gewinn je Aktie in den nächsten fünf Geschäftsjahren im Schnitt um rund 8% jährlich ansteigen wird. Zudem ergibt sich ein historisches KGV der letzten zehn Geschäftsjahre von 20. Außerdem unterstelle ich eine Erwartung an die Rendite von 10%. Nach Abzug einer Sicherheit in Höhe von 10% komme ich auf einen fairen Wert je Aktie von 80 EUR. Bei einem CORONA bereinigten Kurs von rund 96 EUR je Aktie ergibt sich eine Überbewertung von rund 20%.

SWOT

Bildquelle: eigene Darstellung basierend auf eigenen Überlegungen.

Abschließende Betrachtung

Ich hoffe Dir hat meine Analyse zu Vestas gefallen. Meiner Ansicht nach ist das Geschäftsmodell von Vestas durch und durch für die Zukunft geeignet. Die Verschuldung ist sehr niedrig und die Bewertung für diese Art von Unternehmen völlig in Ordnung. Es kommt auf jeden Fall auf meine persönliche Watchlist. Den Weg in mein Wikifolio und Depot hat die Aktie bereits gefunden.

Für Rückfragen stehe ich jederzeit gerne zur Verfügung. Kennst Du schon mein Wikifolio? Klicke hier und erfahre mehr über mein Wikifolio. Über eine Vormerkung würde ich mich sehr freuen!

Viele Grüße und bis zur nächsten Analyse
Luigi 😉

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Quellenverzeichnis

MSDS- Modern Value Investing sucht die Superaktie

Soll Vestas auf die Watchlist?

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