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US-Dollar und Euro

by Peter Merkle

Im neuen Marktbericht von Modern Value Investing, beschäftigen wir und mit der aktuellen Lage an den Währungsmärkten und speziell mit den Währungen der USA und des Euro-Raumes, dem US-Dollar und dem Euro. Das Währungspaar hat zuletzt eine deutlich auseinandergehende Entwicklung gezeigt, die hauptsächlich im Verhalten der jeweiligen Zentralbanken begründet liegt. Im folgenden Artikel möchten wir uns diese Entwicklungen näher ansehen.

US-Dollar steigt, Euro fällt.

Eine Entwicklung die an keinem interessierten Teilnehmer vorbei gegangen ist, ist die deutliche und fortgeführte Abwertung des Euros gegenüber dem US-Dollar. Die Gemeinschaftswährung der Europäischen Union verlor gegenüber dem US-Dollar binnen eines Jahres um rund 14,8 Prozent an Wert. Der Euro ist nun fast auf Parität mit dem US-Dollar.

Gründe für diese Entwicklung gibt es viele, besonders zwei wurden aber seit Jahresbeginn besonders einschneidend. Der erste Grund liegt in den Sanktionen gegen Russland begründet, die nach dem 24. Februar gegen das Land erhoben und nahezu durchgehend verschärft wurden. Die hohe Abhängigkeit der EU von russischen Energierohstoffen, insbesondere des wirtschaftlich starken Deutschlands, hat hier eine verheerende Entwicklung gezeitigt.

Mittlerweile mehren sich die Stimmen, die den Sanktionen eine selbst schädigende Wirkung bei ausbleibendem Effekt oder zumindest deutlich geringerer Wirkung als erhofft nachsagen. Auch die Theorie, dass die russische Wirtschaft abhängiger von den Einnahmen aus Exporten ist, als die EU von Warenlieferungen aus Russland, kann mittlerweile als falsch angesehen werden. Zur Stunde ist auch deutlich erkennbar, dass sich ein Großteil der Staaten der Erde den Sanktionen gegen Russland nicht angeschlossen hat. Dieser Umstand treibt geradezu haarsträubende Blüten, deren Gipfel zuletzt der steigende Ölimport in die EU aus Indien ist, welches russisches Öl zu einem horrenden Rabatt von 20 Prozent bezieht und mit einem enormen Aufschlag weiter verkauft.

Die negativen Auswirkungen der Preissteigerungen und der Unsicherheiten bei der Versorgung der eigenen Betriebe, ist der erste schwer wiegende Faktor für die Entwicklung des Euros. Flankiert wird das zusätzlich durch immer neue Regulierungen aus Brüssel und Straßburg, die zuletzt zu einem regelrechten Bauernaufstand in den Niederlanden geführt. Streitpunkt war hier das Vorhaben der örtlichen Regierung, Nitratwerte zu senken und dafür rund 30 Prozent der Landwirtschaften (Aussage Regierung Niederlande) stillzulegen. Ein Enteignungsvorhaben, welches nun zu immer weiter ausufernden Protesten führt, die mittlerweile auch auf andere EU Staaten übergreifen.

Mit der Annahme der Allgemeinen Verwaltungs-Verordnung durch den Bundesrat, drohen auch in Deutschland diese Proteste auszubrechen. Der Währung des Euro-Raumes, schadet auch diese Entwicklung zunehmend.

Der Zweite Punkt ist das auseinandergehende Verhalten der jeweiligen Zentralbanken. Während die US Fed bereits mehrere Anhebungen des Leitzinses vorgenommen hat, Plant die EZB für den Juli des erst den ersten verhaltenen Zinsschritt von 0,25 Prozentpunkten. Während die USA zwar deutliche Einbrüche am Aktienmarkt zu verzeichnen hatten, aber noch stabil funktionieren, hat in Europa bereits die Ankündigung eines Zinsschrittes für Verwerfungen am Anleihenmarkt gesorgt, insbesondere hoch verschuldeter Staaten wie Italien, Spanien oder Portugal.

Entsprechend wertet der US-Dollar gegenüber dem Euro auf. Die EZB ist im Zugzwang, denn ein starker US-Dollar bedeutet eine importierte Inflation, da Güter in US-Dollar immer teurer werden. Weltweit werden wichtige Rohstoffe wie Erdöl und Erdgas immer noch in US-Dollar gehandelt. Eine Erhöhung des Leitzinses in der EU hätte aber auch zur Folge, dass die bereits genannten hochverschuldeten Länder praktisch Pleite wären. Die EZB hat hier ein weiteres Mittel ausfindig gemacht, um diese Staaten noch mit Geldern zu versorgen. Die so genannte Fraktionierung soll verhindert werden, indem fällige Anleihen stabiler Länder durch Anleihen instabiler Volkswirtschaften ersetzt werden.

Der Nachteil: Halbwegs werthaltige Forderungen, wie es deutsche Bundesanleihen waren, werden durch “Finanzschrott” ersetzt, die EZB Bilanz damit zusätzlich “verseucht”.

Befürchtung einer fortgesetzten Abwertung

Besonders die beiden genannten Gründe werden voraussichtlich eine weitere Abwertung der Gemeinschaftswährung beflügeln. Hinzu kommt nun auch die Erweiterung des Euroraumes Anfang 2023 um Kroatien. Erste Wortmeldungen gehen bereits davon aus, dass der Euro eine Währung der Schwachen wird.

Insgesamt betrachtet, steht keine Währung aktuell mit besonders herausstechenden Ergebnissen zur Werthaltigkeit dar. Ironischerweise ist der russische Rubel aktuell die stabilste Währung auf dem Globus. Nach einem heftigen Einbruch im Februar 2022, hat die Währung der Russischen Föderation eine spektakuläre Rallye erlebt.

Es stellt sich die Frage danach, wie die Lage sich weiter entwickeln wird. Aus meiner Sicht ist nicht davon auszugehen, dass auch bei einer Beilegung des Konfliktes zwischen der Ukraine und Russland eine baldige Besserung der Beziehungen zu erwarten ist. Die Frage ob Russland seine Lieferungen in die EU als strategische Option nutzen wird, würde ich ein klares Ja als Antwort geben. Demgegenüber hat zuletzt Indonesien langfristige Liefervereinbarungen mit Russland geschlossen, was ich als weiteres erhärtendes Indiz sehe, dass die Sanktionen gegen Russland in einigen kritischen Punkten ins Leere laufen. Kurzfristig auf jeden Fall, langfristig kann ich keine Schätzung abgeben.

Die US Fed hält weiterhin an ihrer Zinserhöhung fest, während die EZB noch nicht einmal damit angefangen hat und bereits Zweifel vorgebracht werden. Aus meiner Sicht ist also damit zu rechnen, dass der Euro noch weiter abwerten wird im Jahresverlauf.

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