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Texas Instruments, Inc. – Aktienanalyse

by Peter Merkle

Detailanalyse

Bei einigen Bewertungsverfahren, werde ich Annahmen und Prognosen über zukünftige Entwicklungen des Unternehmens machen müssen. Immer wenn ich Schätzungen machen muss, werde ich versuchen diese unter möglichst konservativen Annahmen zu machen, um keinen zu optimistischen Standpunkt einzunehmen.

SWOT – Analyse

SWOT - Analyse

Stärken:

  • Texas Instruments, Inc. ist ein weltweit bekanntes und sehr gut etabliertes Unternehmen im Bereich der Halbleiterherstellung, das eine bereits sehr lange Firmengeschichte vorzuweisen hat. Daraus resultiert ein sehr langer Erfahrungsschatz am Markt.
  • Aus seiner Firmengröße und einem sehr breit aufgestellten Produktportfolio ergibt sich eine sehr starke Marktposition der Firma. Texas Instruments, mit seiner rund 70 jährigen Unternehmensgeschichte, hat sich bereits in vielen teils turbulenten Entwicklungen gut geschlagen und konnte immer so wirtschaften, dass das Unternehmen erhalten blieb und wachsen konnte. Auch darin kann ein Indiz für eine starke Marktposition gesehen werden.
  • Texas Instruments hat ein großes Budget für Forschung und Entwicklung und kann auf große Ressourcen für die Forschung und Entwicklung zurückgreifen, was dem Unternehmen einen starken Vorteil gegenüber anderen und kleineren Mitbewerbern gibt.
  • Durch das breite Produktportfolio, ist Texas Instruments sehr gut aufgestellt und durch Mitbewerber in seiner Branche daher schwerer angreifbar, da sich die Firma nicht nur auf ein oder wenige Produkte stützt.
  • Durch die stetige Expansion in Wachstumsmärkte, beispielswiese China, konnte sich Texas Instruments einen guten Wachstumspfad erschließen.
  • Das Unternehmen ist weltweit aktiv und verfügt über eine sehr große Kundenbasis. Das verringert die Abhängigkeit von einigen wenigen Großkunden und verringert das Risiko für die Firma.
  • Das Unternehmen ist außerdem hervorragend vernetzt, verfügt über einen weltweit starken Markennamen und ist auch bei vielen Absolventen ein bekannter Name, was es dem Unternehmen erleichtert, benötigtes Fachpersonal zu rekrutieren.

Schwächen:

  • Texas Instruments arbeitet in einem sehr wettbewerbsintensiven Bereich, der neben zahlreichen Mitbewerbern auch eine wachsende Anzahl junger Unternehmen sieht, die mit Texas Instruments um Marktanteile konkurrieren. Das bedeutet, dass die möglichen Margen für das Unternehmen begrenzt sind und die Preissetzungsmacht der Firma damit ebenfalls eingeschränkt ist.
  • Texas Instruments verfügt kaum über einen Direktverkauf an den Endkunden, sondern verdient den größten Teil seiner Umsätze als Zulieferer für andere Unternehmen. Entsprechend ist die Abhängigkeit von diesen Firmen groß.
  • Das bedeutet für Texas Instruments auch, dass sie sehr stark von einem Vertriebspartner, bzw. mehreren Vertriebspartnern abhängig sind, die den Endkundenverkauf übernehmen.
  • Man kann dem Unternehmen auch zuschreiben, sich innerhalb seines Segments sehr breit aufgestellt zu haben, aber außerhalb des Kerngeschäfts kann die Firma keine großen Erfolge vorweisen. Texas Instruments ist damit sehr stark auf ein Geschäftsfeld fokussiert, in dem es eine breite Produktpalette entwickelt hat.

Chancen:

  • Durch die weltweit steigende Nachfrage nach Halbleiterprodukten, kann Texas Instruments hier seine starke Marktposition nutzen um weiterhin gutes Wachstum zu produzieren. Die Nachfrage wird vor allem durch den 5G Ausbau, das autonome Fahren und die Entwicklung immer besserer Netzwerke und künstlicher Intelligenzen befeuert.
  • Mobile Geräte erfreuen sich einer immer weiteren Verbreitung und die dafür notwendigen Chips und andere Halbleiterkomponenten, können hier für gute Aussichten bei Texas Instruments sorgen.
  • Die steigende Nachfrage nach erneuerbaren Energien und der damit verbundene Steuerungsbedarf, könnte ebenfalls von Texas Instruments genutzt werden.

Risiken:

  • Der wirtschaftliche Schaden, der in den USA und in Europa seit Mitte 2020 zu beobachten war, hat auch Texas Instruments hart getroffen und vor allem sind die Schäden an Zulieferketten ein großes Hemmnis für das Unternehmen. Weitere Unsicherheiten, die sich aus den Entwicklungen seit 2020 ergeben, können das Unternehmensergebnis nachhaltig beeinflussen.
  • Insgesamt ist durch die wirtschaftlichen Einschränkungen ein erheblicher Wirtschaftsschaden entstanden. Außerdem ist in diesem Zusammenhang die Volatilität der Nachfrage deutlich hervorgetreten.
  • Da Texas Instruments global agiert, haben Änderungen der Wechselkurse (Wechselkursrisiko) einen größeren Einfluss auf das Unternehmen.
  • Eines der Hauptrisiken ist allerdings nach wie vor die starke und unnachgiebige Konkurrenzsituation.

Bewertungsverfahren

Für die Bewertung greife ich in diesem Abschnitt auf verschiedene Verfahren zurück, die mir für das Unternehmen als sinnvoll und aussagekräftig erscheinen. Da eine Bewertung zukünftiger Entwicklungen hier eine wesentliche Rolle spielt, werde ich bei Prognosen, Schätzungen und Annahmen versuchen, wie bereits gesagt, eine möglichst konservative Sichtweise einzunehmen. Dabei muss aber immer berücksichtigt werden, dass ich hier keine explizite Annahme aufstelle, wie sich das Unternehmen nach meiner Ansicht über einen bestimmten Zeitraum in der Zukunft entwickeln wird. Vielmehr versuche ich, auch bedingt durch eher konservative Schätzungen, Szenarien für eine mögliche Entwicklung zu entwerfen, was das Unternehmen theoretisch wert sein könnte, sollte ein bestimmtes Szenario eintreten.

Außerdem lassen sich mit verschiedenen Modellen auch Aussagen darüber treffen, welche Entwicklungen theoretisch eintreten müssten, damit das Unternehmen einen fairen Wert nahe dem aktuellen Kurswert erhalten würde. Inwiefern diese Entwicklungen dann wahrscheinlich und möglich sind, bleibt der Einschätzung jedes Einzelnen überlassen.

Bewertung der Arbeit des Managements

Bewertung der Arbeit des Managements

Um hier eine möglichst fundierte Aussage zu treffen, betrachte ich mehrere Kennzahlen, anhand derer ich eine Einschätzung über die Leistung der Geschäftsleitung treffen will. Ich gebe die Kennzahlen für den Prognose-Zeitraum zwar mit an, diese fließen aber nicht in die Berechnung mit ein. Die Schwäche bei dieser Methode der Managementbewertung liegt in der doppelten Wertung von Unternehmenskennzahlen. Die Finanzkennzahlen des Unternehmens fließen in die Bewertung der Aktie mit ein, daher ergibt sich ein grundlegendes Problem, ein gutes Management anhand derselben Zahlen abzuleiten und das Ergebnis bei der Bewertung eines Unternehmens nochmals zu berücksichtigen.

Erläuterung: Bei allen Kapitalrenditen, nehme ich Werte von > 15% im Durchschnitt, als 100% an. Für die Tilgungsdauer des Fremdkapitals, nehme ich alle Wert von < 1 Jahr als 100%

Nach den von mir betrachteten Kriterien, hat Texas Instruments ein sehr gut arbeitendes Management, dessen Gesamtleistung bei 93 Prozent liegt. Die erwirtschafteten Renditen des Unternehmens, die moderaten theoretischen Schuldentilgungszeiten und die guten Wachstumskennzahlen pro Aktie sprechen positiv für das Unternehmen.

Hier muss allerdings ein Aspekt mit berücksichtigt werden: Die Wachstumskennzahlen je Aktie sind deshalb so gut, da das Unternehmen konstant Aktien zurückkauft. Die nominalen Wachstumskennzahlen zeigen hier ein deutlich anderes Bild, auch wenn man das schlechte Ergebnis des Buchwertzuwachses wieder mit den großen Beständen eigener Aktien in der Bilanz erklären kann. Darum muss nach wie vor die Frage gestellt werden, wie nachhaltig die Aktienrückkäufe sind, ob sie nicht zu teuer erkauft sind und ob die dafür aufgebrachten Mittel nicht sinnvoller eingesetzt werden können.

Faires Kurs-Gewinn-Verhältnis

Faires Kurs-Gewinn-Verhältnis

Dazu ist hier ein interessanter Artikel auf diyinvestor.de zu finden.

Das Verfahren basiert darauf, dass auf ein Sockel-KGV, dem mindesten Vielfachen der Gewinne, zu dem ein Unternehmen bewertet sein sollte, Aufschläge berechnet und addiert werden, die sich nach bestimmten Fundamentaldaten des Unternehmens richten. Für dieses Verfahren muss ich verschiedene Annahmen treffen die sich teils auf Prognosen und Schätzungen stützen. Wo immer ich eine Einschätzung über zukünftige Entwicklungen machen muss, werde ich versuchen eine möglichst konservative Annahme zu treffen.

Texas Instruments ist schon sehr lange am Markt und gehört praktisch zu den ersten kommerziellen Halbleierproduzenten. Für seine lange Firmengeschichte und die gute Leistung, setzte ich ein Sockel-KGV von 8,0 an, also das Minimum zu dem das Unternehmen meiner Meinung nach bewertet sein sollte. Das niedrigste KGV der letzten 10 Jahre lag bei rund 9,6.

Für die Faktoren, die die finanzielle Stabilität illustrieren, erreicht Texas Instruments einen KGV-Aufschlag von 1,82, trotz relativ niedrigem Eigenkapitalanteil.

Für die Marktposition, habe ich insgesamt mit 7,0 Porter-Punkten gerechnet (5-Kräfte-Modell nach Porter; Branchenstrukturanalyse), gehe also von einem stark umkämpften Markt aus, obwohl die erzielten Umsatzrenditen hier für einen Wettbewerbsvorteil der Firma sprechen. Für Rentabilität und Marktposition erhält Texas Instruments einen Aufschlag von 2,1 auf das Sockel-KGV.

Für das von mir als wahrscheinlich erachtete Wachstum bekommt die Firma einen Aufschlag von 1,0.

Für individuelle Faktoren bin ich bereit, Texas Instruments einen Aufschlag von 5,0 auf das Sockel-KGV zuzugestehen. Das Unternehmen hat hohe liquide Mittel, das Eigenkapital wird umfänglich durch einen hohen Anteil Treasury Stocks nach untern gezogen, die Firmenkultur sieht langjährige Mitarbeiter in Führungspositionen, die diese auch lange inne haben, die Margen sind hervorragend und verbesserten sich stetig und die Rentabilität ist hoch. Daher sind 5,0 als Aufschlag ein fairer Wert nach meiner Auffassung.

Ergebnis: Aus den von mir unterstellten Annahmen ergibt sich ein theoretisch faires KGV von 17,92 für Texas Instruments. Das würde bei den für 2020 ausgewiesenen Gewinnen einen Aktienkurs von 108,51 US-Dollar bedeuten. Für die zu erwartenden Gewinne für 2021, wäre der mögliche faire Wert bei 122,03 US-Dollar je Aktie anzusetzen.

Man kann hier die Variablen anpassen und weitere Szenarien fahren, beispielsweise indem man anstelle des Sockel-KGV, das 10-jährige Minimum oder den 10-jährigen Median des KGV verwenden, was die Ergebnisse stark beeinflussen würde, ich bleibe hier allerdings bei meiner, wie ich finde konservativen Annahmen für alle Variablen.

Faires Kurs-Buchwert-Verhältnis:

Faires Kurs-Buchwert-Verhältnis:

Erläuterungen über die relative Bewertung mithilfe von Miltiples und Multiplikatoren sind hier auf der Seite diyinvestor.de zu finden.

Ähnlich dem fairen Kurs-Gewinn-Verhältnis sucht die Bewertung mit dem fairen Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) nach einem fairen Aufschlag auf den Buchwert des Zielunternehmens. In die Berechnung fließt das faire KGV als Variable mit ein, um die Eigenkapitalkosten des Unternehmens einzuschätzen. Eine andere Möglichkeit diese Kosten zu berechnen, wäre zum Beispiel das Weighted Average Cost of Capital-Modell zur Berechnung von Kapitalkosten. Ein weiterer Bestandteil, ist der “risikofreie Zinssatz“. Für diesen verwende ich den Zins 10-jähriger US-Staatsanleihen (Treasury Bonds), der hier auf der Seite des U.S. Department of Treasury gefunden werden können.

Ergebnis: Für das faire KBV ergibt sich ein Wert von 9,11, der als fair betrachtet werden könnte. Das entspricht einem Kurs von rund 91,07 US-Dollar je Aktie.

Würde man das Eigenkapital des Unternehmens um die Treasury Stocks korrigieren, würde der Buchwert (Eigenkapital) von 9,2 Mrd. US-Dollar auf über 45,7 Mrd. US-Dollar steigen. Das ist allerdings eine theoretische Betrachtung. Zwar könnte das Unternehmen Treasury Stocks wieder veräußern und damit liquide Mittel generieren, allerdings würden diese Aktien dann wieder zu den ausstehenden Aktien zählen und die Ergebnisse je Aktie verwässern und keinen direkten Nutzen für alle Aktionäre liefern.

Gewinnrenditendiskontierung

Gewinnrenditendiskontierung

Mit diesem Verfahren, betrachtet man eine Aktie wie eine Anleihe, mit einem variablen Zinssatz. Hier stellt der Gewinn je Aktie (EPS) den Zinskupons auf den Aktienkurs dar. Dabei kann man das Vorsteuerergebnis verwenden, sowie das Nachsteuerergebnis. Ich unterstelle in diesem Verfahren den EPS ein angenommenes Wachstum über einen bestimmten Zeitraum, berechne die Rendite am prognostizierten Zeitpunkt auf den aktuellen Aktienkurs und zinse diese Rendite mit einem Diskontierungsfaktor auf den heutigen Tag ab. Mittels des Kurs-Gewinn-Verhältnisses berechne ich einen theoretischen fairen Wert je Aktie. Ich beziehe mich im Folgenden auf das Nachsteuerergebnis. Für mögliche faire Werte, die sich aus diesem Verfahren berechnen, berücksichtige ich auch den Buchwert des Unternehmens je Aktie.

Eine beisipielhafte Berechnung der gewichteten Kapitalkosten könnte so aussehen:

Die Seite gurufocus.com, weist für Texas Instruments, Inc. allerdings ein WACC von rund 7,16 Prozent aus.

Ich bin hier in einem ersten Schritt davon ausgegangen, dass Texas Instruments seine Aktienrückkäufe auch weiter fortsetzt und am Ende dadurch ein EPS-Wachstum von effektiv 10,0 Prozent pro Jahr, über die nächsten 10 Jahre erreichen kann. Das ist eine optimistische Annahme. Ich verwende einen standardmäßigen Abzinsungsfaktor von 12,0 Prozent als minimale Renditeforderung an ein Investment. Als KGV rechne ich mit dem mittleren KGV der letzten 10 Jahre von 21,2

Ergebnis: Aus den von mir unterstellten Annahmen errechnet sich ein theoretisch faires Ergebnis von 107,23 US-Dollar je Aktie, bezogen auf das Nachsteuerergebnis bei einem Zeitraum von 10 Jahren.

Würde ich die Wachstumsannahme auf nur noch 5,0 Prozent pro Jahr reduzieren, sinkt der faire Wert auf nur noch 67,34 US-Dollar je Aktie. So lassen sich beispielsweise auch durch die Veränderung anderer Variablen weitere Szenarien fahren. Rechne ich mit dem aktuellen KGV von 27,26, bei sonst unveränderten Variablen, ergibt sich ein theoretisch fairer Wert von 139,70 US-Dollar je Aktie. Bei einem Abzinsungsfaktor von nur noch 10,0 Prozent, würde sich das Ergebnis auf 128,40 US-Dollar je Aktie ändern. Dabei habe ich keine weitere Sicherheitsmarge berücksichtigt.

Cashflowdiskontierung (Brutto- und Nettoverfahren)

Cashflowdiskontierung (Brutto- und Nettoverfahren)

Bei diesem auf Cashflows basierenden Verfahren, habe ich einmal das Bruttoverfahren (Free Cashflow to Firm) und das Nettoverfahren (Free Cashflow to Equity) angewendet, um einen Zielbereich für einen möglichen fairen Wert zu bestimmen. Als mögliche Wachstumsraten, habe ich auch hier wieder versucht möglichst konservative Schätzungen anzunehmen.

Für viele Schätzungen berücksichtige ich die Mittelwerte der letzten 10 Jahre und ich betrachte in der Unternehmensentwicklung einen Zeitraum über die kommenden 10 Jahre.

Free Cashflow to Firm – Bruttoverfahren:

Free Cashflow to Equity – Nettoverfahren:

Ich rechne in beiden Fällen mit den gleichen Wachstumsannahmen und gehe dabei von einem Wachstum von rund 5,0 Prozent aus. Ich betrachte wieder einen Zeitraum von 10 Jahren und rechne mit einem Abzinsungsfaktor von 12,0 Prozent über alle Betrachtungszeiträume.

Ergebnis: Aus den von mir unterstellten Annahmen ergeben sich für das Bruttoverfahren ein theoretisch fairer Wert von 97,22 und für das Nettoverfahren von 100,35 US-Dollar je Aktie. Erweitere ich den Betrachtungszeitraum auf 20 Jahre, läge ein fairer Wert bei 100,38 bzw. 103,60 US-Dollar je Aktie. Weitere Szenarien würden sich mit höheren oder niedrigeren Wachstumsannahmen fahren lassen oder einer Änderung des Abzinsungsfaktors. Eine gesenkte Renditeerwartung von nur noch 10,0 Prozent hätte unter sonst unveränderten Bedingungen einen theoretisch fairen Wert von 136,23 bzw. 140,50 US-Dollar je Aktie zur Folge, bei einem Betrachtungszeitraum von 10 Jahren.

Dividendendiskontierung

Dividendendiskontierung

Das Dividend Discount Model (DDM) ist ein einfaches Verfahren zur Bestimmung des theoretisch fairen Wertes einer Aktie. Es eignet sich gut für die Bestimmung des fairen Wertes von Dividendenaktien, geht aber von der Annahme eines vollkommenen Kapitalmarktes aus. Die zukünftigen Dividendenzahlungen werden mit einem Eigenkapitalkostensatz abgezinst (diskontiert). Man erhält so den fairen Wert der Aktie bzw. den gegenwärtigen Wert des Eigenkapitals je Aktie. Das Dividend Discount Model ist eine Unterform des Discounted Cash-Flow (DCF), wobei man hiefür die Dividende anstelle der Gewinne eines Unternehmens für die Berechnungen heranzieht. Für die Berechnung unterstelle ich den Dividenden ein angenommenes Wachstum über einen bestimmten Zeitraum, in meinem Fall 15 Jahre, sowie einen Terminal Growth, der auch als “ewige Wachstumsrate” bezeichnet wird. Die so berechneten Dividendenerträge zinse ich mit einem Diskontierungsfaktor auf den heutigen Tag ab, das 1 Dollar heute mehr wert ist, als 1 Dollar in 15 Jahren. Die abgezinsten Dividenden je Aktie werden anschließend aufsummiert. Dazu gibt es hier noch einen Artikel auf finanzsenf.de.

Aus Dividendensicht ist Texas Instruments besonders interessant, da das Unternehmen bereits über lange Jahre steigende Dividenden ausschüttet. Ich hab in einer ersten Berechnung ein relativ hohes Dividendenwachstum von rund 10,0 Prozent unterstellt und einen Zeitraum von 15 Jahren betrachtet. Für den Terminal Value habe ich nur noch ein Plus von 5,0 Prozent als realistisch angenommen. Als Abzinsungsfaktor habe ich 12,0 Prozent gewählt, bzw. 10 Prozent für den Terminal Growth.

Ergebnis: Unter den von mir unterstellten Annahmen ergibt sich ein theoretisch fairer Wert von 119,68 US-Dollar je Aktie. Wiederum habe ich keine gesonderte Sicherheitsmarge berücksichtigt. Ich hab in einer weiteren Betrachtung zuerst die Wachstumsannahmen verändert und zwar auf einmal 5,0 Prozent und einmal auf 3,0 Prozent für den Terminal Value. Ich hab anschließend versucht die Abzinsungsfaktoren so anzupassen, um einen theoretisch fairen Wert in der Nähe des aktuellen Aktienkurses zu erhalten. Damit wollte ich eingrenzen, mit welchen Renditen zu rechnen wäre, wenn ich den aktuellen Kurs als fair annehme. Das Ergebnis waren 8,0 Prozent für die Wachstumsphase und 6,0 Prozent für den Terminal Value.

Zusammenfassung und Fazit

Zusammenfassung und Fazit

Texas Instruments, Inc. ist ein bekannter, aber von Investoren meist nicht besonders wahrgenommener Halbleiterherstellt, der nach meiner Auffassung eine sehr gute Unternehmensqualität hat. Das Management hat hier im Laufe der Jahre eine sehr gute Arbeit geleistet. Seit der Übernahmen der Führung durch den amtierenden CEO Richard Templeton 2004, konnte sich das Unternehmen sehr gut entwickeln. Mir gefällt hier besonders die lange Betriebszugehörigkeit des CEO und seine lange Amtszeit. Die Renditen des Unternehmens, die positive Entwicklung der Margen, die länge der Amtszeit selbst und andere Faktoren lassen darauf schließen, dass das Management hier eine sehr gute Arbeit leistet. Die Margen werden durch das operative Geschäft verdient und diese sind seit Jahren in einem stetigen Aufwärtstrend. Zum einen konnte das Unternehmen seine Umsätze steigern, zeitgleich aber auch die Kosten für Produktion senken. Das lässt auch Schlüsse darauf zu, dass der COO hier einen sehr guten Job gemacht hat. Die Position wurde 2020 von Haviv Ilan übernommen und hier muss sich noch zeigen, ob er die Arbeit so fortsetzen kann. Allgemein muss man hier aber eine gute Arbeitsweise unterstellen, indiziert durch die Geschäftszahlen. Die Produkte des Unternehmens werden in vielen Sparten und Branchen benötigt, von denen das Unternehmen selbst die Branchen Industial und Automotive als die interessantesten für die Zukunft betrachtet. Halbleiterelemente von Texas Instruments werden aber auch beispielsweise Consumer Elektronics verwendet und eine Vielzahl anderer Verwendungen. Das Portfolio des Unternehmens reicht hier über mehrere Tausend Artikel und das Unternehmen fertigt rund 80 Prozent selbst.

Als Dividendenzahler ist das Unternehmen für Investoren besonders interessant, denn die Dividenden werden konstant gesteigert. Negativ kann man hier betrachten, dass ein immer größerer Teil der Gewinne ausgeschüttet wird, allerdings kann das Unternehmen seine Kosten problemlos decken und eine Beteiligung der Aktionäre über Dividenden ist daher eine gute Option. Zu beachten ist hier folgendes: Es gab in den Jahren 2001 und 2002 Verlustjahre und es wurden trotzdem Dividenden ausgeschüttet, was man ebenfalls negativ betrachten kann. Im nachhinein sind dem Unternehmen dadurch aber keine gravierenden Nachteile entstanden. Als Dividendenzahler ist Texas Instruments damit eine Überlegung wert.

Die Kosten für Forschung und Entwicklung verlaufen bei Texas Instruments fast durchgehend auf nominal gleichem Niveau. Es werden Jahr für Jahr rund 1,5 Mrd. US-Dollar in die Forschung investiert. Das bedeutet, dass das Unternehmen sehr gut prognostizierbar in diesem Bereich ist und die Anteile der Forschungskosten bei steigenden Umsätzen einen immer geringeren Kosten-posten darstellen. Zuletzt wurden rund 16,5 Prozent der Bruttogewinne für die Forschung ausgegeben, was im moderaten Bereich liegt und dem Unternehmen die gleichzeitig die Chance auf profitable Entwicklungen bietet. Negativ fällt die steigende Schuldenlast des Unternehmens auf. Die Zinsen sind hier allerdings auch gut tragbar für das Unternehmen. Die stagnierende Eigenkapitalquote, auch wenn sie sich nominal kaum verändert, ist ein Punkt der gesondert betrachtet werden muss. Durch die steigende Fremdkapital-Last von Texas Instruments sieht es auf den ersten Blick so aus, als würde die Eigenkapitalquote sinken. Das nominal sich kaum bewegende Eigenkapital liegt allerdings in erster Linie an den aufgehäuften Treasury Stocks in der Bilanz des Unternehmens. Aktuell belasten eigene Aktien mit einem Wert von 36,6 Mrd. US-Dollar das Eigenkapital. Am Ende bleiben rund 9,2 Mrd. US-Dollar Eigenkapital ausgewiesen in der Bilanz. Damit ist die sinkende Eigenkapitalquote erklärbar.

Definitiv negativ muss hier aber der hohe Goodwill-Anteil in der Bilanz betrachtet werden, der aktuell über 22 Prozent der Assets ausmacht und damit ein substanzielles Risiko darstellt, sollte es zu einer Neubewertung dieses Goodwills kommen.

Als möglichen fairen Wert für Texas Instruments sehe ich einen Preis von 110,00 bis 120,00 US-Dollar je Aktie, wobei ich auch für einen höheren möglichen fairen Wert bis über 130,00 US-Dollar argumentieren könnte. Die Seite simplywall.st sieht die Bewertung der Aktie auf Cashflow-Basis wie folgt:

Quelle: https://simplywall.st/stocks/us/semiconductors/nasdaq-txn/texas-instruments#valuation

Die Seite finanzen.net sieht in ihrer Fundamentalanalyse hier sogar einen möglichen fairen Wert auf dem aktuellen Kursniveau von rund 180,00 US-Dollar je Aktie.

Fazit: Als Fazit kann ich sagen, dass mir das Geschäftsmodell von Texas Instruments sehr gefällt. Das Unternehmen hat eine sehr lange Geschichte und die Firmenkultur, die langjährige Mitarbeiter an die Spitze der Firma bringt und über lange Jahre dort hält, findet meine Sympathie. Betrachtet man die Leistung des Unternehmens, kann ich von einem guten Management sprechen. Auch die bereits angesprochenen Steigerungen der Margen sind ein schönes Indiz für gutes operatives Management. Das versöhnt mich mit dem hohen Goodwill ein wenig, den das Unternehmen in seiner Bilanz stehen hat. Nach wie vor aber ein Risiko. Die Aussichten für die Firma sind meiner Meinung nach aber durchaus sehr gut. Es werden dank fortschreitender Vernetzung immer mehr Chips und andere Halbleiterelemente benötigt und ich denke auch, dass Texas Instruments seinen Schwerpunkt mit Industrial und Automotive hier gut gewählt hat.

Insofern sehe ich das Unternehmen in einem durchaus positiven Licht und denke hier über eine erste Investition aktuell nach. Dabei geht meine Überlegung dahin, auch zum aktuellen Kursniveau eine erste Position zu kaufen und diese gelegentlich auszubauen. Ansonsten wäre meine Linie, ab der das Unternehmen für mich hoch interessant wird zur Zeit bei rund 130,00 US-Dollar zu verorten. Nach einer Prüfung der Gründe für einen sinkenden Kurs, wäre hier ein Punkt für Käufe für mich.

Ich hoffe die Analyse war interessant zu lesen

Peter Merkle

Weitere Analysen gibt es hier.

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