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Rio Tinto plc – Aktienanalyse

by Peter Merkle

Viel Spaß beim Lesen der Aktienanalyse zur Rio Tinto plc

Gliederung

  • 1. Übersicht
    • 1.1 Unternehmen und Geschäftsmodell
    • 1.2 News
    • 1.3 Aktionäre, Chart, Dividenden und Aktienrückkäufe
    • 1.4 Peergroupvergleich (Gesamtkapitalrendite)
    • 1.5 Segmente und Umsatzverteilung
    • 1.6 Wichtige Kennzahlen
    • 1.7 Aussichten
    • 1.8 Einteilung nach Peter Lynch
    • 1.9 Levermann-Score
    • 1.10 Piotroski F-Score
  • 2. Detailanalyse
    • 2.1 SWOT-Analyse
    • 2.2 Bewertungsverfahren
      • 2.2.1 Bewertung der Managementleistung
      • 2.2.2 Faires Kurs-Gewinn-Verhältnis
      • 2.2.3 Faires Kurs-Buchwert-Verhältnis
      • 2.2.4 Gewinnrenditendiskontierung
      • 2.2.5 Cashflowdiskontierung (Brutto- und Nettoverfahren)
      • 2.2.6 Dividendendiskontierung
    • 2.3 Zusammenfassung und Fazit

1. Übersicht

Alle relevanten Finanzzahlen sind hier auf der Hauptseite der Securities and Exchange Commission zu finden.

1.1 Unternehmen und Geschäftsmodell – Rio Tinto plc

Die Rio Tinto Group, ist ein britisch-australischer Bergbaukonzern mit globalem Aktionsradius und ist neben den Unternehmen Vale S.A. und BHP Group, eines der drei größten Unternehmen weltweit im Bereich Bergbau und Rohstoffgewinnung. Das Unternehmen fördert und verarbeitet Rohstoffe wie Eisenerz, Bauxit und Alaun für die Aluminiumgewinnung, Gold, Silber, Kupfer, Zink, Molybdän, Diamanten, Kohle, Salze, Borate, Titandioxidpigmente und andere Industrielle Mineralien und Energieträger, darunter auch Uran. Der Name des Unternehmens geht auf die in Südspanien gelegene Gemeinde Minas de Riotinto, in der andalusischen Provinz Huelva zurück. Für das heutige Unternehmen gibt es eine Besonderheit in der Unternehmensstruktur: Die Rio Tinto Group ist eine sogenannte Dual-Listed-Company, sie besteht aus zwei Gesellschaften, die bei gleichem Stimmrecht und gleichen Dividenden von einem gemeinsamen Vorstand geleitet werden. Die Rio Tinto Ltd. notiert unter der ISIN AU000000RIO1 an der Australian Stock Exchange und die Rio Tinto plc unter der ISIN GB0007188757 an der London Stock Exchange, sowie der New York Stock Exchange. Somit hat die Firma auch zwei Firmensitze, den einen im australischen Melbourne, den anderen in London, England. Die aktuelle Marktkapitalisierung liegt bei ca. 89,2 Mrd. USD.

Schätzungsweise 79 Prozent der Vermögenswerte von Rio Tinto befinden sich in Australien, Neuseeland und Nordamerika, der Rest verteilt sich auf Afrika, Asien und Europa. Das Unternehmen besitzt weltweit Minen für Kohle und Metalle wie Kupfer und Gold sowie die Industriemineralien Borax, Silica und Talk. Die Bormine des Unternehmens in der Mojave-Wüste ist nicht nur einer der größten Kupfer- und Kohleproduzenten in den USA, sondern produziert auch 50 Prozent des weltweiten Borax. Zu den internationalen Minenbesitzern von Rio Tinto gehört Kennecott in Utah, wo Kupfer, Kohle und Gold abgebaut werden. US-Borax, das Borate und Siliciumdioxid abbaut; und Palabora in Südafrika, wo Kupfer abgebaut wird.

Die heutige Firma ging 1962 aus der Fusion der The Rio Tinto Company (RTZ) und der Consolidated Zinc Corporation (CRA) hervor, aber beide Unternehmen haben eine wesentlich ältere Geschichte. Die Geschichte der Rio Tinto Company, beginnt mit den bereits erwähnten Minen in Südspanien, die bereits 750 v. Chr. ausgebeutet wurden und sogar dem römischen Reich Kupfer, Gold und Silber lieferten. Der Bergbau lag während des 19. Jahrhunderts still. Im Jahr 1872 befanden sich die Minen im Besitz des spanischen Staates und wirtschafteten defizitär. Wegen der angespannten Finanzlage der spanischen Regierung und des fehlenden Know Hows, die Kupfervorkommen abzubauen, wurde der Verkauf der Minen lanciert. Erhebliche Investitionen wären erforderlich gewesen, um den Tagebau einzuführen und Werkstätten, Straßenbahnen, Brech- und Hüttenwerke, eine Eisenbahnstrecke von den Minen zum Seehafen von Huelva, eine Schiffsanlegestelle und viele andere für den Betrieb im großen Maßstab erforderliche Werke zu errichten. Ein Syndikat zum Erwerb der Rio Tinto-Konzession wurde von Hugh Matheson, Senior Partner bei Matheson & Company, in London, organisiert, zusammen mit Heinrich Doetsch. Die Minen wurden vom Syndikat über einen Zeitraum von neun Jahren für 3,7 Mio. Pfund Sterling gekauft und sofort an die Rio Tinto Company verkauft. Das neue Unternehmen wurde an der Londoner Börse mit einem Grundkapital von 2 Mio. Pfund Sterling und Schuldverschreibungen im Wert von 600.000 Pfund Sterling notiert. London war zu dieser Zeit einer der Hauptumschlagplätze für Rohstoffe. Die Zahl der an der Londoner Börse notierten ausländischen Metallgewinnungs- und -verarbeitungsunternehmen stieg von 39 im Jahr 1875 auf 913 im Jahr 1913. Hugh Matheson wurde mit Heinrich Doetsch als seinem Stellvertreter zum ersten Vorsitzenden der Rio Tinto Company ernannt. Die The Rio Tinto Company wurde bereits 1873 an den Markt gebracht und war bis dahin das weltweit größte Bergbauunternehmen, das je an den Markt gebracht wurde. Unter den Investoren befanden sich auch die Banken N. M. Rothschild & Sons aus London und Rothschild Frères aus Paris. Beide Institute waren Firmen der bekannten Familie Rothschild.

Eine Übersicht über die gesamte Geschichte der bekannten Familie Rothschild, ist hier auf rothschildarchiv.org einsehbar.

Der Kaufvertrag wurde mit der spanischen Regierung bis 1876 zu günstigeren Konditionen noch einmal neu verhandelt. Ab diesem Zeitpunkt entwickelte sich das Unternehmen positiv. Dies ging allerdings mit zum Teil grob verwerflichen Methoden einher. So wurden in Riotinto unter anderem Produktionsmethoden angewendet, die in England verboten waren und mit mehreren Toten Bergarbeitern bezahlt wurden. Bei einem Protest 1888, der sich gegen diese Missstände richtete, wurden auf geheiß der Eigner über 100 Protestanten erschossen. Diese Art von Zwang und Ausbeutung waren leider typisch für die Zeit der rasanten industriellen Entwicklung in Europa und bei weitem keine Ausnahme.

Ende der 1880er Jahre war die Rio Tinto Company der weltweit führende Kupferproduzent. Das Unternehmen hatte Hütten in Spanien und eine Schmelzerei und Raffinerie in Südwales. Als der französische Unternehmer Hyacinthe Secretan 1887 versuchte, den Weltkupfermarkt in eine Ecke zu rücken, um die Preise zu erhöhen, nutzte die Rio Tinto Company zunächst die Vorteile seiner Teilnahme an dem System, wobei sich Secretan dazu verpflichtete, das gesamte Kupfer von Rio Tinto zu festen Preisen zu kaufen, und war nicht ernsthaft betroffen als Secretans Plan 1889 nach hinten losging und der Kupfermarkt einen späktakulären Einbruch erlebte. Die starke Marktposition des Unternehmens – bis 1887 war es für 8 Prozent der weltweiten Kupferversorgung verantwortlich – schlug sich ab den 1880er Jahren in hohen Gewinnen nieder. Der größere Teil wurde als Dividende an die Aktionäre zurückgezahlt. Unter Sir Charles Fielding, der nach dem Tod von Hugh Matheson 1898 die Firmenleitung übernahm, wurden eine Reihe neuer Technologien wie Pyritschmelzen eingeführt, sowie das Management-, Buchhaltungs- und Entscheidungspraktiken rationalisiert. Die spanische Regierung versuchte in dieser Zeit unter dem Druck von Nationalisten aller Art, einen größeren Anteil der Unternehmenseinnahmen in Anspruch zu nehmen, doch diese Bemühungen wurden im Allgemeinen vereitelt.

Mit Beginn des 1. Weltkriegs ab Juli 1914, litten vor allem die Angestellten von Rio Tinto Co. an ständig steigenden Preisen und sinkenden Reallöhnen, was zu Verbitterung und Streiks führte. Ein 9 Monate andauernder und gewaltsamer Streik 1920 endete schließlich mit der völligen Erschöpfung der Gewerkschaften. Unter der Diktatur 1923 bis 1929 unter Miguel Primo de Rivera, folgte ein kurze Zeit relativer Stabilität. Unter den politischen Machtkämpfen zwischen Rechts- und Linkslager in den Jahren 1929 bis 1936, litt Rio Tinto unter dem strengen neuen spanischen Arbeits- und Steuerrecht, sowie unter schlechten Handelsbedingungen und einem sinkenden Kupfergehalt der abgebauten Erze. Das führte schließlich dazu, dass der ab 1925 amtierende Firmenchef Sir Auckland Geddes, nur das nötige Kapital in die spanische Mine investierte, um den Betrieb aufrecht zu halten. Mit dem spanische Bürgerkrieg von 1936 bis 1939 verschlimmerte sich die Lage weiter. Die Minen von Rio Tinto wurden von Anfang an von den Aufständischen unter der Führung von General Francisco Franco besetzt. Franco betrachtete den Mineralreichtum des Distrikts als Mittel, um Waffen von den Achsenmächten zu beschaffen, und innerhalb weniger Monate befand sich die Rio Tinto Co. in einem komplexen Netz diplomatischer Intrigen, an denen London, Berlin, Rom und das Franco-Regime beteiligt waren. Die Kontrolle über das spanische Vermögen des Unternehmens war verloren gegangen und wurde nie wieder effektiv erlangt. Während des 2. Weltkriegs ab September 1939 und der darauffolgenden Umbauphase hatte das Unternehmen wenig Kontrolle über Produktion, Preise oder die Anzahl der in Spanien beschäftigten Arbeitnehmer. Das Unternehmen wurde durch restriktive Gesetze und Vorschriften in Schach gehalten, was dazu führte, dass der reale Wert seines Vermögens Jahr für Jahr sank. Es gelang es der Rio Tinto Co. 1954, ihre spanischen Aktivitäten zu veräußern. Nach langjährigen Verhandlungen, an denen Franco selbst beteiligt war, wurde das Unternehmen an eine neu gegründete spanische Firma verkauft, zu einem drittel der Anteile am Unternehmen plus 7,7 Mio. Pfund Sterling in 7 Raten.

Nach diesen turbulenten Jahren, begann unter Sir Auckland Geddes die globale Expansion des Unternehmens. Maßgeblich beteiligt an der Wiederherstellung des Unternehmens waren der Investmentbanker Mark Turner und der Anwalt Val Duncan. Explorationstöchter wurden gegründet und Forschungsstationen eröffnet, sowie Beteiligungen an verschiedenen Firmen erworben, die sich mit der Exploration und der Entwicklung neuer Produkte beschäftigten. Eine große Minderheitsbeteiligung an der Davison Chemical Corporation, einem führenden US-amerikanischen Kunstdüngerhersteller, wurde erworben. Zusammen mit Davison gründete die Rio Tito Company eine Reihe von Tochterunternehmen in ganz Europa, um das vielseitige chemische Absorptionsmittel Kieselgel herzustellen und zu vermarkten. Allerdings erwiesen sich die Investitionen in das Chemiegeschäft als finanzielle Katastrophe und die Explorationsaktivitäten brachten nie wertvolle Ergebnisse. Die mit Abstand bedeutendste Neuerung, die von Geddes inspiriert wurde, war die Beteiligung der Rio Tinto Company an der Entwicklung des Kupfergürtels im heutigen Sambia (damals noch Nordrhodesien), gegen die Geschäftsinteressen von U.S.-Interessenten ab 1929. Die hier erschlossenen Lagerstätten gehören zu den reichsten und umfangreichsten, die jemals entdeckt wurden. Bis 1930 war die Rio Tinto Company der bedeutendste Wirtschaftsfaktor in Nordrhodesien. In diesem Jahr wurden Geddes und Sir Ernest Oppenheimer, deren Anglo American Corporation das führende Unternehmen in der Kupfergürtelfinanzierung war, durch den Zusammenschluss von drei der größten Entwicklungsunternehmen zur Rhokana Corporation gezwungen. Geddes wurde zum Vorsitzenden des neuen Unternehmens ernannt und unter seiner Führung entwickelte sich Rhokana in den nächsten 17 Jahren zu einem der größten und kostengünstigsten Kupferunternehmen der Welt. Die Entwicklung des Kupfergürtels konnte sogar die Verluste aus Exploration und Chemie mehr als kompensieren.

In den späten 1940er und frühen 1950er Jahren wurden die Interessen an einer Reihe potenzieller Minen gesichert, von Zinn und Wolfram in Portugal bis zu Diamanten in Südafrika und Kupfer in Uganda. Zwischen 1952 und 1954 wurde ein Netzwerk von gut finanzierten Explorationstöchtern eingerichtet, um nach Mineralvorkommen zu suchen, die in Kanada, Afrika und Australien in großem Umfang abgebaut werden könnten. Bis Ende der 1950er Jahre war Rio Tinto für die Produktion von 15 Prozent des weltweiten Uranoxids verantwortlich und verfügte über Zugriff auf die Mine Mary Kathleen in Australien (Uran), die Hammersley-Eisenerzvorkommen in Westaustralien und die Palabora Kupferlagerstätte in Südafrika.

Im Juli 1962 schlossen sich die Unternehmen Rio Tinto Company und Consolidated Zinc Corporation zusammen und bildeten die RTZ. Val Duncan, der als treibende Kraft hinter der Fusion agierte, wurde zum Geschäftsführer des neuen Konzerns ernannt. 1963 wurde er schließlich zum Vorstandsvorsitzenden und CEO. Unter der Führung von Duncan gewann das neue Unternehmen rasch an Bedeutung in der Rohstoffindustrie. In Zusammenarbeit mit Kaiser Aluminium gründete das Unternehmen in Australien das integrierte Aluminiumgeschäft Comalco Limited. Die Kupferprojekte Hammersley Iron und Palabora wurden verwirklicht, desweiteren wurden umfangreiche Explorationsarbeiten fortgesetzt, die schließlich zu großflächigen Minen in Papua-Neuguinea (Bougainville Copper), Kanada (Lornex Copper) und Namibia (Rossing Uranium) führten. Der Betriebsumfang wurde beständig ausgebaut durch Atlas Steels (hochwertige Spezialstähle) in Kanada; Borax Holdings (Industrierohstoffe) in den USA; und Capper Pass (Zinnveredler) und Pillar Holdings (Aluminiumhersteller) im Vereinigten Königreich. In den frühen 1970er Jahren hatte die RTZ das geografisch und geologisch vielfältige Betriebsmuster erreicht, das von Val Duncan verfolgt verfolgt wurde.

Duncan leistete einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung des Unternehmens. Er war der Hauptarchitekt der Strategie zur Förderung des Wachstums durch Beteiligung an einer Reihe von großen, kapitalintensiven Rohstoffprojekten. Potenzielle finanzielle Wachstumsgrenzen konnten durch die Finanzierung von Großprojekten mit einem hohen Verhältnis von Fremdkapital zu Eigenkapital überwunden werden. Mehrere Millionen Dollar wurden von Duncan und seinem Team aufgenommen, indem langfristige Lieferverträge als Sicherheiten angeboten wurden. Potenzielle organisatorische und verwaltungstechnische Wachstumsgrenzen wurden durch die schrittweise Übertragung von Zuständigkeiten auf eine Reihe von national ansässigen Unternehmen überwunden, die jeweils das Ziel hatten, die RTZ in wesentliche neue Projekte einzubeziehen. In den frühen 1970er Jahren hatte sich das Unternehmen zu einer lockeren Unternehmensfamilie entwickelt. Die Aktivitäten des Mutterkonzerns beschränkten sich auf die Erbringung von Gruppendiensten, die Kontrolle wichtiger strategischer und finanzieller Entscheidungen sowie die Ernennung von Top-Mitarbeitern.

Weltweite Aktivitäten der Rio Tinto Group; https://www.riotinto.com/our-business-75.aspx#map/operations

Die Strategie, Organisation und Politik von Val Duncan blieb in den 1980er Jahren bestehen. Duncan wurde von Mark Turner als Geschäftsführer abgelöst. Er blieb bis zu seinem Tod im Dezember 1980 im Amt. Weder sah Turner die Notwendigkeit, den Kurs zu ändern, noch sah er Anthony Tuke, der ihn ersetzte, noch Alistair Frame oder Derek Birkin, den jüngsten Vertreter der langen Reihe angesehener Vorsitzender, die mit Hugh Matheson begannen. Die wesentliche Integrität von RTZ wurde beibehalten, während das Wachstum fortgesetzt wurde. Neue Minen und Hütten wurden in Betrieb genommen und neue Verarbeitungsanlagen entwickelt. Einige Geschäfte wurden gekauft; andere verkauft. Der größte Schub für das Unternehmen kam 1989 mit der Akquisition von BP Minerals für 2,6 Mrd. GBP. Dieser Deal brachte der RTZ einen der größten Namen im Weltbergbau, die Kennecott Corporation, unter maßgeblicher Beteiligung von Sir Robert Wilson, der 1991 zum CEO ernannt wurde und ein Portfolio von Vermögenswerten in 15 Ländern, darunter die weltgrößte Tagebaumine und der weltgrößte Produzent von Titandioxid-Rohstoffen. RTZ wurde sofort zu einem der weltweit größten Goldproduzenten außerhalb Südafrikas. Der Anteil des stark vergrößerten Unternehmens an der Weltproduktion betrug 1989 55% Borate, 30% Titandioxid, 13% Zirkon, 15% Industriediamanten, 14% Vermiculit, 8% Talkum 5% oder mehr Uran, Kupfer und Molybdän. Das Unternehmen zählte auch zu den weltweit größten Förderern von Zinn, Bauxit, Silber, Eisenerz, Gold, Blei und Zink.

Als die in London ansässige RTZ Corporation PLC und ihre australische Tochtergesellschaft CRA Limited im Dezember 1995 eine Fusion von börsennotierten Unternehmen abschlossen, wurde mit der RTZ-CRA Group das größte Bergbauunternehmen der Welt gegründet. Infolge der einzigartigen Fusion behielten beide Unternehmen getrennte Identitäten und Börsennotierungen bei. Im März 1997 kündigte RTZ-CRA eine Umstrukturierung des Managements in sechs neue globale Produktgeschäfte an, von denen drei in London und drei in Australien angesiedelt sein werden. Infolgedessen waren die Aktivitäten für Kupfer, Gold und andere Mineralien sowie für Industriemineralien nun in London angesiedelt. In Australien hatte das Aluminiumgeschäft seinen Hauptsitz in Brisbane, das Energiegeschäft in Melbourne und das Eisenerzgeschäft in Perth. Diese Geschäfte wurden von den weltweiten Technologie- und Explorationskonzernen mit Hauptsitz in London unterstützt. Im Juni 1997 änderte das Unternehmen seinen Namen in Rio Tinto plc.

Die Kennecott Corporation, weltweit führend in der Kupfererzeugung während des größten Teils des 20. Jahrhunderts, bestand 1997 nicht mehr als eigenständige Einheit. In diesem Jahr wurde es in eine Gruppe von hundertprozentigen Tochtergesellschaften von Rio Tinto aufgeteilt, die weiterhin Kennecotts Hauptgeschäftsbereiche in den USA betrieb: Kennecott Utah Copper, Kennecott Minerals und Kennecott Energy. Diese Aktivitäten wurden jedoch in die Kupfer- und Energieeinheiten von Rio Tinto übernommen. Mitte der 1990er Jahre wurde die Exploration von Minen durch Rio Tinto weltweit fortgesetzt. In Papua-Neuguinea wurden Goldprojekte gestartet, es fanden Prospektionen in der nordnorwegischen Finnmark statt und der Kohleabbau durch den Kauf der US-amerikanischen Betreiber Nerco und Cordero Mining wurde ausgeweitet. 1997 sah die Kupfer- und Goldexploration in Famatina im Nordwesten Argentiniens vielversprechend aus. Ende der 1990er Jahre, blickte Rio Tinto auf eine starke Weltwirtschaft und eine hohe Nachfrage nach Rohstoffen, sowie stabile Marktpreise. Die Wirtschaftskrise in Asien sorgte allerdings ab 1999 bis in die frühen 2000er Jahre für Probleme, mitunter für einen Gewinneinbruch von 10%. In den USA, der Europäischen Union und Japan herrschten ungünstige wirtschaftliche Bedingungen, die die Nachfrage und den Preis für viele Rio Tinto-Produkte dämpften. Im Februar 2001 verzeichnete Rio Tinto einen Rückgang des Vorsteuerergebnisses um 23%, was größtenteils an den extrem niedrigen Kupferpreisen lag.

BC Works – Aluminiumhütte in Kanada

Entsprechend seinem Ruf für hohe Umwelt- und Gemeinschaftsstandards stoppte Rio Tinto seine Einfälle in das australische Ureinwohnerland Queensland Anfang 2002, nachdem der Druck der Öffentlichkeit und verschiedener Nicht-Regierungs-Organisationen zugenommen hatte. Das Unternehmen beendete abrupt einen jahrzehntelangen Kampf gegen die Gewerkschaften um individuelle Arbeitsverträge und bot stattdessen 4.000 Arbeitnehmern in vier Minen in Westaustralien Tarifverträge gemäß Bundesgesetz an. 2016 hat Rio Tinto seine drei großen, mehrdekadigen, ertragsstarken Wachstumsprojekte vorangetrieben. Im Mai begannen die Arbeiten an der Untertage-Erschließung von Oyu Tolgoi in der Mongolei. Die Kupferproduktion soll im Jahr 2020 beginnen. Im August wurde eine zusätzliche Investition von 338 Mio. USD für die Fertigstellung der Silbergras-Eisenerzmine in Pilbara genehmigt. Beim Bauxit-Projekt Amrun in Queensland wurden Fortschritte in der Entwicklung erzielt. Eine vollständige Zusammenfassung der Geschichte kann hier auf Encyclopedia.com gefunden werden. Ein Beispiel für die hohen Standards die das Unternehmen heute setzt, findet sich hier in einem Artikel auf SteelGuru, der unter dem Titel „Rio Tinto gets Aluminium Stewardship Initiative certification“ am 12.04.2018 veröffentlicht wurde.

Weitere Informationen rund um Nachhaltigkeit und faire Arbeitsbedingungen, sowie Natur- und Umweltschutz, sowie der Maßnahmen des Unternehmens die dafür ergriffen werden, sind hier auf der Commitments-Seite der Investor Relations zu finden.

Heute ist Rio Tinto in rund 35 Ländern auf sechs Kontinenten aktiv und beschäftigt mehr als 47.000 Mitarbeiter. Die Geschäftstätigkeit des Unternehmens gliedern sich in 6 Segmente:
1. Aluminium – umfasst die gesamte Aluminium-Herstellung, sowie die Förderung von Bauxit und Alaun.
2. Eisenerz – befasst sich mit der Förderung von Eisenerz
3. Kupfer und Diamanten – umfasst die Gewinnung und Förderung von Kupfer und Diamanten
4. Energie und Mineralien – dazu gehören die Förderung von Kohle, Titandioxid, Uran, Boraten und anderen Mineralien und Salzen
5. Wachstum und Innovation – beschäftigt sich mit der Exploration, dem Studium und der Optimierung
6. Handel – umfasst die globalen Organisationen Sales & Marketing, Procurement und Marine & Logistics, die unter anderem von den Funktionen Commercial Treasury, HR und Finance – einschließlich Market Analysis – unterstützt werden.
Daneben fördert und vertreibt Rio Tinto auch Gold, Silber, Molybdän uns andere Rohstoffe.

Haupt-Tochterunternehmen:
Angelesey Aluminium Ltd. (UK; 51%); Bougainville Copper Ltd. (Papua-Neuguinea; 53,58%); Coal & Allied Industries (Australien; 71,46%); Comalco Ltd. (Australien; 50%); Cordero Mining Co. (USA); Dampier Salt Ltd. (Australien; 67,4%); Hammersley Iron Pty. Ltd. (Australien; 64,94%); Kennecott Corp. (USA); Nerco, Inc. (USA); New Zealand Aluminium Smelters Ltd. (79,36%); Novacoal Australia Pty. Ltd .; Palabora Mining Co. Ltd. (Südafrika; 64,9%); P.T. Kelian Equatorial Mining (Indonesien; 90%); QIT-Fer et Titane Inc. (Kanada); Queensland Coal Pty. Ltd. (Australien); Rio Paracatu Mineracao SA (Brasilien; 51%); Rio Tinto Zimbabwe Ltd. (Simbabwe; 56,04%); Rossing Uranium Ltd. (Namibia; 68,58%); Talk de Luzenac SA (Frankreich; 99,75%); U.S. Borax Inc. (U.S.).

Hauptbetriebseinheiten:
Minera Escondida (Chile); Argyle Diamonds (Australien); Talk de Luzenac (Frankreich).

Zusammenfassung der Historie:
1873: Die Rio Tinto Company (RTC) wird gegründet.
1898: Hugh Matheson, der erste Vorsitzende des RTC, stirbt nach 25 Jahren und legt den Grundstein für künftigen Wohlstand.
1925: Sir Auckland Geddes ist bis 1947 Vorsitzender von RTC.
1930: RTC, eine wichtige wirtschaftliche Kraft in Nordrhodesien, bildet mit Sir Ernest Oppenheimer von der Anglo American Corporation die Rhokana Corporation.
1951: Val Duncan wird zum Geschäftsführer von RTC ernannt.
1954: Nach dem spanischen Bürgerkrieg und dem Zweiten Weltkrieg verkauft RTC seinen spanischen Betrieb und seine Minen.
1955: Das Unternehmen erwirbt eine Mehrheitsbeteiligung an der Uranminengruppe Algom im kanadischen Distrikt Elliot Lake. und eine Mehrheitsbeteiligung an der Mary Kathleen Mine in Australien.
1962: Die RTZ Corporation PLC wird durch den Zusammenschluss der Rio Tinto Company (RTC) und der Consolidated Zinc Corporation (CZ) mit Sitz in London gegründet.
1975: Durch sorgfältige Akquisitionen auf der ganzen Welt – Bougainville Copper, Lornex Copper, Rossing Uranium, Atlas Steels, Borax Holdings, Capper Pass und Pillar Holdings – erreicht RTZ das geografisch und geologisch unterschiedliche Geschäftsmodell, das lange Zeit vom frühen Managing Director und späteren Chairman und Chief Executive Val verfolgt wurde Duncan.
1989: Das Unternehmen erwirbt BP Minerals, einschließlich der Kennecott Corporation, und ist damit einer der weltweit größten Goldproduzenten außerhalb Südafrikas.
1995: Kennecotts Muttergesellschaft RTZ fusioniert mit der australischen CRA Limited und gründet die börsennotierte RTZ-CRA-Gruppe, das größte Bergbauunternehmen der Welt.
1997: Die RTZ-CRA Group ändert ihren Namen in Rio Tinto PLC und hat ihren Hauptsitz in London. und Sir Robert Wilson wird zum Vorsitzenden ernannt.
2002: Rio Tinto begibt eine 5-Jahres-Anleihe über 750 Mio. EUR auf dem Euromarkt und markiert damit seine erste Transaktion in Euro. Das Unternehmen stoppt seine Einfälle in das australische Ureinwohnerland Queensland.

Das Unternehmen selbst stellt auf seiner Investor Relations-Seite eine gute Zusammenfassung seiner Geschichte zur Verfügung, die hier zu finden ist. Desweiteren konnte hier ein sehr gutes Schaubild über den Bergbau auf visualcapitalist.com gefunden werden:

Management: Eine Übersicht über das Management-Team ist hier auf der Seite der Rio Tinto Group zu finden.

Amtierender Chief Executive Officer (CEO) ist der in Paris geborene, britische Staatsbürger Jean-Sébastien Jacques, geboren 1971. Er übernahm den Posten im Juli 2016 und zwar für insgesamt 5 Unternehmen: Rio Tinto London Ltd., Rio Tinto PLC Channar Iron Ore Mine, Rio Tinto Ltd , Rio Tinto plc und Rio Tinto Services Ltd. Außerdem ist er Mitglied des Vorstandes. Nach seinem Eintritt in das Unternehmen 2011 wurde er bereits 2013 zum Chief Executive Officer der Rio Tinto Copper Group und im Februar 2015 zum Chief Executive Officer der Copper & Coal Group ernannt. Ein Artikel zur Übernahme konnte hier im Businessinsider gefunden werden. Er war auch verantwortlich für zwei Wachstumsprojekte, Oyu Tolgoi in der Mongolei und Resolution in den USA, die beide während seiner Amtszeit bedeutende Fortschritte erzielten. Vor seinem Wechsel zu Rio Tinto war Jean-Sébastien mehr als 15 Jahre in verschiedenen Funktionen in Europa, Südostasien, Indien und den USA tätig. Er war in verschiedenen operativen und funktionalen Positionen für die Aluminium-, Bauxit- und Stahlindustrie tätig und war von 2007 bis 2011 insbesondere als Group Director Strategy für die Tata Steel Group tätig. Seine Ausbildung umfasst einen Bachelor und einen Master of Science der Pariser Eliteuniversität École Centrale Paris. Sein Profil auf Bloomberg ist hier zu finden und enthält interessante Details zu seinem Werdegang. Über seine Bezahlung, konnten aus dem Remuneration-Statement folgende Informationen gezogen werden:

Auszug zur Bezahlung des CEO aus dem Remunaration Bericht des Unternehmens

Der aktuelle Vorstandsvorsitzende (Chairman) ist der britische Investmentbanker und Geschäftsführer Simon Thompson, geboren 1959. Ernannt wurde er im März 2018. Er war Executive Director von Anglo American plc, Chairman und Chief Executive der Base Metals Division, Chairman der Exploration Division und Chairman von Tarmac. Vor seiner Karriere bei Anglo American hatte er Investmentbanking-Positionen bei S. G. Warburg und N. M. Rothschild inne. Vorsitzender der 3i Group plc seit 2015, nicht geschäftsführender Direktor und Vorsitzender der Tullow Oil plc seit 2011 bzw. 2012 bis 2017, nicht geschäftsführender Direktor und leitender unabhängiger Direktor der Amec Foster Wheeler plc ab 2009 und 2014 bzw. bis 2015 Non-Executive Director von Sandvik AB von 2008 bis 2015 und Non-Executive Director von Newmont Mining Corporation von 2008 bis 2014.

Die Unternehmensstruktur von Rio Tinto sieht für jedes Segment einen eigenen Geschäftsführer (Chief Executive) vor, die hier kurz vorgestellt werden:

1.2 News – Rio Tinto plc

25.09.2019 Rio Tinto unterzeichnet eine Absichtserklärung mit chinesischen Partnern, um Wege zur Verbesserung der Umweltleistung entlang der Stahlwertschöpfungskette zu erkunden. Dazu wurde eine Übereinkommenserklärung mit Chinas größtem Stahlproduzenten China Baowu Steel Group und der Universität Tsinghua getroffen. Die Meldung erschien auf der Presseseite des Unternehmens hier.

23.09.2019 Rio Tinto bietet unabhängig zertifizierte, verantwortungsbewusst hergestellte Aluminiumprodukte aus allen kanadischen Betrieben an. Die Meldung erschien zuerst hier auf der Presseseite des Unternehmens.

09.08.2019 Das Resolution Copper-Projekt schreitet im US-Genehmigungsverfahren voran. Die Meldung erschien hier auf der Presseseite des Unternehmens. Bei diesem Projekt handelt es sich um eines der bedeutendsten unerschlossenen Kupfervorkommen der Welt. 2013 wurde mit dem Genehmigungsverfahren in den USA begonnen, und die US-Forstbehörde hat eine umfassende unabhängige Überprüfung gemäß dem National Environmental Policy Act (NEPA) durchgeführt.

09.08.2019 Auf Bloomberg erscheint hier ein Interview mit dem CEO von Rio Tinto, in dem er seine Firma als „Cash Maschine“ bezeichnet.

01.08.2019 Rio Tinto Exploration Update – Winu-Projekt. Wie bereits angekündigt, hat Rio Tinto beim Winu-Projekt im Yeneena-Becken der Paterson-Provinz in Westaustralien eine Kupfer-Gold-Mineralisierung entdeckt. Diese Veröffentlichung enthält neue Daten zu vierzehn Diamantbohrlöchern und achtundzwanzig RC-Bohrlöchern (Reverse Circulation), die seit dem letzten Bericht abgeschlossen wurden. Die Meldung ist hier auf der Presseseite des Unternehmens einsehbar.

01.08.2019 Das Unternehmen gibt seine Ergebnisse für das erste Halbjahr 2019 bekannt. Rio Tinto gibt eine Rendite von 3,5 Mrd. USD bekannt, einschließlich einer Zwischendividende von 2,5 Mrd. USD und einer Sonderdividende von 1,0 Mrd. USD. Die Ergebnisse können im Inerim Report 2019 nachgelesen werden. Es erschien hier ein Interview auf Bloomberg mit dem CEO, das die Nachfrage Chinas nach Stahl zum Thema hatte.

01.07.2019 Update zum Untertage-Projekt Oyu Tolgoi in der Mongolei. Das Projekt entwickelte sich 2019 weiter zu einer der größten Kupferminen der Welt. Seit Februar sind wichtige unterirdische Infrastrukturen wie die Leitwarte und das Backenbrechersystem fertig und der Bau der Schächte 3 und 4 schreitet gut voran. Die Inbetriebnahme von Welle 2 bleibt für Oktober 2019 planmäßig. Die Meldung erschien hier auf der Presseseite des Unternehmens.

Auf dem Nachrichtenportal Reuters, konnten zwei Artikel aus den Jahren 2016 und 2017 gefunden werden, die ein negatives Licht auf das Unternehmen werfen, nach der Zahlung von rund 10,4 Mio. USD an einen Consultant in Guinea, die den Verdacht der Korruption aufkommen lassen:
– 08.11.2016 „Rio Tinto suspends senior executive after Guinea investigation
– 02.03.2017 „Rio Tinto postpones decision on former CEO’s bonus over Guinea scandal

1.3 Aktionäre, Chart, Dividenden und Aktienrückkäufe – Rio Tinto plc

Als eines der global führenden Bergbauunternehmen, sind an der Rio Tinto plc eine Reihe großer und bekannter Investoren beteiligt.

Auffällig ist die große Position von 14,5% die von der Aluminium Corporation of China Ltd. an Rio Tinto gehalten wird. Daneben haben noch weitere große Investoren hohe Aktienanteile an Rio Tinto, so zu Beispiel BlackRock Investment Management (UK) Ltd. Capital Research & Management Co. oder die Vanguard Group, Inc.

Die Anzahl ausstehender Aktien ist zuletzt immer weiter gesunken, ein dezidiertes Aktienrückkaufprogramm gibt es aber nicht. Aktuell werden rund 61% aller ausstehenden Aktien von institutionellen Investoren gehalten. Weitere 23% von Privaten Firmen, 16% befinden sich im öffentlichen Umlauf.

Die Rio Tinto plc schüttet üblicherweise eine Dividende in 2 Tranchen pro Jahr aus. Eine Zwischendividende und eine Schlussdividende. Am 01.08.2019 erklärte der Vorstand von Rio Tinto eine Zwischendividende von 1,51 USD pro Aktie und eine Sonderdividende von 0,61 USD pro Aktie, die am 19. 09.2019 an Inhaber von Stammaktien und ADRs im Register zum 9.08.2019 zahlbar waren. Am 07.03.2019 wurde außerdem die Schlussdividende für das Jahr 2018 ausgeschüttet, die einen Betrag von 4,23 USD an laufenden- und Sonderdividenden ausmachte. Dafür wurden zuletzt 39% der erwirtschafteten Gewinne ausgeschüttet.

1.4 Peergroupvergleich (Gesamtkapitalrendite) – Rio Tinto plc

UnternehmenGesamtkapital
-rendite
EV/EBITReturn on
Capital
Earnings Yield
Rio Tinto plc15,3%5,830,5%17,3%
BHP Group Ltd.8,1%8,623,4%11,6%
Anglo American plc8,0%5,624,6%18,0%
Freeport-McMoRan, Inc.2,5%15,86,4%6,3%
Vale S.A.3,9%14,410,2%6,9%
Mining and Metallurgical
Co. NORILSK NICKEL
22,4%8,450,4%11,9%
Zijin Mining Group Co. Ltd.3,3%14,519,4%6,9%
Sumitomo Corp.3,8%11,621,8%8,6%
Cleveland Cliffs, Inc.36,2%6,139,7%16,3%
Pilbara Minerals Ltd.

Die durchschnittliche Gesamtkapitalrendite liegt für diese Gruppe bei 8,4%. Mit 15,3%, liegt Rio Tinto deutlich über diesem Mittelwert.

Ein Artikel im Forbes Magazine vom unter dem Titel „Is Rio Tinto Set To Increase Its Global Iron Ore Market Share As Vale Falters?“ kann hier dazu gelesen werden.

Um einen besseren Vergleich der Peer Group untereinander ziehen zu können, verwende ich hier mehrere Kennzahlen, darunter die Gesamtkapitalrendite, das Enterprise Value zu EBIT-Verhältnis, mit dem sich Unternehmen einer Branche gegeneinander vergleichen lassen (je niedriger die Zahl desto günstiger ist das Unternehmen im Verhältnis zu seiner operativen Ertragskraft) und die Kennzahlenkombination Return on Capital (Kapitalrendite; ROC) und Earnings Yield (Gewinnrendite; EY) nach der Berechnungsmethode von Joel Greenblatt, die Bestandteil seiner „Börsenzauberformel“ sind. Mit der kombinierten Betrachtung dieser beiden Kennzahlen, lässt sich die aktuelle Leistung des Unternehmens (ROC) gegen seine aktuelle Bewertung (EY) vergleichen. Eine Methode der Preis/Leistungs-Berechnung für Aktiengesellschaften.

1.5 Segmente und Umsatzverteilung – Rio Tinto plc

Auf marketscreener.com sind Informationen über die Umsatzverteilung gut aufgelistet, allerdings nur in den Währungen GBP und AUD. Für die weitere Betrachtung des Unternehmens, werde ich versuchen alle Angaben auf USD-Basis zu machen. Die Segmente in denen das Unternehmen berichtet, stellen die unterschiedlichen Metalle und Rohstoffe dar, die das Unternehmen fördert.

Die Produktion des Unternehmens stellt sich für das 2. Quartal folgendermaßen dar:

Auszug aus der Pressemitteilung zur Produkton

Über die unterschiedlichen Geschäftseinheiten und deren Finanzlage, gibt der Halbjahresbericht des Unternehmens auskunft. Auch eine detaillierte Darstellung der abgebauten Mengen pro Segment ist hier verfügbar und man kann die Entwicklung mit dem Vorjahr vergleichen.

1.6 Wichtige Kennzahlen – Rio Tinto plc

Verschuldungsgrad

GeschäftsjahrEigenkapital-quoteFremdkapital-quote
201854,8%45,2%
201753,4%46,6%
201651,2%48,8%
201548,2%51,8%
201450,6%49,4%
201348,2%51,8%
201249,4%50,6%
201149,5%50,5%
201058,1%41,9%
200947,2%52,8%

Entwicklung des Eigenkapitals und des Gesamtkapitals: Seit 2009 hält sich das Eigenkapital bei rund 50% und hat in den letzten 3 Jahren sogar wieder auf fast 55% zugelegt. Zusätzlich konnten die Schulden nicht nur reduziert werden, sondern es wurden auch liquide Mittel aufgebaut, die in ausreichend sind die gesamte Schuldenlast zu tilgen. Damit kann man das finanzielle Risiko als überschaubar betrachten.

Eine plötzliche Erhöhung der Zinsen um +2% auf das Fremdkapital, hätte zuletzt lediglich einen Rückgang des Vorsteuerergebnisses von -5,2% bedeutet. Das Risiko das von einer Erhöhung der Zinsen ausgeht, ist damit unkritisch. Der Zinsdeckungsgrad liegt aktuell bei einem Wert von rund 33,4x. Damit ist die Zinslast als unkritisch zu betrachten.

Der Goodwill-Anteil der Bilanz ist mit ca. 4% sehr gering, was für die finanzielle Stabilität sehr gut ist.

Anzahl ausstehender Aktien

GeschäftsjahrAusstehende Aktien
in Mio. Stück
Veränderung
20181.731-3,8%
20171.799-0,6%
20161.811+0,4%
20151.804-3,0%
20141.860-0,1%
2013 1.860 +0,3%
2012 1.854 -17,5%
2011 2.248 +8,1%
2010 2.080 +7,2%
2009 1.940 -69,7%

Es gibt zwar kein Aktienrückkaufprogramm, aber die Anzahl der ausstehenden Aktien zeigt seit 2011 einen stetigen Rückgang.

Operative Marge

GeschäftsjahrUmsäte
in Mio. USD
EBIT
in Mio. USD
operative
Marge
201840.52212.63531,5%
201740.03012.64831,6%
201633.7816.52319,3%
201534.8296.07917,5%
201447.66412.93727,1%
201351.17114.74528,8%
201250.96711.04521,7%
201160.53722.48737,2%
201056.57619.02133,6%
200941.8257.24417,3%

Entwicklung der operativen- und der Nettomarge: Die Margen des Unternehmens zeigen eine deutliche Tendenz zu Schwankungen, was hauptsächlich an den volatilen Marktpreisen für die Produkte des Unternehmens liegt.

Free Cashflows

GeschäftsjahrFree Cashflows
in Mio. USD
Veränderung
in %
20186.391-32,0%
20179.402+72,4%
20165,453+16,1%
20154.698-23,3%
20146.124+194,9%
20132.077+125,2%
2012 -8.247 -207,2%
2011 7.695 -55,5%
2010 13.686 +257,9%
2009 3.824 -39,4%

Die Free Cashflows zeigen auch eine Tendenz zu starken Schwankungen, sowohl nach oben, aber auch nach unten. positiv ist, dass es in 10 Jahren nur einmal zu negativen Free Cashflows kam. Während und nach der Finanzkrise 2008 bis 2009, waren die Free Cashflows stabil und das Unternehmen konnte trotz der Lage profitabel arbeiten.

Buchwert

GeschäftsjahrBuchwert
in Mio. USD
Veränderung
in %
201849.823-2,5%
201751.115+11,8%
201645.730+3,6%
201544.128-19,2%
201454.594+2,0%
201353,502-7,8%
201258.021-2,0%
201159.208-9,3%
201065.274+42,1%
200945.925+104,5%

Entwicklung des Buchwerts: Seit dem Hoch 2010, hat der Buchwert in der Summer abgenommen und ist erst in den letzten Jahren wieder leicht gestiegen.

Dividenden und Kurs-Gewinn-Verhältnis

Geschäftsjahr Dividenden
in USD /Aktie
Earnings
per Share
KGV
20185,50 USD7,88 USD6,3
20172,90 USD4,87 USD10,4
20161,70 USD2,55 USD16,6
20152,15 USD-0,48 USD
20142,15 USD3,51 USD14,0
20131,92 USD1,97 USD26,9
20121,67 USD-1,62 USD
20111,45 USD3,01 USD16,1
20101,08 USD 7,30 USD 7,3
20090,45 USD 2,75 USD 18,6

Das mittlere KGV der letztn 10 Jahre lag bei etwa 14,4.

Entwicklung der Dividenden und der Gewinne je Aktie: Neben den regulären Dividenden, schüttet das Unternehmen auch Sonderdividenden aus, die je nach Ertragslage genehmigt werden. Die aktuelle Dividendenrendite liegt bei etwa 6,6% und es wurden trotz der hohen Zahlungen nur rund 39% der Gewinne dafür aufgewendet. Die Gewinne je Aktie zeigen eine klare Tendenz nach oben und die Erwartungen gehen dahin, dass sich dieser Trend weiter fortsetzen wird.

Eine umfängliche Dividendenhistorie, kann hier auf der Seite der Börsen-Zeitung gefunden werden.

1.7 Aussichten – Rio Tinto plc

Rohstoffmärkte: Rio Tinto ist in hohem Maße abhängig von den Rohstoffpreisen, die sich am freien Markt bilden. Der Handel mit Rohstoffen erfolgt zum Beispiel auch über Futures und andere Derivate bzw. Terminkontrakte. Dazu können folgende Informationen nützlich sein:

  • Die größte Warenterminbörse der Welt ist die Chicago Mercantile Exchange (CME) in den USA. Die größte Börse für Optionen (eine andere Art Terminkontrakt) ist das Chicago Board of Option Exchange (Cboe). Hier können Informationen zu allen handelbaren Rohstoffen gefunden werden, wie Handelsvolumen und welche Futures handelbar sind. Eine Auflistung aller handelbaren Metalle, ist hier auf der Seite der CME zu finden.
  • Terminstrukturkurven, geben die Preise von Future-Kontrakten eines Rohstoffs mit unterschiedlichen Laufzeiten an. Aufgrund der Lagerkosten und Versicherung etc., sind die Kontrakte mit einer längeren Laufzeiten normalerweise teurer als Kontrakte mit kürzeren Laufzeiten. Über die Strukturkurven, werden diese Verhältnisse grafisch dargestellt und man kann zum Beispiel Indizien dafür finden, ob ein Rohstoff gerade viel oder wenig nachgefragt wird. Ein Hinweis kann zum Beispiel sein, wenn kurz laufende Kontrakte teurer sind als Kontrakte mit längerer Laufzeit. Terminstrukturkurven können zum Beispiel hier auf der Seite suricate-trading.de gefunden werden.
  • Die U.S. COMMODITY FUTURES TRADING COMMISSION (CFTC), veröffentlicht wöchentlich die Positionierung von großen Händlern (Commercials – hierzu zählt Rio Tinto), Großspekulanten (Large Speculators) und Kleinspekulanten. Diese Daten werden in den Commitment of Traders-Reporten zusammengefasst und geben Auskunft darüber, wer aktuell Futures in welchem Umfang an den Börsen kauft (Long) oder verkauft (Short). Eine Auswertung darüber, wie sich die Positionierung im Lauf der Zeit verändert hat und ob sie aktuell im Vergleich zu früher in einem besonderen Extrembereich liegt, kann hier auf suricate-trading.de gefunden werden.
  • Saisonalitäten für Rohstoffe können ein Indikator dafür sein, wie sich bestimmte Waren je nach Jahreszeit entwickeln. Eine grafische Darstellung der durchschnittlichen Saisonalitäten über mehrere Jahre hinweg und für alle relevanten Rohstoffe, kann hier auf seasonalcharts.de gefunden werden.
Auszug aus dem H1 Bericht von Rio Tinto plc zu den Marktpreisen

Unternehmensspezifisch:

Das Unternehmen hat mit der Veröffentlichung seines Berichts zum angelaufenen ersten Halbjahr 2019 auch eine Auflistung neue Projekte und Erwartungen für jedes Unternehmenssegment abgegeben.

Segment Iron Ore: Das Unternehmen erwartet hier von der neu erschlossenen Koodaideri-Mine bis 2021 die prognostizierten Eisenerze. Nach Abschluss der ersten Minenerschließung soll die jährliche Kapazität 43 Millionen Tonnen betragen. Das Robe River Joint Venture durchläuft aktuell das Genehmigungsverfahren für Umwelt und Kulturerbe. Bis 2021 werden hier die ersten Erzlieferungen erwartet. Von Pilbara Minerals, erwartet das Unternehmen 2019 Lieferungen von 320 bis 330 Mio. Tonnen.

Segment Aluminium: Die Amrun-Bauxitmine auf der Kap-York-Halbinsel im Norden von Queensland nimmt weiter zu und wird voraussichtlich ab 2019 ihre volle Produktionskapazität von 22,8 Millionen Tonnen pro Jahr erreichen. Der Ausbau der Sangaredi-Bauxitmine in Guinea im Wert von700 Mio. USD ist nun abgeschlossen. Erhöhung der Jahreskapazität der Compagnie des Bauxites de Guinée (CBG) auf 18,5 Millionen Tonnen. Beim Kemano-Projekt im Wert von 500 Mio. USD in Kitimat, British Columbia, bei dem für ein eigenes Wasserkraftwerk eine zweiter Tunnel errichtet wird, hat die Tunnelbohrmaschine zum 30. Juni 2019 insgesamt 828 Meter ausgehoben. Die derzeitigen Fortschritte liegen leicht hinter dem Zeitplan zurück , aber die Kostenprognosen bleiben im Budget.
Produktionsrichtlinie 2019 – Das Unternehmen geht von einem Produktionsanteil im Jahr 2019 zwischen 56 und 59 Millionen Tonnen Bauxit, 8,1 bis 8,4 Millionen Tonnen Aluminiumoxid und 3,2 bis 3,4 Millionen Tonnen Aluminium aus.

Segment Copper & Diamonds: Das Projekt der neuen Kupfermine Oyu Tolgoi in der Mongolei wird weiter vorangetrieben und hat das Potential zu einer der größten Kupferproduktionsstätten der Welt zu werden. Die Inbetriebnahme des 2. Schachts ist für 2019 geplant. Die Projekte Resolution Copper-Projekt in Arizona und Rio Tinto Kennecott werden weiter vorangetrieben. Die Prognose für den Anteil an der Kupfergewinnung für das Jahr 2019 liegt unverändert zwischen 550.000 und 600.000 Tonnen. Die Produktionsvorgaben für raffiniertes Kupfer liegen zwischen 220.000 und 250.000 Tonnen. Die Prognose für die Diamantproduktion für 2019 liegt zwischen 15 und 17 Millionen Karat. Die Prognose für die C1-Stückkosten im Jahr 2019 bei Rio Tinto Kennecott, Oyu Tolgoi und Escondida bleibt mit einem erwarteten Durchschnittswert von 110 bis 120 US-Cent pro Pfund unverändert.

Segment Energy & Minerals: Am 8. April 2019 wurde die Genehmigung für den Bau des Projekts Zulti South bei RBM in Südafrika für 463 Mio. USD (Unternehmensanteil 343 Mio. USD) bekannt gegeben. Die erste Produktion ist für Ende 2021 geplant. Desweiteren läuft eine Machbarketisstudie zum Jadar-Lithiumborat-Projekt in Serbien. Rio Tinto und Chinalco, die jeweils 45,05% und 39,95% von Simandou besitzen, arbeiten weiterhin mit der Regierung von Guinea zusammen, um Möglichkeiten zur Realisierung von Wertschöpfungspotenzialen aus der erstklassigen Eisenerzlagerstätte auszuloten. Die Regierung von Guinea ist mit 15% an dem Projekt beteiligt. Die Prognosen gehen von einem Anteil an der Produktion im Jahr 2019 von 10,7 bis 11,3 Millionen Tonnen Eisenerzpellets und -konzentraten durch IOC aus, 0,5 Millionen Tonnen Bortrioxid-Äquivalentproduktion und 1,2 bis 1,4 Millionen Tonnen Titandioxidschlacke aus.

Das Unternehmen hat diverse Projekte am Laufen, die im Halbjahresbericht zuletzt aufgelistet wurden, inklusive der dafür eingeplanten Kosten:

Die Analysten von marketscreener.com gehen von einem Rückgang der Umsätze und Gewinne bis 2022 aus, ebenso von sinkenden Margen. Die finanzielle Stabilität soll derweil stabil bleiben, aber es wird mit einem sinkenden Buchwert gerechnet, der erst ab 2021 wieder ansteigen soll.

Weitere Schätzungen werden hier auf finanzen.net veröffentlicht. Ab 2023 geht man hier wieder von steigenden Umsätzen aus, allerdings sollen sich die Gewinne von 2021 bis 2023 immer noch leicht absinken. Allerdings erwarten die Analysten für den gleichen Zeitraum, einen Zuwachs der freien Cashflows ab 2023. Die Gewinne je Aktie sollen weiter steigen. Aus den erwarteten Gesamtgewinnen und den Gewinnen je Aktie, lässt sich der Schluss ziehen, dass die Anzahl ausstehender Aktien ebenfalls weiter sinken soll.

Gesamtmark: Informationen können bei Branchenverbänden oder Instituten, sowie staatlichen Behörden gefunden werden. Auf der Seite des Institute of Materials, Minerals and Mining, können zum Beispiel Daten und Publikationen gefunden werden.

Der Kreditversicherer Coface AG, geht in einer Pressemitteilung vom Juni 2018 von folgenden Prognosen aus:

Metallbranche weltweit: Preise steigen 2018 zunächst weiter, dürften 2019 aber leicht fallen
– Seit Mitte 2016 erfährt Metallsektor steigende Preise und größere Nachfrage
– Zunehmender Protektionismus in USA und Europa sowie Gegenmaßnahmen von China wirken auf Zuversicht und Investitionen, aber noch keine Bremse für Wachstum
– Unterschiedliche Trends bis Ende 2019 zu erwarten: Basispreise für Metalle steigen, aber Preise für Eisenmetalle sinken wegen Überproduktion Metallmarkt stark, aber Risiken bleiben hoch Im Zuge eines stark synchronen Wirtschaftswachstums lassen technologische Entwicklungen den Verbrauch von Metallen ansteigen. Bei gleichzeitiger Verknappung des Angebots profitiert der Metallsektor seit Mitte 2016 vom „Bullenmarkt“. Die Nachfrage ist die stärkste seit der Krise 2008. Im Zusammenspiel mit dem schwächeren US-Dollar hat das zu einer Preisrallye geführt. So stieg der Preis für Aluminium um 37 Prozent, für Kupfer um 44 Prozent und für Nickel um 53 Prozent. Kobalt wurde um das Vervierfache teurer, Zink um das Doppelte, jeweils verglichen mit 2016. Trotz des Wirtschaftswachstums und der gestiegenen Rentabilität in den meisten Segmenten bleibt die Metallindustrie bei Coface eine der riskantesten Branchen. In der Branchenbewertung steht sie in der Kategorie „hohes Risiko”. Vor allem schwächere Marktteilnehmer stehen in Abhängigkeit von Großhändlern und großen Kunden. 2018 und 2019 verlaufen unterschiedlich Der Metallsektor hat schon immer auf politische Einflüsse und geopolitische Verwerfungen mit Preisschwankungen reagiert. Die jüngsten protektionistischen Maßnahmen der USA (Einfuhrzölle auf Stahl und Aluminium) und der EU (Antidumping-Zölle auf Stahl und Eisen) hatten bis jetzt allerdings nur einen begrenzten Effekt auf die chinesische Stahlproduktion. Die chinesischen Produzenten konzentrierten sich stärker auf den lokalen Markt. Auch die Gegenmaßnahmen Chinas auf die US-Sanktionen (Zölle auf Stahlröhren, Flugzeuge und Autos) werden keine gravierendenden Auswirkungen auf die Automobilindustrie haben. Das Wachstum insgesamt ist bis jetzt auch nicht gefährdet, da weniger als 1 Prozent des amerikanischen und chinesischen BIP-Beitrags betroffen ist. Ein Handelskrieg würde aber definitiv das Kreditrisiko der Unternehmen erhöhen. Coface erwartet, dass schon in diesem Jahr die Investitionsbereitschaft und die Zuversicht wegen des zunehmenden Protektionismus negativ beeinflusst werden.

Alle Zeichen deuten darauf hin, dass die Weltwirtschaft ihre Wachstumsspitze erreicht hat und die Preise ab 2019 nach unten tendieren. Kurzfristig werden allerdings die Unwägbarkeiten die Preise noch ein Stück nach oben treiben. Davon profitieren die wichtigsten Basismetalle, die von der starken Nachfrage nach Batterien und elektronischen Komponenten getrieben werden. Zwischen Dezember 2017 und Dezember 2019 dürfte die Nachfrage für Aluminium um etwa 2 Prozent, für Kupfer um 2,4 Prozent, für Nickel um 18 Prozent und für Zink um 14 Prozent anziehen. Wegen der steigenden Preise könnten Hersteller von Batterien und Autos ihre Suche nach alternativen Materialien verstärken. Im Gegensatz dazu werde die Stahlpreise im selben Zeitraum voraussichtlich um 19 Prozent fallen. Grund ist die anhaltende Überproduktion in China, da die Produzenten auch bei Preisrückgängen die Herstellung nicht wesentlich zurückfahren. Zudem verstärkt die hohe Verschuldung der Unternehmen diesen Preiseffekt. Die Nettoverschuldungsquoten sind besonders in China sehr hoch, wo die Branche von den großen staatseigenen Unternehmen dominiert wird. Aber auch in den USA sind Unternehmen vermehrt gezwungen, ihren Cashflow zu korrigieren.

Weitere Informationen über den Zustand der globalen Wirtschaft und wichtige Handelsangelegenheiten, sind hier auf der Hauptseite der World Trade Organization zu finden.

Informationen über den Markt für Eisen und Stahl sind hier auf der Seite worldsteel.org zu finden. Da für die Stahlherstellung Eisenerz notwendig ist, hat das einen direkten Einfluss auf den größten Geschäftszweig von Rio Tinto.

Für 2019 prognostiziert worldsteel ein Wachstum der Stahlnachfrage in China von 7,8% auf 900,1 Mt und für den Rest der Welt von 0,2 % Wachstum auf 874,9 Mt. Für 2020 wird ein Anstieg der chinesischen Stahlnachfrage um 1,0% erwartet, während die Stahlnachfrage im Rest der Welt um 2,5% zunehmen wird, was auf ein Wachstum von 4,1% in den Schwellen- und Entwicklungsländern ohne China zurückzuführen ist. Die weltweite Stahlnachfrage wird 2019 um 3,9% auf 1.775,0 Mt und 2020 um weitere 1,7% auf 1.805,7 Mt steigen.

Weitere Informationen zum Markt für Aluminium sind hier auf der Seite world-aluminium.org einsehbar.

Informationen über den Kupfer-Markt, können auf Seiten wie copperalliance.org und copper.org gefunden werden.

Publikationen auf marketsandmarkets.com, zeigen im Folgenden die Erwartungen über die künftige Entwicklung:

SegmentPrognose
Metallpulver
(eisenhaltig, nicht eisenhaltig)
Der weltweite Markt für Metallpulver verzeichnete 2013 ein schnelles
Wachstum und wird im Prognosezeitraum voraussichtlich einen CAGR
von 3,80% erreichen, dh von 2015 bis 2020 4.062,2 Mio. USD. Die Region
Asien-Pazifik ist der am schnellsten wachsende Markt mit der höchsten
CAGR von 5,01% im Prognosezeitraum; Dieser Markt wird von einem
zunehmenden Wettbewerb, dem Bewusstsein der Verbraucher, steigenden
Verbraucherausgaben, der Nachfrage nach pulvermetallurgisch
hergestellten Bauteilen und technologischen Fortschritten angetrieben.
Auf Nordamerika entfielen wertmäßig rund 40,4% des gesamten
Marktanteils, gefolgt von Europa und Asien-Pazifik.
Es wird geschätzt, dass der Markt für Metallpulver in Entwicklungsländern
wie China und Indien von 2015 bis 2020 verhältnismäßig stärker wächst.
Aufgrund seines starken Wirtschaftswachstums und der wachsenden
Nachfrage seitens der Endverbraucher dürfte China schneller wachsen
als jedes andere Land. Anwenderindustrien und rasche Urbanisierung.
IndustriesalzeDer gesamte Markt für Industriesalze wird voraussichtlich von 12,70 Mrd.
USD im Jahr 2017 auf 14,93 Mrd. USD im Jahr 2023 wachsen, was einer
jährlichen Wachstumsrate von 2,8% von 2017 bis 2022 entspricht.
AluminiumsystemeDer weltweite Markt für Aluminiumsysteme verzeichnete 2013 ein rasantes
Wachstum und soll von 2015 bis 2020 mit einem CAGR von 5,65% auf
USD 147,13 Mrd. bis 2020 wachsen. Asien-Pazifik dominierte den Markt mit
einem Anteil von 45% in 2014; Dieser Markt wird durch zunehmenden
Wettbewerb, wachsendes Verbraucherbewusstsein, steigende
Verbraucherausgaben, Nachfrage nach Mehrwertprodukten und
technologischen Fortschritten getrieben. Der asiatisch-pazifische
Raum wird voraussichtlich von 2015 bis 2020 der am schnellsten
wachsende Markt für Aluminiumsysteme sein.
Kupfer (sauerstofffrei)Der sauerstofffreie Kupfermarkt soll von 2016 bis 2021 von 14,82
Milliarden USD auf 18,35 Milliarden USD wachsen, bei einer
jährlichen Wachstumsrate von 4,4% von 2016 bis 2021.
TitandioxidmarktFür den globalen Titandioxidmarkt wird ein Wachstum von 10,64 Mrd.
USD im Jahr 2016 auf 14,12 Mrd. USD im Jahr 2021 mit einem CAGR
von 5,8% im Zeitraum 2016 bis 2021 prognostiziert. Titandioxid ist
ein natürlich vorkommendes Titanoxid. Es hat den höchsten
Brechungsindex aller Materialien und ist eines der weißesten Materialien
der Welt. Wenn es zu einem feinen Pulver gemahlen wird, verwandelt
es sich in ein Pigment, das ein Maximum an Weißheit und Opazität
bietet. Titandioxidpigmente werden in Farben und Lacken, Kunststoffen,
Papier, Baustoffen, Kosmetika, Pharmazeutika, Lebensmitteln und
vielen anderen kommerziellen Produkten verwendet. In diesem
Bericht wird 2015 als Basisjahr betrachtet und der Prognosezeitraum
reicht von 2016 bis 2021.

Aus dem Jahr 2016 liegt hier noch eine Studie über die rohstoffgewinnende Industrie vor, die von der Hans Böckler Stiftung durchgeführt wurde:

1.8 Einteilung nach Peter Lynch – Rio Tinto plc

Nach Peter Lanch handelt es sich bei Rio Tinto um einen Zykliker. Die Gewinne sollen in den kommenden Jahren tendenziell fallen und die Margen zeigen eine starke Schwankung, die allerdings typisch für Bergbauunternehmen ist, die den Schwankungen der Marktpreise an den Warenterminmärkten unterliegen. Die Empfehlung von Peter Lynch wäre demnach, das Unternehmen beim Margentief zu kaufen und beim Margenhoch (Durchschnitt) zu verkaufen.


1.9 Levermann Score – Rio Tinto plc



WertPunkte
1Eigenkapitalrendite26,151
1EBIT-Marge27,011
3Eigenkapitalquote54,781
4Kurs-Gewinn-Verhältnis9,971
5Kurs-Gewinn-Verhältnis (5Jahre)7,951
6AnalystenmeinungHalten0
7Reaktion auf die Quartalszahlen
(SPX)
-3,34-1
8Gewinnrevision00
9Kursverlauf der letzten 6 Monate-13,5-1
10Kursverlauf der letzten 12 Monate5,61
11TrendumkehrNegativ-1
12ReversaleffektNeutral0
13Erwartetes Gewinnwachstum-10,95-1

Gesamt2

1.10 Piotroski F-Score – Rio Tinto plc

WertPunkt
1Positiver NettoertragJa1
2Positiver operativer Cashflow Ja 1
3Gesamtkapitalrendite höher als im Vorjahr Ja 1
4operativer Cashflow höher als NettogewinnNein0
5Niedrigerer Verschuldungsgrad als im Vorjahr Ja 1
6Current Ratio höher als im Vorjahr Ja 1
7Weniger oder gleich viele umlaufende Aktien
als im Vorjahr
Ja 1
8Bruttomarge höher als im Vorjahr Nein 0
9Kapitalumschlag höher als im Vorjahr Ja 1
Gesamt7

2. Detailanalyse

Bei einigen Bewertungsverfahren, werde ich Annahmen und Prognosen über zukünftige Entwicklungen des Unternehmens machen müssen. Immer wenn ich Schätzungen machen muss, werde ich versuchen diese unter möglichst konservativen Annahmen zu machen, um keinen zu optimistischen Standpunkt einzunehmen.

2.1 SWOT – Analyse – Rio Tinto plc

Stärken:

  • Die Rio Tinto plc ist eines der größten Bergbauunternehmen der Welt und unter der Top 3 zu finden. Daraus ergibt sich der Größenvorteil, zu dem noch der Vorteil einer breiteren Diversifizierung über eine breite Palette von Rohstoffen hinzukommt. Größe und Reichweite stellen hier den wohl größten Wettbewerbsvorteil gegenüber kleineren Mitbewerbern dar, da das Unternehmen hier in der Lage ist, weltweit Projekte zu entwickeln und umzusetzen und somit auch eine gewisse Preisdurchsetzung erreichen kann (relativ, da hier die Abhängigkeit von den Warenterminmärkten übergreifend ist).
  • Die Firma hat eine sehr lange und erfolgreiche Geschichte in ihrer Branche vorzuweisen. In dieser langen Historie, konnte sich das Unternehmen immer wieder gegen schlechte Marktphasen und politische Krisen, inklusive zweier Weltkriege, behaupten. Durch diese ständige Entwicklung der Firma, ist sie heute auch unter den technologisch führenden Bergbauunternehmen zu finden. Das beinhaltet die Verfügbarkeit hoch effizienter Anlagen und Maschinen, sowie eine die Ausbildung des Personals.
  • Das Unternehmen legt einen großen Wert auf eine aktionärfreundliche Unternehmenspolitik, was in den regelmäßigen Dividenden sowie den Sonderdividenden Ausdruck findet. Außerdem sprechen die Rendite für einen sorgsamen Umgang mit dem Firmenkapital.
  • Im Bereich Eisenerz (dem Ertragsstärksten Teil des Unternehmens) und Aluminium, gehört Rio Tinto zu den Marktführern. Die großen Abnehmer von Eisenerz für z.B. die Stahlproduktion oder die Aluminiumverhüttung, kommen kaum an der Marke Rio Tinto vorbei.
  • Die finanzielle Stabilität ist sehr gut und hat sich im letzten Jahr signifikant verbessert, sodass das Fremdkapital auch durch liquide Mittel gedeckt ist. Dazu kommt ein sehr geringer Anteil an Goodwill in der Bilanz.
  • Das Unternehmen entwickelt ständig neue Projekte, entweder in Eigenverantwortung oder als Joint Ventures mit anderen Bergbauunternehmen. In diesem Bereich kann Rio Tinto ebenfalls gute Erfolge verbuchen und hat sich über die Jahre in diesem Feld eine breite Expertise aufgebaut, die auch in Zukunft von großem Nutzen sein wird. Dazu gehört auch die Arbeit in den Entwicklungsländern, die mit eigenen Problemen behaftet ist, da hier in Teilen die Infrastruktur der Industrienationen nicht vorhanden ist.

Schwächen:

  • Das Unternehmen gerät immer wieder in die Kritik im Bezug auf die Einhaltung von Menschenrechten oder Umweltstandards, die in den rohstoffreichen Ländern in weiten Teilen kaum oder gar nicht vorhanden sind. Ebenso kommt es immer wieder zu Vorwürfen sich an Korruption zu beteiligen, wie zuletzt 2016 in Guinea, wo infolge einer Zahlung von rund 10,4Mio. USD an einen ansässigen Consultant ein Geschäftsführer des Unternehmens seinen Posten räumen musste.
  • Die Einnahmen aus dem Verkauf von Rohstoffen, sind nur sehr schlecht planbar. Der Grund hierfür liegt in der Abhängigkeit von den Warenterminmärkten. Wie jeder Produzent von Rohstoffen, hat das Unternehmen hier die Möglichkeit sich über Future-Kontrakte und Optionen ein gewisse Absicherung zu verschaffen, allerdings bleibt die Abhängigkeit von den Marktpreisen, die mitunter sehr volatil sein können, enorm. Eine längere Phase niedriger Preise in den wichtigsten Segmenten Eisen und Aluminium, könnte sich hier in finanziellen Schwierigkeiten niederschlagen. Hier dürfte der größte Schwachpunkt liegen.
  • In einigen Ländern, ist das Unternehmen behördlichen Eingriffen ausgesetzt, die die Profitabilität des Unternehmens negativ beeinflussen. Das kann sich in Form von Problemen bei Genehmigungsverfahren oder Differenzen bei Umweltschutz-Standards niederschlagen, ebenso wie beim Arbeitsrecht oder dem Im- und Export.
  • Rio Tinto operiert häufig in Entwicklungsländern und den aufstrebenden Märken. Hier stellt sich das Problem einer Infrastruktur, die nicht so gut ausgebaut ist wie in den großen Industrienationen. Das bringt zum Teil erhebliche Kosten bei der Erschließung neuer Rohstoffvorkommen mit sich. Zusätzlich können hier Probleme bei der Rechtssicherheit aufkommen, ebenso wie die Kritik, mit der Unternehmen zu rechnen haben, die in diesen Ländern mit Regierungsstellen zu tun haben oder auf das Wohlwollen diese angewiesen sind.

Chancen:

  • Der weltweite Bedarf an Aluminium dürfte in Zukunft größer werden. Trotz wirtschaftlicher Abschwünge oder Rezessionen, entwickelt sich die Weltwirtschaft immer weiter und das Leichtmetall wird für eine breite Palette an Gütern benötigt, die eine steigende Nachfrage verzeichnen, bei einer sich immer weiter verbessernden Versorgungslage. Hier liegt für Rio Tinto als einem der größten Lieferanten von Bauxit, Alaun und Aluminium eine große Chance, diesen wachsenden Bedarf zu decken.
  • Die Digitalisierung und die immer schneller voranschreitende technische Entwicklung liefern weitere Chancen, das operative Geschäft immer effizienter zu betreiben. Das betrifft die Planung des Abbaus auf die Nachfrage am Markt, die Optimierung der Arbeitsprozesse, den strategisch effizienten Einsatz von Arbeitskräften und Kapital, die Logistik, die Exploration, die Automatisierung, die Energieversorgung und Anbindung, die Arbeitssicherheit, die Gesundheitsvorsorge und noch weitere substanzielle Punkte.
  • Es gibt eine Reihe groß angelegter Infrastrukturprogramme, wie sie beispielsweise von der Volksrepublik China oder den USA initiiert wurden, um den Warenverkehr global zu verbessern. Darunter fallen internationale Schienennetze, Seefahrtswege in Verbindung mit kommerziellen Häfen und Überlandverbindungen. Hier liegt für das Unternehmen eine große Chance, da es die Verfügbarkeit von Ressourcen erhöht und die Logistik vereinfacht. Eine enorme Steigerung der Effizienz wäre zu erwarten.
  • Die Ausweitung des Geschäfts auf noch nicht erschlossene Gebiete und Länder wäre eine weitere Möglichkeit. Als Beispiel kann hier das Kupferminen-Projekt in der Mongolei angeführt werden. Die weitere Exploration und Erschließung von Rohstoffvorkommen, wäre neben einer Chance für das Unternehmen auch eine Möglichkeit für Entwicklungsländer, sich Konw How zu sichern und Wohlstand zu schöpfen.
  • Es besteht auch die Chance, sich auf andere Felder zu diversifizieren, die die Förderung anderer benötigter Rohstoffe beinhaltet. So zum Beispiel Lithium, Cobald, Iridium, Tantal und andere seltene Erden, deren Nachfrage stark steigt.

Risiken:

  • Als global agierendes Unternehmen, unterliegt Rio Tinto plc den allgemeinen Markt- und Währungsrisiken, sowie Risiken mit Blick auf die unterschiedlichen Rechtssprechungen in den Ländern, in denen die Firma operiert.
  • In der aktuellen Wirtschaftslage, sinkt der Bedarf an Eisenerz, Aluminium und Kohle, sowie der meisten anderen Rohstoffe. Das daraus resultierende Überangebot lässt die Preise sinken. Es ist schwer einzuschätzen, wie lange eine schwache Marktphase dauert oder ob noch eine Vertiefung des Abschwungs bis hin zu einer Rezession folgt. Die Effekte dürften in jedem Fall negativ für das Unternehmen sein.
  • Gerade Unternehmen der Rohstoffgewinnung, wie der Bergbau im Allgemeinen, unterliegen immer wieder dem Vorwurf, dass ihr Geschäft nicht nachhaltig ist oder sie sogar bewusst Umweltschäden in Kauf nehmen um ihre Profite zu halten. Gerade in den westlichen Industrienationen, hat dieser immer wieder aufkommende Vorwurf für ein durchgehend schlechtes Image von Unternehmen wie Rio Tinto gesorgt. Erschwerend kommen hier noch die Vorwürfe hinzu, denen sich das Unternehmen regelmäßig ausgesetzt sieht im Bezug auf Korruption, Arbeitsrecht und Arbeitsbedingungen, die bis zum Vorwurf der Ausbeutung reichen. Das große Risiko besteht hier in einem Imageschaden, der zum Verlust von Kuden oder Lieferanten führt.
  • Es bestehen auch Risiken im Zusammenhang mit den unterschiedlichen Regierungen und Gesetzgebungen, die Teile des Geschäfts negativ beeinflussen können. So zum Beispiel können Genehmigungen zurückgezogen oder verweigert werden, Projekte können unprofitabel werden und in einigen instabilen Regionen, könnten politische Verwerfungen bis zum Verlust ganzer Vermögenswerte führen.
  • Eine Verschärfung der Regulierung könnte sich ebenfalls negativ auf das Unternehmen auswirken.
  • Das durchgehende Risiko der Preisvolatilität an den Warenterminmärkten. Je nach Angebot und Nachfrage, kann es zu starken Schwankungen kommen. Vor allem niedrige Preise wirken sich schädlich auf die Finanzen des Unternehmens aus. In wirtschaftlichen Abschwungphasen kommt es in der Regel zu einem Preisverfall, das die Nachfrage schnell sinkt.
  • Aktuell sind die Handelsdifferenzen zwischen den USA und der Volksrepublik China einer der großen Hemmer. Sollten sich die Verhältnisse zwischen den beiden Ländern weiter abkühlen, kann das auch einen negativen Effekt auf Rio Tinto haben, zumal China der größte Abnehmer an Eisenerz für seine Stahlindustrie ist.

2.2 Bewertungsverfahren – Rio Tinto plc

Für die Bewertung von Rio Tinto, greife ich in diesem Abschnitt auf verschiedene Verfahren zurück, die mir für das Unternehmen als sinnvoll und aussagekräftig erscheinen. Da eine Bewertung zukünftiger Entwicklungen hier eine wesentliche Rolle spielt, werde ich bei Prognosen, Schätzungen und Annahmen versuchen, wie bereits gesagt, eine möglichst konservative Sichtweise einzunehmen.

2.2.1 Bewertung der Arbeit des Managements

Um hier eine möglichst fundierte Aussage zu treffen, betrachte ich mehrere Kennzahlen, anhand derer ich eine Einschätzung über die Leistung der Geschäftsleitung treffen will. Ich gebe die Kennzahlen für den Prognose-Zeitraum zwar mit an, diese fließen aber nicht in die Berechnung mit ein. Die Schwäche bei dieser Methode der Managementbewertung liegt in der doppelten Wertung von Unternehmenskennzahlen. Die Finanzkennzahlen des Unternehmens fließen in die Bewertung der Aktie mit ein, daher ergibt sich ein grundlegendes Problem, ein gutes Management anhand derselben Zahlen abzuleiten und das Ergebnis bei der Bewertung eines Unternehmens nochmals zu berücksichtigen.

Erläuterung: Bei allen Kapitalrenditen, nehme ich Werte von > 15% im Durchschnitt, als 100% an. Für die Tilgungsdauer des Fremdkapitals, nehme ich alle Wert von < 1 Jahr als 100%

Nach den von mir angesetzten Bewertungsmaßstäben, kommt das Management auf eine Leistung von 66%. Man kann hier für ein gutes Management argumentieren, wenn man den Vergleich zur Peer Group zieht und die Gesamtkapitalrendite sowie andere Renditekennzahlen vergleicht. Hier schneidet Rio Tinto sehr gut ab. Negativ fallen die relativ hohen Schuldentilgungszeiten auf. Dagegen können aber die hohen liquiden Mittel angeführt werden. Insgesamt scheint die Leistung der Unternehmensleitung aber akzeptabel zu sein.

2.2.2 Faires Kurs-Gewinn-Verhältnis

Das Verfahren basiert darauf, dass auf ein Sockel-KGV, dem mindesten Vielfachen der Gewinne, zu dem ein Unternehmen bewertet sein sollte, Aufschläge berechnet und addiert werden, die sich nach bestimmten Fundamentaldaten des Unternehmens richten. Für dieses Verfahren muss ich verschiedene Annahmen treffen die sich teils auf Prognosen und Schätzungen stützen. Wo immer ich eine Einschätzung über zukünftige Entwicklungen machen muss, werde ich versuchen eine möglichst konservative Annahme zu treffen.

Das Minimum des KGV der letzten 10 Jahre lag bei etwa 5,5. Für das Sockel KGV von Rio Tinto gehe ich von einem Wert von 3,0 aus, da das KGV sich aktuell im Bereich von etwa 6,6 bewegt und ich wie immer versuche eine konservative Haltung einzunehmen.

Die finanzielle Stabilität ist gut und die Zinslast des Unternehmens ist überschaubar. Ein Aufschlag von 1,37 auf das Sockel KGV erscheint hier als gerechtfertigt.

Da der Bergbau traditionell von starker Konkurrenz geprägt ist, rechne ich hier mit 5,0 Porter Punkten und unterstelle damit einen sehr starken Wettbewerb.

Ein zukünftiges Wachstum von +3,0% (CAGR) halte ich für realistisch und nehme dies als Berechnungsgrundlage.

Für individuelle Faktoren, konnte ich mehrere Punkte finden, die mir einen Aufschlag von 2,0 au das Sockel KGV wert sind.

Ergebnis: Damit erhalte ich ein theoretisch faires KGV von 8,37. Bezogen auf die aktuellen Gewinne, ergibt sich daraus ein möglicher fairer Wert von 65,92 USD je Aktie. Lege ich die erwarteten Gewinne für das Geschäftsjahr 2019 zugrunde, ergibt sich ein theoretischer fairer Wert von 57,76 USD je Aktie. Hier muss vorsichtig gearbeitet werden, da die Analysten für den gesamten Prognosezeitraum bis 2023 mit sinkenden Gewinnen rechnen. Inwieweit diese Erwartungen bereits eingepreist wurden, kann nicht abschließend beantwortet werden. Eine Sicherheitsmarge wurde nicht berücksichtigt.

2.2.3 Faires Kurs-Buchwert-Verhältnis:

Ähnlich dem fairen Kurs-Gewinn-Verhältnis sucht die Bewertung mit dem fairen Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) nach einem fairen Aufschlag auf den Buchwert des Zielunternehmens. In die Berechnung fließt das faire KGV als Variable mit ein, um die Eigenkapitalkosten des Unternehmens einzuschätzen. Eine andere Möglichkeit diese Kosten zu berechnen, wäre zum Beispiel das Weighted Average Cost of Capital-Modell zur Berechnung von Kapitalkosten. Ein weiterer Bestandteil, ist der „risikofreie Zinssatz„. Für diesen verwende ich den Zins 10-jähriger US-Staatsanleihen (Treasury Bonds), der hier auf der Seite des U.S. Department of Treasury gefunden werden können.

Ergebnis: Ich habe mit einem „risikofreien“ Zinssatz von rund 1,80% gerechnet, bezogen auf die Rendite 10 jähriger US-Staatsanleihen. Daraus ergibt sich ein theoretisches faires KBV von 2,10. Das bedeutet ein möglicher fairer Wert wäre bei 60,38 USD je Aktie zu suchen. Eine Sicherheitsmarge wurde nicht berücksichtigt.

2.2.4 Gewinnrenditendiskontierung

Mit diesem Verfahren, betrachtet man eine Aktie wie eine Anleihe, mit einem variablen Zinssatz. Hier stellt der Gewinn je Aktie (EPS) den Zinskupons auf den Aktienkurs dar. Dabei kann man das Vorsteuerergebnis verwenden, sowie das Nachsteuerergebnis. Ich unterstelle in diesem Verfahren den EPS ein angenommenes Wachstum über einen bestimmten Zeitraum, berechne die Rendite am prognostizierten Zeitpunkt auf den aktuellen Aktienkurs und zinse diese Rendite mit einem Diskontierungsfaktor auf den heutigen Tag ab. Mittels des Kurs-Gewinn-Verhältnisses berechne ich einen theoretischen fairen Wert je Aktie. Für den theoretischen fairen Wert, berücksichtige ich zusätzlich den Buchwert je Aktie. Ich beziehe mich im Folgenden auf das Nachsteuerergebnis.

Für diese Bewertung nehme ich ein durchschnittliches Wachstum der Gewinne je Aktie von +3,0% p.a. über einen Zeitraum von 10 Jahren als realistisch an und rechne mit dem 10-Jahres-Durchschnitt des KGV von 14,4. Ich rechne standardmäßig mit einem Abzinsungsfaktor von 12,0%, da das die Mindestrendite ist die ich von einem Investment erwarte.

Ergebnis: Bezogen auf das Nachsteuerergebnis, errechne ich hier einen theoretisch fairen Wert je Aktie von 49,10 USD je Aktie. Eine Sicherheitsmarge wurde nicht berücksichtigt.

2.2.5 Cashflowdiskontierung (Brutto- und Nettoverfahren)

Bei diesem auf Cashflows basierenden Verfahren, habe ich einmal das Bruttoverfahren (Free Cashflow to Firm) und das Nettoverfahren (Free Cashflow to Equity) angewendet, um einen Zielbereich für einen möglichen fairen Wert zu bestimmen. Als mögliche Wachstumsraten, habe ich auch hier wieder versucht möglichst konservative Schätzungen anzunehmen.

Free Cashflow to Firm – Bruttoverfahren:

Free Cashflow to Equity – Nettoverfahren:

Ich rechne hier mit einem durchschnittlichen Wachstum der operativen Nachsteuergewinne von +3,0% p.a., die ich als realistisch betrachte und rechne wieder mit einem Abzinsungsfaktor von 12,0% p.a. Diese Annahmen habe ich für beide Bewertungsverfahren unterstellt.

Ergebnis: Aus den von mir getroffenen Annahmen, konnte ich für das Bruttoverfahren einen theoretisch fairen Wert von 92,99 USD je Aktie berechnen, sowie einen möglichen fairen Wert von 51,38 USD je Aktie für das Nettoverfahren. Die Spannweite der Ergebnisse ist hier sehr breit, weswegen es schwer ist die Zuverlässigkeit des Verfahrens einzuschätzen. Eine Sicherheitsmarge wurde nicht berücksichtigt.

2.2.6 Dividendendiskontierung

Das Dividend Discount Model (DDM) ist ein einfachesVerfahren zur Bestimmung des theoretisch fairen Wertes einer Aktie. Es eignet sich gut für die Bestimmung des fairen Wertes von Dividendenaktien, geht aber von der Annahme eines vollkommenen Kapitalmarktes aus. Die zukünftigen Dividendenzahlungen werden mit einem Eigenkapitalkostensatz abgezinst (diskontiert). Man erhält so den fairen Wert der Aktie bzw. den gegenwärtigen Wert des Eigenkapitals je Aktie. Das Dividend Discount Model ist eine Unterform des Discounted Cash-Flow (DCF), wobei man hiefür die Dividende anstelle der Gewinne eines Unternehmens für die Berechnungen heranzieht. Für die Berechnung unterstelle ich den Dividenden ein angenommenes Wachstum über einen bestimmten Zeitraum, in meinem Fall 15 Jahre, sowie einen Terminal Growth, der auch als „ewige Wachstumsrate“ bezeichnet wird. Die so berechneten Dividendenerträge zinse ich mit einem Diskontierungsfaktor auf den heutigen Tag ab, das 1 Dollar heute mehr wert ist, als 1 Dollar in 15 Jahren. Die abgezinsten Dividenden je Aktie werden anschließend aufsummiert. Dazu gibt es hier noch einen Artikel auf finanzsenf.de.

Für die Dividendendiskontierung, bin ich von den laufenden Dividenden ausgegangen, ohne die Sonderdividenden zu berücksichtigen. Der Grund dafür, liegt in der schlechten Prognostizierbarkeit von Sonderdividenden, die je nach Lage ausgeschüttet werden oder nicht. Ich rechne mit einem Dividendenwachstum von +5,0% p.a. als realistischem Wert und mit einem Diskontierungsfaktor von 12,0% p.a. Für den Terminal Value rechne ich mit +3,0% p.a. Dividendenwachstum und weiterhin 12,0% Abzinsungsfaktor.

Ergebnis: Für das Verfahren und die von mir unterstellten Bedingungen, errechne ich einen theoretisch fairen Wert von 40,80 USD je Aktie, der unter Berücksichtigung des Buchwertes auf 69,59 USD je Aktie steigt.

2.3 Zusammenfassung und Fazit – Rio Tinto plc

Bereits06.10.2017 erschien ein Artikel auf Capital.de unter dem Titel „Rohstoffaktien: Warum sich der Einstieg jetzt lohnt“ der hier gelesen werden kann.

Die Rio Tinto plc ist ein Unternehmen, das bereits über 140 Jahre existiert und sich im Lauf der Geschichte immer wieder mit politischen und wirtschaftlichen Krisenlagen konfrontiert sah. Daher gehe ich davon aus, dass das Unternehmen langfristig auch weiterhin in der Lage sein wird, sich am Markt zu behaupten. Rio Tinto gehört zu den größten Bergbauunternehmen der Welt und besitzt nahezu überall Niederlassungen und Beteiligungen an Minen und leistet einen der größten Beiträge, um den weltweiten Aluminiumbedarf zu decken. Das Unternehmen hat es auch geschafft, sich gegenüber seiner Peer Group durch höhere Kapitalrenditen abzugrenzen und arbeitet bis auf weinige Ausnahmen stets profitabel. Allerdings wird für die kommenden Jahre ein Rückgang der Umsätze und Gewinne erwartet, was an schwächelnder Nachfrage liegt, allerdings unterliegt das Unternehmen auch den Schwankungen der Preise an den Warenterminmärkten und diese reagieren mit sinkenden Preisen auf einen Rückgang der Nachfrage bei bestehendem Angebot. Dazu kommt noch ein hoher Wettbewerbsdruck und die Tatsache, dass das Unternehmen in vielen Ländern operieren muss, in denen die Rechtssicherheit in Teilen fragil ist. Allerdings dürfte die beständige Entwicklung der Weltwirtschaft hin zu mehr Wohlstand für alle, die Nachfrage nach den abgebauten Rohstoffen langfristig steigern. Die finanzielle Situation sieht aktuell gut aus. Wichtige Projekte wurden angestoßen und erschlossen und es konnten neben dem Schuldenabbau zeitgleich auch liquide Mittel aufgebaut werden. Die Zinsdeckung ist mehr als ausreichend und der niedrige anteil immaterieller Vermögenswerte an der Bilanz ist ein Pluspunkt für das Unternehmen. Allgemein ist die Bergbaubranche in den westlichen Ländern mit dem Stigma der Umweltzerstörung und Ausbeutung geschlagen, was für regelmäßige Imageschäden sorgt. Rio Tinto selbst unternimmt dagegen große Anstrengungen, sein operatives Geschäft mit so wenig Schäden wie möglich zu betreiben. Als starker Dividendenzahler ist das Unternehmen als „Geldmaschine“ interessant, allerdings habe ich her nur die reguläre Dividende berücksichtigt, das die Sonderdividenden zwar einen Anreiz bieten, aber ihrer Natur gemäß nicht gut prognostizierbar sind. Artikel dazu wruden verlinkt. Auf lange sich rechne ich damit, das Rio Tinto sein Geschäft auch in Zukunft erfolgreich betreiben wird und es stellt sich für mich nur noch die Frage nach den richtigen Investitionsbedingungen.

Eine mögliche faire Spanne sehe ich zwischen (40,00 und 45,00) USD je Aktie. Ich berücksichtige dabei hauptsächlich das faire KGV-Verfahren und nehme eine Sicherheitsmarge von 25% in meine Berechnung auf. Der Grund dafür liegt in dem zyklischen Verhalten von Rio Tinto und bei einem Rückgang der Marktpreise oder einem weiteren schwächeln der Wirtschaft, dürfte das Unternehmen darunter zu leiden haben. Gerade eine Schwäche der chinesischen Wirtschaft könnte das Unternehmen hart treffen, denn hier werden rund 44% der Umsätze erzielt.

Eine weiter Fundamentalanalyse ist in Kurzform hier auf finanzen.net zu finden. Die Analysten auf gehen hier aktuell sogar von einer starken Unterbewertung aus, konstatieren aber trotzdem ein Premium zum aktuellen Kurs von ca. 0,77%.

Fazit: Ich bin langfristig von Rio Tinto überzeugt und rechne damit, dass die Firma in Zukunft von der steigenden Nachfrage nach Rohstoffen profitieren wird, ebenso von den Möglichkeiten der Automatisierung und Digitalisierung. Ich sehe das Unternehmen als Cash-Generator an, das es gute Dividenden zahlt und rechne nicht mit großen Kurssprüngen. Dazu muss allerdings die Bedingung eines fairen Preises pro Aktie für mich erfüllt sein. Um hier eine konservative Haltung einzunehmen, habe ich daher mit einer Sicherheitsmarge von 25% gerechnet und würde ab einem Preis von 45,00 USD je Aktie über ein Investment nachdenken, sollte sich die fundamentale Lage des Unternehmens nicht stark verschlechtert haben. Evtl. wäre unter den richtigen Bedingungen auch ein höherer Preis je Aktie als fair zu betrachten, so zumindest meine Meinung.

Ich hoffe die Analyse war interessant zu lesen

Eine weiterer Artikel zu Rio Tinto plc, kann hier auf Dividendenfluss.de gelesen werden.

Peter Merkle

Weitere Analysen gibt es hier.

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3 comments

Manfred Oktober 18, 2019 - 5:36 pm

super Artikel. Ich dachte immer „GLENCORE PLC REGISTERED SHARES DL -,01 A1JAGV | JE00B4T3BW64“ sei das größte Bergbauunternehmen.
Gruß Manfred

Reply
Peter Merkle Oktober 21, 2019 - 3:11 pm

Hallo Manfred, freut mich dass dir der Artikel gefällt.

Reply
Cornelia Stauch Dezember 1, 2019 - 5:12 pm

Eine Aktienanalyse wie ich sie mir besser nicht vorstellen kann. Herzlichen Dank!
Jetzt liegt es an mir, was ich daraus lernen und damit machen kann.
Hab noch viel zu lernen.
Gruß Cornelia

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