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Marktreport – Magnesium wird knapp

by Peter Merkle
Geschätzte globale Verwendung von Magnesium; DERA Rohstoffinformationen 38 (2019)

In unserem neuen Marktreport auf Modern Value Investing, betrachten wir aus aktuellem Anlass den Markt für Magnesium. Das chemische Element aus der Reihe der Erdalkalimetalle, spielt für die Produktion von Aluminium eine entscheidende Rolle, wird aber auch bei der Verarbeitung von Eisen und Stahl eingesetzt, um die Erzeugnisse zu entschwefeln, sowie zur Gewinnung anderer Metalle, wie Uran, Titan, Kupfer, Nickel, Chrom oder Zirconium. Dementsprechend ist das Metall für eine Vielzahl von Industrien wichtig. Für Branchen wie die Aluminiumproduktion ist Magnesium lebenswichtig und dementsprechend hängen auch weitere angeschlossene Industrien daran, wie beispielsweise der Fahrzeug- und der Maschinenbau, die Luftfahrtindustrie und die Verpackungsherstellung. In Legierungen dient das Magnesium vordringlich dazu, Gewicht einzusparen. Die Gewinnung von Magnesium ist ein äußerst Energieaufwendiger Prozess, denn das Metall kommt nicht in seiner natürlichen Form vor, sondern immer in verschiedenen mineralischen Verbindungen. Wegen seiner Neigung zur Oxidation, ist Magnesium nicht lange lagerstabil und kann somit nicht in großen Mengen über längere Zeit eingelagert werden.

Die Lage der Magnesium-Produktion

Die aktuelle Lage stellt sich gerade wie folgt dar: Die Volksrepublik China ist heute der größte Produzent und Exporteur von Magnesium. Mit einem Marktanteil von rund 87 Prozent, besitzt China sogar ein quasi Monopol. Etwa die Hälfte der chinesischen Produktion an Magnesium ist für den Export nach Europa bestimmt und davon wiederum gehen große Teile auch in die Bundesrepublik Deutschland. Es gibt nur noch wenige andere Länder, die nennenswert Magnesium produzieren, darunter beispielsweise Russland, Kasachstan oder Israel. Insgesamt exportierte China 2019 Magnesium im Wert von rund 1,1 Milliarden US-Dollar.

Wie wir in einem unserer letzten Marktreporte ausgeführt haben, besteht aktuell eine steigende Mangelerscheinung an Energie. Durch Überschwemmungen in Gebieten Nordchinas, ist die dortige Förderung von Kohle stark in Mitleidenschaft gezogen worden und das ganze wurde noch durch ein immer angespannteres Verhältnis zu Australien verschärft. Australien trat im September 2021 dem Verteidigungsbündnis Aukus mit den USA und Großbritannien bei, das Verhältnis mit dem wichtigsten Handelspartner China wurde damit schwer belastet. Australien lieferte in großem Umfang Kohle nach China, ein Gut welches dort hauptsächlich für die Stromerzeugung verwendet wird.

Über das angeschlagene Verhältnis zwischen Australien und China, wurde in der Neuen Züricher Zeitung am 22.09.2021 unter dem Titel “Die Entfremdung zwischen Australien und China hat schon früh begonnen” ein Artikel veröffentlicht.

Laut Statista, wurden 2020 weltweit rund 1.015 Tonnen Magnesium produziert.

Ein wichtiges Gebiet für die Produktion von Magnesium ist die Stadt Yulin, in der chinesischen Provinz Shaanxi. Hier befinden sich fast zwei Drittel der chinesischen Magnesiumproduzenten. Die Region ist von Schwerindustrie geprägt und ebenfalls in hohem Maße von Strom aus der Verbrennung von Kohle abhängig.

Im Rahmen der vorgegebenen Emissionsziele für 2021, wurden viele Werke nun zu einer Reduktion der Produktion gezwungen, die bis zu 60 Prozent beträgt. Werke, die bestimme Standards nicht erfüllen, mussten sogar ganz schließen. Weiter verschärft wird die Lage der Produzenten natürlich auch durch den Mangel an Energie, der sogar bereits zu Energierationierungen geführt hat. Auch die chinesische Produktion von Aluminium und Silizium ist bis mindestens Jahresende 2021 stark beschränkt worden. Wiederum wird hier das erreichen von Emissionszielen vorangestellt.

Vor allem für die deutsche Industrie, als einem der Hauptimporteure von Magnesium, stellt die aktuelle Entwicklung ein großes Problem dar. Die Wirtschaftsvereinigung Metalle, hat hierzu bereits eine Einschätzung veröffentlicht, dass die gesamteuropäischen Lagerbestände bei der aktuellen Lage, bis spätestens Ende November erschöpft sein werden. Zwei mögliche Szenarien stellen sich hier. Zum einen könnten auch in Deutschland und im Rest Europas Werke geschlossen werden, oder Magnesium wird nur zu horrenden Kosten verfügbar sein.

Der Markt für Magnesium

Seit Ende 2020, hat sich der Preis für Magnesium bereits deutlich erhöht. Im wichtigsten Einfuhrhafen für das Leichtmetall, in Rotterdam, ist zur Zeit keine Möglichkeit für Kunden gegeben, Magnesium zu erhalten.

Entsprechend dieser Entwicklung, haben auch die Aluminiumpreise sehr stark angezogen.

Die Abhängigkeit der europäischen Wirtschaft, insbesondere der Branchen, die Leichtmetalle verarbeiten, ist hier offenkundig geworden. Dementsprechend könnten höhere Kosten für Magnesium und Aluminium eine ohnehin bereits angespannte Lage zusätzlich belasten. Werksschließungen der besonders für die Bundesrepublik wichtigen Auto- und Maschinenbauer, würden einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden im gesamten Wirtschaftsgefüge anrichten.

Nicht zuletzt wären damit große Investitionspläne einer zukünftigen Regierung nicht mehr aus Steuermitteln finanzierbar, da eine zur Untätigkeit verurteilte Industrie, der größte Wirtschaftszweig in Deutschland, die Steuereinnahmen des Bundes nicht mehr wird erbringen können, um diese zu bedienen. Investitionspläne wären damit obsolet oder nur noch durch massive Neuverschuldung zu stemmen, die aber nicht mehr durch Wirtschaftsleistung getragen würde.

An diese Entwicklung schließen sich weitere Szenarien und Entwicklungen an, die für die nahe Zukunft des Standortes Europa keine gute Prognose erlauben.

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