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Marktreport – Geldpolitik und ihre Wirkung

by Peter Merkle

In unserem neuen Marktreport auf Modern Value Investing, nehmen wir diese Woche die aktuellen Auswirkungen der Geldpolitik unter die Lupe, betrachten die Entwicklungen an den Bondmärkten und den Aktienmärkten, die sich daraus ergeben und versuchen mögliche Szenarien zu skizzieren, wie sich die Märkte in den kommenden Wochen verhalten könnten.

Märkte in Turbulenzen

Die Aktienmärkte

Die Aktienmärkte sind am Dienstag den 28.09.2021 mit einem fulminanten Rücksetzer in den Handel gestartet. So verlor der S&P 500 am Dienstag rund 2,04 Prozent, der NASDQ 100 sogar 2,86 Prozent. Vor allem die Technologieaktien haben starke Einbußen bei ihren Kursen zu verzeichnen und die Märkte zeigen im allgemeinen aktuell hohe Volatilitäten. Betrachtet man hierzu den S&P Equal Weight Index, verlor dieser nur rund 1,48 Prozent, bedingt durch die niedrigere Gewichtung von Technologiewerten als im regulären S&P 500 Index.

Die Volatilität der Märkte, hier anhand des VIX auf den S&P 500 dargestellt, hat ebenfalls sprunghaft zugenommen.

Die Bondmärkte

Die konträre Entwicklung ist an den Märkten für Staatsanleihen zu beobachten. Die Renditen der besonders wichtigen 10 jährigen Staatsanleihen zeigten eine plötzliche Aufwärtsbewegung. Daraus lässt sich ableiten, dass die Anleihen durch ihre gestiegenen Renditen eine stärkere Konkurrenz zu Aktien bilden. Eine der Anleihen mit der wohl größten Bedeutung, die 10-jährige US-Staatsanleihe, bietet mittlerweile wieder einen Zinskupon von rund 1,51 Prozent. Andere Anleihen ähnlicher Laufzeit, zeigen eine vergleichbare Tendenz, auch wenn sich die versprochenen Zinssätze teilweise deutlich unterscheiden:

Draus ergeben sich allerdings auch andere Entwicklungen. Erstens natürlich die höheren Opportunitätskosten für Anleger, aber auch höhere Refinanzierungskosten für die Unternehmen, die bei einem Anstieg der Zinsen auf breiter Front in die Berechnungen mit einfließen müssen. Das hat für verschiedene Branchen teils völlig gegenläufige Auswirkungen. Banken und Versicherungen würden von steigenden Zinsen profitieren, während die Technologiewerte die größten Verlierer selbiger sein dürften.

Was treibt die Entwicklung an den Märkten

Diese Entwicklung der Märkte kann man als Reaktion auf eine Aussage von Jerome Powell sehen, die er am Dienstag den 29.09.2021 vor dem Bankenausschuss des US-Senats gehalten hat. Der Chef der US Federal Reserve hat für den Fall einer nicht mehr temporären Inflation bereits angekündigt, das die Fed entsprechend reagieren wird. Hier liegt ein fundamentaler Grund, denn um eine Inflation zu bekämpfen, sie zum stehen zu bringen oder mindestens abzumildern, kennt die Volkswirtschaftslehre nicht viele geldpolitische Werkzeuge. Entweder verlangsamt man die Geldumlaufgeschwindigeit, was angesichts der Voraussetzungen und der Folgewirkungen kaum als machbar einzuschätzen ist, oder man erhöht die Zinsen. Die Inflation ist zuletzt deutlich gestiegen, wie aus den Daten für die EU und die USA deutlich sichtbar ist.

Was impliziert die Aussage des Fed Chefs nun für die Finanzmärkte: Die Erwartungen gehen dahin, dass bei einer anhaltenden Inflation, die sogar noch steigen kann, die (ultra) lockere Geldpolitik beendet wird und womöglich schon 2022 eine Zinswende vollzogen wird. Bereits die Ankündigung der Möglichkeit, das ein so genanntes Tapering erfolgt, hat negative Auswirkungen auf Aktien. Das Inflationsziel der Notenbank lag bisher bei um die 2 Prozent und wird damit bei einem Wert von über 5 Prozent deutlich überschritten.

Der Anstieg er Inflation wird als Szenario formuliert, da aktuell ein Anstieg der Preise feststellbar ist, mitunter bedingt durch Lieferengpässe, in Kombination mit Einstellungsschwierigkeiten nach er Pandemie-Krise und diese nach Einschätzung der Zentralbanker womöglich länger als erwartet vorliegen werden.

Es ist eine deutliche Zunahme der Exportpreise, besonders wichtig aber der Importpreise feststellbar. Besonders sind die Energiepreise zuletzt enorm gestiegen. Rohöl ist hier zwar immer noch einer der wichtigsten Märkte, aber durch die Bank sind alle wichtigen Energieträger stark gestiegen, also neben Öl auch Gas und Kohle etc.

Aus dieser Gemengelage, die vor allem auch einen Angebotsschock durch Verknappung beinhaltet, ist ein Szenario der Stagflation an den Märkten möglich, also ein stagnieren oder sogar sinken der Wirtschaftsleistung bei gleichzeitiger Inflation.

Was kann man an den Märkten erwarten

Aber für den Moment, sehen die Finanzmärkte das Verhalten der Fed als maßgeblichen Treiber der Kursentwicklungen und hier sind die möglichen höheren Zinssätze für Aktienkurse der wesentliche Faktor. Höhere Kapitalkosten für Unternehmen bedeuten niedrigere Gewinne und somit steht die Bewertung für viele Titel in Frage. Eine Abschwächung der Konjunktur wegen eines Mangels an fiskalsicher Anschluss-Stimulation, der Margendruck, eine höhere Preisinflation oder auch die Möglichkeit einer nochmaligen Herunterfahrens der Wirtschaft sind hier bestimmende Risiken. Sogar der technische Staatsbankrott der USA ist nicht mit letzter Sicherheit von der Hand zu weisen.

Dazu kommen noch die erheblichen Konjunkturrisiken in der Volksrepublik China, vor allem im aktuellen Umfeld des Immobilienmarktes. Sollten diese Risiken schlagend werden, ist die EU als größter Handelspartner Chinas auch davor betroffen. Riskant sind ebenfalls die geopolitischen Implikationen, sei es der Konflikt von China und Taiwan, Spannungen auf dem Balkan oder der Konfliktherd im nahen Osten zwischen Israel und dem Iran.

Es bestehen also eine ganze Reihe von Risiken und möglichen Impulsen für rückläufige Aktienmärkte, von denen im Augenblick die Zinsentwicklungen die am stärksten treibende Kraft darstellen, auch wenn die Realzinsen noch immer auf einem äußerst tiefen Niveau liegen.

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