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Marktreport #16 – Israel

by Peter Merkle

Im neuen Marktreport von Modern Value Investing, wollen wir uns mit dem Land Israel beschäftigen und damit, was den Mittelmeerstaat in Vorderasien für Investoren interessant machen könnte. Das Selbstverständnis von Israel ist jenes von Nationalstaat des jüdischen Volkes. Der Anteil jüdischer Bürger liegt bei rund 74,7 Prozent.

Israel in Daten

Der Staat Israel liegt an der Ostküste des Mittelmeers und ist mit gerade einmal 9,217 Millionen Einwohnern, ein eher kleiner Staat und grenzt an Ägypten, Jordanien, Syrien und den Libanon. Außerdem kommen noch der Gazastreifen und das Westjordanland hinzu, die für Israel eine spezielle Rolle spielen. Mehr dazu später. Die Bevölkerungsdichte liegt bei rund 417,6 Menschen je Quadratkilometer, das Land ist damit sehr dicht besiedelt. Die Währung des Landes ist der israelische Schekel (aktueller Wechselkurs – 1 Schekel = 0,26 Euro; Untereinheit ist der Agorot), der auch in den palästinensischen Autonomiegebieten, im Gazastreifen und Teilen des Westjordanlands das gesetzliche Zahlungsmittel ist.

Betrachtet man die Alterspyramide des Landes, so kann man grundsätzlich eine gesunde Aufstellung konstatieren. Das Land hat viel jungen Nachwuchs und weniger Senioren, als man das in einem entwickelten Land üblicherweise vorfindet. Die Lebenserwartung liegt bei rund 84,7 Jahren. In vielen westlichen Ländern, ist eine ungesunde Alterspyramide feststellbar, bei der der Nachwuchs fehlt, aber die Zahl der Senioren und das Durchschnittsalter permanent steigen. Ein demographisches Problem.

Alterspyramide Israel 2019

Vergleicht man Israel mit seinen direkten Nachbarn und anderen Ländern in der Region, fällt einem die Diskrepanz in der Bevölkerungsgröße auf und vor allem die im Vergleich enorme Wirtschaftsleistung von Israel, die weitaus größer ist als bei seinen Nachbarn, gemessen am BIP pro Kopf.

Israels Gesamtfläche beläuft sich auf rund 22.070 Quadratkilometer, was in etwa der Größe des Bundeslandes Hessen entspricht und ist geprägt von einem subtropischen Klima. Rund 60 Prozent des Landes werden von der Negev-Wüste eingenommen. Die Hauptstadt des Landes war bis vor Kurzem noch Tel Aviv und ist heute Jerusalem. Keine der größten Städte des Landes ist hier eine Millionenstadt. Sogar Jerusalem selbst zählt nur rund 892 Tausend Einwohner. Die größten Städte sind wie bereits angesprochen Jerusalem und Tel Aviv, gefolgt von Haifa, Rishon LeZiyyon und Petah Tiqwa.

Betrachtet man die gesamtwirtschaftliche Leistung des Landes, dann ist Israel das wohl wirtschaftlich stärkste Land im Nahen Osten sowie das Land mit dem höchsten Lebensstandard. Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei rund 4,61 Prozent. Die wichtigste Wertpapierbörse des Landes ist die Tel Aviv Stock Exchange.

Allgemeines zur israelischen Wirtschaft

Israel ist ein hoch entwickelter Industriestaat und Mitglied der OECD. Es hat den höchsten Lebensstandard im Nahen Osten und den fünfthöchsten in Asien.[5]

Der bedeutendste Arbeitgeber ist der öffentliche Dienst, in dem 33 % der israelischen Arbeitnehmer beschäftigt sind. In der Industrie arbeiten 17 %, in Tourismus, Handel und Finanzen 20 %; 28 % sind in anderen Bereichen (Dienstleistungen usw.) tätig.

2016 nahm Israel beim Index der menschlichen Entwicklung den 20. Platz der 188 der untersuchten Länder ein und zählt zur Kategorie der „sehr hoch entwickelten Staaten“.

In einigen Wirtschaftszweigen (vor allem MilitärFinanzen und Technik) gehört Israel zu den weltweiten Marktführern.

Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes misst, belegt Israel Platz 16 von 137 Ländern (Stand 2017–2018).[6]

Im Index für wirtschaftliche Freiheit belegt Israel 2018 Platz 31 von 180 Ländern.[4]

Israel als High-Tech-Nation

Israel hat sich in den letzten Jahrzehnten als eine führende High-Tech-Nation und eines der innovativsten Länder der Welt etabliert. Besonders sticht hier das so genannte Silicon Wadi heraus, eine Region rund um die ehemalige Hauptstadt Tel Aviv an der Mittelmeerküste, die eine sehr hohe Konzentration an Hochtechnologieunternehmen aufweist. Der Name entstand in Anlehnung an das kalifornische Silicon Valley, dem Gegenstück in den USA. Das Wort “Wadi” bezeichnet im arabischen ein Tal. Im Silicon Wadi haben sich zahlreiche Unternehmen aus den Bereichen High-Tech, Cyber-Security und Medizintechnik angesiedelt, so zum Beispiel SAP, Microsoft und Hewlett-Packard, aber auch israelische Firmen wie Check Point, Zoran Corp oder Isreal Aerospace Industries haben hier ihren Sitz.

Auffällig ist die hohe Anzahl an israelischen Unternehmen, die an der Technologiebörse NASDAQ gelistet werden. Das Land mit rund 9 Millionen Einwohnern, bringt in diesem Bereich weit mehr Unternehmen an die Börse, als der gesamte Kontinent Europa.

Im allgemeinen ist Israel als ein unternehmerfreundliches Land zu charakterisieren, was auch bei am guten Platz 16 auf dem Global Competitive Index abzulesen ist.

https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_Israeli_companies_quoted_on_the_Nasdaq

Die israelische Ökonomie

Wie die meisten entwickelten Volkswirtschaften der Erde, leidet auch die israelische Wirtschaft an mehreren Problemen, die besonders in den letzten Jahren immer schwerer auf die Situation des Landes wirken. Im Zuge der krisenhaften Entwicklung der letzten Jahre ab 2020, ist die prozentuale Staatsverschuldung regelrecht explodiert und liegt nun bei über 71 Prozent des BIP.

Auch die Geldmenge M1 wurde von der Bank of Israel auf über 627 Milliarden ausgedehnt und es steht zu befürchten, dass diese Entwicklung exponentiell weiter laufen könnte, wie es in anderen Teilen der Welt ebenfalls der Fall ist.

Die Tendenz der Abwertung der Landeswährung ist deutlich erkennbar.

Die Inflationsrate weist hier ebenfalls eine steigende Tendenz auf.

Israel Core Inflation Rate

Fazit zu Israel

Insgesamt muss man konstatieren, dass Israels Wirtschaft an den selben Entwicklungen leidet, wie sie in großen Teilen der Welt gerade zu sehen sind. Die Pandemie-Krise und die damit einhergehenden Entwicklungen, haben der Wirtschaft und der Gesellschaft des Landes einen großen Schaden zugefügt, der durch tendenzielle sehr harte Maßnahmen der Regierung noch verstärkt wurden. Zwar ist Israel immer noch eine High-Tech-Nation und die Unternehmensfreundlichkeit ist immer noch sehr hoch, aber die Schäden der letzten 2 Jahre haben tiefe Risse im Fundament des Landes hinterlassen.

Unternehmen des Landes sind aber immer noch weltweit gefragt und bieten ein breit gestreutes Angebot an Waren und Diensten an. Vor allem Cyber Security und Medizintechnik, sowie Pharma und High-Tech sind interessante Branchen des Landes. Auch im Punkto Verteidigung gehört Israel zu den globalen Marktführern, was nicht zuletzt aus der Geschichte des Landes begründet ist.

Hier kommen wir zu einem der größten Gefahrenfelder für Israel. Das Land ist defacto von Feinden umgeben. Vor allem fallen immer wieder iranische Politiker mit Aussagen auf, die man als feindlich betrachten kann. Im Laufe seiner Geschichte sah sich Israel immer wieder mit kriegerischen Auseinandersetzungen gegen seine Nachbarn konfrontiert, was vor allem Ägypten und Syrien betrifft. Entsprechend hat Israel einen hohen Verteidigungsbedarf und ist als möglicherweise gefährdet anzusehen. Dazu kommen interne Krisenherde wie der Gaza-Streifen und die Konflikte im Westjordan-Land, die auch international immer wieder zu harter Kritik an der Israelischen Politik führen und auch zum Teil Sanktionen zur Folge haben. Damit hat das Land einen höheren Unsicherheitsfaktor. So wurden auch die Militärausgaben des Landes konstant erhöht.

Israel Military Expenditure

Erschwerend kommen auch die immer wieder aufflammenden politischen Krisen hinzu. Israel ist eine parlamentarische Republik und verfügt im Gegensatz zu den Demokratien wie sie uns bekannt sind, über nur eine Kammer, die Knesset, der der Ministerpräsident als Regierungschef vorsteht. 2021 fanden zum vierten Mal binnen vier Jahren Wahlen statt. Die Innenpolitik des Landes muss daher als labil beschrieben werden. So wurde für die Jahre 2019 bis 2020 kein Regierungshaushalt verabschiedet, es kommt zu Verzögerungen bei Infrastrukturprojekten und einer allgemeinen Lähmung des Landes. Mit einer Staatsquote von rund 40 Prozent, ist Israel auch nicht das Musterbeispiel für eine schlanke und effiziente Verwaltung, was nur durch den Umstand verbessert wird, dass viele Regionen der Welt, inklusive der Bundesrepublik Deutschland, weit höhere Staatsquoten aufweisen.

Trotz der Krisen und innenpolitischen sowie außenpolitischen Probleme des Landes, halte ich die Unternehmen Israels für durchaus sehr konkurrenzfähig und das Land im Ganzen für äußerst wehrhaft, mit Blick auf äußere Bedrohungen. Zwar ist Israel in vielen Belangen vor allem quantitativ unterlegen, dafür aber technisch, taktische und organisatorisch weit überlegen. Hier könnte man auch ein Szenario entwickeln, dass die tendenziell gefährlichere Lage des Landes mögliche günstige Gelegenheiten für Investoren produzieren könnte. Daher würde ich Unternehmen aus Israel immer einer näheren Prüfung unterziehen und nicht kategorisch ausschließen.

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