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Marktreport #14 – Russland

by Peter Merkle

Im neuen Marktreport von Modern Value Investing, beschäftigen wir uns wieder mit einem weitern Land, dessen Wirtschaft einen tieferen Blick wert sein könnte. Wir wollen uns mit der russischen Föderation, oder auch einfach Russland auseinandersetzen.

Russland

Flagge Russlands
Die russische Flagge

Russland wie wir es heute kennen, wurde 1992 als Souveräner Staat nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion aus der Taufe gehoben und ist der Rechtsnachfolger der ehemaligen Sowjetunion (UdSSR). Die UdSSR brach nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen auseinander, verstärkt noch durch die inneren Wiedersprüche des ehemaligen Ostblocks und einem in hohem Maße aggressiven Verhalten Russlands als Kernland der UdSSR. Entsprechend begann die Geschichte Russlands mit hohen Schwierigkeiten, unter anderem der Rubelkrise von 1991 / 92. Dem folgten wirtschaftlich turbulente Jahre, Löhne konnten nicht gezahlt werden, Betriebe wurden zeitweise oder vollständig geschlossen und die Inflation war ein enormes Problem für das gebeutelte Land, das 1998 schließlich die Zahlungsunfähigkeit erklärte. Russland war binnen nicht einmal 10 Jahren von einer Supermacht auf den Status eines Schwellenlandes zurückgeworfen worden. Zeitgleich hatte das Land auch durch die beiden Tschetschenienkriege ab 1994 starke Belastungen zu verkraften. Das waren die Jahre der Amtszeit von Boris Jelzin.

Eine Erholung der Wirtschaft und des Staatswesens setzte mit der Amtsübernahme von Wladimir Putin als neuer Präsident Russlands ein. Wladimir Putin ist zweifelsohne eine höchst umstrittene Figur in der Geschichte Russlands und wird in den westlichen Demokratien als höchst widersprüchlich gesehen. Unter seiner Leitung als Staatspräsident kann man sagen, dass Russland eine wirtschaftlich sehr gute Erholung erreicht hat. Der Staat und seine Institutionen wurden neu organisiert, Korruptionssysteme mit Blick auf die Oligarchen wurden wirksam bekämpft und der allgemeine Wohlstand sowie die Sicherheitslage im Land wurden drastisch verbessert. Demgegenüber stehen Entwicklungen wie eine Einschränkung der Pressefreiheit, einer starken Aufrüstung und die Kritik am demokratischen System Russlands, das man als eine Form der “gelenkten Demokratie” charakterisieren kann. Nichtsdestoweniger, ist die Entwicklung der russischen Wirtschaft, seine Lage, die Ausdehnung des Landes, die Bodenschätze und das daraus resultierende Potential und seine wachsende Bedeutung als internationaler Bündnispartner es wert, sich näher mit den Chancen und Risiken des Landes zu beschäftigen.

Auch heute noch ist Russland ein Vielvölkerstaat, in dem Zahlreiche Ethnien, Glaubensbekenntnisse und Zugehörigkeiten aufeinandertreffen. Das Land kann diese allerdings besser verkraften als andere historische Beispiele, zumal die räumliche Ausdehnung hier eine förderliche Wirkung auf den inneren Frieden des Landes hat.

Auszug aus Wikipedia

Nach der Geiselnahme von Beslan im September 2004 leitete Putin einen grundlegenden Umbau des Staatswesens ein, der Macht und Kontrolle in noch stärkerem Maß als bisher in den Händen des Präsidenten konzentrierte. „Für Putin ging es später darum, mit Hilfe einer ‚Machtvertikale‘ der Exekutive auf allen staatlichen Ebenen die Alleinherrschaft des Kreml zu sichern.“ Die Machtvertikale wird von westlichen Beobachtern wie z. B. Margareta Mommsen (2012) als in jeder Hinsicht unvereinbar mit Vorstellungen einer eigenständigen Rolle des Parlaments, von wechselnden parlamentarischen Mehrheiten sowie vom freien Wettbewerb politischer Parteien gesehen.[101] Selbst die höchsten politischen Amtsträger verfügten über kein klares Verfassungsverständnis; mit diesem Ansatz könne weder eine Verfassungslegitimität noch eine Verfassungskultur entstehen. „Unterdessen wird der praktizierte Autoritarismus als ein notwendiges Provisorium gerechtfertigt. So beruft sich Putin gerne auf eine ‚Herrschaft per Handsteuerung‘. […] Damit gab er sich überzeugt, dass der politische Prozess weiterhin der persönlichen Lenkung und der ad hoc-Arrangements anstatt der Verfassung folgen müsse.“[101]

Am 21. März 2014 wurde der Föderationskreis Krim gegründet, nachdem pro-russische Kräfte in der Autonomen Republik Krim und der Stadt Sewastopol im Zuge der Krimkrise ihre Unabhängigkeit von der Ukraine erklärt und am 18. März 2014 einen Beitrittsantrag an Russland gestellt hatten. Die völkerrechtliche Legitimität dieser Schritte ist außerhalb Russlands, aber auch in Russland selbst umstritten.[102][103] Ebenfalls am 18. März 2014 stellte auch Transnistrien einen Beitrittsantrag.[104][105]

Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung Russlands nach der Auflösung der Sowjetunion war zunächst von einem drastischen Einbruch der Produktion geprägt. Dazu trug der Wegfall eingespielter Handelsbeziehungen im Verbund der Sowjetunion bei. Der Übergang von der Planwirtschaft zu einer marktwirtschaftlichen Ordnung war schwierig und gelang nur in Teilbereichen. Insgesamt verringerte sich das Bruttoinlandsprodukt um gut 40 Prozent. Kurz nach Beginn der Asienkrise begann im Herbst 1997 die Russlandkrise. Am 17. August 1998 erklärte Russland den Staatsbankrott und musste die Dollarbindung des Rubel aufgeben. Die „Politik des Minimalstaates“ unter Jelzin führte dazu, dass die föderale Regierung nicht imstande war, Steuern einzutreiben und für Rechtssicherheit zu sorgen. Dies änderte sich unter der Präsidentschaft von Wladimir Putin ab dem Jahr 2000. Um die politische Kontrolle im Staat wieder zu erlangen, stärkte er den Staatsapparat auf Kosten des Einflusses der Oligarchen.

Einige schnelle Fakten zu Russland

Russland ist trotz des enormen Gebietsverlustes nach dem Kollaps der Sowjetunion das flächenmäßig größte Land der Erde. Rund 17.075.400 Quadratkilometer Fläche werden von rund 144,5 Millionen russischer Staatsbürger bevölkert, die zu erheblichen Teilen westlich des Urals, im europäischen Teil Russlands angesiedelt sind. Mit einer Bevölkerungsdichte von gerade einmal 8 Einwohnern je Quadratkilometer, ist Russland auch das am wenigsten dicht besiedelte Land der Welt. Nur rund 1 Prozent der Landesfläche wird von Städten dominiert, 13 Prozent werden für die Landwirtschaft verwendet. Rund die hälfte der Landesfläche ist bewaldet. Das Land hat außerdem Grenzen zu insgesamt 14 Nachbarstaaten, zu Aserbaidschan, Belarus, China, Estland, Finnland, Georgien, Kasachstan, Nordkorea, Lettland, Litauen, der Mongolei, Norwegen, Polen und der Ukraine. Die Staatsform des Landes wird als semipräsidentielle Republik (Föderale Republik) bezeichnet. Das Staatsoberhaupt ist der Präsident, während die Regierung durch den Ministerpräsidenten als Regierungschef geleitet wird.

Die Hauptstadt des Staates ist Moskau, die nationale Währung des Landes ist der Rubel.

Geografie

Russland ist ein Land in Osteuropa und Nordasien. Das Land hat eine Gesamtfläche von 17.098.250 km² und eine Küstenlänge von insgesamt 37.653 km. Diese Landmasse entspricht ungefähr 47,8 Mal der Größe Deutschlands. Russland ist damit flächenmäßig das größte Land der Welt. Mit 8,4 Einwohner pro km² gehört es zu den am dünnsten besiedelten Ländern der Erde. Es ist auf seiner außergewöhnlich großen Fläche in zahlreiche geografische Zonen unterteilt. Im Durchschnitt liegt es auf einer Höhe von 600 m über NN. Der höchste Berggipfel (Elbrus) liegt auf 5.642 Metern Höhe.

Die größten Städte des Landes; Quelle: https://www.laenderdaten.info/Europa/Russland/index.php

Russland ist Mitglied im APEC Handelsabkommens, mit zurzeit 21 Mitgliedsstaaten, die sich vornehmlich in Südost-Asien und in Fernost-Asien befinden, sowie in der EAWU, der Eurasischen Wirtschaftsunion (gegründet 2015), mit zurzeit 5 Mitgliedsstaaten, die sich vornehmlich in Zentral-Asien und in Ost-Europa befinden.

Außerdem ist Russland Mitglied in folgenden Organisationen:

Außenpolitisch hat Russland vor allem gegenüber der EU und den USA einen schweren Stand. Russland ist bemüht, vor allem gegenüber seinen Nachbarstaaten seine Position zu festigen, befindet sich aber immer wieder oder immer noch in Konflikten, die teilweise auch bewaffnet ausgetragen wurden. Russland verfügt nach wie vor über ein Arsenal an Atomwaffen und generiert daneben seinen Einfluss über die militärischen Streitkräfte, mit derzeit ca. 1.000.000 Soldaten, Militärbasen in verschiedenen ehemaligen Sowjetrepubliken und in Syrien (Marinebasis Tartus), Rüstungsexporte, die Vollmitgliedschaft mit Vetorecht im UN-Sicherheitsrat und die Stellung als bedeutender Energielieferant. Die miliärische Stärke Russlands kann ebenfalls als hoch eingestuft werden. 2020 gab das Land rund 61,7 Milliarden US-Dollar als Rüstungsetat aus und ist damit auf Platz 3 weltweit, hinter den USA mit über 778 Milliarden US-Dollar und der Volksrepublik China mit 252 Milliarden US-Dollar. Hier kann man aber zugunsten Russlands argumentieren, dass das Land seine Streitkräfte stark konzentriert im eigenen Land hält, die Verteidigungsdichte damit deutlich besser ist als bei den US-Amerikanern, die weltweit operieren müssen. Die Ausstattung der Streitkräfte ist ebenfalls von guter Qualität und mit westlichen Standards konkurrenzfähig.

Wirtschaftliche Rahmendaten

Das Bruttoinlandsprodukt betrug 2020 rund 1,5 Billionen US-Dollar, bei einer Arbeitslosenquote von gerade einmal 5,7 Prozent. Die Nation lebt vor allem vom Export von Rohstoffen, vor allem von Erdgas und Erdöl-Exporten. Aber große Bedeutung haben auch die Landwirtschaft und der Dienstleistungssektor. Die Staatsverschuldung lag Ende 2020 bei rund 17,7 Prozent des BIP, was im Vergleich zu vielen anderen Nationen ein sehr solider Wert ist.

Kernelement der russischen Wirtschaft

Russland ist heute wieder ein entwickeltes Industrie und Agrarland mit einer gut entwickelten  Maschinenbau-Industrie sowie einer sehr guten Eisen und Nichteisenmetallverarbeitung. Gut entwickelt sind auch die chemische und petrolchemische Industrie sowie die HolzLeicht und Nahrungsmittelindustrie. Die russische Landwirtschaft bewirtschaftet rund 116,2 Millionen Hektar an Ackerfläche. Über die Hälfte des BIP werden aber im Dienstleistungssektor erwirtschaftet. In der Landwirtschaft waren 10 Prozent, im Dienstleistungsbereich 22 Prozent und im öffentlichen Sektor nochmals 22 Prozent aller Erwerbstätigen beschäftigt. Wie aus den Daten hervorgeht, ging das Land von 2015 an durch eine stärkere Rezession, auch durch die Sanktionen verursacht, die im Laufe der Ukraine-Krise nach 2014 über das Land verhängt wurden. Daneben werden der russischen Industrie aber auch strukturelle Probleme nachgesagt. Die Inflation stieg in diesen Jahren auf über 15 Prozent.

Die russische Landwirtschaft ist vor allem von großen Agrarholdings geprägt, die klein bäuerlichen Strukturen und Familienunternehmen konstant Marktanteile abnehmen. Auf Germany Trade & Invest heißt es zur russischen Landwirtschaft:

Die Landwirtschaft ist mit einem Anteil von 3,8 Prozent an der Entstehung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ein relativ kleiner Bereich der russischen Wirtschaft. Doch ist sie als einziger Wirtschaftssektor, der das Krisenjahr 2020 positiv abschließen wird, ein wichtiger Wachstumstreiber der russischen Wirtschaft. Ermöglicht wird dies unter anderem durch die gezielte Abschottung des Marktes durch das Einfuhrembargo gegen landwirtschaftliche Produkte aus der Europäischen Union (EU) sowie die massive finanzielle Unterstützung der Branche.

Ein wichtiger Faktor, der mit Russland immer assoziiert wird, sind die enormen Bodenschätze des Landes. Wichtigste Wirtschaftsfaktoren sind, wie bereits erwähnt, Erdöl und Erdgas, das international für rund 60 Prozent aller russischen Exporte verantwortlich ist. Aber Russland besitzt auch die drittgrößten Vorräte an Gold und verfügt über große Vorkommen an Diamanten sowie auch Eisen, Nickel, Kupfer, Kobalt, Blei, Zink und Kohle. Im Fachmagazin Weltexporte heißt es dazu:

Russland ist das drittgrößte Förderland von Erdöl mit einem täglichen Fördermenge von durchschnittlich 11,49 Millionen Ölfässern (mit je 159 Litern) und die weltweit zweitgrößte Ölexportnation. Ebenso ist Russland das zweitgrößte Förderland von Erdgas und der weltgrößte Exporteur von Erdgas. Das internationale Öl- und Gasgeschäft ist zusammen für rund 60% aller russischen Exporte verantwortlich. Ein Blick auf die größten Unternehmen Russlands macht die enorme Bedeutung dieses Wirtschaftssektors für die russische Wirtschaft klar ersichtlich. Denn die Hälfte der zehn größten russischen Unternehmen haben ihr Hauptgeschäftsfeld in diesem Geschäftsfeld.

Russlands fünftwichtigstes Exportgut ist Steinkohle, welches rund 3,7% zu den Gesamtexporten beiträgt. Im vergangenen Jahr war Russland damit der weltweit drittgrößte Kohleexporteur. International stark ist der ehemalige Sowjet-Staat jedoch auch bei der Förderung von Edelsteinen und Edelmetallen wie Diamanten (Rang 1)Gold (Rang 3) oder Silber (Rang 4) sowie bei Aluminium (Rang 2). [Made in Russia – die meist exportierten Güter Russlands; 17. Juni 2021]

Neben den zahlreichen natürlichen Rohstoffen, verfügt das Land ebenso über weitere wichtige Wirtschaftszweige für den internationalen Handel. So sind Erzeugnisse aus Roheisen und Stahl Russlands viertwichtigstes Exportprodukt und belegt beim Export dieser international Rang 3. Des Weiteren macht Getreide rund 2,8% aller russischen Exporte aus. Darin beinhaltet ist insbesondere Weizen, bei dem Russland die bei weitem weltweit größte Menge exportiert, aber auch Gerste (Platz 3) sowie Mais (Rang 7).

Ferner sind Maschinen Russlands siebtwichtigstes Exportgut. Hierbei werden insbesondere Turbojets und Triebwerke, aber auch Kernreaktortechnik (Rang 1) exportiert. Und wie es das Klischee will ist Russland tatsächlich ebenso ein äußerst bedeutendes Wodka-Exportland.

Wichtige Informationen über die Exporte weltweit, können beim International Trade Centre (ITC) – Exportdaten abgerufen werden.

Wichtige Unternehmen

Einige der größten Unternehmen in Russland, befinden sich teilweise im Staatsbesitz und sind zumeist in den Branchen Energie und Rohstoffe zu finden. Größte Unternehmen nach Umsatz sind somit die Öl und Gas-Konzerne Rosneft mit 126,9 Mrd. US-Dollar Umsatz, Gazprom mit 122,6 Mrd. US-Dollar und Lukoil mit rund 116,3 Mrd. US-Dollar. Auf Weltexporte liest man hierzu:

Die Förderung und der Verkauf von Öl- und Gaserzeugnissen ist das bei weitem wichtigste Exportprodukt Russlands und ist von entscheidender Bedeutung für die russischen Staatseinnahmen. Das Erdöl- und Gasgeschäft trug im Jahr 2018 wertmäßig zu mehr als 60% aller Exporte bei. Hierbei wurde Erdöl im Gesamtwert von 186,1 Milliarden US-Dollar und Erdgas im Gegenwert von 54,0 Milliarden US-Dollar exportiert.

Gazprom ist das größte Gasunternehmen der Welt und befindet sich mehrheitlich im russischen Staatsbesitz. Das machte Gazprom 2019 zum zweitgrößten Unternehmen Russlands mit Umsatzerlösen in Höhe von 122,6 Milliarden Euro.


Rosneft ist Russlands umsatzmäßig größtes Unternehmen und ein weiterer Mineralölriese, der sich in russischer Staatshand befindet.


Lukoil ist eines der größten Ölunternehmen der Welt und das drittgrößte Russlands. Interessanterweise gehört dieses nicht dem Staat, sondern mehrheitlich seinen russischen Managern. Das Unternehmen förderte in den vergangenen Jahr durchschnittlich rund 2,3 Millionen Fässer Öl pro Tag.

Russische Finanzpolitik

Die internationalen Sanktionen gegen Russland haben dem Land zwar in Teilbereichen wirtschaftlich geschadet, als positiver Nebeneffekt ist allerdings auch das russische Finanzsystem besser gegen die Auswirkungen internationaler Finanzkrisen geschützt, einfach aufgrund der Tatsache, dass die internationalen Geschäftsverflechtungen nicht weit genug ausgebaut werden können. Auf der finanzpolitischen Seite kam es im Jahr 2020 zu einer bedeutenden Entwicklung, als Russland ankündigte, seine liquiden Mittel, die im NATIONAL WEALTH FUND gehalten werden, zukünftig nicht mehr in US-Dollar halten zu wollen.

Der Nationale Wohlfahrtsfond der russichen Föderation, wurde am 31. Juli 2017 über ein Dekret des Staatspräsidenten durch die Zusammenlegung des Reservefonds und des Wohlstandsfonds gebildet. Die beiden Fonds hatten zuvor die Aufgabe, die Staatfinanzen zu stabilisierne. Mit dem Reservefonds wurden Staatsausgaben finanziert, wenn der Ölpreis unter eine bestimmte Marke sinkt. Wenn nach der jährlichen Aufstockung des Reservefonds weitere überschüssige Mittel vorhanden sind, werden diese dem Wohlstandsfonds zugewiesen, mit welchem das Funktionieren der Pensionsfonds abgesichert und nationalen Wohlstandsprojekte im Bereich der Infrastrukturentwicklung finanziert werden.

Russlands Finanzminister kündigte an, künftig würden 40 Prozent in Euro, 30 Prozent in Yuan, 20 Prozent in Gold und jeweils fünf Prozent in Yen und britische Pfund gehalten. Das gilt für rund 34 Milliarden Euro an liquiden Mitteln, über die das Land verfügt. Mitunter wurden bei dieser Entscheidung geopolitische Entwicklungen berücksichtigt.

Die russische Zentralbank zeigt im Vergleich zu den meisten anderen Notenbanken weltweit eine stabile Tendenz und weitet die Geldmenge deutlich zurückhaltender aus.

Russia Central Bank Balance Sheet

Zu dieser relativen Zurückhaltung bei der Geldmenge, kommen auch noch beständig wachsende Goldreserven des russischen Staates. Aktuell hat Russland Goldreserven von über 2.298,5 Tonnen Gold. Das würde für eine Deckung des Rubels mit Edelmetall ausreichen. Die Ratingagentur Moody´s stufte die Bonität Russlands 2019 zuletzt mit einem Rating Baa3 ein, was Lower Medium Grade bedeutet. Damit ist Russland nach Moodys eine durchschnittlich gute Anlage. Bei Verschlechterung der Gesamtwirtschaft ist aber mit Problemen zu rechnen. Das ist das schlechteste Investmentrating, vor spekulativen Anlagen.

Meine Gedanken zu den Chancen und Risiken in Russland

GTAI-Publikation - Russischer Rohstoffsektor

Moskau (gtai) – Russland investiert massiv in die Förderung, Verarbeitung und den Transport seiner
Bodenschätze. Hunderte Milliarden Dollar werden bis 2030 in neue Vorhaben gesteckt. Für die deutsche
Wirtschaft birgt diese Investitionsoffensive große Geschäftschancen. Nur wo genau liegen die Chancen im
größten Flächenstaat der Welt? Um welche Rohstoffe, welche Förderstätten, welche Investitionen geht es?
Wie kann ein deutsches Unternehmen in diesen Markt einsteigen? Antworten auf diese Fragen finden Sie
in der Publikation “Rohstoffgigant Russland”.
Russlands Regierung und Rohstoffkonzerne arbeiten intensiv an der Exploration und Erschließung neuer
Erdöl-, Erdgas-, Kohle- und Metallvorkommen. Dabei rücken Aspekte wie Effizienz, Nachhaltigkeit und
Sicherheit der Produktionsprozesse immer stärker in den Vordergrund. Für die deutsche Wirtschaft, die
Technologieexporteur und Rohstoffimporteur zugleich ist, birgt diese russische Investitionsoffensive große
Chancen.
Nur wo genau liegen diese Chancen in dem größten Flächenstaat der Welt? Um welche Rohstoffe, welche
Förderstätten, welche Investitionen geht es? Wer sind die Akteure? Und wie kann ein deutsches
Unternehmen einsteigen in diesen Prozess? Antworten auf diese und andere aufkommende Fragen finden
Sie in der vorliegenden Publikation. Gründlich recherchiert und übersichtlich gestaltet zeichnet sie das
Gesicht des Rohstoffgiganten Russland.
So liegt die Zukunft der russischen Gasförderung auf der Halbinsel Jamal mit über 30 noch unberührten
Fundstellen. Allein die Lagerstätte Bowanenkowo birgt etwa 5 Billionen Kubikmeter Gas. Das würde
reichen, um Deutschlands Bedarf über 60 Jahre abzudecken. Da Verflüssigung (LNG) im Trend ist, plant
Moskau großzügige finanzielle Anreize für die Rohstoffkonzerne, um das Gas aus Jamal entsprechend zu
verarbeiten. Interessant für deutsche Lieferanten sind dabei die Erleichterungen bei der Einfuhr von
Ausrüstungen für die Gasförderung, die LNG-Werke und den Transport des Flüssiggases.
In der Erdölförderung werden in der Zukunft hohe Summen in die Erschließung und Exploration von vier
neuen Schelfabschnitten um die Insel Sachalin fließen. Auch die Verarbeitung braucht Investitionen: Viele
russische Raffinerien sind 40 Jahre alt und rufen nach Modernisierung. Erdölkonzern Lukoil will zum
Beispiel bis 2021 neben 125 Mrd. US$ in die Förderung auch 25 Mrd. US$ in seine Raffinerien investieren.
Russlands Kohleindustrie wiederum hat vor, mit immer tieferen Gruben und neuer Technik Kohle noch
effizienter abzubauen. Fast alle Unternehmen aus der Top-Kohleregion, dem Kusnezk-Becken, investieren
in verbesserte Bohrungen und Sicherheit.
Auch an Metallrohstoffen, Industriemineralien und Baurohstoffen bergen Russlands Weiten global
bedeutende Vorkommen. Das Land ist größter Nickelexporteur. Zu seinen wichtigsten Abnehmern gehört
Deutschland. Nickel-Weltmarktführer Norilsk Nickel will bis 2025 rund 35 Mrd. US$ ausgeben für den
Ausbau neuer Lagerstätten, Produktionseffizienz, neue Produkte und Umwelttechnik. Ähnlich ist es bei
RUSAL, dem größten Aluminiumhersteller der Welt. Das Unternehmen Rustitan wird in der Republik Komi
1,3 Mrd. US$ investieren, um Titandioxid zu produzieren. Und Russlands größter Goldförderer Polyus
Soloto gibt bis 2015 fast 5 Mrd. US$ aus, um die Goldproduktion zu verdoppeln.
Stets nennt die Publikation Ross und Reiter, sagt wer investiert und wo. Zu jedem Rohstoff finden sich
Kontaktanschriften und Internetportale. In lebhaften Interviews schildern Vertreter deutscher
Ausrüstungshersteller wie Takraf oder FAM, wie sie zu wichtigen Ausrüstern der russischen
Rohstoffindustrie wurden. Die Broschüre zeigt Potenziale und Geschäftsbeispiele auf, weist aber auch
Grenzen und Risiken der Zusammenarbeit in einzelnen Bereichen hin.
Ob Energierohstoffe, Seltene Metalle, Industrieminerale oder Baurohstoffe – Germany Trade & Invest, die
Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK) und die Deutsche Rohstoffagentur (DERA) haben ein
praktisches Nutz- und Nachschlagewerk erstellt, das Orientierung in der Weite und Vielfalt der russischen
Rohstoffmärkte bietet.
Die Studie Rohstoffgigant Russland – Vorkommen, Projekte, Partnerschaften, 2012 umfasst 315 Seiten und
ist zum Preis von 60,- Euro als CD-ROM oder als PDF-Datei über unseren Online-Shop (Bestellnummer:
17148) zu beziehen

Russland ist für mich aus mehreren Gründen interessant. Das Land ist alleine auf Grund seiner flächenmäßigen Ausdehnung als Markt interessant, betrachtet man das Entwicklungspotential, welches durch die Erschließung der Sibirischen Taiga gehoben werden kann. Russland ist vor allem aus Sicht von Rohstoffen und Agrar-Erzeugnissen interessant, aber auch eine solide und gut arbeitende Industrie steht dem Land zur Verfügung, dessen Produkte auf dem Weltmarkt durchaus konkurrenzfähig sind. Negativ fallen mir hier vor allem die hohen staatlichen Anteile an großen Unternehmen auf, sowie die teilweise starken Subventionen für verschiedene Branchen. Subventionen sind nach meiner Denkrichtung immer eine Verteilung wertvoller Mittel in falsche Schienen, nämlich in Richtung nicht konkurrenzfähiger Anlagen.

Insgesamt ist Russland aber durchaus ein stabiler Standort. Das Land ist mit der Entwicklung seines eigenen Landes mehr als ausgelastet, zeitgleich aber nach außen äußerst Verteidigungsstark. Demokratische Defizite können kritisiert werden, sind allerdings eine Angelegenheit der russischen Bevölkerung, die sich das politische System in seiner jetzigen Ausprägung auch weitgehend selbst gegeben haben. (Verkürzt kann man auch sagen “Andere Länder, andere Sitten”)

Russland stellt eine starke Exportnation dar, was auch auf seinen Rohstoffreichtum zurückgeht. Daraus ergeben sich sehr gute Möglichkeiten zu handeln, aber es geht auch mit diversen Problemen und Nachteilen einher, die in Form von Handelsboykotten, volatilen Weltmarktpreisen für Rohstoffe und außenpolitische Auseinandersetzungen mit wirtschaftliche negativen Folgen auftreten können und in der Vergangenheit bereits beobachtet werden konnten. Demgegenüber steht eine meiner Meinung nach sehr solide Finanzpolitik. Das Land verfügt über starke Goldreserven, ist also im Falle wirtschaftlicher Verwerfungen oder eines Währungsnotstandes gut abgesichert. Das die Wirtschaft auch teilweise von außen abgeschottet ist, bedingt durch zahlreiche Sanktionen, kann man das als weitere Sicherung gegen große Verwerfungen ansehen, allerdings gibt es im Falle solcher großen Verwerfungen keine Garantie für Sicherheit. Dennoch gehe ich von einer relativen Stärke der russischen Wirtschaft in schweren Zeiten aus.

Gerade die Branchen Agrar, Energie und Rohstoffe sind mit Blick auf Russland interessant. Ich selbst würde mich in dieser Richtung orientieren. Betrachte ich Russland als defensives Land, suche ich auch nach eher defensiven Investmentmöglichkeiten, was Branchen wie Rohstoffe und vor allem Nahrungsmittel einschließt, gefolgt von der chemischen Industrie und anderen Industriesegmenten.

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