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Marktreport – (04. April 2021)

by Peter Merkle

Marktreport

Im neuen Marktreport von Modern Value Investing, beschäftigen wir und mit den Themen der Erzeugerpreise und der Erzeugerpreisindizes, sowie der Geldmenge und dem Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt, speziell für die EZB.

Erzeugerpreise und Erzeugerpreisindex für die Bundesrepublik Deutschland

Erzeugerpreisindex für gewerbliche Produkte

Der Index der Erzeugerpreise gewerblicher Produkte (Inlandsabsatz) misst die durchschnittliche Preisentwicklung von Rohstoffen und Industrieerzeugnissen, die in Deutschland hergestellt und im Inland verkauft werden. Die Produzenten dieser Güter gehören zum Verarbeitenden Gewerbe, zur Energie- und Wasserwirtschaft sowie zum Bergbau.

Neben dem Erzeugerpreisindex gewerblicher Produkte werden auch Erzeugerpreisindizes für die Landwirtschaft, für die Forstwirtschaft (Staatsforsten), für das Baugewerbe sowie für bestimmte Dienstleistungen berechnet.

(Quelle: https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Preise/Erzeugerpreisindex-gewerbliche-Produkte/FAQ/Definition.html)

Der Erzeugerpreisindex für eine spezifische industrielle Aktivität misst die monatliche Veränderung der Transaktionspreise von Produkten und mit ihnen verbundenen Dienstleistungen. Der EPI ist ein Output-Index – er misst Preisänderungen aus der Sicht des Verkäufers. Die Preise, die in der Periode t erhoben werden, sollten die Bestellungen während dieser Periode t (im Moment der Bestellung) wiedergeben und nicht die Preise zu dem Zeitpunkt, zu dem die Ware die Fabrik verlässt. Preisindizes werden als gewichtete Durchschnitte der jeweiligen Produkte berechnet.

Ein Preisindex ist eine volkswirtschaftliche Kennzahl für die Entwicklung von ausgewählten Preisen. Er gibt an, wie sich die Preise der Güter und Dienstleistungen eines Warenkorbs verändert haben, beispielsweise der Verbraucherpreisindex oder der Importpreisindex. Er ist ein Maß für die Teuerung, mit seiner Hilfe soll eine Aussage über die Höhe der Inflation bzw. Deflation in einem volkswirtschaftlichen Bereich getroffen werden. Dazu wird ermittelt, wie sich die Preise innerhalb eines für diesen Wirtschaftsbereich repräsentativen Warenkorbs über die Zeit verändern. Dabei wird stets ein Bezugszeitpunkt mit dem Preisindex 100 definiert, auf den sich alle weiteren Indizes beziehen.

Preisindizes kann man nach Gegenstand und Bildungsalgorithmus unterscheiden. Nach Gegenstand wird in der Preisstatistik ein ganzes Bündel von Preisindizes ermittelt.

Es sind zwei Konzepte der Bildung von Preisindizes weit verbreitet:

  1. Der Preisindex nach Laspeyres
  2. Der Preisindex nach Paasche

In der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung wird dagegen entsprechend internationalen Konventionen eine Preisbereinigung mit Kettenindizes (chain prices) vorgenommen. Dazu wird der Preisindex jährlich um die Preisveränderungsrate erhöht oder vermindert.

Die Erzeugerpreisindizes werden vom statistischen Bundesamt in Wiesbaden erfasst und veröffentlicht. In der Pressemitteilung Nr. 138 vom 19. März 2021, gab das Bundesamt die Veränderungen der gewerblichen Erzeugerpreise bekannt:

+0,7 % zum Vormonat
+1,9 % zum Vorjahresmonat

Zitat der Pressemitteilung: „WIESBADEN – Die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte waren im Februar 2021 um 1,9 % höher als im Februar 2020. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, stiegen sie gegenüber dem Vormonat um 0,7 % (Januar 2021: +1,4 % gegenüber Dezember 2020).

Das statistische Bundesamt sieht hier zwei Komponenten als maßgebende Treiber der aktuell hohen Teuerungsrate: Zum einen stiegen die Vorleistungsgüter im Vergleich zum Vorjahr um rund 3,8 Prozent. Darunter fallen alle Güter, die in der Volkswirtschaft für die Produktion anderer Güter Verwendung finden.

In der Pressemitteilung heißt es: „Besonders stark waren die Preisanstiege gegenüber dem Vorjahr bei Sekundärrohstoffen (+46,6 %), aber auch bei Futtermitteln für Nutztiere (+13,8 %). Nichteisenmetalle und deren Halbzeug kosteten 11,0 % mehr, die Preise für Roheisen, Stahl und Ferrolegierungen waren 10,6 % höher. Hauptgründe für die anziehenden Stahlpreise dürften die steigende Nachfrage im In- und Ausland, Probleme in der Versorgung mit Rohstoffen und kräftige Preissteigerungen bei Eisenerz sein. Im Durchschnitt waren Metalle 7,9 % teurer als im Februar 2020, allein gegenüber dem Vormonat Januar 2021 stiegen diese Preise um 2,4 %. Weniger als im Vorjahresmonat kosteten dagegen unter anderem elektronische Bauelemente (-7,9 %) sowie Düngemittel und Stickstoffverbindungen (-3,5 %).

Zum Anderen, sind die Energiepreise um rund 3,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen. Der größte und hauptsächlich verantwortliche Posten hier, sind die stark gestiegenen Strompreise von rund 6,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Dazu heißt es in der Pressemeldung: „Die Veränderungsrate gegenüber Februar 2020 wird hauptsächlich durch den Anstieg der Strompreise (+6,8 %) beeinflusst, darüber hinaus auch durch die seit Januar 2021 teilweise zusätzlich anfallende nationale CO2-Bepreisung auf das Inverkehrbringen CO2-verursachender Brennstoffe. So stiegen die Preise für Erdgas bei einer Jahresabgabe von 116 300 Megawattstunden an die Industrie ohne die CO2-Bepreisung um 5,3 % gegenüber dem Vorjahresmonat, mit CO2-Bepreisung stiegen sie um 16,1 %. Ohne Berücksichtigung von Energie waren die Erzeugerpreise 1,4 % höher als im Februar 2020.“ 

Der Erzeugerpreisindex gibt über einen aufkommenden inflationären Druck Auskunft, der sich in einer Volkswirtschaft aufbaut. Aufgrund der Funktionsweise einer Marktwirtschaft, kann man so Überlegungen anstellen, wann die Auswirkungen der Preisentwicklung bei den Endkunden ankommen. Betrachtet man die aktuellen Entwicklungen, wie sie der Erzeugerpreisindex abbildet und berücksichtigt hier noch die allgemein steigenden Preise für Rohstoffe an den Warenterminmärkten, kann man von einer allgemeinen Teuerungsrate ausgehen, die nicht auf die Bundesrepublik Deutschland beschränkt ist.

Beispielshaft wird diese Entwicklung an den folgenden Charts für die Futures von Stahl, Kupfer, Aluminium, Rohöl, Bauholz und Weizen deutlich:

Stahl-Futures; COMEX
Kupfer-Futures; COMEX
Aluminium-Futures; COMEX
Rohöl-Futures; NYMEX
Bauholz-Futures; CME
Weizen-Futures; CBOT

Aus den so gewonnen Informationen, kann man ableiten, dass die allgemeine Preissteigerung sich im Verlauf des Jahres 2021 weiter fortsetzen wird.

Entwicklung der Geldmengen und des BIP

Mit Blick auf die Befürchtungen, dass eine unkontrollierte Inflation droht, lohnt sich der Blick in die Bilanzsumme der Zentralbanken. Als ein wirtschaftlich schwer getroffener Raum, kann man die europäische Union betrachten. Wie aus den vorhandenen Daten hervorgeht, hat die Europäische Zentralbank im Verlauf der krisenhaften Entwicklung Anfang 2020, ihre Geldmenge sukzessive und in immer größeren Sprüngen ausgeweitet. Mit den so geschaffenen Geldern sollen vorrangig schwer getroffene Mitgliedsländer der Union stabilisiert werden. Man kann die Geldmengenausweitung an der Vergrößerung der Zentralbankbilanz erkennen. Geldmengen können durch Geldschöpfung im Rahmen der Kreditvergabe durch Geschäftsbanken erhöht und durch die Tilgung von Krediten gesenkt werden. Die Zentralbanken weiten ihre Bilanz vornehmlich dadurch aus, dass sie Anleihen der Staaten, denen sie unterstehen, mit frischem Geld aufkaufen. Nach einer Theorie des Ökonomen Dr. Markus Krall, kann eine Zentralbank im Rahmen der Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes, Geld schöpfen, ohne eine Inflation auszulösen. Der Bruchpunkt, ab dem eine Inflation einsetzen sollte, ist nach Ansicht von Dr. Krall dann erreicht, wenn die Zentralbank wertlose Vermögenswerte in ihre Bilanz aufnimmt, deren Volumen das Bruttoinlandsprodukt des Währungsraumes übersteigt. Hier muss vor Allem auf die Werthaltigkeit der Assets verwiesen werden, denn werthaltiges Vermögen, welches die Zentralbank erwirbt, beeinflusst den Effekt nicht. Die Theorie zielt also darauf, dass bei einem deutlichen Überschreiten der Bilanzsumme im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt, der Vertrauensverlust in die Währung so groß sein wird, dass eine Flucht aus der Währung eintritt.

Geldmengen

Für die Messung der Geldmenge wird der Geldbestand der Nichtbanken herangezogen, also das sich in Händen von PrivathaushaltenUnternehmen (ohne Kreditinstitute), Staat und Ausland (ohne Auslandsbanken) befindet. Volkswirtschaftslehre und Zentralbanken messen die Geldmenge durch Geldmengenaggregate, die durch {\displaystyle M}M (für englisch money) und eine Ziffer bezeichnet werden. Dabei ist das Geldmengenaggregat {\displaystyle M1} eine Teilmenge von {\displaystyle M2} und letztere eine Teilmenge von {\displaystyle M3}. Eine niedrigere Ziffer bedeutet eine größere Nähe der betrachteten Geldmenge zu unmittelbaren realwirtschaftlichen Transaktionen, d. h. je kleiner die Ziffer, desto wichtiger ist die Zahlungsmittelfunktion des Geldes.

Die Abgrenzung der einzelnen Aggregate ist konventionell und international nicht einheitlich. Die Geldbasis {\displaystyle M0} (auch Zentralbankgeld oder Reserven genannt) nimmt eine Sonderstellung ein. Sie ist gleich der Summe von Bargeldumlauf und Zentralbankgeldbestand der Kreditinstitute (Überschussreserven plus Mindestreserven) und befindet sich somit größtenteils nicht im Besitz von Nichtbanken. {\displaystyle M0} ist bis auf den Bargeldanteil bei Nichtbanken nicht Teilmenge von {\displaystyle M1} bis {\displaystyle M3}, da Zentralbankreserven nur zwischen Geschäftsbanken als Zahlungsmittel dienen. Auch steht die Geldbasis in keinem festen Verhältnis zu den Mengen {\displaystyle M1} bis {\displaystyle M3}.

Wie aus den vorhandenen Daten hervorgeht, liegt die Bilanzsumme der EZB aktuell bei rund 7,5 Billionen Euro. Dem gegenüber, mit Stand 2017 UND unter Einbeziehung des BIP von Großbritannien, sowie aller Mitgliedsstaaten, die sich nicht dem Währungsraum des Euro angeschlossen haben, lag das BIP bei rund 15,3 Billionen Euro.

Legt man die aktuellen Zahlen des BIP nur für den Euro-Raum zugrunde, sinkt dieses auf nur noch 11,3 Billionen Euro.

Daraus lässt sich nach der Theorie von Dr. Krall die Überlegung anstellen, dass die EZB noch rund 4 Billionen Euro Spielraum haben könnte. Dieser dürfte noch Größer ausfallen, da die EZB auch über werthaltige Assets verfügt. Dennoch lässt sich eine mögliche Gefahr aus den vorhandenen Daten herleiten, sofern man der Theorie zustimmt, denn binnen kürzester Zeit, dehnte die EZB ihr Bilanzvolumen von 4 auf über 7 Billionen Euro aus, binnen weniger Monate und eine Verlangsamung dieser Entwicklung scheint derzeit eher nicht zu erwarten zu sein. Zuletzt war erneut ein deutlicher Sprung in der Geldmengenvermehrung zu sehen.

Der Ökonom Ingo Sauer, promovierte über das Thema Inflation und liefert hier einen wertvollen Beitrag für das Verständnis der Inflation:

Betrachtet man hier andere Zentralbanken, fällt sofort auf, dass die Ausweitung der Geldmenge kein spezifisches Problem der EZB darstellt. Die US Federal Reserve, die Bank of England, die Schweizer Nationalbank oder die Bank of Japan folgen dem gleichen Verhaltensmuster, allen voran die US Federal Reserve, die ihre Bilanzsumme am schnellsten vergrößert. Der Theorie von Dr. Krall nach, hat die Fed allerdings einen größeren Spielraum zur Verfügung, da der Währungsraum des US-Dollar nicht nur die USA, sondern auch eine ganze Reihe anderer Nationen umfasst. Daraus wird die Schlussfolgerung gezogen, dass die EZB ihr „Limit“ schneller erreicht haben wird und der Euro als eine der ersten Währungen in Bedrängnis und eine mögliche ungeregelte Entwertung erleben könnte. Dem Szenario einer starken Inflation, geht aus aktueller Sicht eine Deflations-Phase voraus, da durch die weitverbreitete Stilllegung der Wirtschaft, auch der Geldumlauf verlangsamt und die Sparquote erhöht wurde.

Wie sind die Daten und Entwicklungen zu interpretieren? Unabhängig davon, ob man der Theorie von Dr. Krall zustimmt, ist aus historischer Erwägung zumindest davon auszugehen, dass die fortgesetzte Geldmengenvermehrung auf die realen Güterpreise durchschlagen wird. Berücksichtigt man des Weiteren die bereits gestiegenen Preise an den Warenterminmärkten, ist die Gefahr einer Geldmengenentwertung durchaus ein realistisches Szenario. Dazu kommen weitere einzelne Indizien, wie die immer stärker steigende Nachfrage nach physischem Silber beispielsweise.

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