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Marktbericht zu den großen Investoren

by Peter Merkle

Auch heute machen wir mit unserer Betrachtung großer und bekannter Investoren weiter. Wie bereits besprochen, ist vor allem in turbulenten Börsenzeiten interessant zu sehen, was die bekannten Großanleger gerade tun.

Carl Ichan, Icahn Enterprises Holdings

Carl Icahn ist als so genannter Corporate Raider, ein Unternehmensjäger für seinen aktiven Investment-Stil bekannt. Seine Art der Anlage geht in die Richtung, sich mit einer ausreichend großen Beteiligung in ein Unternehmen einzukaufen, um dort die Entscheidungen des Managements aktiv zu beeinflussen. Icahns Investitionen sind also besonders interessant, wenn er große Positionen aufbaut, die ihm Möglichkeiten der Einflussnahme eröffnen um den Firmenwert zu heben.

Betrachtet man das Portfolio von Icahn, fällt als erstes auf, dass rund 64 Prozent aus Aktien seiner eignen Holding-Firma besteht. Hier wurde auch einer der letzten großen Zukäufe getätigt, indem Icahn seine Position um 8,0 Prozent vergrößerte.

Das Hauptinteresse liegt allerdings in den anderen Unternehmen, deren Aktien Carl Icahn gekauft hat und die, die er verkauft hat.

Verkäufe waren im 2. Quartal 2022 alle Anteile an Delek US Holdings Inc. und rund 42,3 Prozent der Aktien von Cheniere Energy Inc.

Die Käufe von Carl Ichan stellen sich für das 2. Quartal 2022 wie folgt dar:

Käufe von Carl Ichan im 2. Quartal 2022

  • Der größte Zukauf und eine mittlerweile große Position im Depot von Carl Icahn, sind Aktien der Southwest Gas Holdings Inc. (NYSE:SWX; ISIN: US8448951025) Das Unternehmen mit Sitz in Las Vegas, beschäftigt sich mit der Lieferung von Erdgas für über 2 Mio. Privat-, Gewerbe- und Industriekunden in den US-Bundesstaaten Arizona, Nevada und Kalifornien.

Seit Februar 2022 fahren die Energiemärkte weltweit immer wieder im Krisenmodus und vor allem Erdgas wurde zum knappen Gut. Aus Sicht des Investoren, ist es daher verständlich nach Möglichkeiten zu suchen, um von dieser Entwicklung zu profitieren. Das Unternehmen erwirtschaftete zuletzt für das Jahr 2021 rund 3,68 Mrd. US-Dollar Umsatz sowie einen Gewinn von 200,78 Mio. US-Dollar.

Betrachtet man die Fundamentaldaten des Unternehmens, dann sind Umsätze und Gewinne relativ gut und man erkennt ein deutliches Umsatzwachstum. Aber die Verschuldung der Firma zeigt für das letzte Geschäftsjahr mehr als doppelt so hohe Stände an. Da die Assets in der Bilanz ebenfalls im gleichen Zeitraum stark gestiegen sind, kann man hier von einer hohen Investitionstätigkeit ausgehen. Ein näherer Blick in die Bilanz erhärtet diesen Verdacht, hier wurde die Position Property, Plants and Equipment sukzessive ausgebaut. Der Goodwill hat sich allerdings rund verfünffacht, es scheint also auch eine rege Akquisitionstätigkeit zu geben. Der Ausbau der Schulden hat hier die Zinsdeckung negativ beeinflusst und den Spielraum des Unternehmens stark reduziert.

Das Cashflow-Statement zeigt hierzu, dass der Betrag für Akquisitionen von einem mittleren 2-stelligen Millionenbetrag auf über 2,35 Mrd. US-Dollar angewachsen ist. Für das Jahr 2021 findet sich nur eine große Übernahme, des zwischenstaatlichen Erdgaspipeline-Unternehmens Questar Pipeline Company. Questar Pipeline besitzt und betreibt etwas mehr als 2.500 Meilen Pipeline mit einer täglichen Gesamtkapazität von 2.530 Mdth. Southwest Gas Holdings Inc. scheint also sein bestehendes Netz ausbauen zu wollen. Den Nachrichten ist zu entnehmen, dass sich Icahn gegen den Kauf ausgesprochen hat, mit der Begründung, dass der offerierte Preis zu hoch ist. Dem Kauf von Questar Pipelines folgte ein Streit mit Icahn, der die Entlassung des CEO John Hester forderte, sowie die Ersetzung von 10 Direktoren des Unternehmens Southwest Gas. Im Mai 2022 kam es zur Einigung und der CEO, sowie 3 Vorstandsposten wurden neu besetzt, gefolgt von einem vierten Sitz im August. Hier wird Icahns Stil deutlich, die Richtung eines Unternehmens in eine von ihm gewünschte Richtung zu lenken.

Im Depot von Carl Icahn macht Southwest Gas Holdings aktuell rund 2,13 Prozent aus. Im zweiten Quartal 2022 hat der Investor seine Beteiligung um rund 76,1 Prozent ausgebaut, der relativ größte Zukauf des bekannten Börsenprofis in einem Volumen von rund 6,47 Mio. Aktien insgesamt. Das entspricht aktuell rund 9,67 Prozent am Aktienkapital des Unternehmens, Icahn ist somit größter Einzelaktionär der Firma.

  • Der zweite große Zulauf ist bei Xerox Holdings Corp. (NASDAQ:XRX, ISIN US98421M1062) zu finden. Das Unternehmen aus Norwalk in Connecticut, verkauft Produkte und Dienstleistungen für gedruckte und digitale Dokumente in mehr als 160 Ländern. Icahn baute hier sein Engagement um über 6,63 Prozent aus, ein Zuwachs, der Xerox aktuell 2,44 Prozent des Depots einnehmen lässt.

Hier ist auf den ersten Blick schwieriger zu erahnen, was der Großinvestor Icahn vor hat, denn der Umsatz von Xerox ist seit Jahren rückläufig. Außerdem wurde zuletzt ein Verlust von 455 Mio. US-Dollar eingefahren.

Zuvor hatte Icahn versucht einen Kauf des größeren Konkurrenten HP Inc. zu initiieren, war damit jedoch gescheitert. Dennoch schein der Profi weiterhin bullish gegenüber Xerox eingestellt zu sein, hat er doch seine Position signifikant ausgebaut. Insgesamt hält Icahn mit seiner Firma rund 22,12 Prozent der ausstehenden Aktien von Xerox.

Insgesamt dürfte das Unternehmen aber noch schwer an seiner Lage arbeiten müssen, auch stehen laut Bilanz 1,8 Mrd. USD an Cash über 3,5 Mrd. langfristiger Schulden gegenüber. Laut der Einschätzung des Portals gurufocus.com, ist Xerox aktuell aber möglicherweise sehr günstig bewertet und es liegen ein KBV von 0,33 und ein KUV von 0,39 vor. Dazu liefert das Unternehmen eine Dividendenrendite von rund 6,04 Prozent, dem allerdings der bereits genannte Verlust gegenübersteht.

  • Eine bereits bestehende Position in Occidental Petroleum Corp. (NYSE:OXY, ISIN US6745991058), wurde von Icahn im 2. Quartal um 1,39 Prozent ausgebaut, so dass das Unternehmen 2,71 Prozent im Depot ausmacht. Auch Warren Buffett hat sich bereits groß bei Occidental eingekauft, wie wir in einem letzten Bericht gemeldet haben. Das Unternehmen beschäftigt sich Kohlenwasserstoffexploration in den Vereinigten Staaten und im Nahen Osten sowie in der petrochemischen Produktion in den Vereinigten Staaten, Kanada und Chile und hat seinen Hauptsitz in Houston in Texas.

Trotz mehrere Verlustjahre in den letzten 10 Jahren, hat sich das Unternehmen zuletzt sehr gut entwickelt. Occidental ist auch eines der größten Investments von Carl Icahn. Der Investor begann schon 2019 damit Aktien des Unternehmens zu kaufen. Seinem Investmentstil folgend, kritisierte Icahn den Kauf von Anadarko Petroleum durch Occidental. Die Übernahme war im April 2021 abgeschlossen und hat dem Aktienkurs des Unternehmens tendenziell geschadet.

Carl Icahn (Trades, Portfolio) kritisierte den Anadarko-Deal ebenfalls und bezeichnete die Transaktion als „einen der schlechtesten Deals“, die er je gesehen habe. Auch dies tat der Aktienperformance keinen Abbruch. Der legendäre Investor kritisiert die Vereinbarung, die das Management von Occidental eingegangen ist, um auch von Warren Buffett (Trades, Portfolio) von Berkshire Hathaway eine Finanzierung in Höhe von 10 Milliarden US-Dollar zu erhalten. Gemäß den Geschäftsbedingungen würde Buffett 100.000 Aktien der kumulierten unbefristeten Vorzugsaktien mit einer jährlichen Rendite von 8 % im Wert von 100.000 US-Dollar pro Aktie erhalten. In einem Brief an die Aktionäre im Juli machte Icahn die folgenden Kommentare zu dieser Transaktion:

Buffett hat sie (Vicki Hollub, CEO von Occidental Petroleum) im übertragenen Sinne zum Saubersten gebracht. Der Deal mit Buffett war, als würde man einem Baby Süßigkeiten wegnehmen und erstaunlicherweise dankte sie ihm sogar öffentlich dafür! Aber man kann Warren keinen Vorwurf machen, wenn Hollub arrogant genug war, einen Deal dieser Größenordnung mit Buffett auszuhandeln, trotz ihrer zugegebenermaßen begrenzten Erfahrung in M&A und dem Vorstand genug, um es abzusegnen, dann könnte man zu Warrens Verteidigung sagen, dass es fast seine treuhänderische Pflicht gegenüber Berkshire Hathaway war, es anzunehmen.

Wie man aus den Zahlen sehen kann, hat auch die Verschuldung der Firma stark zugenommen im Zuge dieser Übernahme.

Bemerkenswert in der Bilanz des Unternehmens ist der Umstand, dass einem ausgewiesenen Eigenkapital von zuletzt 20,3 Mrd. US-Dollar, eine Position an eignen Aktien von rund 10,6 Mrd. US-Dollar zugeordnet ist, die das Eigenkapital belasten. Eigene Aktien, auch als eigene Aktien oder zurückerworbene Aktien bezeichnet, beziehen sich auf zuvor ausstehende Aktien, die von den Aktionären durch das ausgebende Unternehmen zurückgekauft werden. Die Folge ist, dass die Gesamtzahl der ausstehenden Aktien auf dem freien Markt abnimmt. Diese Aktien sind ausgegeben, aber nicht mehr im Umlauf und werden nicht in die Dividendenausschüttung oder die Berechnung des Ergebnisses je Aktie (EPS) einbezogen. Eigene Aktien sind ein Gegenkapitalkonto, das im Eigenkapitalabschnitt der Bilanz erfasst wird. Da eigene Aktien die Anzahl der auf dem freien Markt zurückgekauften Aktien darstellen, mindern sie das Eigenkapital um den für die Aktie gezahlten Betrag.

Trotz der angesprochenen Probleme und gerade mit Blick auf die hohe Schuldenlast der Firma, gibt es aber einige Lichtblicke im Unternehmen. Das Management des Unternehmens hat für den Schuldendienst 2019 Assets die nicht zum Kerngeschäft gehören verkauft, um Barmittel in Höhe von 4,9 Mrd. US-Dollar beschafft. Damit sind für 2020 keine fälligen Schulden zu berücksichtigen. laut Anlegerprotalen, schafft sich das Unternehmen so Luft, um Anadarko zu integrieren und neue Wachstumschancen verfolgen zu können.

Occidental CEO Vicki Hollub dazu:

Seit dem Abschluss der Übernahme von Anadarko machen wir weiterhin schnelle Fortschritte, um unsere Veräußerungs- und Entschuldungsziele nach der Übernahme vollständig zu erreichen. Im dritten Quartal haben wir unsere Plains-Beteiligung für einen Nettoerlös von 650 Millionen US-Dollar veräußert und den Verkauf unserer LNG-Beteiligung in Mosambik für 3,9 Milliarden US-Dollar abgeschlossen. Nach Abschluss der seit Mai 2019 vereinbarten Veräußerungen werden wir im Wesentlichen das untere Ende unseres Veräußerungsziels von 10 bis 15 Milliarden US-Dollar nach Steuern erreicht haben. Wir haben die Erlöse aus unseren abgeschlossenen Veräußerungen für den Schuldenabbau verwendet und unsere 2020 fälligen Schulden bereits eliminiert. Ich bin sehr stolz auf die Fortschritte, die unsere Teams in den letzten Monaten gemacht haben. Wir wissen, dass wir an der Front des Schuldenabbaus noch mehr tun müssen, und ich freue mich darauf, diese zusätzliche Ankündigung machen zu können, während wir uns dem oberen Ende unseres Ziels nähern.

Demnach scheint der Plan zur Entschuldung des Unternehmens erste Früchte zu tragen und auf Icahns Vorschläge die Kapitalallokation zu überdenken wurde von Seiten des Managements eingegangen.

  • Das letzte nennenswerte Investoment von Carl Icahn ist Bausch & Lomb Corp. als Neuzugang im Depot des Investors. Das kanadische Unternehmen ist einer der weltweit größten Anbieter von von Kontaktlinsen, Linsenpflegeprodukten, Arzneimitteln, Intraokularlinsen und anderen Produkten für die Augenchirurgie. Der Hauptsitz liegt in Vaughan in Ontario. Das Unternehmen ging erst im Mai 2022 an die Börse.

Das Unternehmen weist aktuell keine langfristigen Schulden aus und kann auf geringe, aber vorhandene Gewinne verweisen. Die Anteile des Unternehmens machen nur rund 0,26 Prozent von Icahns Depot aus.

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