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Marktbericht – US Bonds

by Peter Merkle

Die US Zentralbank Federal Reserve, hat in ihrem Treffen im September die Leitzinsen der USA erneut um 0,75 Prozentpunkte, oder 75 Basispunkte angehoben. Die so genannte Federal Fund Rate (FFR), ist die Vergleichsgröße für die wichtigsten Zinssätze, die aktuell in einer Spannweite von 3,0 bis 3,25 Prozent liegt. Das Ziel dieser Zinssteigerungen durch die Fed ist es, die Rekord Inflation zu unterbrechen und Teuerung zurückzudrängen oder sie zumindest abzuschwächen. Daraus ergeben sich weitreichende Folgen für die Staatsfinanzen der USA, für den US-Dollar, aber auch für andere Währungen und die Schulden aller Länder, sowie die Konjunktur und die Wirtschaft.

Federal Fund Rate (FFR)

Die effektive Federal Funds Rate (FFR) ist der durchschnittliche Zinssatz, den Banken für Übernachtkredite auf dem Federal Funds Market zahlen. Die Federal Reserve verwendet bestimmte Instrumente, um diesen Satz anzupassen, da er andere Zinssätze beeinflusst, z. B. die, die Sie auf Kredit zahlen Kreditkarten, Hypotheken und Bankdarlehen sowie den Wert des US-Dollars und anderer Haushalts- und Geschäftsvermögen.

DateTargeted Fed Funds Rate
Jan. 26, 20220%-0.25%
March 16, 20220.25%-0.50%
May 4, 20220.75%-1.00%
June 15, 20221.50%-1.75%
July 27, 20222.25%-2.5%
Sep. 21, 20223.00%-3.25%

Die USA setzen also unvermindert ihre Zinserhöhungsstrategie fort. Die Leitzinsen weitere wichtiger Länder und Wirtschaftszonen sehe wie folgt aus:

  • Federal Reserve System: 3,25 %
  • Eropäische Zentralbank (EZB)
Einlagesatz (deposit facility rate)0,75 %
Hauptrefinanzierungssatz (main refinancing operations rate)1,25 %
Spitzenrefinanzierungssatz (marginal lending facility rate)1,50 %
  • Schweizerische Nationalbank: 0,50 %
  • Bank of Japan: 0,30 %
  • Bank of England: 2,25 %
  • Chinesische Volksbank: 3,65 %
  • Reserve Bank of India: 5,40 %

Entwicklungen der US Anleihen

Die Zinssätze der US Anleihen über alle Laufzeiten hinweg, haben sich den gestiegenen FFR Sätzen entsprechend entwickelt. So rentieren 10 jährige US Anleihen aktuell mit 3,75 Prozent, 20 jährige Anleihen mit 4,05 Prozent und langlaufenden Anleihen mit 30 Jahren Restlaufzeit mit 3,76 Prozent.

Da Anleihen in der Regel mit einem festen Zinssatz emittierte werden, kommen diese höheren Zinsen für bereits emittierte Anleihen dadurch zustande, dass die Kurse zu denen die Anleihen an den Wertpapiermärkten gehandelt werden gefallen sind. Da beispielsweise Pensionskassen und andere Institutionen Anleihen mitunter als Sicherheiten hinterlegen, kann ein zu starker Wertverfall dieser Anleihen aber auch gefährliche Dominoeffekte auslösen, wie zuletzt in Großbritannien zu sehen war.

Wie sich die Bondkurse entwickelt haben, ist hier am Beispiel des iShares $ Treasury Bond 20+yr ETF ersichtlich. Die Kurse für 20 jährige US Anleihen haben seit ihrem letzten Hoch im Frühjahr 2020 rund 22,3 Prozent an Wert verloren.

Kursgewinne bei kurz laufenden Anleihen

In diesem Umfeld sind natürlich auch Gewinne möglich. Bedingt durch den Aufbau von Anleihen, muss vom Emittenten der Anleihen zum Ende der Laufzeit der Nominalwert ausbezahlt werden. Entsprechend steigen die Kurse von Anleihen, wenn sie gegen Ende ihrer Laufzeit gehen wieder an, denn der Nominalwert muss in jedem Fall bezahlt werden, sofern der Emittent nicht Bankrott geht.

Beispielhaft hierfür der iShares $ Ultrashort Bond ETF, der in US Anleihen mit Restlaufzeiten von einigen Monaten bis 1 Jahr investiert.

Diese Entwicklung ist logisch, denn Anleihen die aus egal welchen Gründen in ihrem Kurs unter den Nominalwert fallen, nähern sich diesem gegen Ende der Laufzeit wieder an, wenn das Ausfallrisiko kleiner wird.

Die Gefahr der zu hohen Zinslast auf Anleihen

Die USA sind aktuell mit rund 30,6 Billionen US-Dollar verschuldet, das entspricht 137,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Die größten Gläubiger der USA sind dabei auf Platz 1 Japan mit über 1.304 Mrd. US-Dollar, gefolgt von China (1.068 Mrd. US-Dollar) und Großbritannien (647 Mrd. US-Dollar), so der Stand im Dezember 2021. Diese enorme Schuldenlast wird nun dadurch schwerer, dass die Zinsen auf diese Schuld steigen. Bei einem Zinssatz von 3,25 Prozent p.a., würde das eine Zinslast von über 994 Mrd. US-Dollar im Jahr bedeuten oder rund 2,7 Mrd. US-Dollar pro Tag.

Der Dollar ist Weltleitwährung. Welche Folgen sich aus einer dauerhaft wachsenden US-Verschuldung hierzulande ergeben, darüber sind sich Experten uneins. Neben der ausufernden Staatsschuld, sind auch die privaten Haushalte in den USA globale Spitze bei der Verschuldung. Neben Studentenkrediten und KfZ-Krediten, machen vor allem Hypotheken den Löwenanteil aus.

Über die US-Staatsverschuldung wurde am 04.08.2022 unter dem Titel “Staatsverschuldung USA” ein Artikel auf GOLD.DE veröffentlicht.

Konjunkturrisiken

Die höheren Zinsen auf Anleihen, bzw. allgemein höhere Leitzinsen, haben auch konjunkturelle Auswirkungen. Die höheren Leitzinsen werden von den Geschäftsbanken der USA auf ihre Kunden weitergegeben, die dadurch letztendlich auch höhere Zinsen für Kredite zu bezahlen haben. Gerade Unternehmen, die ihr Geschäft auf billigen Krediten betrieben haben, kommen so in Schwierigkeiten und mögliche Anschlussfinanzierungen können nur noch zu erheblichen Mehrkosten aufgenommen werden, sofern die Bank noch gewillt ist, Kredite auszureichen.

Entsprechend reagieren die Aktienmärkte auf Zinserhöhungen immer negativ, sie nehmen die Verschlechterung der Ertragslage durch steigende Zinslast vorweg. Eine Kritik an den Wertpapiermärkten die daher begründet ist, ist das steigen und Fallen der Aktienkurse alleine auf Basis der Zinsentwicklung, abgekoppelt von der realen Wirtschaftslage.

Entsprechend geht die Fed hier ein hohes Risiko ein, dass die heimische Wirtschaft in eine Rezession gleitet, da die Märkte insgesamt mittlerweile sehr stark auf billig verfügbarem Geld aufgebaut sind. Wir haben diese Umstände bereits in einem älteren Artikel aufgearbeitet, der unter dem Titel “Das Zinsdilemma der Zentralbanken” zu finden.

Auswirkungen auf den US-Dollar

Eine weitere Wirkung der Zinserhöhungen, ist in den Wechselkursen zu finden. Der US-Dollar gewinnt durch die höheren Zinsen auf die Anleihen an Attraktivität für Investoren und entsprechend erwerben diese US-Dollar. Das treibt den Dollar gegenüber anderen Währungen in die Höhe.

Das hat für die anderen Länder mit ihren Währungen zu Folge, dass Importe aus den USA und insbesondere Energierohstoffe, die zum größten Teil in Dollar gehandelt werden, immer teurer werden. Gleichzeitig ist ein starker Dollar aber auch für die Exporte der USA nicht von Vorteil.

Fazit

Ohne weiter auf die Konjunkturrisiken oder andere Aspekte einzugehen, zeigt sich für US Anleihen aber, dass sie nach wie vor ein relativ hohes Vertrauen bei Anlegern genießen. Die Zins Coupons bewegen sich nahe der Federal Fund Rate, es werden also relativ geringe Risikoaufschläge von den Investoren verlangt. Das ist auch dem Status des US Dollars zu verdanken.

Es bleiben aber auch Risiken, die vor allem dann schlagend werden können, wenn man in lang laufende Anleihen investieren will.

Das größte Problem ist allerdings die hohe Inflation. als deutscher Anleger, hat man eine offizielle Inflation von über 10 Prozent aktuell zu erdulden. ein Zinssatz von 3,25 Prozent würde einen Vermögensverlust von 6,75 Prozent p.a. bedeuten, gesetzt den Fall, dass die Inflation wie die Zinsen konstant bleiben.

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