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Marktbericht – Pfundcrash und Credit Suisse

by Peter Merkle

Ende September, vom 24. auf den 25. , wäre es in Großbritannien beinahe zu einem Zusammenbruch des Rentenmarktes gekommen. Mehrere Pensionsfonds standen wegen eines Verfalls britischer Staatsanleihen kurz vor dem Kollaps und die Lage konnte nur durch eine schnelle Intervention der Bank of England erreicht werden. Diese pumpte rund 65 Milliarden Pfund in Form eines Kaufprogramms für Anleihen in den Markt. Ein Fall der Pensionskassen hätte eine unüberschaubare Kettenreaktion in Gang gesetzt.

Das britische Pfund zeigt bereits seit Monaten einen Wertverfall gegenüber dem US-Dollar. Als maßgeblicher Grund dafür wird die neue Regierungslinie unter Liz Truss gesehen, sowie der starke US-Dollar.

Die Regierungsentscheidungen

Die bisherige Politik der neuen Regierung in Großbritannien, wird in Wirtschaftskreisen teilweise als inkompetent oder mit noch härteren Vokabeln beschrieben. Mit einer massiven Steuererleichterung wollte die Regierung die eigene Wirtschaft befeuern, diesen standen allerdings keine Finanzierungskonzepte gegenüber. Das Programm wäre also auf Grundlage von Schulden zustande gekommen. Eine Erhöhung der Körperschaftssteuer und höhere Sozialabgaben wurden gestrichen.

Die Verschuldung von Großbritannien liegt mit rund 2,4 Bio. Pfund bereits bei über 95 Prozent der Wirtschaftsleistung. Durch die Regierungsprogramme wäre hier ein weiterer starker Zuwachs entstanden. Dazu kam noch die Ankündigung der Bank of England, dass man in Zukunft eine restriktivere Geldpolitik fahren wollte. Im September wurde der Leitzins von 1,75 Prozent auf 2,25 Prozent erhöht. Damit steht auch ein größer werdender Zinsdruck für die Staatsfinanzen zu befürchten.

Der Auslöser

In dieser Gemengelage sahen einige große Investoren nun die Probleme, auf die Großbritannien zusteuern würde. Die Abwertung des Pfunds war bereits ein länger andauerndes Problem und in dieser Gemengelage, wurden massiv britische Staatsanleihen auf den Markt geworfen.

Der Verkauf der Anleihen hatte zur Folge, dass die Kurse an den Wertpapiermärkten unter Druck gerieten und die Zinssätze der Anleihen zu steigen begannen.

So erreichten 10 jährige Staatsanleihen Zinssätze von 4,7 Prozent in der Spitz, 30 jährige Anleihen (Gilts) sogar 5,3 Prozent an ihrem Hoch.

Die Kettenreaktion

Der Sprengsatz für das Rentensystem lag in den Depots der Pensionskassen. Die Pensionskassen müssen per Gesetz Staatsanleihen als “sichere” Anlagen halten. Diese so genannten Liability Driven Investment Funds (LDI´s) haben in Großbritannien ein Volumen von über 1 Billionen Pfund und investieren ihr Kapital vornehmlich in die bereits angesprochenen Gilts, Also Anleihen des britischen Staates mit 30 Jahren Laufzeit. Hier hat sich nun ein gefährliches Schneeballsystem zwischen den LDI´s und der Bank of England entwickelt:

  • Die LDI´s kaufen lang laufende britische Staatsanleihen
  • Diese Staatsanleihen werden bei der Bank of England, der Zentralbank, als Sicherheiten hinterlegt um liquide Mittel zu erhalten.
  • Diese liquiden Mittel werden genutzt, um neue britische Staatsanleihen mit langer Laufzeit zu kaufen.
  • Diese frischen Staatsanleihen werden wiederum bei der Bank of Englans als Sicherheiten gegen liquide Mittel hinterlegt .
  • Nach der letzten Runde dieses Beleihungs-Karussells, werden die Barmittel für andere Operationen verwendet.

Die Pensionskassen hatten also horrende Mengen an Staatsanleihen in ihren Depots, die gleichzeitig als Sicherheit hinterlegt waren.

Der drastische Verfall der Anleihen Kurse hatte nun zur Folge, dass die Pensionskassen Margin Calls erhielten. Die Sicherheiten in Form von Staatsanleihen mussten mit liquiden Mitteln hinterlegt werden. Die zu befürchtende Kettenreaktion wäre für die Pensionskassen ruinös gewesen.

  • Für neue Liquidität hätten die LDI´s Anleihen in großem Stil verkaufen müssen.
  • Dadurch wären die Anleihen weiter im Wert verfallen.
  • Die Pensionskassen hätten daraufhin ihre weiter verfallenen Anleihen wieder mit frischem Geld besichern müssen.
  • Dieses Geld hätten sie nur durch den verkauf weitere Anleihen erhalten können.

Im Verlauf dieser Kettenreaktion, waren aber irgendwann keine Käufer mehr auf dem Markt zu finden. Diese Kettenreaktion hätte die Pensionskassen in die Zahlungsunfähigkeit getrieben und somit auch die Ersparnisse der Briten praktisch über Nacht vernichtet.

Im Fall der LDI´s ging es hier nur um ein Volumen von 1 Bio. Pfund. Im gesamten britischen Renten- und Pensionssystem liegen Assets von über 3,24 Billionen US-Dollar, Stand 2020, was über 118 Prozent der Wirtschaftsleistung des vereinigten Königreichs entspricht. Die Pensionskassen sind als weit größer, als alles was Großbritannien an Waren und Dienstleistungen in einem Jahr erzeugt.

Reaktion der Bank of England.

Die Notenbank des vereinigten Königreichs hat nun in einer Notfallmaßnahme nun ein praktisch unbegrenztes Kaufprogramm für britische Staatsanleihen auf den Weg gebracht, von dem die bereits angesprochenen 65 Mrd. Pfund nur der erste Schritt waren. Damit sind aber auch alle Gedanken an eine Straffung der Geldpolitik für die Bank of England vom Tisch und es wird wieder Quantitative Easing betrieben.

Wie an den Renditen der Staatsanleihen zu sehen ist, hatte die Bank of England erst einmal Erfolg damit, einen plötzlichen Kollaps der Pensionskassen abzuwenden. Aber sie muss sich diesen Sieg teuer erkaufen und auch die Regierung muss sich hier eingestehen, dass ihr Wirken bisher wenig segensreiches hervorgebracht hat.

Von der Bank of England zur Credit Suisse

Ein weiterer Stresspunkt für die internationalen Finanzmärkte rauchte nur wenige Tage später in form der zweitgrößten Bank der Schweiz auf, der Credit Suisse. Die Bank steht aktuell in einer schweren Krise. Die Marktteilnehmer fordern für die Absicherung der Kreditrisiken von Credit Suisse immer höhere Prämien, wie man am rapiden Kursanstieg der Credit Default Swaps für die Bank sehen kann.

Zahlreiche Eskapaden im Investmentbanking haben das Unternehmen in Schieflage gebracht und Vertrauen zerstört. Der Aktienkurs ist seit Jahresbeginn 2022 um rund 50 Prozent eingebrochen.

Die jüngsten Entwicklungen auf dem Globus, haben hier ein weiteres Risiko geschaffen. Aktuell berichtet Bloomberg darüber, dass im Interbankenhandel die Credit Suisse nur noch unter erheblichen Schwierigkeiten Partner findet, da die Solvenz der Bank in Frage steht.

Die Bank soll gerade umstrukturiert werden. Anhand des Beispiels Credit Suisse lässt sich aber feststellen, dass der internationale Finanzmarkt unter enormen Spannungen steht und der Druck im Kessel weiter zunimmt.

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