Home Marktbericht Marktbericht – Hohe Volatilität bei Öl

Marktbericht – Hohe Volatilität bei Öl

by Peter Merkle

In unserem neuen Marktbericht auf Modern Value Investing, nehmen wir den Markt für Öl unter die Lupe und sehen uns an, welche Gründe es für die aktuell starken Bewegungen dort gibt. Im Verlauf der vergangenen Woche, haben die Preise für Rohöl der Marke West Texas Intermediate eine Fulminante Abwärtsbewegung vollzogen, die sich aber Stand heue wieder etwas erholen konnte.

In der Spitze kostete das Barrel Öl am 26.10.2021 rund 84,88 US-Dollar. Im Verlauf des 26. November, fiel der Preis schließlich von 78,34 auf nur noch 68,15 US-Dollar je Barrel, ein Einbruch von über 13 Prozent. Damit traf der “schwarze Freitag” des 26.11. nicht nur die Aktienmärkte, sondern auch und gerade den Markt für Öl, sowohl die Sorte West Texas Intermediate, als auch die Nordseesorte Brent. Auslöser dieser Entwicklung war die Meldung über eine erneute Virusmutation des Sars-COV-2 Virus aus Südafrika, die als Variante B.1.1.529 oder Omicron umschrieben wird. Diese Meldung löste an den Märkten eine enorme Verunsicherung aus. Während der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020 waren die Erdölpreise drastisch abgestürzt. Ausschlaggebend waren die sehr umfangreichen Gegenmaßnahmen wie die Schließung vieler Bereiche des Wirtschaftslebens. Neue Varianten des Coronavirus wecken Erinnerungen an diese Zeit und schüren Ängste vor wirtschaftlichem Schaden, der auch auf der Energie- und Erdölnachfrage lasten würde. Bereits jetzt werden in vielen europäischen Ländern Corona-Maßnahmen verschärft, die auch die wirtschaftliche Erholung belasten.

Am Mittwoch den 24.11.2021, beschuldigte die Internationale Energieagentur (IEA) Saudi-Arabien, Russland und andere große Energieproduzenten eine “künstliche Verknappung” auf den globalen Öl- und Gasmärkten herbeizuführen. Sie forderte die OPEC+ auf, die Rückführung der Lieferungen zu beschleunigen. “Die aktuellen Preise für wichtige Brennstoffe sind für die meisten Entwicklungsländer eine Gefahr”, sagte IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol in Paris. Die IEA vertritt die Interessen der Ölverbrauchsländer.

Aktuelle Entwicklungen am Öl-Markt

Diese Entwicklung trifft mit der Entscheidung der USA und Japans zusammen, ihre strategischen Ölreserven anzuzapfen um den Preisdruck zu lindern. Der US-Präsident Joe Biden kündigte letzte Woche an, rund 50 Mio. Barrel aus der strategischen Reserve freigeben zu wollen. Verglichen mit dem Gesamtvolumen des Marktes eine überschaubare Größenordnung und nicht viel mehr als ein politisches Zeichen. Neben Japan, nehmen noch weitere Länder an dieser koordinierten Aktion teil. Die Freigabe dieser Reserven soll auch erst Anfang 2022 stattfinden. Getrieben wird der Ölpreis im Moment von den Sorgen über die Geschehnisse um die neue Virusmutation und der daraus resultierenden Angst von neuen  Flugrestriktionen, Lockdowns etc. in Europa und anderen Regionen.

Am Montag den 29.11.2021, erholten sich die Futures auf Rohöl aber wieder etwas. Die Marktteilnehmer erwarten hier auch eine signifikante, wenn nicht gar eine aggressive Reaktion von Seiten der OPEC+ auf den entstandenen Preisdruck. Die Vereinigung Erdölfördernder Länder hat zuletzt ihre geplante Sitzung von Dienstag auf Donnerstag den 02.12.2021 verlegt um die Auswirkungen der neuen Virusvariante auf die Weltwirtschaft und die Kraftstoffnachfrage bewerten zu können. Es scheint aber bis jetzt unwahrscheinlich, dass die OPEC+ die Fördermengen ausweiten wird, da die aktuelle Zurückhaltung die Befürchtung eines Angebotsüberschusses befördert. Eine Erwartung, die ebenfalls für eine Erholung der Öl-Preise spricht, wie wir sie am Montag gesehen haben.

Im weiteren Verlauf der Woche konnten wir schließlich sehen, wie sehr die aktuelle Marktlage von den Nachrichten beeinflusst wird. Als am 30.11.2021 der Chef des Impfstoffherstellers Moderna gegenüber der Financial Times sagte,  dass die bisher vorhandenen Impfstoffe gegen die neue Omikron-Variante des Coronavirus wohl weniger wirksam seien als gegen die Delta-Variante, reagierten die Aktienmärkte auf diese Aussage, ebenso wie die Märkte speziell für Öl.

Trotz einer kurzen Erholung der Ölpreise in der vergangenen Woche, ging der Verfall der Preise am Donnerstag weiter, während Vertreter der OPEC noch über das gemeinsame vorgehen beraten haben.

Die Lage am ÖL-Markt

Wie aus den Daten der CME, der größten Rohstoffbörse der Welt hervorgeht, hat vor allem das Handelsvolumen am 26.11. sehr stark zugenommen. Das Open Interest hat sich allerdings kaum merklich bewegt.

An den Future-Märkten für Öl ist die Lage indes wenig erstaunlich. Hier kann man sehen, dass die kommerziellen Marktteilnehmer (roter Graph) innerhalb ihrer langfristigen Netto-Verkaufspositionierung agieren. Am Verlauf des Open Interest, der Anzahl offener Kontrakte, sieht man eine sinkende Größe. Demnach werden Positionen tendenziell geschlossen.

Auch an den Terminstrukturkurven lässt sich keine signifikante Veränderung feststellen.

Analysiertes Bild

Insgesamt muss man daher sagen, dass die Lage an den Rohstoffmärkten deutlich die Unsicherheiten in den anderen Märkten widerspiegelt. Nutzt man den Ölmarkt als eine Art Stimmungsbarometer für die erwarteten Entwicklungen, dann herrscht aktuell hohe Unsicherheit.

Weitere Nachrichten der Woche

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von finanzmarktwelt.de zu laden.

Inhalt laden

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von finanzmarktwelt.de zu laden.

Inhalt laden

Goldpreis: Deutsche Inflationsrate über fünf Prozent; finanzen.net, 30.11.2021

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von finanzmarktwelt.de zu laden.

Inhalt laden

Print Friendly, PDF & Email

You may also like

Leave a Comment