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Marktbericht – Der Goldmarkt 2022

by Peter Merkle

In unserem neuen Marktbericht hier auf Modern Value Investing, werfen wir erneut einen Blick auf den Goldmarkt. Das Edelmetall befindet sich in seiner Preisentwicklung nach wie vor in einer seitwärts laufenden Phase, was angesichts der fiskalischen Unsicherheiten und den Käufen zahlreicher Zentralbanken auf dem Globus eine ungewöhnliche Entwicklung ist. Es mehren sich die Meldungen von großen Käufen diverser Notenbanken, die Gold als sicheres Asset in ihre Depots nehmen. Der Preis von Gold und Silber bleibt davon aber weiterhin unbeeindruckt. Die Gründe hierfür sind unterschiedlich und reichen bin hin zu Vorwürfen gezielter Marktmanipulation durch den Einsatz von Finanzprodukten wie Futures auf Gold.

Mit Blick auf den holprigen Start in das Börsenjahr 2022, wollen wir uns daher wieder mit dem Markt für Gold beschäftigen und die aktuellen Entwicklungen zusammenfassen.

Die Nachrichtenlage

Russland hortet immer mehr Gold

Eine der letzten Meldungen 2021 über die Gold-Nachfrage, handelte von Russland. Alleine die russische Zentralbank hat im Jahr 2021 Reserven an Gold von über 2300 Tonnen ausgewiesen und hat monatlich Käufe von rund 10 Tonnen getätigt (gemittelter Wert über 15 Jahre).

Russland: Goldreserven und Devisenreserven der russischen Zentralbank von November 2008 bis November 2021, Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/487403/umfrage/gold-und-devisenreserven-von-russland/

Dazu wurde am 18.06.2021 ein Artikel im Focus veröffentlicht, Titel: „Weg mit dem Dollar, her mit Gold“Putin steigt zum größten Goldspekulanten der Welt auf – das ist der Plan dahinter? Aus diesem Artikel gehen unter anderem die Informationen hervor, dass nahezu die gesamte inländische Goldproduktion Russlands von der Zentralbank aufgekauft wird und der russische Goldminenkonzern Nordgold an der London Stock Exchange einen Börsengang plant. 25 Prozent des Unternehmens sollen für einen Erlöse von 5,12 bis 6,6 Milliarden Dollar an Investoren verkauft werden.

Vor allem die Information über den Ankauf der eigenen Produktion ist von Interesse, da man diese Information für die Einschätzung für das Angebots auf den globalen Markt verwerten kann. Die Goldmengen aus der russischen Produktion fehlen auf dem globalen Markt.

Die aktuelle Situation, die Konfliktherde an der Grenze zur Ukraine und die Verlegung von Truppen nach Kasachstan, haben in der russischen Bevölkerung ebenfalls Goldkäufe ausgelöst oder zumindest stark begünstigt.

Vor allem ETF´s als Verkäufer von Gold

Auf dem GoldHub-Portal des World Gold Council, steht über die Angebots- und Nachfragesituation des globalen Goldmarktes folgendes:

Goldnachfrage im dritten Quartal um 7% auf 831 Tonnen gesunken
ETF-Abflüsse überwogen die anhaltende Erholung in anderen Sektoren
Die Goldnachfrage (ohne OTC) ging im dritten Quartal im Jahresvergleich um 7% auf 831 Tonnen zurück. Dieser Rückgang war fast ausschließlich auf ETFs zurückzuführen – die von sehr großen Zuflüssen im dritten Quartal 2020 zu bescheidenen Abflüssen in diesem Jahr wechselten – und die Stärke in anderen Nachfragesektoren während des Quartals überschattet. Schmuck, Technologie sowie Barren und Münzen waren deutlich höher als im Jahr 2020. Bescheidene Zentralbankkäufe waren eine solide Verbesserung gegenüber dem kleinen Nettoverkauf aus dem 3. Quartal 20. Das Angebot ging im Jahresvergleich um 3% zurück, was auf einen deutlichen Rückgang beim Recycling zurückzuführen ist.

Schmuck schöpfte weiterhin Kraft aus der anhaltenden globalen Wirtschaftserholung: Die Nachfrage im dritten Quartal erholte sich um 33 % im Jahresvergleich auf 443 Tonnen.

Die Investitionen in Barren und Münzen stiegen im Jahresvergleich um 18% auf 262 Tonnen. Der scharfe Goldpreisverfall im August wurde von vielen als Kaufgelegenheit genutzt.

Kleine Abflüsse aus globalen Gold-ETFs (-27 t) hatten angesichts der kräftigen Zuflüsse von 274 t im dritten Quartal 20 einen überproportionalen Einfluss auf die Veränderung der Goldnachfrage im Jahresvergleich.

Die Zentralbanken kauften weiterhin Gold, wenn auch langsamer als in den letzten Quartalen. Die globalen Reserven wuchsen im dritten Quartal um 69 t und fast 400 y-t-d.

Die Nachfrage nach Technologiegold stieg im Jahresvergleich um 9%, angetrieben von der anhaltenden Erholung im Elektronikbereich. Die Nachfrage von 84 t entspricht wieder dem Quartalsdurchschnitt vor der Pandemie.”

Somit lässt sich ein Teil einer Erklärung für die starren Preisentwicklungen bei Gold (und im weiteren Verlauf für Silber) durch diese Gemengelage erklären, in der Zentralbanken und Privatpersonen zwar tendenziell kaufen und das Angebot rückläufig ist, Funds und andere Anlagevehikel aber eher Verkäufer sind.

Hier eine grafische Darstellung der Nachfrage nach Gold:

Die Lage an den Börsen und Warenterminmärkten

Betrachtet man die Positionierung der Marktteilnehmen an den Future-Märkten, sieht man aktuell keine bemerkenswerten Bewegungen in den Futures.

kommerzielle Marktteilnehmen (Rot); große Spekulanten (Blau), kleine Spekulanten (Grün); Quelle: https://www.suricate-trading.de/cot-daten/

Highlights 2021 von GoldHub

  • Der Goldpreis lag im dritten Quartal bei durchschnittlich 1.789,5 USD/Unze und lag damit geringfügig unter dem Durchschnitt des zweiten Quartals. Der Jahresvergleich zeigt einen Rückgang von 6%, was den Rekordhochkurs des US-Dollars vom August 2020 widerspiegelt. Die Wertentwicklung von Gold steht im Einklang mit seiner Nachfrage- und Angebotsdynamik und einem Makroumfeld mit höheren Zinssätzen und einer risikofreudigen Anlegerbereitschaft.
  • Seit Jahresbeginn ist die Goldnachfrage um 9% niedriger. Eine Verdoppelung der Zentralbankkäufe und ein 50-prozentiges Wachstum der Schmucknachfrage in den ersten drei Quartalen konnten den Rückgang der ETF-Nachfrage nur teilweise ausgleichen. Die Nachfrage im Jahr 2019 bleibt im Vergleich zur gleichen Zeit vor der Pandemie im Jahr 2019 deutlich schwächer.
  • Das Goldangebot ist von y-t-d flach. Die Minenproduktion ist im Jahr 2021 kontinuierlich gestiegen und die Gesamtmenge von y-t-d ist um 5 % gestiegen, aber das Recycling hat sich deutlich verlangsamt und ist im gleichen Zeitraum um mehr als 12 % zurückgegangen.
  • Unser Ausblick für das Gesamtjahr 2021 zeigt ein ähnliches Bild wie im bisherigen Jahresverlauf. Von der anhaltenden wirtschaftlichen Erholung werden Schmuck und Technologie profitieren; Investitionen sollten von anhaltenden Inflationsängsten unterstützt werden, aber relativ bescheidene ETF-Zuflüsse sind im Vergleich zu den Rekordzuflüssen von 2020 negativ. Die Zentralbanken rechnen mit einem überdurchschnittlichen Jahr an Nettokäufen.

Der Papiergoldmarkt und der physische Goldmarkt

Gold, Silber und alle anderen bekannten und nachgefragten Edelmetalle, werden an den Warenterminbörsen über Futures gehandelt. Diese gehandelten Futures, die das Recht auf Auslieferung der im Kontrakt verbrieften Menge beinhalten, stehen dem physischen Warenangebot in einem bestimmten Verhältnis gegenüber. Im Falle von Gold, ist im Verhältnis zur physisch verfügbaren Menge etwa 233 Mal mehr “Papiergold” im Umlauf (Schätzung aus 2016). Diese Diskrepanz ist so lange kein nennenswertes Problem, wie die verbriefte Menge Gold nicht tatsächlich ausgeliefert werden muss. Im Schnitt beträgt die angeforderte Auslieferung nur 1 bis 2 Prozent der gehandelten Kontraktmengen.

Sollte dieser Fall eintreten, dass die Kontrakthalter die Auslieferung der verbrieften Waren verlangen, oder auch nur zu eine bestimmten Teil verlangen, ist die Verfügbare Menge an Gold in keiner Weise ausreichend diese Nachfrage zu decken. Das wäre ein Auslöser für starke Preisanstiege. Dass das passieren kann, ist am ersten Corona-Crash, Anfang 2020 zu sehen. Gold in Form von Futures und anderen Zertifikaten war zwar jederzeit verfügbar, Edelmetallhändler hatten allerdings enorme Lieferschwierigkeiten, leere Lager und eine enorm erschwerte Beschaffung. Minen und verarbeitende Betriebe mussten aufgrund staatlicher Vorgabe ihre Arbeit aussetzen. Aber, zunächst kam es aber zu einem fallenden Goldpreis, da zur Eigenkapitalbeschaffung Gold-Terminkontrakte liquidiert werden mussten. Die fallenden Aktienkurse hatten Margin Calls zur Folge, da viele Aktien mit Fremdkapital gekauft wurden. Daher auch die Liquidierung von Gold-Kontrakten zur Finanzierung.

Dazu wurde unter dem Titel “Abkopplung physischer Goldmarkt vom Papiergold” am 17.03.2020 ein Artikel auf Gold.de Veröffentlicht.

An dieser Stelle kommen wieder die Zentralbanken ins Spiel. Der Goldpreis kann auch als Maß dafür herangezogen werden, wie stark das Vertrauen in die nationalen Währungen noch vorhanden ist. Gold und Silber stellen historische Alternativen zu den heutigen Papiergeld-Währungen dar und sind eines der verfügbaren Ausweichvehikeln bei schindendem Vertrauen. Sie stehen mit dem Papiergeld in direkter Konkurrenz und damit auch den Staatsanleihen.

“Zentrale Aufgabe einer Notenbank ist es beispielsweise, den Preis für Zinsen festzulegen und – wie wir heute wissen – bis auf absolut unnatürlich negatives Niveau zu drücken. Vor dem Hintergrund scheint es nicht sehr abwegig, dass auch beim Goldpreis Interventionen durchgeführt werden. […] Die US-Notenbank will neben dem Dollar keine starke Konkurrenz – zum Beispiel in Form eines stabilen beziehungsweise steigenden Goldmarkts”, so die Einschätzung des Liechtensteiner Vermögensverwalter Mark Valek von Incrementum gegenüber dem Focus.

Auf finanzen.net heißt es zum Verdacht der gezielten Marktmanipulation durch Zentralbanken wie folgt:

Die nachvollziehbare Abneigung von Zentralbanken gegenüber der ultimativen Sachwährung Gold bringt schon seit längerem viele Marktbeobachter zum Grübeln. So vermuten einige, dass die Notenbanken ab einem bestimmten Niveau am Terminmarkt aktiv werden, um die Preise zu drücken. Zwar haben einige Verurteilungen von Geschäftsbanken in der Vergangenheit gezeigt, dass am Goldmarkt durchaus manipuliert werden kann, jedoch gibt es noch keinen Beweis für eine systematische Intervention der Währungshüter.

Klar ist dennoch, dass sich gerade der Goldmarkt wesentlich einfacher beeinflussen lässt als etwa der Markt für Anleihen oder Aktien, da gerade in diesen Märkten eine viel höhere Liquidität vorhanden ist.

Die Rolle der Terminbörse

Gerade beim Thema Goldpreismanipulation und Papiergoldinflation spielen die Rohstoffbörsen bzw. Terminbörsen eine der zentralsten Rollen. Eine der wichtigsten Börsen in diesem Segment ist dabei die New York Commodities Exchange (COMEX), an welcher tagtäglich rund 27 Millionen Unzen Gold gehandelt werden. Allein dieses tägliche Handelsvolumen übertrifft den Gegenwert des weltweit größten Gold-ETF, welcher mit physischem Metall gedeckt ist, um das dreißigfache.

Laut dem World Gold Council (WGC) betrug die gesamte weltweite Minenproduktion des gelben Metalls im Jahr 2019 jedoch nur rund 111 Millionen Unzen. Somit wird allein an der COMEX Tag für Tag rund ein Viertel einer gesamten Jahresförderung des Metalls gehandelt. De facto werden jedoch nur ein bis zwei Prozent des gekauften Goldes tatsächlich ausgeliefert. Eigentlich sind die Terminmarktprodukte jedoch dafür konzipiert, dass sich Käufer und Verkäufer zu einem bestimmten Preis und Zeitpunkt in der Zukunft auf ein reales Geschäft einigen. Dass jedoch nur ein bis zwei Prozent der erworbenen Kontrakte tatsächlich eingelöst werden, beweist die spekulative Motivation der zahlreichen Rohstoffhändler.

Sorge vor dem Gold-Run

Damit das gehandelte Gold der COMEX tatsächlich ausgeliefert werden kann, unterhält die Börse verschiedene Goldlager. Dabei liegt der Lagerbestand der Rohstoffbörse jedoch nicht bei 27 Millionen Tonnen, sondern vermutlich eher bei nur sechsstelligen Tonnen. Die Goldlagerbestände der Börse beträgt nämlich schätzungsweise nur rund ein Hundertstel der fiktiv gehandelten Unzen. Einige Experten gehen sogar davon aus, dass die Bestände der COMEX noch bescheidener ausfallen.

Sollte es also zu einem sogenannten Gold-Run kommen und sämtlich Investoren, die Papiergold bzw. Gold-Kontrakte gekauft haben, verlangen plötzlich alle gleichzeitig ihr Gold, ist die Katastrophe vorprogrammiert. Dabei zeigen die Daten der COMEX, dass die Goldlieferungen im vergangenen Juni schon stark angezogen haben und einen neuen Rekord erreichten. So wurden allein im Juni 55.101 Lieferanträge bei der COMEX eingereicht und somit viermal so viel wie im Vormonat.

Um einem möglichen Gold-Run vorzubeugen erhöht die COMEX gegenwärtig ihre Lagebestände im hohen Maße. Die Rohstoffbörse möchte so für genügend Vertrauen bei den Händlern und Investoren sorgen. Angesichts der hohen Handelsvolumina kann jedoch bezweifelt werden, ob es der Börse überhaupt gelingen kann, nur annähernd einen Teil des gehandelten Edelmetalls physisch zu hinterlegen.

Aus diesen Informationen kann man ableiten, dass der Papiergoldmarkt aktuell noch preisdominierend ist.

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