Home Marktbericht Marktbericht – Bank of England Runde 2

Marktbericht – Bank of England Runde 2

by Peter Merkle

Im neuen Bericht zur Lage an den Märkten, beschäftigen wir uns bei Modern Value Investing erneut mit der Bank of England und dem britischen Pfund, sowie mit den langlaufenden britischen Staatsanleihen, den so genannten Gilts. Vor 2 Wochen, vom 27. auf den 28. September, sah sich die Bank of Englans (BoE) dazu gezwungen, mit einem massiven Kaufprogramm ihre eigenen Anleihen zu stützen, da diese rapide an Wert verloren. Auslöser dafür war der Regierungskurs, der die Meinung der Marktteilnehmer über die langfristige Inflation in vereinigten Königreich änderte und so zu einem schnellen Abverkauf der Gilts führte.

In einem anderen Marktbericht unter dem Titel “Pfund Crash und Credit Suisse“, hatten wir bereits die Umstände dieser Entwicklung aufgearbeitet. CNBC brachte am 11. Oktober schließlich die Meldung, dass die BoE wieder in den Markt eingreifen will. Bank of England intervenes in bond markets again, warns of ‘material risk’ to UK financial stability

Der Verfall brachte das Pensionsfonds-System an den Rand des Zusammenbruchs, denn die Fonds, die im wesentlichen in langlaufende Anleihen investieren, hatten diese Anleihen als Sicherheit bei der Bank of England gegen liquide Mittel hinterlegt und bekamen nun Margin Calls, als der Wert der hinterlegten Sicherheiten immer mehr verlor. Entsprechend dem Wertverfall der Anleihen am Bond-Markt, stiegen die Zinsen der Anleihen:

Zunächst standen “nur” etwa 1 Bio. Pfund im Feuer, investiert in so genannte LDI´s. Aber das Gesamtvolumen der britischen Pensionen ist ebenfalls gefährdet und dieses übersteigt die Wirtschaftsleistung des vereinigten Königreichs um ein Vielfaches.

Wie man nun an den Renditen auf 10 und 30 jährige Bonds sehen kann, hatte die BoE zunächst Erfolg damit die Kurse zu stabilisieren, aber bereits am Montag den 10. Oktober stiegen die Zinsen wieder rapide an, ergo die Werte der Anleihen verfallen erneut.

Eine scharfe Bombe in London

Die BoE kündigte sofort wieder an, in den Markt zu intervenieren und es wurden als Obergrenze 10 Mrd. Pfund PRO TAG aufgerufen, die in Anleihekäufe fliesen sollten. 5 Mrd. in jeweils in konventionelle Bonds und in indexgebundene Bonds. Diese Käufe sollten allerdings nur bis zum 14. Oktober durchgeführt werden, um den Pensionskassen Zeit zu geben ihre Positionen zu richten.

In einem Bericht der Financial Times, der unter dem Titel “Bank of England signals to lenders it is prepared to prolong bond purchases” veröffentlicht wurde, gibt es aber eine Zusicherung der BoE an die Pensionskassen, die Anleihekäufe über den 14. Oktober hinaus zu verlängern. Allerdings gibt es dazu keine offizielle Verlautbarung der BoE, es handelt sich also um bestenfalls eine mündliche Absprache.

Der Artikel der Financial Times hatte die direkte Auswirkung, dass das britische Pfund im Tagesverlauf wieder einen Wertzuwachs gegen den US Dollar verzeichnen konnte, obwohl die Meldung noch nicht von der BoE bestätigt worden ist.

Damit muss man davon ausgehen, dass hier die Hoffnung ausschlaggebend dafür ist, dass das Pfund nicht weiter absackt.

Zentralbanken bewegen sich in einem Minenfeld

Die aktuelle Lage der BoE ist das symptomatische Beispiel, wie es aktuell um nahezu alle Notenbanken bestellt ist. Allen voran haben hier die BoE, die Bank of Japan und noch schlimmer die EZB aktuell den schwierigsten Stand. Als Anfang Oktober bereits erste Meldungen kamen, dass man Gespräche über eine Bilanzverkürzung führt, also den Verkauf von Anleihen im eigenen Besitz der EZB, stiegen auch die Zinsen für Anleihen europäischer bzw. Eurostaaten.

Zusätzlich belastet auch der starke Dollar die Länder weiter, die in US-Dollar verschuldet sind.

Damit häufen sich die Krisenfelder weiter an, den neben den Anleihen und den Zinsen für die Staaten, dem Verfall der Währung und der teilweise bereits galoppierenden Inflation, kommen immer stärker die Auswirkungen der Energiekrise zum tragen und es stehen bereits die nächsten wirtschaftlichen Minenfelder an, die in Gestalt des Immobilienmarktes und der Bauwirtschaft daherkommen, ebenso speziell in Deutschland die wegbrechende Automobil- und Chemieindustrie.

Die BoE ist aktuell lediglich das schwächste Glied in einer Kette, deren einzelne Glieder allesamt unter Materialermüdung leiden.

Print Friendly, PDF & Email

You may also like

Leave a Comment