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Investoren Check – Ken Fisher

by Peter Merkle

Kenneth Lawrence Fisher ist wohl einer der bekanntesten Investment Analysten der USA. Er ist Gründer des Unternehmens Fisher Investments, einer Finanzverwaltungs- und Service-Firma, der er von der Gründung 1979 bis Juli 2016 als CEO vorstand. Heute ist Ken Fischer immer noch als Executive Chairman und Co-Chief Investment Officer aktiv im Unternehmen. Außerdem ist er Kolumnist für das Magazin Forbes. Der 1950 in San Francisco, Kalifornien geborene Ken Fisher ist der drittjüngster Sohn des Wertpapieranalysten und Vermögensverwalters Philip Fisher, der vor allem für sein Buch Common Stocks and Uncommon Profits bekannt ist. Seine Ausbildung genoss er an der Humboldt State University, wo er ein Studium der Forstwissenschaft begann, 1972 aber im Fach Economics abschloss. Fisher gilt als einer der profundesten Kenner der Forstwirtschaft des 20. Jahrhunderts.

Fisher selbst ist wie bereits sein Vater ein Autor viel beachteter Finanzbücher. Sein Hauptwert erschien 1984. In Super Stocks beschreibt Fisher unter anderem die Bedeutung des Kurs-Umsatz-Verhältnisses für die Aktienauswahl. Seine Strategie gründet auf der Erkenntnis, dass „Super Companies“, die in der Lage waren, innerhalb der letzten drei bis fünf Jahre ihren Kurswert zu verdreifachen bis zu verzehnfachen, kaum signifikant abrutschen. Laut Fisher unterliegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis zu vielen willkürlichen Einflüssen, wie zum Beispiel großen Investitionen, Veränderung der Buchhaltungsmethoden oder großen Forschungs- und Entwicklungs-Ausgaben. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis (die gesamte Börsenkapitalisierung geteilt durch den Umsatz des Unternehmens über die vergangenen 12 Monate hinweg) ist ein viel stabilerer Maßstab. Fisher war Ende der 1980er Jahre der erste, der Small-Caps als Anlageklasse definierte und über Fisher Investments diese einem breiten Publikum als Investitionsmöglichkeit (Small-Cap-Value-Investments) zugänglich machte.

Von 2001 bis 2011 erreichte Fisher Investments eine Gesamtrendite von 38,2%, während der S&P 500 ein Plus von 34,9% verzeichnen konnte. Das Unternehmen verwaltet über 36 Milliarden US-Dollar und Fisher´s Privatvermögen wurde 2020 auf rund 4,3 Milliarden Dollar geschätzt. Anzumerken ist noch, dass Ken Fisher als eher Menschenscheu gilt und immer ein Interesse daran hatte, seine eigenen Mitarbeiter von der Hochfinanz abzuschirmen.

Ken Fisher Total Holding History ($B); Quelle: https://www.gurufocus.com/guru/ken+fisher/summary

Weitere Entdeckungen von Ken Fisher waren unter anderem:

  • Größere Unternehmen haben für gewöhnlich ein niedrigeres Kurs-Umsatz-Verhältnis
  • Positive Überraschungen kommen meist von Aktien mit einem Kurs-Umsatz von unter 1
  • Negative Überraschungen kommen meist von Aktien mit dem höchsten Kurs-Umsatz-Verhältnis

Unter der CIK 0000850529 sind für sein Unternehmen Fisher Asset Management, LLC alle relevanten Fillings für die SEC zu finden.

Investitionsstil von Ken Fisher

Der Broker LYNX schreibt über die Anlagestrategie von Fisher folgendes:

Fisher Investments Logo.png
Fisher Investments; Headquarters
Camas, Washington
, USA

Seine Studie über Rendite für Aktien zwischen Januar 1976 und Juni 1995 zeigte ihm zufolge, dass in unterschiedlichen Zeitspannen unterschiedliche Investitionsstile in Mode waren. Er unterscheidet sechs solcher Stile: drei Stile, die sich auf Value-Aktien ausrichten (Aktien mit hoher, mittlerer und kleiner Marktkapitalisierung) und drei Stile basierend auf Wachstumsaktien (wiederum Aktien mit hoher, mittlerer und kleiner Marktkapitalisierung).

Der populärste Stil ist für jede einzelne Periode viel besser geeignet als der am wenigsten populäre Stil. Fischer hat sich in letzter Zeit an der Aufgabe festgebissen, den richtigen Stil für den richtigen Moment zu identifizieren. Da dieses Bestimmen nicht einfach ist, entsteht bei dieser Herangehensweise das Risiko, dass der Investor den falschen Stil auswählt, was sich später als teurer Spaß herausstellen kann.

Um die Chancen zu erhöhen, stellte er daher vier Stile zusammen. Der Unterschied zu den zwei am wenigsten leistungsfähigen Stilen ist noch immer ziemlich groß und so wird die Chance geringer, dass das gesamte Portfolio an den falschen Stil gerät. Um zu bestimmen welcher Stil passend ist, schaut Fisher nach wirtschaftlichen Indikatoren, wie in etwa der internationalen Zinsstruktur (der Unterschied zwischen kurzfristigen und langfristigen Zinssätzen).

Als die weltweite Zinsstrukturkurve absolut flach geworden war (normalerweise steigt diese an), begann die Zeitspanne der Wachstumsaktien. Wird die Zinsstrukturkurve sehr steil, sollte man zu Value-Aktien wechseln. Die Zinsstruktur ist nicht die einzige Variable, die Fisher hierbei in Betracht zieht. Auch andere wirtschaftliche Indikatoren, wie die Entwicklung des Welt-Bruttoinlandproduktes und der Inflation sind wichtig.

Fisher ist auch vom sogenannten präsidialen Zyklus sehr überzeugt, bei dem Aktien in den ersten zwei von vier Jahren einer neuen Präsidentschaft für gewöhnlich viel schlechter performen als in den letzten zwei Jahren. Dies ist der Fall, da viele große Veränderungen (neue Politik, neue Steuern, etc.) in den ersten zwei Jahren anstehen und Investoren erstmal eine abwartende Haltung einnehmen.

Wir sehen, dass Fisher seine Herangehensweise im Laufe der Zeit maßgeblich angepasst hat. Es gibt auch einen Grund dafür, der einer Art effizienten Markthypothese ähnelt. Wenn eine Herangehensweise an Beliebtheit gewinnt, wirkt sich das auf die Kurse aus, wodurch diese Herangehensweise deutlich schlechter funktioniert. Um den Markt zu schlagen, muss man auf eine Art und Weise handeln, auf der wenige Andere handeln.

Die Auswahlkriterien von Ken Fisher

Die folgenden Kriterien zur Auswahl von Aktien basieren auf der ersten Ausgabe seines bekannten Buches „Super Stocks“. Einen Großteil haben wir bereits vorab besprochen:

  • Kurs-Umsatz-Verhältnis für nicht-zyklische und Technologie-Aktien. Bevorzugt unter 0,75; dann sprechen wir von einer `Super-Aktie´. Ein guter Wert liegt zwischen 0,75 und 1,5. Über 1,5 kauft Fisher nicht. Sollten Sie die Aktie aber bereits in Besitz haben, können Sie sie halten. Über 3 signalisiert verkaufen.
  • Kurs-Umsatz-Verhältnis für zyklische Aktien. Am besten unter 0,4, zwischen 0,4 und 0,8 ist akzeptabel. Über 0,8 verkaufen.
  • Die Schulden sollten nicht mehr als 40% des Eigenkapitals betragen.
  • Kurs-Forschungs-Verhältnis. Dieses Kriterium gilt ausschließlich für Medizin- und Technologie-Aktien und ist weniger wichtig für andere Aktien. Die Börsenkapitalisierung geteilt durch die F+E Ausgaben müssen am besten unter 5 fallen, jedoch ist es zwischen 5 und 10 auch noch günstig. Zwischen 10 und 15 wird es schon ungünstiger und über 15 sollte man eine Aktie nicht kaufen.

Eine „Super-Aktie“ muss allerdings schärfere und teilweise ergänzende Kriterien erfüllen:

  •  Wachstum EPS (Gewinn pro Aktie), korrigiert um die Inflation, langfristig größer als 15%.
  •  Freier Cashflow pro Aktie. Dieser muss positiv sein.
  •  3-Jahres-Durchschnitt der Gewinnspanne muss größer sein als 5%.

Das Portfolio von Fisher Investments

Im folgenden habe ich die Auflistung der 50 größten Holdings, die Ken Fisher aktuell hält. Da das Unternehmen eine milliardenschwere Holding ist, finden natürlich auch eine Vielzahl kleiner Transaktionen statt, die ich hier nicht näher berücksichtig habe. Wiederum kann eine vollständige Auflistung ALLER gehaltenen Unternehmen in den Berichten für die SEC gefunden werden. Beispielsweise im Form 13F der Fisher Asset Management, LLC. Das Form 13F weist für das 3. Quartal 2021 insgesamt 1028 Positionen aus und dokumentiert deren Veränderung. Neben Aktien sind das Auch diverse Fonds und ETF´s, die sich im Portfolio befinden.

Im 3. Quartal 2021 wurden folgende großen Transaktionen abgeschlossen:

Vor allem fallen hier die hohen Zukäufe bei Facebook und AMD auf, auch Amazon ist dabei. Mit dem Vanguard Intermediate-Term Corp Bond Idx Fund ETF, befindet sich auch ein Anleihen ETF unter den großen Käufen.

Podcasts und Literatur von Fisher Investments

Auf der Homepage von Fisher Investments, sind eine Reihe von interessanten Podcasts über das Marktgeschehen zu finden, ebenso zahlreiche Schriftstücke über Anlagestrategien.

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