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GFL Environmental, Inc. – Aktienanalyse

by Peter Merkle

Detailanalyse

Bei einigen Bewertungsverfahren, werde ich Annahmen und Prognosen über zukünftige Entwicklungen des Unternehmens machen müssen. Immer wenn ich Schätzungen machen muss, werde ich versuchen diese unter möglichst konservativen Annahmen zu machen, um keinen zu optimistischen Standpunkt einzunehmen.

SWOT – Analyse

SWOT - Analyse

Stärken:

  • Das Unternehmen ist auf dem kanadischen und US-Amerikanischen Markt beheimatet, zwei der größten und Abfallintensivsten Regionen der Welt und verfügt hier über einen bereits bekannten Namen. Zum Einzugsgebiet gehören alle kanadischen Provinzen und im Moment 27 US-Bundesstaaten.
  • Das Unternehmen bietet eine breite Palette an Umweltschutz-Lösungen, die alle Schwerpunktbereiche der Müllwirtschaft umfassen. Dazu gehören das Einsammeln von privaten, kommerziellen oder Regierungskunden, der Transport, die Zwischenlagerung und das Deponieren, das Recyceln und die weiter Ver- oder Aufarbeitung, inklusive einer teilweisen Verwendung für die Energiegewinnung. Damit bietet das Unternehmen aus einer Hand ein umfangreiches Angebot und kann dies kostensenkend nutzen.
  • Das Unternehmen hat eine bisher sehr erfolgreiche Wachstumsstrategie aufgestellt und verfolgt diese zielstrebig. Das hat zu einer bemerkenswerten Ausdehnung des Firmengebietes geführt und umfasst immer weitere Teile der nordamerikanischen Region.
  • Der Fokus des Geschäfts liegt zu einem großen Teil auf einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft. Daraus hat das Unternehmen eine starke Tendenz entwickelt, möglichst viel angefallene Abfälle wieder zu verwerten oder anderweitig nutzbar zu machen. Beispielsweise idem Bio-Abfälle zur Düngemitteln etc. verarbeitet werden oder der Energiegewinnung dienen, oder indem kontaminierte Böden saniert werden anstatt diese zu deponieren.
  • Laut eigenen Angaben, verfügt GFL Environmental über ein effizientes operatives Geschäft, das dem Unternehmen einen deutlichen Preisvorteil gegenüber Mitbewerbern gibt.

Schwächen:

  • Das Unternehmen ist noch relativ jung und arbeitet nicht profitabel. Erste Schätzungen von Analysten gehen von einer Profitabilität ab dem Jahr 2023 aus.
  • Der Markt für Umweltlösungen bzw. Waste Management ist stark von Konkurrenz geprägt und es gibt eine Vielzahl regionaler und kommunaler Anbieter. Das drückt tendenziell die Margen.
  • Das Unternehmen hat einen hohen Bestand an Fremdkapital, der aktuell bei rund 75 Prozent liegt. Durch die noch nicht erreichte Profitabilität, hat das Unternehmen hier eine entsprechend hohe Zinslast zu tragen, die noch nicht durch das operative Ergebnis gedeckt sind.

Chancen:

  • Das Unternehmen hat gute Chancen, sich weiter auf dem Kanadischen und US-Amerikanischen Markt auszudehnen. Entsprechend könnte sich hier GFL sehr gut weiter etablieren und weiter wachsen. Dazu kommt der Vorteil gegenüber Mitbewerbern, ein größeres Einzugsgebiet zu haben, das Geschäft verteilt sich über die USA und Kanada zu gleichen Teilen. Der größte Konkurrent, Waste Management, erwirtschaftet „nur“ 5 Prozent seiner Umsätze in Kanada.
  • Das Unternehmen könnte auch ein lukrativer Übernahmekandidat für größere Mitbewerber sein, was den Firmenwert stark steigern würde.
  • Der Trend geht stark in Richtung effizienter Umweltlösungen und dem möglichen Wiederverwerten von wertvollen Rohstoffen. Durch den Einsatz immer effizienterer Technologien und durch effizientes Management, kann sich GFL Environmental möglicherweise einen Vorteil gegenüber Mitbewerbern sichern und hier auch eine marktführende Position anstreben.

Risiken:

  • Die starke Übernahmetätigkeit des Unternehmens hat auch zu einem enormen Goodwill in der Bilanz geführt, der sich für das Geschäftsjahr 2020 auf über 41,3 Prozent der Bilanzsumme aufsummiert hat. Das stellt eine Schwäche in der Bilanz dar, denn außerordentliche Abschreibungen könnten hier einen starken Einschnitt verursachen.
  • Der hohe Goodwillanteil in der Bilanz könnte ein großes Risiko darstellen, denn bei außerordentlichen Abschreibungen im Zuge von Neubewertungen der Assets, könnte sich der Firmenwert stark nach untern korrigieren.
  • Da das Unternehmen defizitär arbeitet, besteht das mögliche Risiko, dass es zu einer Insolvenz kommt.

Bewertungsverfahren

Für die Bewertung greife ich in diesem Abschnitt auf verschiedene Verfahren zurück, die mir für das Unternehmen als sinnvoll und aussagekräftig erscheinen. Da eine Bewertung zukünftiger Entwicklungen hier eine wesentliche Rolle spielt, werde ich bei Prognosen, Schätzungen und Annahmen versuchen, wie bereits gesagt, eine möglichst konservative Sichtweise einzunehmen. Dabei muss aber immer berücksichtigt werden, dass ich hier keine explizite Annahme aufstelle, wie sich das Unternehmen nach meiner Ansicht über einen bestimmten Zeitraum in der Zukunft entwickeln wird. Vielmehr versuche ich, auch bedingt durch eher konservative Schätzungen, Szenarien für eine mögliche Entwicklung zu entwerfen, was das Unternehmen theoretisch wert sein könnte, sollte ein bestimmtes Szenario eintreten.

Außerdem lassen sich mit verschiedenen Modellen auch Aussagen darüber treffen, welche Entwicklungen theoretisch eintreten müssten, damit das Unternehmen einen fairen Wert nahe dem aktuellen Kurswert erhalten würde. Inwiefern diese Entwicklungen dann wahrscheinlich und möglich sind, bleibt der Einschätzung jedes Einzelnen überlassen.

Bewertung der Arbeit des Managements

Bewertung der Arbeit des Managements

Um hier eine möglichst fundierte Aussage zu treffen, betrachte ich mehrere Kennzahlen, anhand derer ich eine Einschätzung über die Leistung der Geschäftsleitung treffen will. Ich gebe die Kennzahlen für den Prognose-Zeitraum zwar mit an, diese fließen aber nicht in die Berechnung mit ein. Die Schwäche bei dieser Methode der Managementbewertung liegt in der doppelten Wertung von Unternehmenskennzahlen. Die Finanzkennzahlen des Unternehmens fließen in die Bewertung der Aktie mit ein, daher ergibt sich ein grundlegendes Problem, ein gutes Management anhand derselben Zahlen abzuleiten und das Ergebnis bei der Bewertung eines Unternehmens nochmals zu berücksichtigen.

Erläuterung: Bei allen Kapitalrenditen, nehme ich Werte von > 15% im Durchschnitt, als 100% an. Für die Tilgungsdauer des Fremdkapitals, nehme ich alle Wert von < 1 Jahr als 100%

Da allerdings das Unternehmen aktuell noch unprofitabel ist, muss eine andere Bewertung des Managements herangezogen werden. Allen voran natürlich das schnelle Umsatzwachstum und mit einem Blick auf die Karte, die rasche Ausdehnung der geschäftlichen Aktivitäten.

Faires Kurs-Gewinn-Verhältnis

Faires Kurs-Gewinn-Verhältnis

Dazu ist hier ein interessanter Artikel auf diyinvestor.de zu finden.

Das Verfahren basiert darauf, dass auf ein Sockel-KGV, dem mindesten Vielfachen der Gewinne, zu dem ein Unternehmen bewertet sein sollte, Aufschläge berechnet und addiert werden, die sich nach bestimmten Fundamentaldaten des Unternehmens richten. Für dieses Verfahren muss ich verschiedene Annahmen treffen die sich teils auf Prognosen und Schätzungen stützen. Wo immer ich eine Einschätzung über zukünftige Entwicklungen machen muss, werde ich versuchen eine möglichst konservative Annahme zu treffen.

Da das Unternehmen noch unprofitabel ist, also keine Gewinne erwirtschaftet, habe ich dieses Verfahren in anderer Weise verwendet, um eine Abschätzung der Unternehmensentwicklung herzuleiten. Dazu habe ich nach den Vorgaben des Verfahrens wie ich es verwende, eine theoretisch faires KGV bestimmt und daraus den theoretischen Gewinn errechnet, den das Unternehmen erwirtschaften müsste, damit der aktuelle Aktienkurs von rund 39,05 CA-Dollar fair wäre. Danach habe ich Überlegungen angestellt, welches Wachstum das Unternehmen über einen bestimmten Zeitraum erreichen müsste, um den errechneten Gewinn zu erreichen.

Ergebnis: Aus meinen Überlegungen ergibt sich ein theoretisch faires KGV von rund 20,24 für das Unternehmen, die sich hauptsächlich aus dem hohen Aufschlag für Individuelle Eigenschaften und dem von mir unterstellten, sehr hoch angesetzten Wachstum ergeben. Daraus konnte ich bei einem aktuellen Kurswert der Aktie von 39,05 CA-Dollar, einen Gewinn von rund 695,3 Mio. CA-Dollar errechnen, den das Unternehmen erwirtschaften müsste um diesen Preis zu rechtfertigen.

Ausgehend davon, dass das Unternehmen 2023 mit rund 57,3 Mio. CA-Dollar zum ersten mal gewinnbringend sein wird, würde das Unternehmen über einen Zeitraum von 15 Jahren rund 18,1 Prozent pro Jahr wachsen müssen, um den angepeilten Gewinn zu erreichen. Fraglich bleibt natürlich, ob das Unternehmen mit so einer Geschwindigkeit über einen recht langen Zeitraum wird wachsen können.

Ein Unternehmen vergleichbarer Größe ist hier Waste Connections, die bei einem Umsatz von rund 5,45 Mrd. US-Dollar, rund 204,68 Mio. US-Dollar Gewinn erwirtschaften. Umgerechnet liegt GFL Environmental mit einem Umsatz von 4,31 Mrd. US-Dollar in dieser Größe. Für Waste Connections rechnet man im kommenden Jahr mit Umsätzen von 5,94 Mrd. US-Dollar und Gewinnen um die 788,46 Mio. US-Dollar, was rund 949,29 CA-Dollar entspricht. Ausgehend von den errechneten Gewinnen, wären also bei der aktuellen Firmengröße 695,3 Mio. CA-Dollar an Gewinn durchaus eine mögliche Größenordnung. Dazu liegt das mittlere KGV der Industrie bei rund 18,8, was ein faires KGV von 20,24 realistisch erscheinen lässt. Demnach, könnte der aktuelle Aktienkurs ein möglicher fairer Wert sein, sofern man die Wachstumsannahmen teilt.

Faires Kurs-Buchwert-Verhältnis:

Faires Kurs-Buchwert-Verhältnis:

Erläuterungen über die relative Bewertung mithilfe von Miltiples und Multiplikatoren sind hier auf der Seite diyinvestor.de zu finden.

Ähnlich dem fairen Kurs-Gewinn-Verhältnis sucht die Bewertung mit dem fairen Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) nach einem fairen Aufschlag auf den Buchwert des Zielunternehmens. In die Berechnung fließt das faire KGV als Variable mit ein, um die Eigenkapitalkosten des Unternehmens einzuschätzen. Eine andere Möglichkeit diese Kosten zu berechnen, wäre zum Beispiel das Weighted Average Cost of Capital-Modell zur Berechnung von Kapitalkosten. Ein weiterer Bestandteil, ist der „risikofreie Zinssatz„. Für diesen verwende ich den Zins 10-jähriger US-Staatsanleihen (Treasury Bonds), der hier auf der Seite des U.S. Department of Treasury gefunden werden können.

Dieses Verfahren ist hier nicht anwendbar, da die Berechnungsmethode mit negativen Eigenkapitalrenditen keine sinnvollen Ergebnisse liefern kann.

Gewinnrenditendiskontierung

Gewinnrenditendiskontierung

Mit diesem Verfahren, betrachtet man eine Aktie wie eine Anleihe, mit einem variablen Zinssatz. Hier stellt der Gewinn je Aktie (EPS) den Zinskupons auf den Aktienkurs dar. Dabei kann man das Vorsteuerergebnis verwenden, sowie das Nachsteuerergebnis. Ich unterstelle in diesem Verfahren den EPS ein angenommenes Wachstum über einen bestimmten Zeitraum, berechne die Rendite am prognostizierten Zeitpunkt auf den aktuellen Aktienkurs und zinse diese Rendite mit einem Diskontierungsfaktor auf den heutigen Tag ab. Mittels des Kurs-Gewinn-Verhältnisses berechne ich einen theoretischen fairen Wert je Aktie. Ich beziehe mich im Folgenden auf das Nachsteuerergebnis. Für mögliche faire Werte, die sich aus diesem Verfahren berechnen, berücksichtige ich auch den Buchwert des Unternehmens je Aktie.

Eine beispielhafte Berechnung der gewichteten Kapitalkosten könnte so aussehen:

Ich musste auch hier einige Annahmen treffen. Ich gehe davon aus, dass wieder im Jahr 2023 die Gewinnzone erreicht wird und starte von dort aus meine Berechnung. Ich unterstelle einen Zuwachs der Gewinne je Aktie vor und nach Steuern von rund 20,0 Prozent p.a. und zinse mit einem Faktor von 12,0 Prozent ab. Daraus würde sich dann ergeben, was die Aktie beim Startpunkt 2023 wert sein müsste. Ich rechne mit dem von mir errechneten fairen KGV von 20,24 und über einen Zeitraum von 10 Jahren.

Ergebnis: Wie zu erwarten war, sind die Ergebnisse aus den Berechnungen aktuell stark auseinanderklaffend und kaum aussagekräftig. GFL Environmental wir außerdem keine gerade Entwicklung nehmen, sondern die Ergebnisse werden mitunter stark volatil sein, was die Berechnungen einer weiteren Unzulänglichkeit aussetzt.

Cashflowdiskontierung (Brutto- und Nettoverfahren)

Cashflowdiskontierung (Brutto- und Nettoverfahren)

Bei diesem auf Cashflows basierenden Verfahren, habe ich einmal das Bruttoverfahren (Free Cashflow to Firm) und das Nettoverfahren (Free Cashflow to Equity) angewendet, um einen Zielbereich für einen möglichen fairen Wert zu bestimmen. Als mögliche Wachstumsraten, habe ich auch hier wieder versucht möglichst konservative Schätzungen anzunehmen.

Für viele Schätzungen berücksichtige ich die Mittelwerte der letzten 10 Jahre und ich betrachte in der Unternehmensentwicklung einen Zeitraum über die kommenden 10 Jahre.

Free Cashflow to Firm – Bruttoverfahren:
Free Cashflow to Equity – Nettoverfahren:

Ergebnis: Da mir auch hierfür entscheidende Beobachtungen fehlen, einfach Aufgrund der noch jungen Börsengeschichte des Unternehmens, kann ich keine brauchbaren Annahmen über die Entwicklung der Firma treffen.

Dividendendiskontierung

Dividendendiskontierung

Das Dividend Discount Model (DDM) ist ein einfaches Verfahren zur Bestimmung des theoretisch fairen Wertes einer Aktie. Es eignet sich gut für die Bestimmung des fairen Wertes von Dividendenaktien, geht aber von der Annahme eines vollkommenen Kapitalmarktes aus. Die zukünftigen Dividendenzahlungen werden mit einem Eigenkapitalkostensatz abgezinst (diskontiert). Man erhält so den fairen Wert der Aktie bzw. den gegenwärtigen Wert des Eigenkapitals je Aktie. Das Dividend Discount Model ist eine Unterform des Discounted Cash-Flow (DCF), wobei man hiefür die Dividende anstelle der Gewinne eines Unternehmens für die Berechnungen heranzieht. Für die Berechnung unterstelle ich den Dividenden ein angenommenes Wachstum über einen bestimmten Zeitraum, in meinem Fall 15 Jahre, sowie einen Terminal Growth, der auch als „ewige Wachstumsrate“ bezeichnet wird. Die so berechneten Dividendenerträge zinse ich mit einem Diskontierungsfaktor auf den heutigen Tag ab, das 1 Dollar heute mehr wert ist, als 1 Dollar in 15 Jahren. Die abgezinsten Dividenden je Aktie werden anschließend aufsummiert. Dazu gibt es hier noch einen Artikel auf finanzsenf.de.

Ergebnis: Dividenden werden zwar ausgeschüttet, aber ich halte das Unternehmen als Dividendenzahler für unreif und daher die Dividenden als Grundlage für eine mögliche Bewertung für nicht aussagekräftig.

Abschätzung eines fairen Wertes

Abschätzung

In diesem gesonderten Abschnitt, versuche ich eine Einschätzung über den fairen Wert und eine mögliche Über- oder Unterbewertung der Firma zu treffen. Dazu treffe ich wiederum einige Annahmen, wie das Unternehmen von heute an in 10 Jahren wirtschaften könnte. Dazu schätze ich den Umsatz, den das Unternehmen im Jahr 2030 erwirtschaften könnte und lege eine Branchentypische, also mittlere Gewinnmarge (Nettomarge) zugrunde. Außerdem treffe ich Annahmen über das Kurs-Gewinn-Verhältnis.

  • Umsatz im Jahr 2030: 9,0 Mrd. CA-Dollar
    Der Umsatz des Unternehmens liegt für das Jahr 2020 bei rund 4,551 Mrd. CA-Dollar. Um auf einen Umsatz von rund 9,0 Mrd. CA-Dollar zu kommen, müsste der Umsatz um rund 7,3 Prozent p.a. wachsen. Dieses Szenario schätze ich als realistisch ein, betrachtet man das schnelle Wachstum des Unternehmens.
  • Nettomarge im Jahr 2030: 5,0 Prozent
    Das ist nahe am Branchendurchschnitt von etwa 4,25 Prozent.
  • Kurs-Gewinn-Verhältnis: 20,24 (faires KGV)
  • aktuelle Marktkapitalisierung: 12,7 Mrd. CA-Dollar

Aus den angenommenen Gewinnmargen errechnet sich ein Gewinn im Jahr 2030 von rund 450 Mio. CA-Dollar. Dividiert man nun die aktuelle Marktkapitalisierung der Firma von rund 12,7 Mrd. CA-Dollar durch die 450 Mio. CA-Dollar an erwarteten Gewinnen, erhält man ein Kurs-Gewinn-Verhältnis für den angepeilten Zeitpunkt 2030. Dieses liegt bei rund 28,2. Dem stelle ich ein theoretisch faires KGV von 20,24 gegenüber und kann somit eine Einschätzung erhalten, dass das unternehmen eine Überbewertung aufweist.

Ich habe eine weitere Annahme getroffen, bei der ich ein besseres Szenario angenommen habe. Ich habe damit gerechnet, dass das Unternehmen folgende Ergebnisse erzielen könnte:

  • Umsatz im Jahr 2030: 11,13 Mrd. CA-Dollar
    Das würde einem Wachstum von 9,6 Prozent p.a. entsprechen über die nächsten 10 Jahre.
  • Nettomarge im Jahr 2030: 6,0 Prozent
    Daraus berechnen sich Gewinne von rund 667,8 Mio. CA-Dollar.

Bei gleicher Marktkapitalisierung würde sich ein KGV von 19,0 für 2030 ergeben. Dieses Szenario würde zu einem fairen Ergebnis führen, bzw. würde die aktuelle Bewertung des Unternehmens als fair darstellen.

Dazu ein Artikel, der unter dem Titel „Eine einfache Regel, um junge, aufstrebende Wachstumsaktien zu bewerten“ auf The Motley Fool veröffentlicht wurde.

Bewertung durch Simplywall.st

Zusammenfassung und Fazit

Zusammenfassung und Fazit

Das Unternehmen GFL Environmental, Inc. beschäftigt sich mit den so genannten Umweltlösungen, der Branche Waste Managment. Im deutschen Sprachraum meist einfach Müllabfuhr genannt, bewirtschaftet das Unternehmen den Abtransport, die Sammlung, das sortieren, trennen, recyceln und die Wideraufbereitung von Abfällen verschiedener Herkunft und Gefährlichkeit. Wie das Unternehmen selbst beschreibt, soll der Kunde, privat, kommerziell oder staatlich, alles aus einer Hand beziehen können. Das Unternehmen verfügt über ein junges Management und hier fallen zuerst positiv der Gründer und CEO Patrick Dovigi und der ebenfalls relativ junge CFO Luke Pelosi auf, die eine Übernahme- und Wachstumsstrategie für das Unternehmen formuliert haben, die mit großem Erfolg umgesetzt wird. Daneben leitet der COO Greg Yorston, 56 jährig, das operative Geschäft vom Standort der übernommenen Waste Industries in Raleigh in North Carolina aus. Yorston kann als Veteran im Bereich Waste Management beschrieben werden, der rund 30 Jahre Berufserfahrung hat. Einen Mitarbeiter mit hoher Erfahrung für das operative Geschäft heranzuziehen, halte ich für eine sehr gute Wahl, da hier ein hoher Erfahrungsschatz für das Tagesgeschäft sehr von Vorteil sein kann. Negativ beim Management muss hier, mit Blick auf den CEO, die hohe Gewährung von Aktienoptionen als Hauptbestandteil der Bezahlung betrachtet werden. Hauptmerkmalen der Branche sind der relative Rezessionswiderstand, die hohe Sichtbarkeit der Abfallmengen, ein strenger regulatorischer Rahmen, eine hohe Kapitalintensität zur Erreichung der Größenordnung und eine erhebliche Fragmentierung, die wiederum zu einer starken Konsolidierungsaktivität geführt hat. Hier besteht auch für das Unternehmen die Möglichkeit, weiter zu wachsen und mehr Geschäft zu akquirieren.

Positiv ist mir hier folgendes aufgefallen: Das Unternehmen hat von 2019 auf 2020 rund 2.224,8 Mio. CA-Dollar an Sachanlagevermögen erworben. Die Gesamtschuldenlast ist im gleichen Zeitraum allerdings nur um rund 494,8 Mio. CA-Dollar gewachsen. Das Gesamtanlagevermögen (Total Asstes), wuchs um insgesamt 3.798,3 Mio. CA-Dollar. Der größte Teil davon sind Zuwächse beim Sachanlagevermögen, rund 2.224,8 Mio. CA-Dollar. Die Finanzierung ermöglichten rund 5.049 Mio. CA-Dollar aus der Ausgabe von Aktien, wie aus dem Cashflow Statement hervorgeht. Außerdem wird dort auch ersichtlich, dass bereist mit der Schuldentilgung begonnen wurde.

Aus dem Cashflow-Statement ist außerdem ersichtlich, dass das Unternehmen im Jahr 2020 bereits einen positiven Free-Cashflow von rund 182,4 Mio. CA-Dollar erreicht hat. Auf Cashflow-Seite befindet sich das Unternehmen also auf einem guten Weg. Negativ in diesem Teil muss allerdings auf den zuletzt angestiegenen Nettoverlust des Unternehmens verwiesen werden, der sich von einem Minus von 451,6 Mio. in 2019 auf rund -1.008,6 Mio. CA-Dollar mehr als verdoppelt hat. Auch der hohe Goodwill-Anteil von über 41,3 Prozent ist kritisch zu betrachten. Ein weiterer Kritikpunkt sind die horrenden Kosten, die aktuell für den Umsatz anfallen und die daraus fallende Bruttomarge. Die Bruttomarge liegt aktuell bei rund 4,5 Prozent und ist hier von einem Hoch von 12,3 Prozent im Jahr 2017 gefallen. Daraus sehe ich das Problem für die Firma, dass sie die Umsätze steigern und die Kosten gleichzeitig senken müssen. Eine niedrige Bruttomarge lässt dem Unternehmen zu wenig Spielraum, um bei einer sich möglicherweise verschärfenden Wettbewerbssituation noch profitabel zu wirtschaften.

Insgesamt gefällt mir die Aufstellung des Unternehmens aber doch recht gut, auch wenn die Risiken nicht von der Hand zu weisen sind. Der Firmenerfolg wird maßgeblich davon abhängen, ob es dem Unternehmen gelingen wird weiter zu wachsen und dabei die verbundenen Kosten zu reduzieren. Dazu schreibt das Unternehmen wiederum in seinem Geschäftsbericht folgendes:

Steigerung der Betriebskosteneffizienz
In jedem unserer geografischen Märkte wird unsere starke Wettbewerbsposition durch die erheblichen Kapitalinvestitionen unterstützt, die zur Nachbildung unserer Netzwerkinfrastruktur und unserer Anlagen erforderlich sind, sowie durch strenge Genehmigungs- und Einhaltungsvorschriften. Während wir unsere Wachstumsstrategien umsetzen, beabsichtigen wir, unser skalierbares Netzwerk weiterhin zu nutzen, um Kunden über mehrere Servicelinien hinweg zu gewinnen und zu binden, operative Effizienz zu erzielen, die die Steigerung der Betriebsmarge vorantreibt, und Beschaffungs- und Kostensynergien zu realisieren.

Es ist auch von entscheidender Bedeutung, dass wir unsere skalierbaren Fähigkeiten weiterhin nutzen, um die Steigerung der operativen Marge voranzutreiben und Kostensynergien zu realisieren. Dazu gehört die Nutzung der Kapazität unserer bestehenden Einrichtungen, Technologieprozesse und Mitarbeiter, um zukünftiges Wachstum zu unterstützen und Skaleneffekte zu erzielen, sowie die Erhöhung der Streckendichte und die Bedienung neuer Vertragsgewinne mit unserem bestehenden Netzwerk von Anlagen und Flotte, um die Rentabilität jedes einzelnen von unsere Geschäftsbereiche. Unser Erfolg hängt auch von unserer Fähigkeit ab, weiterhin strategische Investitionen in unser Geschäft zu tätigen, einschließlich erheblicher Kapitalinvestitionen in unsere Einrichtungen, Technologieprozesse und Verwaltungskapazitäten, um unser zukünftiges Wachstum zu unterstützen. Unsere Fähigkeit, unsere Betriebsmargen und unsere Verkaufs-, allgemeinen und Verwaltungskostenmargen zu verbessern, indem wir eine strenge Disziplin in unserer Kostenstruktur beibehalten und unsere Praktiken zur Kostenkontrolle und Effizienzsteigerung regelmäßig überprüfen, wird sich auch auf unsere Betriebsergebnisse auswirken.

Fazit: Als durchaus interessanten Kandidaten würde ich GFL Environmental zum aktuellen Kurs in kaufen und in mein Depot aufnehmen. Das Unternehmen gefällt mir im großen und ganzen, wobei ich die fundamentale Situation aber als das maßgebliche Risiko betrachten muss. Da mein Depot selbst eher weniger Risiko lastig ist, kann ich mir dieses im Falle von GFL leisten. Der Hauptgrund für meine Einstellung zugunsten von GFL, liegt in der bisher sehr guten Arbeit des Managements. Ausgehend davon, dass das Unternehmen weiter gut wird wachsen können und die Profitabilität erreicht, halte ich einen Preis von 39,05 CA-Dollar pro Aktie für durchaus fair. Alles steht und fällt hier mit der zukünftigen Entwicklung der Firma und der zu erreichenden Profitabilität. Positiv kann man in diesem Zusammenhang noch die freien Cashflows betrachten, die im Jahr 2020 bereits positiv waren.

Ich hoffe die Analyse war interessant zu lesen

Peter Merkle

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