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Erkennen von Panikzeichen

by Peter Merkle

Im letzten großen Bericht von Modern Value Investing, haben wir uns mit Optionen als Finanzinstrument beschäftigt und haben auch einen genauen Blick auf mögliche Verfahren geworfen, einen möglichst schnellen und umfassenden Blick auf die Gesamtlage der Märkte zu bekommen. Darauf aufbauend, können wir auch über eine Betrachtung der Marktlage auf mögliche panische Tendenzen schließen. Panik in einem Markt oder im gesamten Marktgefüge, können für den richtig positionierten Investor eine gute Chance sein, um hohe Gewinne zu realisieren. “Panik” ist dabei ein recht weit gefasster Begriff und bezieht sich hauptsächlich darauf, dass über den gesamten Finanzmarkt ungewöhnliche Tendenzen zu sehen sind und bestimmte Kennzahlen extreme Bewegungen oder Werte aufweisen.

Im folgenden Artikel beschäftigen wir uns damit, welche Indikatoren und Zeichen wir als “Panikzeichen” definieren und welche Bewegungen wir als panisch betrachtet können.

Panikzeichen

Ich gehe im Folgenden auf 5 Zeichen ein, die man als Indikator für Panik im Markt heranziehen kann, bzw. wie man sie als Anzeichen für eine wieder abnehmende Panik im Markt verwenden kann. Als Investor besteht mein Interesse darin, einen Punkt auszumachen, an dem ich von einer sich beruhigenden Lage ausgehen kann um evtl. Investitionen vorzunehmen um von einer sich erholenden Situation zu profitieren.

VIX 3-Punkte Umkehr

Langzeit VIX, VIX Average = 19,48; Quelle: https://www.cboe.com/tradable_products/cboe_minis/vix_mini_vix/

Der VIX (CBOE Volatility Index) ist ein synthetischer Index, der von der Chicago Board of Option Exchange (CBEO) alle 10 Sekunden berechnet wird und der die erwartete (implizite) Schwankung des S&P 500 Index bemisst. Das geschieht anhand von Optionspreisen auf den S&P 500 über 30 Tage und wird in Prozentpunkten angegeben. Er wird auch als “Angstindikator” bezeichnet. Ein hoher Wert weist auf einen unruhigen Markt hin, niedrige Werte lassen eine Entwicklung ohne starke Kursschwankungen erwarten.

Der VIX liegt im Durchschnitt von 1990 bis heute bei etwa 19,48 Prozent. Er hat hier also seinen Mittelwert und man kann bei einem sehr stark gestiegenen Wert, der weit über diesem langfristigen Mittel liegt erwarten, dass er sich dem Mittelwert wieder annähern wird.

Beispiel, VIX zwischen 01.02.2020 und 01.07.2020; Zuerst ein starker Anstieg, danach eine Rückkehr in Richtung Mittelwert (auf Wochenbasis)

Ein erstes Anzeichen für eine abnehmende Panik im Markt, ist die VIX-3-Punkte-Umkehr.

Notiert der VIX auf seinem Hoch über 25 (oder darüber), muss er mindestens 3 Punkte zu seinem Schlusskurs auf Tagesbasis fallen um als Einstiegssignal gewertet zu werden.

Ein Praxisbeispiel: Der VIX notierte am 26. Januar auf einem Schlusswert von 31,95. Am 27. Januar, lag das Hoch bei 33,00, der Schlusskurs bei 30,48. Die 3-Punkte Umkehr war also noch nicht erfüllt. Am 28. Januar lag das Hoch bei 32,82, der Schlusswert bei 27,65. Damit wäre die 3-Punkte-Umkehr erfüllt gewesen und es wäre ein erstes Mosaiksteinchen vorhanden.

Dieses Beispiel ist eher für kurzfristig orientierte Anleger von Bedeutung, da ein langfristiger Investor ein Interesse daran hat, zu sehr günstigen Bedingungen zu kaufen, also mitunter in Situationen, die man als Crash bezeichnen könnte. Also in Lagen wie im Frühjahr 2020. Hier hatte der VIX ein Hoch von über 85. In so einer Situation ist es für den langfristigen Investor also sehr interessant, wenn er über den VIX eine Indikation hat, ob die Panik jetzt wieder abflaut.

VVIX (Volatilität der Volatilität)

Der VVIX bezieht sich auf den VIX und bemisst dessen Schwankung. Hier kann ein Panikzeichen gefunden werden, wenn der VVIX auf einen Wert von über 130 bis 140 steigt. Dann kann man sagen, dass die Volatilität regelrecht am kochen ist. Wenn allerdings die Panik wieder nachlässt und der VIX und im weiteren Verlauf damit auch der VVIX wieder sinken, hat man ein mögliches weiteres Signal für einen Einstieg in den Markt.

CNN Money Fear and Greed Index

Die Entwicklung des Fear and Greed Index, gibt in panischen Marktlagen ebenfalls Aufschluss darüber, ob eine Entspannung einsetzt. Wiederum kann man hier im Frühjahr 2020 einen starken Tiefpunkt des F&G Index erkennen, als der Aktienmarkt auf voller breite eingebrochen ist. Gefolgt von einer längeren Erholungsphase. Man kann den Index also als weiteren Indikator für eine Erholung nutzen.

Man kann die Panikzeichen hier einsetzen, um mögliche Tiefstände im Markt zu erkennen. Beim ersten Anstieg nach einem Einbruch, baut sich bereits sehr viel Volatilität (Angst) ab. Aber beispielsweise sind Put-Optionen in so einer Situation immer noch teuer, da immer noch ein hohes Absicherungsbedürfnis im Markt ist, was für den Optionshandel natürlich von hohem Interesse ist.

>90% Down Volumen

  • Up Volumen: Masse der gehandelten Aktien gehen mit steigenden Kursen einher
  • Down Volumen: Masse der gehandelten Aktien gehen mit sinkenden Kursen einher

Dieser Punkt bezieht sich auf das gehandelte Volumen, beispielsweise einer Aktie oder auch eines ganzen Index. Wenn 90% des gehandelten Volumens fallend sind, kann hier schon ein Extrempunkt vorliegen. Beispielsweise können Informationen über solche Bewegungen auf barchart.com gefunden werden.

Man kann also versuchen Extrema zu erkennen in der Volumenbewegung.

Put/Call Ratios

Das Put/Call Ratio gibt das Verhältnis zwischen den gehandelten Put- und Call-Optionen an. Man kann hier zuverlässige Daten auf der Homepage der CBOE, der größten Optionsbörse der Welt finden.

P/C Ratios von unter 1 sind dabei bullisch zu werten, denn es werden mehr Call Optionen gehandelt als Put-Optionen. Entsprechend sind P/C Ratios von über 1 als bärisch zu werten, denn das Absicherungsbedürfnis spiegelt sich hier in mehr gehandelten Put-Optionen wieder. Vor allem in Extremsituationen am Aktienmarkt, steigt das P/C Ratio entsprechender Märkte sehr stark über 1 und kann hier hohe Extremwerte ausbilden, die als Indikation nutzbar sind.

Man kann hier sagen, dass die P/C Ratios des S&P 500 und (im obigen Beispiel bei 1,43), von über 1,40 als mögliches Paniksignal aufgefasst werden können. Hier kommen auf 100 Call-Optionen rund 140 Put-Optionen, es ist als sehr viel “Angst” im Markt. Bei diesen Ratios ist auch die Veränderung während des Handelstages interessant.

Extremwerte bei P/C Ratios treten häufig in der Nähe von Tiefpunkten auf, sind daher als Indikator für Panik im Markt und für abnehmende Panik im Markt verwertbar.

New Highs, New Lows

Das Verhältnis von neue gemachten Hochs, beispielsweise 52-Wochen-Hochs, zu neuen Tiefs, kann ebenfalls als Panikzeichen verwendet werden. Hat man hier Verhältnisse, dass auf 1 neues Hoch 100 neue Tiefs kommen, liegt ein Panikzeichen vor.

Beispielsweise haben wir zum Ende des Handelstages am 02.02.2022, 60 neue Hochs an der New York Stock Exchange, zu 10 neuen Tiefs. Damit liegt hier gerade kein Zeichen für Panik vor.

Im Februar 2020, hatten wir hier Extremwerte vorliegen, von ca. 2 neuen Hochs, zu über 580 neuen Tiefs die gemacht wurden. Ein deutliches Panikzeichen.

MERKE: Die hier skizzierten Panikzeichen sollten immer in Kombination miteinander betrachtet werden und sollen vor allem für Extremsituationen als mögliche Indikatoren für eine abnehmende Extremlage gesehen werden. Es werden mit hoher Wahrscheinlichkeit nie alle Zeichen zeitgleich auftreten, aber es kann zu Clustern von Signalen kommen.

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