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Die neuesten Entwicklungen am Energiemarkt

by Peter Merkle

In den vergangenen Tagen und Wochen, ist das Thema der Energie immer stärker in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Nicht nur staatliche Institutionen und Unternehmen, sondern zunehmend spüren auch private Haushalte den steigenden Druck, der sich hier aufbaut. Grund genug also, dass wir uns bei Modern Value Investing mit diesem Thema beschäftigen.

Neben Erdöl und Kohle, die nach wie vor die wichtigsten Energierohstoffe darstellen, ist das Interesse an Erdgas besonders hoch. Vor allem mit Blick auf die Bundesrepublik Deutschland. Deutschlands Anteil am Bruttoinlandsprodukt der EU, lag 2020 bei rund 25,2 Prozent. Damit ist die Bundesrepublik das wirtschaftliche Schwergewicht der EU und durch seine Energiepolitik zeitgleich das am stärksten Gefährdete Land. Darum betrachten wir die Energie und die damit in Verbindung stehenden Märkte, verstärkt aus deutscher Sicht.

Der Primärenergieverbrauch in Deutschland

Für das Jahr 2021, gab die AG Energiebilanzen e.V. folgende Informationen heraus:

Das bildet die gesamte Nachfrageverteilung an Energie ab, die für die Erzeugung von Strom, Wäre und Mobilität 2021 in Deutschland aufgerufen wurde. Erdgas lieferte hier 26,7 Prozent der Energie. Insgesamt benötigte Die BRD in 2021 12.193 Petajoule an Energie, was rund 416,1 Millionen Tonnen Steinkohleeinheiten entspricht.

Erdgas als Nadelöhr der Energiepolitik

Die Versorgung mit Erdgas ist die zentrale Achse, mit der die von Deutschland forcierte Energiewende ermöglicht werden sollte. Wegfallende Stromversorgung durch Kohle und Atomkraft, sollte durch Erdgasverstromung ersetzt werden. Mit dem am 24. Februar 2022 beginnenden Angriff der russischen Föderation auf die Ukraine, kann dieses Vorhaben als gescheitert betrachtet werden. Aus Russland wird rund die Hälfte der deutschen Gaslieferungen importiert. Die Hälfte der Importe wird auch von der Industrie nachgefragt. Hier dient Erdgas auch als wichtiges Prozessgas. so teilte der BASF-Chef Martin Brudermüller bereits mit, dass bei einem Ausfall von russischen Gaslieferungen das Stammwerk in Ludwigshafen nicht mehr sicher betrieben werden kann.

Bereits letzte Woche, wurden die Importe aus Russland um insgesamt 60 Prozent reduziert. Das hat die Debatte um die Energiesicherheit erneut entfacht und zugespitzt. Die Lieferreduzierung wurde von offizieller Seite mit dem fehlen einer in Kanada in Reparatur befindlichen Turbine begründet, die wegen der laufenden Sanktionen nicht geliefert werden kann.

Sollten die Gaslieferungen aus Russland vollständig ausfallen, würde die Lücke im kommenden Winter voraussichtlich rund 109 Mrd. Kubikmeter betragen. Insgesamt wurden 2021 etwa 360 Mrd. Kubikmeter Erdgas in die EU importiert. Als wirtschaftlicher Motor der EU, besteht hier ein horrendes Risiko, dass Deutschland enormen wirtschaftlichen Schaden erleiden könnte.

Die angedachte Substitution von russischem Erdgas durch Flüssiggas aus den USA, Katar oder möglicherweise auch Kanada, scheint aus mehreren Gründen keine Aussicht auf schnelle Linderung des Problems zu bieten.

  • Katar gab bereits bekannt, dass seine Kapazitäten auf Jahre ausgelastet sind.
  • Die Tankerflotte mit der Fähigkeit LNG zu transportieren, ist ebenfalls ausgebucht und die benötigten Kapazitäten können nicht kurzfristig gebaut und in Dienst gestellt werden. Hier stellt sich auch das Problem, dass diese Tanker nicht in Deutschland oder der EU gebaut werden können.
  • Die USA können ebenfalls nicht ausreichend liefern, hier kam es zuletzt außerdem am 09.06.2022 zu einer Explosion in einem LNG Termial in Texas, das für mehrere Wochen ausfällt.
  • Die Gesamtkapazität von Katar würde gerade einmal reichen, um den Bedarf der Bundesrepublik zu decken, der Rest der EU ist hier noch gar nicht berücksichtigt.

Energie wird eine Mangelware

Die Sanktionspolitik einiger Staaten gegen Russland geriet in den letzten Tagen ebenfalls immer wieder in die Kritik. Aktuell kann die russische Föderation die Sanktionen kompensieren oder aushalten, während vor allem die EU Mitglieder den schwersten Schaden durch die eigenen Sanktionen erleiden. Ein härterer Effekt konnte auch deswegen nicht erzielt werden, weil ein Großteil der Staaten sich an diesen Sanktionen nicht beteiligt. Daraus resultieren eine Reihe an in sich unlogischen Entwicklungen. Eines der prominenten Beispiele der vergangenen Woche war die Entscheidung, dass die EU kein russisches Öl mehr beziehen möchte, dieses dann aber von Indien aufgekauft und teurer an die EU weiter verkauft wurde.

Dieses und weitere Entwicklungen selbiger Art, haben die Preise für Energie in die Höhe getrieben und Energierohstoffe selbst zu einer Mangelware werden lassen. Erdgas, Erdöl, Kohle und Benzin werden zusehends teurer:

Entsprechend haben sich auch die Strompreise entwickelt. Wieder betrachten wir die Produktion und die Strompreise für die Bundesrepublik Deutschland:

Im Jahr 2021 haben sich die aufgerufenen Preise pro Megawattstunde Strom im Jahresverlauf verdreifacht. Einen nicht unwesentlichen Anteil an dieser Entwicklung, haben die Kosten für CO2 Zertifikate. Der Handel mit diesen Zertifikaten hat alleine eine Verdopplung bis Verdreifachung der Strompreise ausgelöst. Anfang 2022 waren rund 93,80 Euro je Tonne CO2 zu bezahlen. Hier muss angemerkt werden, dass diese Kosten nach dem Willen der regierenden Koalition weiter steigen sollen.

Weitere Gefahren für die Wirtschaft von Deutschland und der EU

Die mittlerweile akuten Mangelerscheinungen in der Versorgung mit Energie, stellen zur Stunde das schwerwiegendste und möglicherweise gravierendste Problem von Deutschland und damit zusammenhängend der EU dar. Denn es ist unstrittig, dass ein abstürzen der Deutschen Energie und der damit verbundenen Bonität, ein für das Euro-System kaum zu tragender Schaden sein würden.

Dazu zeigen sich nun immer Stärker planwirtschaftliche Lösungsversuche von Regierungsseite. Aber bereits vor den Gesprächen über mögliche Zuteilungen von Erdgas und anderen Notstandsentscheidungen, zeigt sich eine fatale Tendenz planerischer Wünsche. Musterhaft zu betrachten, in den Anlagen 2 und 3 zu §4 des Bundes-Klimaschutzgesetzes:

Hier sollen die maximal zulässigen CO2 Emissionen verschiedener Wirtschaftszweige genau geregelt werden, inklusive deren planwirtschaftliche Reduzierung.

Diese Pläne dürften mit der nun angedachten Reaktivierung (vorerst “zeitweise” Reaktivierung) von Kohlekraftwerken aber bereits Makulatur sein.

Für die Entwicklung der Wirtschat in Deutschland und der EU, lässt diese Gemengelage nichts gutes erwarten. Wichtige Industriezweige hängen an der Versorgung mit Erdgas und in Erweiterung an erschwinglicher Energie in Form von Strom. Beide Punkte stellen ein akutes Problem dar.

Zusammenfassend muss ich daher sagen, dass ich hier in kurzer Frist noch eine starke Erschütterung im wirtschaftlichen Gefüge der Europäischen Union erwarte und daher auch für die Gemeinschaftswährung Euro, sowie für die politische Stabilität starke Verwerfungen erwarte.

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