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Die Auswirkungen von Krieg auf die Märkte

by Peter Merkle

Im neuen Marktbericht von Modern Value Investing, betrachten wir das Gesamtbild der Rohstoffmärkte. Mit dem Angriff des russischen Militärs auf die Ukraine, der am 24. Februar 2022 begann, hat sich eine fatale Entwicklung an den Märkten entfaltet. Es gibt nahezu keinen Rohstoff, der im Verlauf der letzten Woche keine Preissteigerungen erlebt hat. Angefangen bei Energieträgern wie Öl, Erdgas oder Kohle, bis hin zu Agrargütern wie vor allem Weizen, sind die Weltmarktpreise enorm gestiegen. Der Krieg in der Ukraine hat eine enorme Verunsicherung ausgelöst und in diesem Zusammenhang die Aktien- und Finanzmärkte schwer belastet, sowie die Rohstoff-Versorgung vieler Nationen ins Chaos gestürzt.

In diesem Artikel werden wir auf die Auswirkungen des Krieges in Europa auf die Weltmärkte eingehen und versuchen Verbindungen darzustellen und Entwicklungen abzuleiten. Dabei konzentrieren wir uns auf einige Schlüsselrohstoffe, die gerade von gesteigertem Interesse sind.

Die Energiemärkte im Chaos der globalen Entwicklung

Vor allem die Preise für Erdöl, Erdgas und Kohle sind sehr stark gestiegen. Der Krieg in der Ukraine hat hier eine Fatale Abhängigkeit, vor allem der Staaten der europäischen Union, ans Licht befördert. Wichtige Pipelinestränge verlaufen durch das aktuelle Krisengebiet. Dazu kommen die politischen Verwerfungen, die der Angriff Russlands, des Hauptexporteurs von Erdgas für die Bundesrepublik Deutschland (55 % des Bedarfs), heraufbeschworen hat. Die neue Nord Stream 2 Pipeline wird vorerst nicht in Betrieb genommen.

Wie auf der Webseite Tradeeconomics zu sehen ist, haben die Preise aller Energie-Rohstoffe starke Preissprünge zu verzeichnen. Der hohe Energiebedarf, der schon vor der aktuellen Krise ein Problem vieler westlicher Staaten war, hat sich im Verlauf von nur 7 Tagen dramatisch zugespitzt.

Der S&P GSCI Index, der 24 verschiedene Futures umfasst, die an Warenterminbörsen gehandelt werden, ist ebenfalls stark gestiegen. Der Index bewegt sich heute auf einem historischen Höchststand. Daraus lässt sich schließen, dass über einen breiten Rohstoffkorb hinweg, die Preise aktuell unkontrolliert weiter steigen.

Aus der Entwicklung an den Energiemärkten ergibt sich ein erstes Problem. Energie wird teuer! Damit verteuert sich auch der Produktionsprozess zahlreicher Güter, was wiederum steigende Preise zur Folge haben kann, oder auch den Produktionsstillstand, sollten die benötigten Energieträger nicht in ausreichender Menge verfügbar sein.

Bereits jetzt zeigen sich die ersten politischen Auswirkungen dieser Entwicklung. So hat der deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck (B90 Grüne) nicht mehr ausgeschlossen, auch Kohlekraftwerke in Reserve zu halten um die Situation zu bewältigen. Es reichte in einem Interview nicht einmal für eine Ablehnung der Atomkraft.

Aber nicht nur als Energieträger ist Erdgas essentiell, vielleicht sogar noch wichtiger ist seine Bedeutung als Rohstoff, beispielsweise für die Düngerproduktion. Auch die Preise für Dünger sind zuletzt stark gestiegen und ein Erdgasmangel könnte hier noch weitreichende Folgen für die Lebensmittelproduktion entfalten.

Die Märkte für Weizen und andere Lebensmittel

Hier fällt vor allem Weizen auf. Das Grundnahrungsmittel, das auch in großen Mengen in der Ukraine für den Export erzeugt wird, ist im Preis sehr stark gestiegen.

Die Ukraine stellt insgesamt 11,5 Prozent des weltweiten Weizen-Exports, Russland weitere 16,8 Prozent. Mit den momentanen Verwerfungen, stehen damit etwa 28 Prozent, also über ein Viertel der weltweiten Exporte an Weizen in Frage. Die Ukraine produzierte im Jahr 2020/21 rund 26,5 Mio. Tonnen Getreide. Der osteuropäische Staat exportiert auch große Mengen auf den afrikanischen Kontinent. Mit dem nun ausgebrochenen Krieg und den schnell steigenden Lebensmittelpreisen, besteht auch die reale Gefahr einer Hungersnot, vor allem für afrikanische Länder.

Die Situation ist auch in Deutschland bereits spürbar, viele Firmen wollen in nächster Zeit die Preise für ihre Produkte erhöhen.

Die Goldmärkte deuten auf ein hohes Sicherheitsbedürfnis

Mit dem beginnenden Krieg, haben sich vor allem die Goldpreise als Krisensicherung bewiesen. In US-Dollar ist der Goldpreis aktuell bei rund 1932 US-Dollar je Feinunze Gold.

Im selben Atemzug muss man auch die Währungsmärkte betrachten. Der russische Rubel hat bereits massiv an Wert verloren, aber auch an den meisten anderen Währungen geht die aktuelle Entwicklung nicht spurlos vorüber. Zur Stunde steht bereits eine mögliche Zinswende wieder in Frage und der Chef der US Federal Reserve, Jerome Powell, kündigte schon geringere Zinssteigerungen an.

Damit dürfte auch die Inflation weiter zulegen.

Eine unfreundliche Gesamtlage

Zusammenfassend kann man also von keiner guten Lage sprechen. Europa hat mit dem Krieg in der Ukraine einen schweren Schlag bei der Energie- und Lebensmittelversorgung erlitten, dessen Ausmaß noch nicht absehbar ist, die Preise aber bereits beeinflusst. Dazu kommt noch die Schwäche der Währung, die wirtschaftlichen Schäden seit 2020 und schließlich unsichere Verteidigungslage, für die exemplarisch die deutsche Bundeswehr steht.

Nach meiner Einschätzung steht die Situation gerade an einem äußerst gefährlichen Punkt, denn soweit ich das überblicke, werden die steigenden Preise bei Energie und Lebensmittel, sowie der währungspolitische Amoklauf der EZB über kurz oder lang zu schweren sozialen Verwerfungen führen, sowie zu wirtschaftlichen Schäden, die die Sozialstaaten der westlichen Welt aufs äußerste oder vielleicht sogar über ihre Grenze hinaus belasten werden.

Für den Moment, wo noch keine Entspannung der Lage im Osten zu erkennen ist, ist äußerste Vorsicht an den Märkten geboten. Kriege haben immer die Tendenz, dass sie unvorhersehbare Ereignisse mit sich bringen. Mit einem bewaffneten Konflikt auf dem Boden Europas, ist eine direkte Bedrohung wichtiger Versorgungslinien entstanden und je nach Fortlauf der Lage, ist es unmöglich hier abzusehen, was an den Märkten passieren wird.

Aktuell sind Rohstoff- und Goldwerte die Gewinner der Situation.

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