Home Marktbericht Der Marktreport #6 – Der Markt für Baustoffe

Der Marktreport #6 – Der Markt für Baustoffe

by Peter Merkle

Das Thema – Baustoffe

Im neuen Marktreport beschäftigen wir uns dieses Mal mit dem Markt für Baustoffe. Passend zu unserer neuen Analyse zu Vulcan Materials Co. Der Markt für Baustoffe hat, analog wie die meisten anderen Warenterminmärkte, beispielsweise für Bauholz und andere Soft´s sowie Lebensmittel, einen zuletzt sehr starken Anstieg der Preise über alle Produktgruppen hinweg gesehen. Einer der maßgeblichen Gründe, warum ein Unternehmen wie Vulcan Materials interessant sein könnte, ist neben dem groß angelegten US-Konjunkturprogramm, das Investitionen von rund 2 Billionen US-Dollar über 8 Jahre in Infrastruktur vorsieht, die aktuelle Marktlage. Die Preise für Baustoffe haben ebenfalls stark angezogen und Unternehmen, die diese Baustoffe Fördern und vermarkten, können hier mitunter große Profiteure sein. Das macht die Investition in Unternehmen dieser Branche interessant und wir wollen hier etwas auf die Marktentwicklungen eingehen.

Unter dem Titel „Billionenschweres US-Infrastrukturprogramm soll Wirtschaft und Vormacht stärken„, erschien im April 2021 ein Artikel auf heise.de über das geplante Konjunkturprogramm in den USA.

Die interessanten Märkte

Neben den wesentlichen Baustoffen, wie Beton, Stahlbeton, Kies, Bausand, Natursteine und Bauholz etc. sind auch die Warenterminmärkte für Stahl und Erdöl, wegen seiner Notwendigkeit bei der Bitumen-Produktion und im weitesten Sinne auch die Märkte für Kupfer, Zink, Eisenerz, Aluminium etc. interessant, das diese ebenfalls im Bereich Bau und Konstruktion Verwendung finden. Dazu kommen noch andere Märkte, wie Dämmstoffe, Polystyrole und andere Kunststoffe, Zement, Gips, Kalk und Treibstoffe unterschiedlichster Art. Damit ist der Bereich Baustoffe recht umfänglich und nicht alle Waren werden an den Terminmärkten in Form von Futures gehandelt, ihre Preisentwicklung muss also anderweitig abgefragt werden.

Beispielsweise gibt der Baugewerbeverband hier eine Aufstellung über die Preisentwicklung:

Dazu schreibt der Zentralverband des deutschen Baugewerbes folgendes:

Gegenüber September 2020 verzeichnet die Branche nach Angaben des Statistischen Bundesamtes Preiszuwächse bei Holz um ca. 15 -20 %, bei Dieselkraftstoff um 20 %, bei Mineralölerzeugnissen um 15 % und bei Betonstahl um fast 30 %.

Zu dem massiven Anstieg der Preise kommen Lieferengpässe hinzu, die vor allem Holz, Kunststoffe und Stahl betreffen, alles Produkte, die für die Bauwirtschaft von größter Bedeutung sind.

Die Ursachen sind in der Corona-Pandemie begründet, die mit dem Wiedererstarken der Volkswirtschaften in den USA und in China die internationalen Lieferketten durcheinander gewirbelt hat.

Mineralische Baustoffe - Baugewerbeverband

Auszug einer Mitteilung vom Baugewerbeverband:

„Für die Preisentwicklung bei mineralischen Baustoffen, die größtenteils aus Deutschland bzw. aus Europa kommen, lassen sich nur moderate Steigerungen konstatieren, obwohl in einigen Teilen Deutschlands bereits Versorgungsengpässe bei einzelnen Gesteinskörnungen festzustellen sind.

Ein Beispiel für aktuelle Herausforderungen der heimischen Rohstoffversorgung stellt die Versorgung mit Gips für die Bauwirtschaft dar.

Die Hälfte des Gipsbedarfes in Deutschland wird derzeit mit REA-Gips, die restlichen Bedarfe mit Naturgips gedeckt. Mit der Reduktion der Kohleverstromung entfallen zukünftig auch große Kapazitäten zur Herstellung von REA-Gips, die aufgrund der unverändert hohen Nachfrage mit Naturgips oder Recyclingmaterial gedeckt werden müssen. Gipsrecycling wird den zukünftigen Bedarf vor allem auf Grund der geringen Mengen von recycelbaren Gipsabfällen nur in begrenztem Maße decken können.

Es ist Aufgabe der Politik in einer nationalen bzw. europäischen Rohstoffstrategie, die Versorgung der deutschen Wirtschaft, und hier besonders der Bauwirtschaft mit Rohstoffen sicherzustellen.

Für den Bereich der Primärrohstoffe bedeutet dies, dass ihr Abbau weiterhin möglich sein muss. Deutschland verfügt über genügend Rohstoffe, also Holz, Sand, Kies und Gips. Man muss diese nur nutzen dürfen.  D.h. Kies- und Sandgruben sowie Abbaugebiete für Gips müssen weiterhin genehmigt und nicht als unnötiger Eingriff in den Landschaftsschutz abgelehnt werden.

Beim Bauen mit heimischen Rohstoffen entfallen lange Transportwege; der Ausstoß von Treibhausgasen reduziert.

Die Verfügbarkeit von heimischen Baustoffen verringert die Abhängigkeit von den internationalen Rohstoffmärkten und den damit verbundenen Preis- und Lieferrisiken.

Darüber hinaus verbleiben die Wertschöpfung sowie Investitionen im eigenen Land. Die Umsetzung wichtiger Bauaufgaben im Wohnungsbau, der energetischen Sanierung, des Bau- und Ausbaus des deutschen Straßen- und Schienennetzes sowie zur Erreichung der Klimaschutzziele wird ermöglicht.“

Stahlpreise - Baugewerbeverband

Die derzeitigen hohen Stahlpreise sind zunächst der im III. Quartal 2020 angesprungenen Nachfrage in China geschuldet. Das Land wurde vom Stahlexporteur zum Stahlimporteur. Daher besteht auch ein Exportverbot für Stahlschrott.

Neben der Bauwirtschaft besteht derzeit eine starke Nachfrage im Automobilbau.

Dennoch waren die Produktionsanlagen in Europa (Polen, Frankreich, Österreich, Italien und Deutschland) im vergangenen Jahr um 15 % – 20 % unterausgelastet.

Das grundsätzliche „Problem“ einer weltweiten Überkapazität bei der Stahlproduktion bleibt bestehen. Aber die Stahlproduzenten nehmen das derzeitige Preissteigerungspotential mit.

Kunststoffmangel - Baugewerbeverband

Derzeit besteht ein erheblicher Mangel an sämtlichen Kunststoffprodukten, dazu zählen u.a. Dämmmaterialien, Folien, aber vor allem auch Kunststoffrohre.

Hier sind die Ursachen vielfältiger: Rund die Hälfte der Produktionskapazitäten für die Grundstoffe der Kunststoffproduktion liegt in Asien; hier wurden die Produktionskapazitäten erst im III. Quartal 2020 mit dem Anspringen der dortigen Konjunktur wieder hochgefahren. Aber ein wesentlicher Teil der Produktion gelangt nicht nach Europa, sondern in die im November 2020 ins Leben gerufene Freihandelszone RCEP (Regional Comprehensive Economic Partnership), die größte der Welt.

Zudem sind große Produktionsanlagen in den USA, vor allem in Texas, wegen des heftigen Wintereinbruchs im Februar 2021 ausgefallen.

Auch in Europa sind große Werke ausgefallen, so z.B. die wichtigen Styrol und Propylenoxid (Kunststoffe) produzierenden Werke in den Niederlanden („unvorhersehbarer Schaden“) im Februar 2021 und in Frankreich (technische Probleme) im November 2020.

Weiterhin sind Lieferketten infolge der Corona-Pandemie wie auch der Schiffshavarie im Suez-Kanal im März 2021 unterbrochen.

Störungen in der Produktion sowie Unterbrechungen in der Lieferkette, aber auch eine steigende Nachfrage nach Baustoffen führen zu steigenden Preisen und zur Baustoffknappheit in Deutschland.

Holzknappheit - Baugewerbeverband

Holz wird auf dem Weltmarkt gehandelt, an sich kein neues Phänomen. Neu ist, dass auch Holz aus deutschen Wäldern dazu zählt.

Zu dieser Entwicklung tragen zwei Faktoren besonders bei: Das ist zum einen eine drastische Verknappung des Holzangebots in den USA. Diese hat ihre Ursachen in den Waldbränden und den Zöllen auf kanadische Holzlieferungen, die aus der Regierungszeit von Präsident Trump resultieren. Hinzu kommt, dass auch Kanada mit einem Käferbefall zu kämpfen hat. Kanada liefert deshalb weniger Holz in die USA. Daher haben sich die Schnittholzlieferungen aus Deutschland in die USA drastisch erhöht.

Zum anderen hat Russland einen Exportstopp für Rohholz nach China angekündigt, den das Land bereits umsetzt. Daher kauft China in großem Stil Rundholz in Deutschland für den eigenen Markt ein.

Die hohe internationale Nachfrage nach Holz, der Schädlingsbefall von Wäldern in Europa und Kanada sowie Exportbeschränkungen führen zu steigenden Preisen und Holzknappheit in Deutschland, auch weil in anderen Ländern deutlich mehr für Schnittholz gezahlt wird.

Eine Auflistung mineralischer Baustoffe, wie sie beispielsweise für Vulcan Materials Co. und deren Geschäft interessant sind, findet man auf der Webseite von baustoffe-liefern.de.

Industrieverbände und Informationsquellen

Regierungsstellen

Interesse für Investoren

Die Baustoffmärkte und die angesprochenen Märkte wie die für Stahl, Aluminium oder Erdöl, könnten für Investoren dahingehend interessant sein, dass Unternehmen in diesen Bereichen von den steigenden Preisen profitieren könnten, denn gehaltene Reserven und Kapazitäten gewinnen hier entsprechend an Wert.

Beispielhaft für dieses Interessen könnte das Unternehmen Vulcan Materials Co. sein.

Über die entsprechenden Hersteller von Baustoffen können interessierte Investoren die Möglichkeit auf steigende Baustoffpreise spielen. Hier muss allerdings auch auf das Risiko verwiesen werden, dass diese Unternehmen auf unter steigenden Kosten leider können, oder auch entsprechende Preisanstiege nicht kommen, oder nicht von Dauer sind.

Beispielhaft möchte ich die Entwicklung noch anhand der von der CFTC veröffentlichten Commitment of Traders-Daten für Kupfer, Aluminium und vor allem Stahl beleuchten.

Kupfer

Wie man hier im Kupfer sehen kann, haben die Preise der Futures in den Monaten seit Ende März 2021 eine enorme Steigerung erfahren. Die Preise haben sich mehr als verdoppelt. Aktuell bauen die kommerziellen Marktteilnehmer (rote Linie) ihre Netto-Short Position wieder zurück, das Open Interest ist zuletzt um 7 Prozent gesunken. Demnach könnten die kommerziellen Marktteilnehmer wieder mit weiter steigenden Preisen rechnen.

Aluminium

Bei Aluminium zeigt sich eine ähnliche Entwicklung der Futures. Auch hier sind die Preise zuletzt stark gestiegen. Der Unterschied: Die Netto-Short Position der kommerziellen Teilnehmer am Markt wird tendenziell größer.

Stahl

Am besten geeignet als Beispiel für Baustoffe, ist die Entwicklung bei Stahl, da dieser in nahezu allen Bauprojekten Verwendung findet und eines der am weitesten verbreiteten Grundprodukte ist, neben beispielsweise Erdöl.

Die Preise der Stahl-Futures für Hot Rolled Coil Steel, haben sich fast vervierfacht, seit August 2020. Dazu kommt, dass die kommerziellen Marktteilnehmer (rote Linie) im Markt für Stahl eine zunehmende Netto-Long-Position einnehmen und trotz gestiegener Preise diese Position immer weiter vergrößern. Das spricht für eine Annahme, dass die Preise für Stahl möglicherweise weiter stark anziehen werden.

Quelle: https://www.suricate-trading.de/cot-daten/

Auch für Eisenerz (62%) sind die Preise stark gestiegen. Das Vorprodukt für Stahl hat sich im selben Zeitraum allerdings nicht einmal verdoppelt. Allerdings weist die Terminstrukturkurve für Eisen eine starke Backwardation auf, das Produkt wird also kurzfristig stark nachgefragt.

Davon ausgehend, dass Stahl für den Baustoffmarkt repräsentativ ist, könnte man hier klar von einem stabilen Trend hin zu noch teureren Preisen sprechen. Es wird aktuell stark nachgefragt und das könnte auch mit der Furcht vor Lieferengpässen und Geldentwertung zusammenhängen. Stahl, Kupfer und Aluminium, sowie nahezu alle anderen Baustoffe, sind haltbar und können gelagert werden. Sollten kommerzielle Teilnehmer die Befürchtung vor Geldentwertung haben, oder die Angst, nicht mehr genug Material am Markt kaufen zu können, macht es durchaus Sinn, auch zu höheren Preisen zu kaufen und auf Lager zu legen. Im Zweifel hält man ein veräußerungsfähiges Produkt. Ich sehe den Trend steigender Produktpreise über den gesamten Wertschöpfungszyklus im Bereich der Baumaterialien daher als intakt an und würde weiter mit steigenden Preisen rechnen, solange die Nachfrage so hoch bleibt und der Bedarf da ist.

Peter Merkle
(Senior Analyst)

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