Home Gastbeiträge Der Marktreport #5

Der Marktreport #5

by Peter Merkle

Kaffee und die Soft-Märkte

Kaffee ist ein beliebtes Genussmittel und sein Rohstoff, die Kaffeebohne, ist als Grundstoff über die Warenterminmärkte, wie die COMEX oder NYMEX (CME Group) in Form von Futures und Optionen handelbar. Die Kaffeebohnen werden aus Steinfrüchten verschiedener Pflanzenarten aus der Familie der Rubiaceae gewonnen. Die beiden wichtigsten Arten der Kaffeepflanze sind Coffea arabica (Arabica-Kaffee) und Coffea canephora (Robusta-Kaffee) mit vielen Sorten und Varietäten. Je nach Sorte und Anbauort gibt es unterschiedliche Qualitätsstufen. Kaffee wird in über 50 Ländern weltweit angebaut. Es existieren 124 wilde Kaffee-Arten, von denen etwa 60 % als gefährdet gelten.

Da Kaffeesträucher nur unter bestimmten Umständen wachsen, die man ausschließlich in den Gebieten um den Äquator findet, entsteht eine Art Band um den Erdball, das man Kaffeegürtel nennt. Dieser erstreckt sich zwischen dem 20. Breitengrad südlicher Breite und dem 20. Breitengrad nördlicher Breite.
Circa 10 Millionen Hektar Land werden für den Anbau von Kaffeesträuchern genutzt – und davon gibt es immerhin etwa 15 Milliarden Stück! Obwohl es gut 60 verschiedene Kaffeesorten gibt, sind nur zwei für den Weltmarkt von Bedeutung: Arabica (Coffea Arabica) und Robusta (Coffea Canephora).
Robusta-Pflanzen sind weniger temperaturempfindlich: Sie halten auch mehrere Tage über 30° C aus, ohne Schaden zu nehmen. Die Pflanze der Arabicabohne ist außerdem sehr anfällig für so genannten Kaffeerost – ein Pilz, der die Pflanzen befällt. Während Arabica-Pflanzen erst ab einer Höhe von 400 bis 2.100 m wachsen, wächst die Robusta-Pflanze auf 0 bis 900 m.

Kaffee (KC) gehört zu den so genannten Soft´s, oder auch die Soft-Märkte. Zu den Soft´s gehören nach Kaffee auch Baumwolle (CT), Zucker (SB), Kakao (CC), Orangensaft (OJ) und Bauholz (LB). Unternehmen nutzen die Warenterminmärkte zu Absicherung ihres Geschäfts, daher ist für viele Unternehmen, die auf Rohstofflieferungen angewiesen sind oder diese Herstellen und vertreiben, ein Grundverständnis über die Warenterminmärkte überaus nützlich.

Die Soft-Märtke

Die Kontraktspezifikationen für Kaffee sehen folgendermaßen aus:

Das größte Open Interest, der Bestand an offenen Kontrakten im Kaffeemarkt, liegt aktuell bei rund 286.828. Wie aus dem nachfolgenden Tabellenbild hervorgeht, liegt der größte Teil davon im Juli-Kontrakt.

Die kommerziellen Marktteilnehmer (rote Linie) im Kaffee sind hier in den letzten Jahren, beginnend Ende 2018, tendenziell von einer Netto-Long in eine Netto-Short-Position gegangen. Die Commercials in diesem Markt sind vor allem die Anbieter von Kaffeebohnen und die verarbeitenden Industrien, zu denen auch Unternehmen wie Beispielsweise JDE Peets gehören.

Der Graph gibt hierbei folgende Aussage, dass die Kommerziellen Marktteilnehmer, vor allem in Zusammenhang mit steigenden Kursen, mehr Future-kontrakte verkauft haben.

Laut Statista wurden im Jahr 2020 rund 171,9 Mio. Säcke an Kaffee geerntet, oder rund 10,3 Mrd. Kilo Kaffee. Jeder Future-Kontrakt enthält eine Menge von etwa 17.000 Kilogramm Kaffee. Bezogen auf die Erntemenge 2020, würden damit rund 606.350 Future-Kontrakte unterlegt werden können. Das verdeutlicht, dass an den Warenterminmärkten für Kaffee nur etwa ein Drittel der weltweiten Produktion an Kaffee in Form von Futures gehandelt wird. Hier muss allerdings darauf verwiesen werden, dass es sich dabei lediglich um die amerikanischen Warenterminmärkte handelt, für die die CFTC die entsprechenden Daten erhebt.

Feststellbar mit anderen Märkten ist, dass Kaffee ein relativ kleiner Warenterminmarkt ist. Beispielsweise werden im Weizen-Markt aktuell 413.615 Kontrakte gehalten, im Markt für Mais sogar über 1.717.273 Kontrakte. Die Terminstrukturkurve für Kaffee ist derweil in Takt, die länger laufenden Kontrakte sind also teurer als die Kontrakte kürzerer Laufzeit (Contango).

Mit Blick auf die Saisonalitäten, kann man bei den Kaffee-Futures ein relativ stabiles Preisverhalten für 2020 feststellen. Das bedeutet in diesem Fall, dass die Preise der Kaffee-Futures in ihren Bewegungen in etwa dem langfristigen saisonalen Trend gefolgt sind.

Quelle: https://www.seasonalcharts.de/future_farmprodukte_coffee.html

Betrachtet man das aktuell eher steigende Open Interest, und die Positionierung der Commercials, die nach COT-Oszillator im Vergleich zu den letzten 6 und 2 Monaten sich auf der Verkäuferseite befinden, impliziert das die Erwartung nach erstmal wieder fallenden Kursen für Kaffee. Das wäre natürlich für verarbeitende Unternehmen von Vorteil, denn niedrigere Preise für das Rohprodukt haben einen positiven Effekt auf die Margen.

Die Unternehmensvorstellung zu JDE Peets ist hier zu finden.

No votes yet.
Please wait...

You may also like

Leave a Comment