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Der Marktreport #3

by Peter Merkle

In unserem neuen Marktreport auf Modern Value Investing, beschäftigen wir uns dieses Mal mit dem Markt der Republik Singapur. Der asiatische Stadtstaat gilt als äußerst liberales Land und steht bei vielen Investoren ob seiner wirtschaftlichen Freiheiten hoch im Kurs, daher möchten wir uns das Land näher ansehen und auf die Gegebenheiten vor Ort eingehen. Der Grundgedanke dahinter: Ein gesundes und freies Land, bring tendenziell gesunde und gute Unternehmen hervor und verfügt auch über eine leistungsfähige Wirtschaft. Demnach sollte ein Land, dessen Staatsphilosophie eine hohe Akzeptanz für einen freien Markt aufweiset und in dem Rechtsstaatlichkeit, Privateigentum und Freiheit höhe Güter sind, einen nicht unerheblichen Wettbewerbs- bzw. Standortvorteil gegenüber anderen Staaten haben. Asien, als Gebiet von großen Interesse für die globale Anlegergemeinde, ist daher eine Region von sehr großem Interesse. Das Wachstum vieler ostasiatischer Staaten war in den letzten Dekaden beeindruckend und die Entwicklung vieler Länder von enormem Wohlstandsgewinn geprägt. Warum möchten wir uns als erstes Land Singapur näher ansehen?

Auf dem Index für wirtschaftliche Freiheit, veröffentlicht vom Wall Street Journal, rangiert Singapur unangefochten auf Platz 1 und ist daher der beste Kandidat für einen ersten Länderbericht. Singapur ist ein Insel und Stadtstaat und der flächenmäßig kleinste Staat Südostasiens sowie Mitglied im Commonwealth of Nations. Als parlamentarische Republik wird Singapur aktuell von Premierminister Premierminister
Lee Hsien Loong als Regierungschef vertreten. Amtierende Präsidentin ist Halimah Yacob. Die nationale Währung ist der Singapur-Dollar.

Das Land ist Mitglied des APEC Handelsabkommens, des ASEAN Handelsabkommens, des RCEP Handelsabkommens und der TPP – Transpazifischen Partnerschaft.

Wirtschaftliche Freiheit und Konkurrenzfähigkeit

Index für wirtschaftliche Freiheit

Der Index für wirtschaftliche Freiheit bewertet diese anhand von 4 Kriterien, die ihrerseits in mehrere Kategorien unterteilt werden:

Rechtsstaatlichkeit

  • Eigentumsrechte: Rechtlicher Schutz von Privateigentum und Qualität der Ausführung dieser Gesetze.
  • Integrität und Justizeffizienz: Ausmaß von politischer und wirtschaftlicher Korruption beruhend auf dem Korruptionswahrnehmungsindex, Unabhängigkeit der Gerichte.

Rolle des Staates in der Wirtschaft

  • Fiskalische Freiheit: Geringe finanzielle Probleme des Staates, geringe Höhe der Steuern für Unternehmen, Privatpersonen und die Höhe der Steuerlast als Anteil der Wirtschaftsleistung.
  • Staatsausgaben: Höhe der Staatsausgaben als Anteil der Wirtschaftsleistung. Je höher der Anteil, desto niedriger die Wertung.

Effizienz der Regulierung

  • Unternehmerische Freiheit: Aufwand für das Gründen eines neuen Unternehmens sowie die Effektivität der Regularien und Gesetze.
  • Arbeitsfreiheit: Ausmaß der Regulierung des Arbeitsmarktes. Zeit und Kosten für Unternehmen, um Mitarbeiter einzustellen oder zu entlassen.
  • Monetäre Freiheit: Ausmaß der Preisstabilität beruhend auf der durchschnittlichen Inflation der letzten drei Jahre. Freiheit von staatlicher Intervention in Preise.

Offene Märkte

  • Handelsfreiheit: Höhe der Tarife auf Importe und Anzahl der Handelsbarrieren.
  • Investitionsfreiheit: Ausmaß der Restriktionen für den freien Fluss von Kapital innerhalb und außerhalb der Grenzen eines Landes.
  • Finanzielle Freiheit: Unabhängigkeit von staatlicher Kontrolle und Intervention im Finanzsektor, Einfluss des Staates im Bankensystem, Entwicklung des Kapitalmarktes, Einfluss des Staates auf die Vergabe von Krediten und die Offenheit für ausländische Mitbewerber.

Singapur belegt hier, wie bereits angesprochen, den 1. Platz vor Hongkong und Neuseeland mit einem Ergebnis von 89,4, von 100 möglichen Punkten. Die Bundesrepublik Deutschland belegt hier Platz 27, mit „nur“ 73,5 Punkten. Die einzelnen Wertungen für Singapur sehen wie folgt aus:

  • Eigentum 96,8
  • Itegrität 92,9
  • Korruption 92,4
  • Fiskalische Freiheit 90,3
  • Staatsausgaben 91,1
  • fiskalische Gesundheit 80,0
  • Geschäft 92,8
  • Arbeitsfreiheit 90,9
  • Monetäre Freiheit 85,6
  • Handelsfreiheit 94,8
  • Investitionen 85,0
  • Finanzielle Freiheit 80,0

Der aktualisierte Index kann hier auf der Seite der Heritage Foundation gefunden werden.

Damit ist Singapur, mit einer Gesamtbevölkerung von gerade einmal 5,7 Millionen Menschen, das freieste Land der Welt. Die Bevölkerung besteht mehrheitlich aus Chinesen, Malaien und Indern, ist allerdings äußerst vielfältig in ihrer Gesamtheit.

Im Bereich der Konkurrenzfähigkeit mit anderen Märkten, belegt Singapur ebenfalls sehr gute Ränge. Im Global Competitiveness Report des Weltwirtschaftsforums, konnte Singapur 2019 den 1. Platz einnehmen. Vor allem wurden die Infrastruktur, das Gesundheitswesen und der Arbeitsmarkt herausgestellt und positiv bewertet. Singapur verfügt über sehr gut ausgebaute Straßen, Häfen, Flughäfen und weitere kritische Strukturen mit sehr hohen Standards.

Quelle: https://www.weforum.org/reports/how-to-end-a-decade-of-lost-productivity-growth

Im so genannten Ease of doing Business Ranking der Weltbank, belegt Singapur den 2. Platz, hinter Neuseeland. Der Doing-Business-Report ist laut Weltbank nicht als Investitionsguide gedacht, da Investoren viele andere Faktoren berücksichtigen sollten. Er wird jedoch von Regierungen als Maßstab für eine “solide” Regulierungspolitik betrachtet. Damit ist der Bericht eine Wertvolle Ressource, wenn man die Leistungsfähigkeit einer Verwaltung einschätzen möchte. Es gilt auch hier die Regel, dass ein Land mit einer solide geführten Verwaltung auch über eine leistungsfähigere Wirtschaft geführt.

Doing Business Report 2020 – Rankings

Zusammenfassend kann man so die Einschätzung vertreten, dass Singapur als Land sehr gut aufgestellt ist und über eine Reihe von Standortvorteilen im Vergleich zu Konkurrenten verfügt.

Im Bloomberg Innovation Index, der die 20 innovativsten Länder der Welt auflistet, belegt Singapur den 2. Platz hinter Südkorea.

Wirtschaft und Staatshaushalt

Singapur ist ein Netto-Exportland, erwirtschaftet also Außenhandelsüberschüsse. Das Land importierte 2019 Güter im Wert von rund 474,4 Mrd. Euro, während rund 565,2 Mrd. Euro an Gütern das Land verließen. Die Historie als Exporteur ist seit mehr als 30 Jahren ungebrochen. Das Land ist ein wichtiger Umschlags- und Verteilungsknoten in Asien.

Die Wirtschaftszeitung von Singapur lag 2019 bei einem Bruttoinlandsprodukt von rund 332,4 Mrd. Euro, eine Pro Kopf-Leistung die mehr als doppelt so hoch ist, wie die der Europäischen Union. Hier muss allerdings auch angemerkt werden, dass die Bruttoverschuldung pro Kopf ebenfalls fast doppelt so hoch ist wie die der EU. Die Daten hierfür reichen aber nur bis in das Jahr 2016, können demnach veraltet sein. Im Krisenjähr 2020 nahm die Arbeitslosenquote von 3,1 Prozent auf etwa 5,19 Prozent zu, was im Vergleich mit anderen Ländern aber immer noch moderat erscheint. Mit einer Inflationsrate von rund 0,57 Prozent im Jahr 2019, verlief die Geldentwertung aber deutlich geringer als in der EU, mit rund 1,63 Prozent und einer globalen Inflationsrate von über 2,14 Prozent.

Singapur verfügt über einen liquiden uns sehr leistungsfähigen Kapitalmarkt. Der Stadtstaat steht in seiner Bedeutung als Kapitalmarkt auf Augenhöhe mit London und New York und unterhält das drittgrößte Devisenzentrum der Welt. Der Anleihenmarkt in Singapur ist einer der am besten entwickelten im Raum Asien und setzt sich aus Singapur Staatsanleihen (SGS), Quasi-Staatsanleihen, Unternehmensanleihen und strukturierten Wertpapieren zusammen. Der Zugang zum Kapitalmarkt ist für Emittenten und Investoren weltweit zugänglich.

Aktienmarkt

Die einzige Börse des Landes ist die Singapur Stock Exchange (SGX), die als Termin und Wertpapierbörse fungiert und im Dezember 1999 aus einer Fusion hervorging. Der Leitindex ist der Straits Times Index, der die 30 größten Unternehmen des Landes auflistet. Heute werden rund 696 Aktien an der SSGX gelistet.

Gerade für Investoren ist der Aktienmarkt von besonderem Interesse.

Fazit

Betrachtet man das Land, sehen die meisten Indikatoren sehr gut aus. Das Land ist wirtschaftlich frei, eine starke Handelsmacht und hoch innovativ. Die Bereiche Infrastruktur, Gesundheit und Staatsgefüge sehen ebenfalls sehr gut aus, das Land wird solide geführt und bietet zahlreiche Freiheiten. Entsprechend hoch ist der Kurs, den man als Investor dem Land zugestehen kann. Geopolitisch müssen hier allerdings auch einige Risiken berücksichtigt werden. Das Land ist verglichen mit der Volksrepublik China und den USA ein Zwerg und liegt genau im Spannungsfeld der Großmächte. Damit ergeben sich einige Gefahren, sollte sich die Beziehungen zwischen China und den USA verschlechtern. Das hätte auch weitreichende Auswirkungen auf andere Länder und Städte der Region, wie Japan, Südkorea, Honkong und die Philippinen, ebenso Australien und könnte dem Land einen starken Dämpfer verpassen. Wie bereits angesprochen, ist Singapur ein starker Finanz- und Handelsplatz und Abhängig von den Kapitalströmen und dem Warenfluss durch seine Häfen. Größere Konflikte könnten daher eine Gefahr für den Wohlstand des Landes bedeuten.

Im aktuellen Gefüge ist das Land aber ein starker Wirtschaftsfaktor und besonders ob seiner liberalen Grundeinstellung einen Blick wert.

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