Home Marktbericht Der Marktreport #13 – Neues zu Edelmetallen

Der Marktreport #13 – Neues zu Edelmetallen

by Peter Merkle

Im neuen Marktreport von Modern Value Investing, beschäftigen wir uns wieder mit dem Markt für Edelmetalle. Vor allem der Goldpreis hatte zuletzt einen herben Einbruch zu verzeichnen. Zum Wochenbeginn am Montag den 09. August, viel der Wert des Edelmetalls sogar bis auf 1680 US-Dollar je Feinunze. Das war ein Einbruch von rund 4,2 Prozent binnen kurzer Frist. Der Preis konnte sich allerdings wieder erholen und notierte im Verlauf der Woche bei wieder 1752 US-Dollar je Unze. Dieser Bewegung gingen die Meldungen der US-Arbeitsmarktdaten voraus, die am letzten Freitag ein freundlicheres Bild zeichneten, als das von vielen Marktteilnehmern erwartet wurde. Es wurden überraschend mehr neue Stellen geschaffen. Kurioserweise löste diese Meldung die Befürchtung aus, die US-Zentralbank könnte ihre Geldpolitik ändern und einen weniger freizügigen Kurs einschlagen. Das könnte höhere Anleihen Zinsen bedeuten und damit eine Minderung der Attraktivität von Gold. Wir wollen uns im weiteren Verlauf dieses Marktreports mit den Märkten für Gold beschäftigen und uns auch Silber und Platin näher ansehen.

Die aktuelle Lage an den Edelmetallmärkten

Wie aus den aktuellen Marktpreisdaten hervorgeht, bewegt sich Gold wieder im Bereich von 1752 US-Dollar je Unze, während Silber sich um die 23,46 US-Dollar und Platin um 1016 US-Dollar je Unze bewegen.

Betrachten wir hierzu die Charts, erkennt man eine längerfristige Tendenz, seitwärts zu laufen und in der letzten Zeit sogar immer wieder fallende Kurstendenzen. Die Prognosen für alle Edelmetalle gehen aber in eine deutliche Richtung, nach oben. Allerdings sind kurzfristig weitere Abverkäufe nicht ausgeschlossen.

Gold
Silver
Platinum

Wie bewegen sich die Future-Märkte

Der Marktreport wird sich im Folgenden wieder mit den Warenterminmärkten für die genannten Edelmetalle beschäftigen.

Goldmarkt

Im Verlauf des Juli, haben die kommerziellen Marktteilnehmer ihre Netto-Short-Position eher verkleinert, unter Schwankungen. Im Vergleich zu den letzten 6 und den letzten 12 Monaten, sinkt hier der COT-Oszillator. Wie man aus dem Grafen für die Anzahl der offenen Kontrakte (Open Interest) erkennen kann, sinken die Anzahl der Kontrakte tendenziell seit Anfang 2021. Das bedeutet, dass in der Tendenz die kommerziellen Marktteilnehmer ihre Short-Positionen abbauen und ihre Positionen schließen.

COT-Daten für Gold, Commercials (rot), Large Traders (blau), Small Traders (grün); Quelle: https://www.suricate-trading.de/cot-daten/

Bewegen sich die Commercials bei sinkendem Open Interest weiter in Richtung Netto-Long, also tendenziell ich Richtung der Gold-Käufer, würde sich ein Indiz für die Erwartung höherer Goldpreise verstärken. Aus der Terminstrukturkurve geht keine Anomalie hervor, diese befindet sich im Contango. Damit wird beschrieben, dass die Future-Kontrakte mit längerer Laufzeit teurer sind, es aktuell also keine kurzfristige überbordende Nachfrage nach Kontrakten mit kürzerer Laufzeit gibt, was deren Preis stark antreiben würde. Das höchste Volumen liegt aktuell im Kontrakt für Dezember 2021.

Terminstrukturkurve für Gold; Quelle: https://www.suricate-trading.de/terminkurven/

Silbermarkt

Die Entwicklungen im Silbermarkt folgen im Trend dem Goldmarkt. Auch hier bauen die Commercials ihre Netto-Short Position tendenziell zurück, das Open Interest sinkt und die Terminstrukturkurve ist im Contango. Die COT-Daten sehen hier denen von Gold ebenfalls ähnlich. Im Allgemeinen herrscht immer eine hohe Konvergenz zwischen Gold und Silber, wobei Silber allerdings zu einer höheren Volatilität neigt.

Platinmarkt

Analog das Bild im Markt für Platin.

Gedanken zum Marktgeschehen

Allgemein kann man sagen, dass die Edelmetalle gerade in einer Phase der Korrektur liegen. Maßgeblichen Einfluss haben hier die relativ guten Wirtschaftsdaten und die daraus abgeleiteten Entscheidungen der Notenbanken. Fraglich ist hier, ob dieser Trend anhaltend sein wird, oder ob die Edelmetalle wieder anziehen. Vorerst bleiben hier die Notenbanken die Kurstreiber. Bedenkt man hier, dass viele Notenbanken weiterhin ihre Goldreserven durch physische Zukäufe weiter aufstocken, scheint gerade bei den Währungshütern ein erhöhter Absicherungsbedarf zu entstehen. Im ersten Quartal 2021 haben vor allem Japan und Ungarn große Zukäufe getätigt. Hier fällt vor allem Ungarn auf, die mit dem Kauf von rund 62,98 Tonnen Gold ihre Reserven auf 94,49 Tonnen um fast 200 Prozent vergrößert haben.

Größter Verkäufer bleibt nach wie vor die Zentralbank der Türkei. Das Land leidet aktuell unter einen starken Inflation der türkischen Lira und es kam zu mehreren Auswechslungen der Führung der Notenbank. Das Ziel war es hier von Seiten der türkischen Staatsregierung, eine Erhöhung der Leitzinsen zu vermeiden, die die Inflation zwar bremsen könnten, aber die Staatsfinanzierung des Landes mit enormen Belastungen belegen würden. Um die Währung zu stützen, musste die Türkei damit anfangen, ihre werthaltigen Assets, namentlich ihre Goldreserven, an den Märkten zu veräußern. Alleine im Zeitraum von Ende Q4 2020, bis Ende Q1 2021, verkaufte die türkische Zentralbank über 200 Tonnen Gold.

ETF´s auf Gold verzeichnen im Juli ebenfalls wieder kleinere Zukäufe, die sich auf etwa 11,1 Tonnen Gold belaufen. Hier kann man sehen, dass Investmentvehikel vor allem im 4. Quartal 2020 und im 1. Quartal 2021 Gold verkauft haben, einmal 131 Tonnen und einmal 170 Tonnen. Gleichzeitig war allerdings die Nachfrage nach physischem Barren besonders hoch. Mit Blick auf die vorangegangenen Statistik, haben die Juweliere stark nachgefragt, während die Nachfrage nach Gold zu Investitionszwecken eher rückläufig im Vergleich zu den vorangegangenen Quartelen war.

Nach dem World Gold Council, sind die Belebung der Konjunktur und niedrige Zinsraten tonangebend für den Goldmarkt. Aber man beschreibt auch, dass im Verlauf der letzten 2 Jahre ein hohes Maß an Unsicherheiten in den Markt gekommen ist, in Form neuer oder verschärfter Risiken. Dazu heißt es wie folgt:

Mit Blick auf die Zukunft glauben wir, dass Anleger das Niedrigzinsumfeld wahrscheinlich als Gelegenheit sehen werden, Risikoanlagen in der Hoffnung auf eine baldige wirtschaftliche Erholung aufzustocken. Allerdings werden Anleger wahrscheinlich auch mit potenziellen Portfoliorisiken umgehen, darunter:
Aufblähende Haushaltsdefizite
Inflationsdruck
Marktkorrekturen inmitten bereits hoher Aktienbewertungen.
In unserem Ausblick für Gold gehen wir davon aus, dass die Investitionsnachfrage weiterhin gut unterstützt wird, während der Goldverbrauch von der beginnenden wirtschaftlichen Erholung, insbesondere in den Schwellenländern, profitieren sollte.

Langfristig bleibe ich positiv für Gold und andere Edelmetalle gestimmt, was sich hauptsächlich auf die starke Nachfrage nach dem physischen Edelmetall stützt und anhand dessen, wer die größten Käufer sind. Vor allem die zuletzt wieder erstarkte Nachfrage nach Gold als Investitionsobjekt und durch die Zentralbanken, lassen mich von einer langfristig interessanten Gelegenheit ausgehen, jetzt meine eigenen Edelmetallbestände nochmals auszuweiten.

Peter Merkle

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