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Der Marktreport #12 – Der Markt für Währungen

by Peter Merkle

Weitere Marktberichte sind auf Modern Value Investing zu finden.

Der Markt für Devisen

Im aktuellen Marktreport von Modern Value Investing beschäftigen wir uns mit dem globalen Währungsmarkt oder auch Foreign Exchange (abgekürzt Forex) genannt. Der Markt ist einer der wichtigsten Märkte der Welt und zeitgleich der größte Finanzmarkt, mit einem täglichen Umsatz von über 5 Milliarden US-Dollar. Wie der Name bereits sagt, werden auf dem Währungsmarkt verschiedene Devisen gehandelt und gegeneinander gewechselt. Folglich bedeutet der Kauf einer Währung immer auch den gleichzeitigen Verkauf einer anderen Währung. Die Teilnehmer auf diesem Markt sind Kreditinstitute, Industrieunternehmen, private Devisenhändler, Devisenmakler, verschiedene Handelshäuser und eine Gruppe von übergeordneter Bedeutung, die Zentralbanken der Nationen. Diese übergeordnete Bedeutung erlange die Notenbanken dadurch, dass sie in der Lage sind in den Devisenmarkt einzugreifen. Der größte Teil des Handels findet allerdings im Interbankenmarkt statt. Anders als beim Handel mit Wertpapieren, gibt es keine Börsen. Devisenkurse werden über Referenzwerte gestellt, beispielsweise den EuroFX. Außerdem wird der Handel vorwiegend über Online Makler oder Telefon geführt.

Die wichtigsten Währungen werden als Majors bezeichnet. Daneben gibt es noch Minors und Exotics. Exotics wären beispielsweise der Hong Kong Dollar (HKD), die norwegische Krone (NOK), der südafrikanischer Rand (ZAR) oder der thailändischer Baht (THB). Zu den Majors gehören die folgenden Währungen:

  • USD – US-Dollar
  • EUR – Euro
  • JPY – Japanischer Yen
  • GBP – Britisches Pfund
  • CHF – Schweizer Franken
  • CAD – Kanadischer Dollar
  • AUD – Australischer Dollar
  • NZD – Neuseeländischer Dollar

Entsprechend sind die wichtigsten Zentralbanken am Markt die Federal Reserve Bank (FED) = US Dollar, die Europäische Zentralbank (EZB) = Euro, die Bank of England (BoE) = Britisch Pfund und die Bank of Japan (BoJ) = Japanische Yen. Der US-Dollar nimmt die wohl wichtigste Position ein, da er auch als Referenzwert für viele andere Güter dient, zum Beispiel für Rohstoffe wie Gold oder Öl.

Währungspaare; Quelle: https://tradingeconomics.com/

Wie der Devisenhandel funktioniert und was ihn beeinflusst

Wie für jeden anderen Markt, sind Angebot und Nachfrage die zentralen Faktoren für die Bewegungen der Preise. Wikipedia schreibt hierzu folgendes:

Angebot-Nachfrage-Marktgleichgewicht

Das Devisenangebot rekrutiert sich volkswirtschaftlich aus Staaten mit Zahlungsbilanzüberschüssen, konkret mit einem Überschuss in der Devisenbilanz (Währungsreserven). Der Export von Gütern und Dienstleistungen bildet eine autonome Aktivposition in der Zahlungsbilanz, wodurch der Exporteur Devisen erwirbt, die als induzierte Passivposition der Zahlungsbilanz zu einem Devisenangebot führen. Betriebswirtschaftlich kommt das Devisenangebot durch einen Devisenverkauf mit Hilfe von Kassa- oder Devisentermingeschäften zum Ausdruck, bei denen die Exporteure ihre Exporterlöse aus dem Export von Gütern und Dienstleistungen einsetzen. Auch Devisenmarktinterventionen der Zentralbanken können zum Devisenangebot gerechnet werden, wenn sie als Verkäufer von Devisen auftreten.

Devisennachfrage wird entsprechend generiert durch Zahlungsbilanzdefizite, konkret Defizite in der Devisenbilanz (etwa Staatsverschuldung in Fremdwährung). Betriebswirtschaftlich bilden alle Devisenkäufer die Devisennachfrage, insbesondere löst der Import von Gütern und Dienstleistungen durch Importeure Devisennachfrage aus. Auch Devisenmarktinterventionen der Zentralbanken gehören zur Devisennachfrage, wenn sie als Käufer von Devisen auftreten. Außerhalb dieses güterwirtschaftlich entstandenen Devisenangebots und Devisennachfrage kann das Devisenangebot auch durch Einnahmen von Übertragungen aus dem Ausland (Übertragungsbilanz) und Kapitalimporten (Kapitalbilanz) entstehen, Devisennachfrage entsprechend kann durch Ausgaben für Übertragungen an das Ausland oder für Kapitalexporte generiert werden.

Das Marktgleichgewicht auf dem Devisenmarkt hängt vor allem davon ab, ob ein Wechselkurssystem fester Wechselkurse vorhanden ist oder die Devisenkurse als flexible Wechselkurse frei schwanken dürfen wie beim Floating.

Bei festen Wechselkursen wird eine begrenzte Schwankungsmöglichkeit eines Devisenkurses zugelassen, die so genannte Wechselkursbandbreite, innerhalb derer sich Devisenangebot und Devisennachfrage durch den Devisenkurs ausgleichen und zum Marktgleichgewicht führen. Überschreitet ein Devisenkurs – bei Preisnotierung – diese Bandbreite, muss der Nachfrageüberhang (Zahlungsbilanzdefizit) durch Devisenmarktintervention der Zentralbank mittels Devisenverkauf ausgeglichen werden; unterschreitet er die Bandbreite, wird der Angebotsüberhang (Zahlungsbilanzüberschuss) durch Devisenkauf abgeschöpft. Die Devisenmarktinterventionen führen zum Marktgleichgewicht, haben jedoch zur Folge, dass sich die Devisenbilanz verändert. Verkauft die Zentralbank Devisen, verringern sich die Währungsreserven, bei einem Kauf erhöhen sie sich.

Bei flexiblen Devisenkursen interveniert die Zentralbank nicht. Der Preismechanismus auf dem Devisenmarkt kann sich frei entfalten. Bei einem Angebotsüberhang sinkt – wiederum bei Preisnotierung – der Devisenkurs, bei einem Nachfrageüberschuss steigt er. Nicht nur kurzfristig andauernde Kurssteigerungen der Fremdwährung heißen dann Abwertung der Inlandswährung, Kursrückgänge entsprechend Aufwertung. Bei einer Aufwertung der Inlandswährung sinken die Exporte und steigen die Importe, was zu einem Rückgang der Währungsreserven führt; bei einer Abwertung sind die Verhältnisse umgekehrt. Der Devisenkurs wird sich solange ändern, bis die Zahlungsbilanz wieder ausgeglichen ist.[18] Entscheidend für den Zahlungsbilanzausgleich, also das Marktgleichgewicht auf dem Devisenmarkt, ist das Zusammenwirken von Devisenangebot und Devisennachfrage.[19] Es kommt auch dann zum Zahlungsbilanzausgleich und Marktgleichgewicht, wenn bei rückläufigem Devisenangebot die Devisennachfrage überproportional sinkt oder umgekehrt.

Währungen werden auf dem Forex Markt immer in Währungspaaren gehandelt. Die Kursbewegung eines Währungspaares bemisst dabei, wie sich der Wert der einen Währung zum Wert der anderen verhält. Beispielsweise das Währungspaar Euro und US-Dollar (EURUSD), welches den Wert des Euro gegen den des US-Dollar angibt. Ein Anstieg des Währungspaares bedeutet, dass der Euro gegenüber dem US-Dollar an Wert gewonnen hat und umgekehrt.

Der Vorteil: Die Währungskurs sind von Naturereignissen nicht so schwer betroffen wie andere Rohstoffe. Natur-Ereignisse oder Katastrophen haben keinen besonders nennenswerten Effekt auf die Währungsschwankungen.

Als wichtige Marktteilnehmer, haben die Zentralbanken einige Möglichkeiten Einfluss auf den Devisenmarkt zu nehmen. Das bekannteste und am meisten verwendete Mittel ist der Leitzins. Dieser Zins ist von einer Zentralbank im Rahmen ihrer Geldpolitik einseitig festgelegte Zinssatz, zu dem sie mit den ihr angeschlossenen Kreditinstituten Geschäfte abschließt.

Daraus entsteht der Nachteil: Eine Veränderung des Leitzinses durch eine Notenbank, hat einen großen Einfluss darauf, wie sich die Währungspaare bewegen. Abgekürzt kann man sagen, dass die Notenbank mit ihrer Zinsentscheidung das Verhältnis von Angebot und Nachfrage verändert. Diese Möglichkeit des Eingriffs in die Marktstruktur hat aber seine Probleme. Zum einen stärkt eine Erhöhung der Zinsen die heimische Währung. Das heißt, dass die Kaufkraft der eigenen Währung steigt und ausländische Waren billiger eingekauft werden können. Der Nachteil ist, dass die ausländische Kaufkraft im gleichen Umfang sinkt. Das heißt, dass die ausländische Nachfrage nach heimischen Waren sinkt, da diese nun teurer sind. Damit ist die Veränderung des Leitzinses eine der weitreichendsten Instrumentarien, denn durch die Eingriffe der Zentralbank bewegen sich nach den Währungspreisen auch alle anderen Preise einer Volkswirtschaft um sich diesen Veränderungen anzupassen. Aktuelles Beispiel das global betrachtet werden kann: Die Leitzinsen sind übertrieben niedrig und teilweise sogar negativ, die Geldmengen werden ausgeweitet und die Währungen somit abgewertet. Daraus reagieren die Preise der Güter und Dienstleistungen, indem sie teurer werden. Gleiches gilt für nahezu alle Anlageklassen, siehe Immobilien und Wertpapiere.

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Fundamentalanalyse für Forexmärkte

Über eine Analyse der Devisenmärkte, hat Admiral Markets auf seiner Homepage einen Artikel veröffentlicht.

Analyse (Admiral Markets)

Fundamentalanalyse

Die Fundamentalanalyse basiert auf der These, dass jedes Anlagegut (Währungen, Rohstoffe, Unternehmen, etc.) einen fairen oder wahren Wert besitzt, dem sich langfristig auch der Börsenkurs anpasst. Wenn der berechnete faire Wert dem Wert entspricht, zu dem dieses Anlagegut zu diesem Zeitpunkt am Markt gehandelt wird, spricht man von einem fair bewerteten Sachwert. Liegt der faire Wert eines Unternehmens beispielsweise über dem Marktwert, sieht der Fundamentalanalyst darin ein Kaufsignal, weil das Anlagegut „unterbewertet” ist und deswegen einen tatsächlich höheren Wert hat. Bei einem fairen Wert, der unter dem Marktpreis des Sachwertes liegt, rät der Fundamentalanalyst Ihnen zum Verkauf.

Für die fundamentale Analyse für den Forex Markt gibt es viele Einflussfaktoren. Wir haben Ihnen hier die wichtigsten aufgeführt:

  • BIP Entwicklung & Prognosen
  • Arbeitslosenquote
  • Zinssätze
  • Exportbeiträge
  • Wahlen
  • Naturkatastrophen und Kriege
  • Wirtschaftlicher Fortschritt

Die Liste lässt sich beliebig erweitern. Die oben genannte Einflussfaktoren sind nach Ihrem Einfluss gewichtet. Das Bruttoinlandsprodukt und seine Entwicklung hat den höchsten Einfluss auf die langfristige Entwicklung der entsprechenden Landeswährung.

Um eine umfangreiche Analyse auf Basis der Fundamentaldaten zu erstellen, ist ein umfassendes Verständnis der ökonomischen Verflechtungen und Zusammenhänge nötig. Diese Analysemethode ist daher aufwendiger als beispielsweise die technische Analyse. Daher ist diese Analyse eher für den mittel- bis langfristigen Anleger geeignet. Der Vorteil dieser Methode ist, dass sie mittel- bis langfristig eine relativ hohe Aussagekraft hat.

Technische Analyse

Die technische Analyse ist eine jüngere Form der Marktanalyse, welche sich nur mit zwei Variablen beschäftigt – der Zeit und dem Preis. Beide sind streng quantifizierbar und eindeutig. Das ist der Grund, warum diese Analyse im Forex Handel für viele besser funktioniert.

Ob Sie Unterstützungs- und Widerstandslinien zeichnen, wichtige Levels identifizieren, technische Indikatoren anwenden oder Candlestick-Formationen vergleichen – all diese Methoden und Ansätze beziehen sich auf den Preis und die Zeit. Die technische Analyse kann sowohl für kurz-, mittel- als auch für langfristige Handelsstile verwendet werden. Sie kann sowohl LONG- als auch SHORT-Signale liefern.

Die Stärke des technischen Ansatzes besteht darin, quantifizierbare Informationen genau so zu analysieren, wie sie am Markt ersichtlich sind. Der Nachteil ist, dass dieser Ansatz auf Daten aus der Vergangenheit beruht und daraus ein zukünftiges Ereignis abgeleitet werden soll. An dieser Stelle spalten sich daher die Lager, ob der technische Ansatz überhaupt eine Aussagekraft hat. Da jedoch viele Marktteilnehmer sich der technischen Analyse bedienen und diese nutzen, hat sie alleine durch diesen Umstand schon eine Aussagekraft (selbsterfüllende Prophezeiung).

Nachfolgend sehen Sie ein Beispielchart der technischen Analyse, auf das die technischen Indikatoren Moving Average und MACD angewendet wurden:

EURUSD Tageschart mit Moving Averages und MACD Indikator

Quelle: MetaTrader 5 EURUSD Tageschart mit Moving Averages und MACD Indikator, Datenspanne: 11. Februar 2019 bis 4. November 2019, abgerufen am 5. November 2019 um 15.46 Uhr. Bitte beachten Sie: Vergangene Performances sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse.

Devisenhandel an den Börsen

Zwar wird der direkte Handel von Devisen nicht primär über Börsen abgewickelt, aber wie bei allen anderen Produkten, sind diverse Wertpapiere wie Futures und Optionen sowie zahlreiche andere, an den Börsen und Warenterminmärkten handelbar. Beispielsweise an der CME oder Optionen an der Cboe. Währungen werden rund um den Globus gehandelt, in Frankfurt, Sydney, Tokyo, London, New York und vielen Weiteren Standorten.

An den Warenterminmärkten sind entsprechende Futures auf nahezu alle Währungen handelbar. Wie alle Warenterminmärkte, dienen diese in erster Linie der Absicherung gegen Wechselkursschwankungen und erlauben es internationalen Firmen ihre Produkte zu gesicherten Konditionen zu veräußern.

Aktuelle Marktlage

Mit Blick auf die Warenterminmärkte, kann man auch für Währungen gewisse Rückschlüsse ziehen, wenn man sich die Daten des Comitment of Traders Report ansieht, veröffentlicht von der Commodity Futures Trading Commission in den USA. Von besonderem Interesse sind hier die Commercials, die kommerziellen Marktteilnehmer, die die Warenterminmärkte vordringlich für die Absicherung ihrer Geschäfte benötigen. Diese Gruppe kann als die maßgeblich wichtige betrachtet werden, da sie in der Regel über die besten Informationen verfügt, aufgrund ihrer Nähe zu den entsprechenden Märkten.

Aus der Übersicht von Suricate Trading geht hervor, dass die Commercials aktuell Netto-Long-Positionen auf- und ausbauen, oder zumindest ihre Netto-Short-Positionen verringern. Überall finden gerade größere Bewegungen der Positionierungen statt. Besonders auffällig ist hier das britische Pfund. Die Commercials haben zum einen ihre vormalige Netto-Short-Position vollständig abgebaut und sind in eine Netto-Long-Position gewechselt, eine Bewegung von über 130 Prozent, zum anderen sind die offenen Kontrakte (Open Interest) um rund 10 Prozent gestiegen.

Wie aus dem Verlauf hervorgeht, sind die Commercials im Verlauf des Juni 2021 dazu übergegangen, ihre Positionierung immer weiter in Richtung Netto-Long zu verschieben.

Wie aus dem Chart des GBP Futures hervorgeht, hat mit Anfang Juli 2021 eine Kurserholung eingesetzt. Die Terminstrukturkurve sieht aktuell wie folgt aus:

Deutlich erkennbar ist hier, dass der Kontrakt für März 2022 deutlich teurer ist als der Rest der betrachteten Futures.

Insgesamt sieht die Lage so aus, dass die Commercials für alle Währungen, die hier auf Suricate Trading angegeben werden, ihre Positionierung in Richtung Long oder in eine Netto-Long-Position bewegt haben, mit nur zwei Ausnahmen. Zum einen der brasilianische Real, der stark abverkauft wurde, und der russische Rubel, bei dem eine leichte Tendenz zum Verkauf feststallbar ist.

Aus den Bewegungen der Währungspaare zum US-Dollar kann man sehen, dass die Weltleitwährung seit Beginn 2020 eine Phase der Schwäche durchgemacht hat und man für einen US-Dollar immer weniger einer beliebigen anderen Währung erhalten konnte.

Die COT-Daten für den US-Dollar zeigen hier eine deutliche Tendenz, dass die Commercials damit begonnen haben, ihre Positionen immer weiter in eine Short-Position zu bewegen.

Allgemein kann man von einer instabilen Lage für viele Währungen sprechen.

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