Home Marktbericht Der Marktreport #02

Der Marktreport #02

by Peter Merkle

Marktreport

Im neuen Marktreport von Modern Value Investing, beschäftigen wir und mit dem Thema des Silbermarktes. Nach den mitunter starken Bewegungen im ersten Quartal 2021, die der Preis für Silber zu verzeichnen hatte, wollen wir uns den Gesamtmarkt für das bekannte Edelmetall näher ansehen. Vor allem die Nachrichten rund um den so genannten Silber-Short-Squeeze, der vor einiger Zeit lanciert wurde, haben das Edelmetall und die Entwicklungen der letzten Wochen maßgeblich beeinflusst. In unserem neuen Marktreport wollen wir uns aber mit den fundamentalen Entwicklungen beim Silber beschäftigen, unabhängig der besonderen Entwicklungen.

Der globale Silbermarkt

Wer die Nachrichten der vergangenen Wochen aufmerksam verfolgt hat, wird nicht umhin gekommen sein, von dem so genannten Silber Short Squeeze zu lesen, der von einer großen Zahl Kleinanleger in die Wege geleitet wurde. Wie bereits im Fall der Aktie des Unternehmens GameStop Corp. (GME) aus den USA, wurde diese Aktion durch das Reddit-Forum „r/wallstreetbets“ losgetreten. Eine der gravierendsten Auswirkungen war hier wohl die kurzzeitige Verknappung von physischem Silber, was in den USA und anderen Ländern kurzzeitig dazu geführt hat, dass Edelmetallhändler keine Online-Bestellungen mehr angenommen haben. Die Nachfrage nach Münzen und Barren aus Silber war schlichtweg zu groß geworden. Diese Entwicklung war im Februar 2021 zu beobachten gewesen. Im Verlauf dieses Marktreports wollen wir nun tiefer in den Markt für Silber einsteigen und uns die fundamentalen Entwicklungen an den Warenterminmärkten ansehen und die allgemeine Nachfrage und das Angebot an Silber durchleuchten.

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Short Squeeze

Short Squeeze (englisch squeeze: Knappheit, Engpass, Klemme) ist die Angebotsknappheit eines Wertpapiers (meist einer Aktie), das zuvor in großer Anzahl leerverkauft („geshortet“) wurde. Nach den Leerverkäufen müssen die daraus resultierenden offenen Positionen wieder glattgestellt werden, indem die Aktien zurückgekauft werden. Steigt nun – entgegen der Erwartung der Leerverkäufer – der Börsenkurs des Wertpapiers, so müssen zur Verlustbegrenzung viele Leerverkäufer gleichzeitig das Wertpapier zurückkaufen, was zu einem Nachfrageüberhang führen kann, der den Kurs noch weiter nach oben treibt und damit die Verluste der Leerverkäufer weiter erhöht. Problematisch wird es für die Leerverkäufer dann, wenn nicht genügend Aktien im Umlauf sind, um ihre Positionen wieder glattzustellen. Der Aktienkurs steigt ungebremst, bis das Unternehmen neue Aktien ausgibt, oder Anteilshaber sich bereit erklären, Anteile zu verkaufen. Nur so können die Leerverkäufer dann ihre Positionen schließen, darum haben sie theoretisch ein unbegrenzt hohes Verlustrisiko.

Wie viele andere Rohstoffe auch, wird Silber an den großen Warenterminbörsen gehandelt. Nicht nur physisches Silber wird weltweit gehandelt, sondern vor allem in Form von Zertifikaten, Futures, Forward-Kontrakten und Börsengehandelten Produkten (ETC – Exchange Tradet Product). Außerdem gibt es noch Optionen auf viele dieser Produkte. Ähnlich wie bei Gold, ist der Derivatemarkt auf Silber bei weitem größer als die verfügbaren Mengen an Silber auf dem physischen Markt.

Silber wird nicht nur als Investmentprodukt, sondern auch von der Industrie stark nachgefragt, da es in einer großen Zahl von Produkten eingesetzt wird. Als ein prominenten Beispiel sind Spiegel zu nennen, aber eine große Nachfrage besteht neben der Schmuckindustrie noch in der stark wachsenden Photovoltaik-Nachfrage. Weltweit wird Silber daher an den Rohstoffbörsen gehandelt. Die wichtigsten Warenterminbörsen sind die CME Group, die Australian Securities Exchange, die BullionVault, die Dubai Gold and Commodities Exchange und die Tokyo Commodity Exchange.

Angebot und Nachfrage

Der World Silver Survey 2020 des Silverinstitute liefert für die Nachfrage und das Angebot an Silber folgende Zahlen:

Angebot und Nachfrage an Silber; Quelle: https://www.silverinstitute.org/silver-supply-demand/

Vor allem in der ersten Hälfte des Jahrs 2020, ist die Nachfrage nach Silber für Investitionszwecke um rund 10 Prozent gestiegen. Vor allem haben Silber-ETF´s große Mengen des Edelmetalls nachgefragt. Dazu wurde ein Artikel auf globenewswire veröffentlicht, der sich auf Daten des Silverinstitute stützt. Veröffentlicht unter dem Titel: „Silver Investment Demand Up by 10 Percent in First Half of 2020„.

Für das Jahr 2021 schreibt das Silverinstitute in auf seiner Homepage dazu, dass die physischen Investitionen, die den Kauf von Silberbarrenmünzen und -barren abdecken, voraussichtlich 2021 ein Sechsjahreshoch von 257 Millionen Unzen (Moz) erreichen werden, da die Anleger ihren Anlagebeständen weiterhin Silber hinzufügen. Als maßgeblichen Treiber dieser Entwicklung, der eine immer größere Nachfrage nach Silber, sowie auch anderen Edelmetallen zu Anlagezwecken bedeutet, sieht das Institut in der nach wie vor lockeren Geldpolitik vieler Notenbanken.

Darüber hinaus wird erwartet, dass das Gold: Silber-Verhältnis von einem Jahresdurchschnitt von 86 im Jahr 2020 auf rund 68 im Jahr 2021 sinkt. Dies wird umso bemerkenswerter sein, als das Verhältnis im März 2020 ein Rekordtageshoch von 127 erreichte.

In Bezug auf Investitionen wuchsen die globalen ETP-Bestände bis Ende 2020 um beeindruckende 331 Millionen Unzen auf 1,04 Milliarden Unzen, und seitdem haben die globalen ETP-Bestände weiter zugenommen. Bis zum 3. Februar stiegen die ETP-Bestände um 137,6 Moz auf ein neues Rekordniveau von 1,18 Milliarden Unzen.

Die 20 größten Produktionsländer für Silber, gibt das Silverinstitute wie folgt an:

Weitere Daten zu Silber können beispielsweise in den Veröffentlichungen des U.S. Geological Survey nachgelesen werden, hier speziell für den amerikanischen Markt.

Die Weltweite Reserve an Silber:

Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/194150/umfrage/silberreserven-nach-laendern/

Die Reserve- und die Förderkapazität für Silber sind dahingehend von Interesse für den Investor, da Silber einer starken industriellen Nachfrage unterliegt, die im Zuge eines Ausbaus von Photovoltaik und Elektromobilität tendenziell steigen wird. Silber wird zwar auch Recycelt, aber es findet auch ein aktiver Verbrauch des Rohstoffs statt, was für eine Investition in physisches Silber wiederum bedeutet, dass bereits durch die industriell bedingte Verknappung das Edelmetall eine Wertsteigerung erfahren dürfte, sofern nicht ein geeignetes und funktionales Substitut gefunden wird.

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Die Marktpositionierungen

Zum 06. April wiesen die Daten der Commitment of Traders, veröffentlicht auf wöchentlicher Basis von der Commodity Futures Trading Commission (CFTC), folgendes Bild aus:

Tendenziell sieht man bei der Nettopositionierung der kommerziellen Marktteilnehmer, dass diese in den vergangenen Wochen und Monaten ihre Netto-Short Position reduziert haben, auch wenn Stand letzter Woche, die Short-Position wieder um rund 12 Prozent angewachsen ist. Das Open Interest, der Bestand der offenen Future-Kontrakte, blieb in der letzten Woche unverändert. Für die Netto-Position der kommerziellen Marktteilnehmer, die ich hier als die wichtigste Gruppe heranziehe, ist für Silber tendenziell eine Short-Position. Demnach verkaufen die Commercials Future-Kontrakte am Markt (gehen Short) um ihr Geschäft abzusichern. In relativ seltenen Fällen, kommt es vor, dass die Commercials im Silbermarkt eine Netto-Long-Position einnehmen. Diese Entwicklung wird allgemein als deutliches Zeichen für eine bevorstehende Hausse im Silbermarkt gesehen und betrachtet man die Kursentwicklungen Ende September 2018 und ab Mitte Mai 2019, fallen die großen Preissteigerungen auf. diesen gingen stark rückläufige Short- Positionierungen, bis hin zu Netto-Long-Positionierungen der Commercials voraus. Besonders die Entwicklung ab Mai 2019 ist beachtlich. Der Silberpreis stieg hier von seinem Tief bei rund 14,39 USD je Unze auf ein Hoch von 18,34 USD bis Ende August 2019. Eine Steigerung von rund 24,7 Prozent.

Der Warenterminhändler und Trading-Legende Larry Williams sagte dazu einmal, dass eine Netto-Long-Positionierung der Commercials im Silber das beste Zeichen für bald steigende Kurse ist.

Commercials (rot); Large Traders (blau); Small Traders (grün); Quelle: https://www.suricate-trading.de/cot-daten/

Die relative Positionierung der Commercials im Vergleich zu 6 Monaten und 12 Monaten, zeigt eine starke Tendenz zum Abbau der Short Positionen. Zuletzt sieht man hier ebenfalls einen Einschnitt dieser Entwicklung.

Das Open Interest bei den Futures war zuletzt rückläufig. Ein sinkendes (markant sinkendes) Open Interest, in Verbindung mit einem Abbau der Netto-Short-Position der Commercials, ist ein Signal für die Erwartung steigender Kurse beim Silber.

Handelsvolumen für Futures und Optionen an der COMEX:

Quelle: https://www.cmegroup.com/trading/metals/precious/silver_quotes_volume_voi.html?optid=458#tradeDate=20210409

Die Terminstrukturkurve der Silber-Futures zeigt aktuell keine Aufflälligkeiten, sie verläuft im Contango. Vergleicht man die TSK heute mit ihrem historischen Verlauf, stallt man fest, dass diese nicht einmal eine Umkehrung, eine so genannte Backwardation bis Anfang 2019 erlebt hat. Nicht einmal zu den Zeitpunkten, da die Commercials in ihrer Positionierung Netto-Long gegangen sind.

Zusammenfassung

Silber ist neben der Bedeutung als Investitionsgut vor allem auch ein industriell sehr stark nachgefragter Rohstoff. Jährlich werden annähernd 500 Millionen Unzen für industrielle Zwecke nachgefragt. In der aktuellen Lage steigender Geldmengen, bedingt durch die lockere und zunehmend ausufernde Geldpolitik nahezu aller Zentralbanken jeder relevanten Wirtschaftsnation, bekommen Edelmetalle wie Gold und Silber eine immer größere Bedeutung zu Aufrechterhaltung der Kaufkraft. Diese Kaufkraftsicherung wird allerdings auch mit einem gewissen Preis erkauft, denn zum einen sind Bestände an Edelmetallen nicht direkt in Waren und Dienstleistungen konvertierbar, ergo muss wieder in Währungen umgetauscht werden, für die Güter und Dienste beansprucht werden können. Zum Anderen, steigen Edelmetalle in der momentanen Lage zwar in ihrem Nominalwert, aber es gibt keine direkte Rendite, die als Zins anfällt. Der Verzicht auf Zinsen oder die direkte Umtauschfähigkeit in Güter und Dienstleistungen, stellt aus Investitionssicht eine Form der Versicherungsprämie dar, die der Investor mit der Anlage in Edelmetalle bezahlt, um den Kaufkraftverlust der nationalen Währungen zu vermeiden.

Wie stellt sich nun Silber im Speziellen in der aktuellen Lage dar? Wie bereits mehrfach angesprochen und im letzten Marktreport verdeutlicht, weiten die nationalen Notenbanken, sowie die großen föderalen Zentralbanken wie die Federal Reserve und die Europäische Zentralbank im Besonderen, ihre Bilanzsummen kontinuierlich aus. Das bedeutet nichts anderes, als das die Zentralbanken in großen Umfang Staatsanleihen ihrer Mitgliedsstaaten im großen Umfang mit frisch gedrucktem Geld aufkaufen und dieses Geld in den Wirtschaftskreislauf pumpen. Wobei hier der Großteil der Gelder in der Investitionswirtschaft landet und tendenziell zu teureren Wertpapierpreisen (Anleihen wie Aktien etc.) führt, sowie andere Sachwerte wie Immobilien inflationiert, das heißt verteuert. Die Zentralbanken erwerben demnach für ihr Geld keine werthaltigen Vermögenswerte, sondern tendenziell Anleihen von schlechten Schuldnern mit niedriger Bonität und es darf stark bezweifelt werden, dass die gekauften Vermögenswerte wieder ohne große Verluste veräußert und die Geldmenge damit wieder reduziert werden kann. Dazu passt ins Bild, dass die EZB im März 2021 angekündigt hat, das aktuelle Volumen ihrer Anleihekäufer schneller abzuarbeiten als ursprünglich gedacht. Dazu eine Meldung im Redaktionsnetzwerk Deutschland vom 11.03.2021.

In dieses Bild passen Silber und Gold als Anlageprodukte, denn bei beiden Edelmetallen ist eine starke Zunahme der Nachfrage zu verzeichnen. Silber ist in diesem Zusammenhang sogar ein sehr interessantes Anlageprodukt, da das Gold/Silber Ratio, also der Preis einer Unze Gold in Silber, noch relativ hoch ist. Das Ratio ist über einen Zeitraum von über 15 Jahren konstant gestiegen und hat mit einem Verhältnis von 120 Unzen Silber für 1 Unze Gold 2020 schlagartig einen Höhepunkt erreicht, der im Augenblick wieder stark zurückgegangen ist. Zum einen liegt das an den momentan eher sinkenden Goldpreisen, zum Anderen an den tendenziell gestiegenen Silberpreisen. Dennoch ist das Ratio mit über 60 noch recht hoch.

Da man davon ausgehen kann, dass die Geldmengenvermehrung weiter gehen wird und sich womöglich noch einmal stark beschleunigt, stellen gerade Gold und Silber hier interessante Anlagemöglichkeiten dar, denn zum einen können so die Auswirkungen der Inflation abgemildert werden und es besteht die realistische Möglichkeit, dass die Edelmetalle auf Sicht von 3 bis 5 Jahren (Einschätzung des Autors) sogar deutlich bessere Ergebnisse liefern können, als den reinen Inflationsschutz.

Denn ein spürbares anziehen der Inflation dürfte die Nachfrage nach Edelmetallen tendenziell noch weiter beflügeln. Es besteht zwar die Möglichkeit, dass große Marktteilnehme oder auch die Zentralbanken selbst, über den Derivatemarkt Einfluss auf die Edelmetallmärkte ausüben, das stößt allerdings irgendwann an ein Limit, sollte die Nachfrage nach physischem Silber und nicht nach auf Silber lautenden Finanzprodukten stark ansteigen. Man kann den Zentralbanken ein Interesse daran unterstellen, die Edelmetallpreise nicht zu stark steigen lassen zu wollen. Bei einer großen Nachfrage nach physischen Edelmetallen, kann aber auch eine Notenbank nur noch Einfluss auf den Preis nehmen, indem sie massiv physisches Gold oder Silber auf den Markt wirft und damit ihre werthaltigen Assets liquidiert. Eine Entwicklung an einer anderen Front könnte mit der Wiederbelebung des Wirtschaftslebens in Fahrt kommen. Da im Moment noch zahlreiche Volkswirtschaften nur eingeschränkt arbeiten, hat sich hier auch die Sparquote sichtbar erhöht. Bei einer sich fortsetzenden Lockerung der restriktiven Maßnahmen und einer wieder Belebung des Handels, besteht auch die Möglichkeit, dass die in die Bevölkerung gegebenen Gelder (z.B die Hilfszahlungen der Amerikaner) einen deutlichen Effekt auf die Preise der täglichen Güter und Dienstleistungen haben und die Inflation weiter anfeuern.

Berücksichtig man dazu noch eine mögliche Entwicklung am Warenterminmarkt, sollten die Commercials in eine deutliche Long-Position gehen, könnten Gold und Silber als Sicherungsinstrumente für das eigenen Vermögen bald einen starken Wertzuwachs erfahren. Dazu kommt noch, dass Inflation, sobald sie einmal losgetreten wurde, nicht mehr ohne weiteres zu stoppen ist. Die Volkswirtschaftslehre sieht als Lösung für Inflationsprobleme die Erhöhung der Zinsen vor. Man kann hier davon ausgehen, dass es aktuell weder für die USA, China, die EU im Ganzen noch für eine andere nennenswerte Volkswirtschaft möglich ist, die Zinsen zu erhöhen ohne an den Rand der Zahlungsunfähigkeit zu kommen oder darüber hinaus. Vor diesem Hintergrund sehe ich Silber als eines der brauchbaren Instrumente an, um nicht nur aktiv Vermögenswerte abzusichern, sondern mit Blick auf diese sich zuspitzende Lage sogar als möglichen Gewinnbringer an.

Wir hoffen, dass Ihnen unsere Arbeit gefallen hat.

Peter Merkle

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