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Ausblick an den Aktienmärkten

by Peter Merkle

Im neuen Marktreport von Modern Value Investing, sehen wir uns die aktuelle Lage und die Entwicklung an den Aktienmärkten an. Im Zuge der jüngsten globalen Verwerfungen, haben die Aktienmärkte weltweit schwere Turbulenzen erlebt. Viele Unternehmen sind seither in ihrem Marktwert deutlich gesunken. Zeitgleich sind die Preise für Rohstoffe enorm gestiegen und haben eine schlimme Situation weiter verschlechtert.

Deutlich zu sehen, sind beispielsweise die Abwärtstrends in wichtigen Indizes wie dem S&P 500 oder dem NASDAQ 100.

Im folgenden Artikel, beschäftigen wir uns damit, einen möglichst akkuraten Blick auf die Gesamtlage zu bekommen. In den vergangenen Tagen waren bereits erste zaghafte Andeutungen einer möglichen Entspannung zwischen den aktuell Krieg führenden Parteien zu beobachten. Es kam in Ankara in der Türkei zu ersten Gesprächen und schon auf dieses erste Anzeichen der Gesprächsbereitschaft, reagierten die Aktienmärkte mit Kursanstiegen.

Fear & Greed Index im Panikbereich

Der Fear and Greed Index von CNN Money ist im Verlauf der vergangenen Woche deutlich in den Panikbereich abgedriftet. Die globale Gesamtlage dürfte hierfür eine Erklärung sein. Betrachtet man die Berechnungsgrundlagen des Index, fallen vor allem eine hohe Volatilität und eine besonders hohe Zahl an Aktien, die eine neues 52-Wochen-Tief an der NYSE erreichen.

Die Volatilität, bemessen durch den Cboe VIX-Indikator, liegt aktuell bei rund 30,23 und hatte ihr vorläufiges Hoch bei knapp über 36 am 07. März. Die letzten Tage waren aber von einer sinkenden Volatilität gekennzeichnet.

Auffällig ist hier die Terminstrukturkurve der VIX-Futures. Es besteht seit einiger Zeit eine so genannte “Backwardation”, eine Situation, in der kurz laufende Futures auf den VIX teurer notieren, als länger laufende. Das deutet darauf hin, dass sich Marktteilnehmer verstärkt kurzfristig gegen eine höhere Volatilität absichern wollen. Entsprechend steigt die Nachfrage nach Futures mit kurzer Laufzeit und treiben den Preis dieser nach oben.

Das Verhältnis von Put und Call Optionen

Das Put Call-Verhältnis für den S&P 500 lag zuletzt bei 1,38. Das bedeutet, dass für 100 Call-Optionen rund 138 Put-Optionen im Markt liegen, also ein deutlich höheres Interesse an Absicherung nach unten besteht. Das Verhältnis hat sich aber im Lauf der Woche beruhigt. Es lag am Montag den 07.03.2022 noch bei einem Wert von über 2,00.

Anhand der, zwar hohen aber sinkenden Volatilität und des sinkenden Put/Call-Ratios, kann man also ein erstes Zeichen der Entspannung sehen. Ob diese Entspannung nachhaltig sein wird, bleibt noch abzuwarten.

Gold- und Öl-Aktien im Höhenflug

Die Aktien verschiedener Minengesellschafen, Gold- und Ölproduzenten, haben in den letzten Wochen enorme Kurssteigerungen gesehen. Beispielhaft zu sehen am iShares Gold Producers UCITS ETF.

Mit Blick auf die enorme Unsicherheit am Ölmarkt, haben auch die Öltitel große Kurssprünge gesehen.

Besonders im Falle der Öl-Aktien, liegt das vor allem an den enormen Preissprüngen bei Rohöl am Weltmarkt. Hier können einige tiefgreifende Gefahren der Situation ausgemacht werden, denn die enormen Energiepreise treffen sowohl Privathaushalte, wie auch Unternehmen. Letztere, bereits in weiten Teilen von den politischen Maßnahmen der letzten 2 Jahre in Bedrängnis, dürften hier auch ein existenzielles Problem finden.

Aber für die Öl-Unternehmen ist diese Entwicklung erst einmal ein guter Treiber ihrer Aktienwerte. Neben Öl und Gold, haben auch andere Rohstoff-Unternehmen stark zugelegt, beispielsweise Uran-Minen.

Einschätzung der Gesamtlage

Hierzu auch ein Beitrag von finanzmarktwelt.de

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Die momentane Lage einzuschätzen ist weiterhin eine ungemein schwierige Angelegenheit. Der Energiepreisschock, der sich im Verlauf der letzten Wochen entwickelt hat, ist nach meiner Einschätzung ein substanzielles Risiko für die Gesamtwirtschaft. Denn die enormen Kosten für Energie, beginnen bereits die Produktion zu hemmen und könnten in einer ohnehin schon angeschlagenen Wirtschaft Verheerungen ungeahnten Ausmaßes anrichten.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Kosten für Viele Unternehmen nicht mehr tragbar sein könnten. Auch die privaten Haushalte leiden unter den Kosten. Ein Domino-Effekt könnte die Folge sein, denn auch steigende Lohnkosten stehen zu befürchten, wenn Gewerkschaften Forderungen erheben oder die Politik höhere Mindestlöhne festlegt.

Ich halte es für nicht unwahrscheinlich, dass es hier zu einer ausgewachsenen Rezession kommt, eventuell zu einer Depression. Sollte das eintreten, ist auch mit weiter fallenden Aktienkursen zu rechnen.

Profiteure sind im Moment die Rohstoff-Hersteller, deren Produkte sich drastisch im Wert erhöht haben. Aber die Gesamtgemengelage scheint eine äußerst sorgenvolle zu bleiben, denn neben dem offensichtlichen Mangel an Energieträgern, hat sich auch ein Mangel an Lebensmittel-Rohstoffen, allen voran an Weizen eingestellt.

Ich halte es in der Gesamtschau für wahrscheinlich, dass im Falle erster Friedensangebote zwischen Russland und der Ukraine, die Aktienkurse sich kurzfristig erholen können, aber ich halte die Summe der wirtschaftlichen Schäden und der Verwerfungen für zu groß und tiefgreifend, um kurzfristig aus der Welt geschafft zu werden.

Mein Investment-Ansatz sieht daher vor, mich besonders im Bereich der Rohstoff-Unternehmen umzusehen und aller Unternehmen, die in krisenresistenten Sektoren wirtschaften und auch finanziell so solide aufgestellt sind, dass ein Überleben in wirtschaftlich schweren Zeiten wahrscheinlich ist. vor allem Bereiche wie Gold, Uran, Öl und Lebensmittel stehen in meinem Fokus. Mit Blick auf die weiter steigende Inflation (in den USA annähernd 8,0 Prozent bereits), habe ich damit begonnen Barbestände zu reduzieren.

Abschließend bleibt mir nur noch festzustellen, dass die Lage im Augenblick zwar kritisch und schwer Einschätzbar, sogar gefährlich zu sein scheint, aber es ist auch eine große Chance für die Zukunft. Ich rechne zwar damit, dass sich die Lage nochmals dramatisch zuspitzen wird, bin aber der festen Überzeugung, dass langfristig eine Verbesserung aus daraus hervorgehen wird. Die Geschichtsschreibung gibt mir in diesem Fall einen sehr guten Grund, von dieser Verbesserung auszugehen.

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